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QR-Codes im Museum, eine Ausstellung nur für Instagram und ein NSFW Kunst-Bot

Nicht-Newsletter – Nr. 42, 08/2019

Frage des Monats
Sind QR-Codes im Museum wieder im Trend?

Thema des Monats
Eine Ausstellung exklusiv für Instagram

Twitter des Monats
Nude Art

Instagram des Monats
Lindsey Fitzharris

Tumblr des Monats
Neil Gaiman


Frage des Monats

Sind QR-Codes im Museum wieder im Trend?

Sind QR-Codes eigentlich tot, untot – oder waren sie nie weg? Das fragt sich Colin Brooks, Senior Devloper am US-amerikanischen Whitney Museum. Vorab schon das tl;dr, das Brooks an das Ende seines Artikels setzt: QR-Codes funktionieren bestens, einem Einsatz in Museen steht also nichts im Wege!

QR-Codes im Museum als Ärgernis

QR steht für “Quick Response”. Der zweidimensionale QR-Code soll also eine “schnelle Antwort” liefern, wenn man diesen mit einem Mobilgerät scannt. Schon vor vielen Jahren experimentierten Museen daher mit dem Einsatz dieser Codes in ihren Ausstellungen oder auf Flyern.

Noch bis 2018 nutzte etwa das Museo de Bellas Artes in Sevilla in seiner gesamten Ausstellung QC-Codes, um Besucher darüber auf einen online verfügbaren Audioguide zu den Werken zu lotsen. Scannte man den Pixel-Code neben der Objektbeschriftung, wurde man auf eine Website geleitet, auf der man Informationen zum Werk erhielt und einen Audiokommentar abrufen konnte. So war der Plan. Tatsächlich war das Ganze aber nicht so leicht, denn früher benötigte man eine extra App, um einen QR-Code mit dem Smartphone scannen zu können. Also musste man im Museum zunächst einen QR-Code Reader downloaden.

Dann musste man den QR-Code so scannen, dass die App ihn auch lesen und eine URL daraus erkennen konnte. Dieser Prozess dauerte bei unserem ersten Besuch im Museo de Bellas Artes 2014 mehrere Minuten, denn der QR-Code wurde entweder zu klein oder zu groß gescannt, er war unscharf je nach Distanz oder wurde im falschen Winkel erfasst. Bis man einen guten Scan-Winkel und den passenden Abstand gefunden hatte, bis der QR-Code zum richtigen Ziel führte, konnte eine ganze Weile vergehen. Als Besucher war dies zeitaufwendig und QR-Codes im Museum führten bei uns schnell zu großem Frust. Vielleicht ist es auch auf das Feedback von Besuchern zurückzuführen, dass das Museo de Bellas Artes nun seit Ende 2018 auf QR-Codes verzichtet und statt dessen eine eigene Beacon-unterstützte App nutzt, um weitere Informationen zu Kunstwerken zur Verfügung zu stellen. Dabei ist eine Museums-App auch nicht immer das Beste.

Das Comeback der QR-Codes

Die Umständlichkeit, für das Scannen von QR-Codes eine eigene App zu benötigen, gehört heute teils der Vergangenheit an. iOS-Geräte erkennen in der Kamera mittlerweile automatisch einen QR-Code und verweisen sofort auf den dazugehörigen Link, der im Browser geöffnet werden kann. Für Android-Geräte wird weiterhin oft noch ein separater QR-Code Scanner benötigt, teils ist eine App dafür auch schon auf den Smartphones vorinstalliert. Alternativ lassen sich einige Social-Media-Apps zum Scannen von QR-Codes nutzen, etwa Snapchat, eine App, die viele Kinder und Jugendliche ohnehin auf ihren Smartphones installiert haben dürften.

In Anbetracht dieser aktuell leichteren technischen Zugänglichkeit untersuchte nun das Whitney Museum, ob und wie die Besucher über die QR-Codes im Museum auf die digitalen Inhalte der Institution geleitet werden. Das Museum hat vor kurzem einen Mobile Guide als Web-App veröffentlicht und es liegt natürlich im Interesse der Institution, die Nutzung für den Guide voranzutreiben. Hierfür müssen möglichst viele Besucher dazu angeregt werden, die entsprechende URL auf ihrem Smartphone zu besuchen.

Die schlechten Erfahrungen mit Museums-Apps anderer Museen waren für das Whitney Museum hier ein warnendes Beispiel. Der Download einer App stellte für viele Museumsbesucher eine große Hürde dar. Dies will man nun im Whitney Museum durch eine Web-App umgehen. Kein Download ist notwendig, der Guide lässt sich via Browser einfach online aufrufen. Doch auch einen Link einzutippen, kann für einige Besucher eine Hürde sein, selbst wenn ein URL-Shortnener genutzt wird und man nur eine kurze URL in den Browser eingeben muss. Sobald man auf verschiedene Inhalte verweisen möchte, wird es für den Museumsbesucher dennoch mühsam. Das Whitney Museum hat QR-Codes als Lösung für dieses Problem erkannt.

