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Tools für Online-Ausstellungen und Online-Sammlungen

Ein Überblick über einige Tools, um Online-Sammlungen umzusetzen und Online-Ausstellungen jenseits des eigenen Internetauftritts zu präsentieren.

Viele Kulturinstitutionen verfügen über Digitalisate ihrer Sammlungsbestände. Doch wie können die Inhalte am besten online präsentiert werden? Natürlich kann man hier die eigene Website oder Social-Media-Plattformen nutzen, um einzelne ausgewählte Objekte vorzustellen. Doch was, wenn man eine ganze Reihe an Objekten im Überblick zugänglich machen möchte? Eine Möglichkeit ist es, die Digitalisate in Form eines durchsuchbaren Online-Katalogs für digitale Besucher zur Verfügung zu stellen. Um aber einen umfangreicheren Einblick in die eigene Sammlung zu bieten und Zusammenhänge noch besser zu vermitteln, kann zusätzlich eine Online-Ausstellung genutzt werden. Nicht jede Institution hat jedoch die technischen Möglichkeiten, solche digitalen Angebote auf der eigenen Website umzusetzen. Im Folgenden stellen wir daher eine Reihe an Tools vor, mit deren Hilfe sich Online-Sammlungen umsetzen und Online-Ausstellungen präsentieren lassen – auch jenseits des eigenen Internetauftritts.


Digitalisate zugänglich machen

Zahlreiche Museen, Archive und Bibliotheken haben in den letztren Jahren intensiv die Digitalisierung ihrer Bestände vorangetrieben. Gemälde, Zeichnungen, Manuskripte, Urkunden oder Skulpturen wurden als Digitalisate erfasst. Häufig werden diese Inhalte auch öffentlich zugänglich gemacht, ob in einer eigenen Online-Sammlung wie im Fall des MKG – Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg oder über Portale wie Europeana. Hier kann man als Nutzer gezielt nach Inhalten suchen und sich bei einigen Institutionen auch über einzelne Objekte und ihre Hintergründe näher informieren, etwa in der Online-Sammlung des Metropolitan Museum of Art.

Es gibt aber auch Möglichkeiten, eine umfangreichere Vermittlung von Inhalten anzubieten, indem die Beziehungen zwischen verschiedenen Objekten erläutert oder ein übergeordnetes Thema anhand vielfältiger Sammlungsbestände vorgestellt wird. Hier kann eine Online-Ausstellung ein großes Potenzial entfalten, digitalisierte Kulturinhalte umfangreicher zu erschließen. Bekannte Beispiele in Deutschland sind etwa die „Digitorials“ des Städel Museum oder die Themen-Dossiers der Stiftung Historische Museen Hamburg.

Ob Kulturinstitutionen nun eine Online-Sammlung oder eine Online-Ausstellungen auf der eigenen Website zeigen möchten, oder lieber auf die Plattformen von Drittanbietern ausweichen, um hier ihre Digitalisate zu präsentieren – es gibt eine Reihe von Tools für verschiedene Bedürfnisse.

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Tools zur Umsetzung von Online-Ausstellungen

DDBstudio

Im Oktober 2019 ging das DDBstudio online, ein kostenloser Service der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), mit dem Online-Ausstellungen erstellt werden können. Integriert werden können bildschirmfüllende Grafiken, 3D-Objekte, Videos, Bilder oder Sound-Objekte, die in der DDB verfügbar sind. Die Inhalte können für eine Online-Ausstellung kombiniert, durch Texte ergänzt oder mit zusätzlichen Materialien vertieft werden. Der Service steht allen bei der DDB registrierten Einrichtungen zur Verfügung und wird direkt auf der Website der DDB gehostet.

Beispiel:
Zur Ausstellung „Regen auf dem Schirm“

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Google Arts & Culture

Google Arts & Culture bietet Kulturinstitutionen die Möglichkeit, ihre Inhalte u.a. in Online-Ausstellungen zu präsentieren – sowohl auf der Arts & Culture Website als auch in der App. Um die Angebote nutzen zu können, müssen Institutionen registrierte Partner des Google Cultural Institute werden. Eine Bewerbung ist für gemeinnützige Institutionen, Museen, Galerien und Archive möglich, die Inhalte online zugänglich machen möchten, welche urheberreichtsfrei oder rechtlich geklärt sind.

Beispiel:
Zum Angebot zur Ausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ der Alten Pinakothek in München

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Digitorials

Das Format der Digitorials wurde in Deutschland vom Städel Museum, der Liebieghaus Skulpturensammlung und der Schirn Kunsthalle Frankfurt entwickelt und wird seit einigen Jahren von diesen Institutionen erfolgreich eingesetzt. Das Storytelling erfolgt hier auf einer als One-Pager aufgebauten Website, auf der sich der Nutzer durch Bilder, Audiodateien und Texte scrollen kann – daher auch die Bezeichnung Scrollytelling. Das Format der Digitorials steht nun auch anderen Museen zur Verfügung, so gibt es aktuell eine Zusammenarbeit mit acht Museen in der Schweiz.