QR-Codes im Museum als Zugang zu weiteren Infos

Das Whitney Museum hat heute in seinen Ausstellungsräumen mehrere QR-Codes platziert. Jeder Code verweist auf den Mobile Guide des Museums, wobei die QR-Codes so angepasst wurden, dass sich sowohl die Anzahl der gesamten Scans durch Besucher erfassen lässt, als auch der Zugriff auf einzelne Codes, um eine ideale Platzierung zu ermitteln. Das Tracking erfolgte über Parameter in den hinterlegten URLs in den Codes via Google Analytics.

Im Analysezeitraum zwischen November 2018 und Mai 2019 führten insgesamt rund 11.900 Scans via QR-Code auf die Website des Museums. Die Scans wurden von etwa 7.100 Nutzern durchgeführt. Zur Einordnung: Der Mobile Guide wurde im Untersuchungszeitraum von etwa 34.000 Nutzern in Anspruch genommen. Insofern sieht das Whitney Museum den Einsatz von QR-Codes als erfolgreich an, mehr Nutzer für den Mobile Guide zu erreichen.


Thema des Monats

Eine Ausstellung exklusiv für Instagram

Dass es mittlerweile immer mehr Ausstellungen gibt, die versuchen Instagram-Nutzer anzulocken, ist bekannt. Besonders fotogene Szenerien verleiten dazu, in Museen oder Pop-Up Erlebnisorten Selfies zu produzieren und diese über Instagram zu verbreiten. So werden Eindrücke über das Soziale Netzwerk geteilt. Doch es bleibt natürlich weiterhin eine Erfahrung von Kunst (oder pseudo-Szenerien) vor Ort. Die Ausstellung “Joyous Dystopia” des Bass Museum of Art in Miami Beach ändert diesen Ansatz nun. Hier existiert vor Ort nichts. Die Ausstellung findet ausschließlich in Instagram statt.

Der Instagram-Account @TheBassSquared dient dem Museum, das unter @thebassmoa zu finden ist, als Sattelite Gallery. Hier wird Kunst “ausgestellt”, die rein digital ist – meist Filme, die über IGTV abrufbar sind, oder kurze Videoarbeiten. In der aktuellen Ausstellung “Joyous Dystopia” werden jede Woche die Werke eines anderen Künstlers präsentiert, und zwar von Bob Bicknell-Knight, Jeremy Couillard, Keren Cytter, Elliot Dodd, Anaïs Duplan, Rosie McGinn, Eva Papamargariti und Scott Reeder. So wird Instagram zum Ausstellungsort, der Kunst dort zeigt, wo sich das Publikum ohnehin aufhält.


Twitter des Monats

Nude Art

Ruft man das Profil des Nude Art Bot auf, vermeldet Twitter zunächst panisch: “Warnung: Dieses Profil könnte möglicherweise sensible Inhalte enthalten”. Dennoch kann man unbesorgt dem Anzeigen des Profils zustimmen – denn der Inhalt ist eigentlich recht harmlos, wenn auch nicht immer NSFW (“not safe for work”). Programmierer Andrei Taraschuk @andreitr, der bereits für eine Vielzahl an Bot-betriebener Kunst-Accounts bei Twitter verantwortlich ist, nutzt für den @nude_artbot Googles Vision AI, um Kunstwerke aus Online-Sammlungen von Museen ausfindig zu machen, die ein bisschen mehr Haut zeigen. Follower des Twitter-Accounts werden so regelmäßig mit Bildern von antiken Statuen, barocken Zeichnungen oder Jesus-Darstellungen aus der Renaissance versorgt – alle mehr oder weniger freizügig.


Instagram des Monats

Lindsey Fitzharris

Mit über 211k Followern ist Medizin-Historikerin Dr. Lindsey Fitzharris bei Instagram längst kein Geheimtipp mehr. Auf ihrem Instagram-Account werden nicht nur Fans von Medizingeschichte fündig, sondern auch alle, die es gerne morbide und makaber mögen. Ob Fotos von historischen Wachsmodellen, Zeichnungen von Operationen aus dem 19. Jhd. oder antike Mumien – Fitzharris versorgt ihre Follower nicht nur mit skurrilem Bildmaterial, sondern auch mit umfangreichen Hintergrundgeschichten im Micro-Blogging-Stil.


Tumblr des Monats

Neil Gaiman

Einer unserer absoluten Lieblingsautoren, Neil Gaiman, gehört sicherlich mit zu den umtriebigsten Vertretern seiner Zunft in Social Media. Neben seinem sehr aktiv betriebenen Twitter-Account @neilhimself mit über 2,7 Mio Followern, pflegt der Autor auch einen Blog bei Tumblr als Sammelsurium von Privatem, Literarischem und Fan-Feedback. Eine echte Schatzkammer auch für Fans der Amazon-Serie “Good Omens”, etwa das Quiz zu “Crowley & Aziraphale’s New Year’s Wishes”.



Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.