Beispiel:
Zum Digitorial zur Ausstellung „The Incredible World of Photography“ des Kunstmuseum Basel

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md/story

Die Initiative Museum Digital bietet mit dem kostenlosen Ausstellungsmodul md/story die Möglichkeit, Online-Ausstellungen unkompliziert umzusetzen. Präsentiert werden können digitale Objektbilder und Texte, Videos und Audio-Dateien sowie drehbare oder 3D-Ansichten von Objekten. Basis ist der Themenportal-Baukasten der Museumsplattform von Museum Digital. Ähnlich wie das Angebot von DDBstudio und nach dem Vorbild der Digitorials des Städel, wird hier auf die Optik des sogenannten Scrollytelling gesetzt, d.h. Nutzer scrollen von oben nach unten durch den Inhalt. Ebenso wie bei DDBstudio oder Google Arts & Culture werden die Inhalte beim Anbieter gehostet.

Beispiel:
Zur Ausstellung „Kanope, Krokodil und Königsstuhl: Globale Geschichten in brandenburgischen Museen“ vom Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.

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Pageflow

In Kooperation mit dem Westdeutschen Rundfunk wurde Pageflow als Open Source Software und Publishing Plattform für Multimedia Storytelling entwickelt. Was in erster Linie für digitalen Journalismus konzipiert wurde, lässt sich jedoch auch für die Inhalte von Museen nutzen, immerhin können hier Texte, Fotos, Video- und Audiodateien, aber auch Infografiken oder 360° Videos kombiniert werden. Im Ergebnis entsteht ein Angebot im Scrollytelling-Format, das responsive auf verschiedenen Geräten funktioniert.

Beispiel:
Zum Scrollytelling-Format der Kunsthalle Mannheim begleitend zur Ausstellung „Umbruch“


Tools zur Bereitstellung einer Online-Sammlung

CollectionSpace

Die Open Source Applikation zum Management von Online-Sammlungen bietet eine Reihe an Modulen, um Digitalisate zu verwalten. Das Erstellen von Einträgen ist allerdings nicht möglich. Stattdessen bietet CollectionSpace die Verbindung mit anderen Open-Source-Anwendungen, die für die Erstellung von Online-Ausstellungen genutzt werden.

Beispiel:
Zur Online-Sammlung des Museum of the Moving Image in Astoria, New York

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Collective Access

Collective Access ist ein Open Source Tool zur Katalogisierung, bei dem der Fokus auf den Metadaten liegt. Institutionen können mit diesem Tool Katalogeinträge erstellen, Inhalte miteinander verknüpfen und Themenschwerpunkte erstellen. Die Anwendung kann nur selbst gehostet werden. Die beiden Hauptkomponenten sind „Providence“, die zentrale Anwendung zur Katalogisierung und Datenverwaltung, und „Pawtucket“, eine Front-End-Publikations- und Rechercheplattform.

Beispiel:
Zur Online-Sammlung des Center for Puerto Rican Studies am Hunter College der City University of New York

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CONTENTdm

CONTENTdm von OCLC ist eine Software zur Erstellung und Verwaltung digitaler Sammlungen. Die Software ermöglicht das Hochladen und Beschreiben sowie die Organisation oder den Zugriff auf Digitalisate – ob Dokumente, Bilder, Video- oder Audiodateien. Auf einer personalisierbaren, extern gehosteten Website können diese Inhalte öffentlich zugänglich gemacht werden. Das Angebot ist responsive gestaltet und erfüllt verschiedene Kriterien der Barrierefreiheit. Umfangreiche Funktionen zur Katalogisierung und leicht zu bedienende Schnittstelle haben allerdings ihren Preis.

Beispiel:
Zur Norman O. Dawn-Sammlung des Harry Ransom Center an der University of Texas in Austin

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Omeka

Mit dem Open Source Publishing-System Omeka können Online-Sammlungen ebenso wie Online-Ausstellungen erstellt werden. Mithilfe von Templates und Seitenlayouts können ganz einfach Online-Angebote zusammengestellt werden. Weitere Anpassungen sind mit CSS und HTML möglich, zudem gibt es viele Plugins zur Erweiterung der Funktionalität. Die Funktionen zur Katalogisierung und die Möglichkeiten, Metadaten einzugeben, sind allerdings etwas begrenzt. Omeka bietet sowohl eine extern gehostete, webbasierte Version als auch eine Anwendung, die von einer Institution selbst gehostet werden kann. Nutzt man den gehosteten Service, fallen Kosten an.

Beispiel:
Zum Latina History Project der Southwesteren University


Header-Bild: Gustav Klimt: Mäda Primavesi (1912/13) – Metropolitan Museum of ArtPublic Domain – bearbeitet


Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.


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