Nicht ganz gemeinfreie Kunstwerke, Schrödingers Schwangerschaft und #bookface-ing

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 04, 06/2016

Frage des Monats
Wer darf gemeinfreie Kunstwerke aus Museen nutzen?

Thema des Monats
Schrödingers Schwangerschaft

Twitter des Monats
Juna Grossmann

Instagram des Monats
Stadtbibliothek Erlangen

Snapchat des Monats
Ninia LaGrande

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.

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Frage des Monats

Wer darf gemeinfreie Kunstwerke aus Museen nutzen?

Mehrere Bilder von Gemälden aus den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (REM) müssen bei Wiki Commons gelöscht werden, so das vor kurzem gefällte Urteil des Landgerichts Berlin. Obwohl die fotografierten Werke an sich gemeinfrei sind, da das Urheberrecht für sie erloschen ist, gilt diese Gemeinfreiheit also nicht für die 1:1 Fotografien, die durch den Hausfotografen des Museums von ihnen angefertigt wurden. Wenn ein Wikipedia-Nutzer eine entsprechende Fotografie ohne Rücksprache in die Datenbank von Wikimedia Commons hochlädt, greift bei der Wikimedia Foundation Inc. somit die Störerhaftung, denn das Berliner Landgericht stufte das Hochladen jetzt als Urheberrechtsverletzung ein. Wikimedia Deutschland kann immerhin nicht noch zusätzlich belangt werden, da von Wikipedia aus nur zu den Commons verlinkt wird, wie es im Urteil vom 31. Mai 2016 heißt.

Fotografieren verboten

Die Botschaft, die dieses Urteil sendet, ist niederschmetternd. Denn selbst wenn ein Wikipedia-Nutzer versuchen würde, eigene 1:1 Fotografien der gemeinfreien Gemälde für Wiki Commons zu erstellen, er würde auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen, da in den Räumlichkeiten der REM ein generelles Fotoverbot herrscht. Aufnahmegenehmigungen werden zwar auf Anfrage über die Presseabteilung erteilt, wobei fraglich erscheint, ob diese Genehmigung auch die Erlaubnis eines Uploads in die Wiki Commons einschließen würden. Eine Passage aus der Presseerklärung der Museen lässt hieran jedenfalls zweifeln, denn hier heißt es:

„Für ein solches [Fotografie-]Verbot könnten konservatorische oder auch andere Gründe, wie das Interesse des Museums an einem störungsfreien Ausstellungsbetrieb, sprechen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Informationsfreiheit könne man zu keiner anderen Beurteilung kommen, so das Gericht, denn diese beinhalte nicht, dass sich jeder kostenfrei, tatsächlich also auf Kosten Dritter, das Foto eines Gemäldes beschaffen kann.“

Wer entscheidet über gemeinfreie Objekte?

Dass das Fotografieren eines Gemäldes ohne Blitzlicht oder andere zusätzliche Lichtquellen eine Beschädigung anrichten sollte, könnte man bezweifeln. Auch einem störungsfreien Ausstellungsbetrieb dürfte das Fotografieren kaum im Wege stehen, immerhin blockiert ein Handy-Nutzer ein Gemälde nicht mehr als jemand, der es ganz analog näher stehend betrachtet. Letztendlich könnten, laut Definition, „gemeinfreie Güter […] von jedermann ohne eine Genehmigung oder Zahlungsverpflichtung zu jedem beliebigen Zweck verwendet werden“. Allerdings, kostenfrei Fotos gemeinfreier Werke aus den Museen anzufertigen, unterbinden die REM durch das Fotoverbot von vornherein – und damit auch eine potentielle Weiternutzung, die durch die Gemeinfreiheit theoretisch auch in kommerzieller Weise möglich wäre.

Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen, betonte in der Presseerklärung vom 22. Juni 2016, dass man sich als Institution die Frage stelle „wer die Entscheidung über das Ob und vor allem das Wie der öffentlichen Zugänglichmachung unserer [teilweise gemeinfreien] Bestände haben soll“. Die REM scheinen diese Frage aber für sich bereits beantwortet zu haben.

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Thema des Monats

Schrödingers Schwangerschaft

Amalia Ulman ist ein bisschen wie Schrödingers Katze: Ihr tatsächlicher Zustand ist von außen betrachtet nicht eindeutig bestimmbar. Dass in ihrem Instagram-Bilderzyklus „Excellences and Perfections“ eher der Schein als die Realität im Fokus stand, ist mittlerweile bekannt. Auch der Wahrheitsgehalt ihrer Proklamation, dass sie gegenwärtig schwanger sei, sollte letztendlich für die Rezeption ihres aktuellen Werks eine nur untergeordnete Rolle spielen. Wichtig ist nur, wie ihre Performance wahrgenommen wird: Es geht um eine Künstlerin, welche die Ästhetik einer Schwangerschaft nutzt, um zu diskutieren, wie eine schwangere Künstlerin rezipiert wird.

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Twitter des Monats

Juna Grossmann

Nicht nur Museums- und Kulturfans sind bei Juna gut aufgehoben. Als Mitarbeiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit ist sie vertraut mit dem alltäglichenDrunter und Drüber im Gedenkstättenbereich, kennt aber auch aus anderen Museen genug skurrile Begebenheiten, die wohl für mehrere Bücher reichen würden. Wem das noch nicht ausreicht, für den ist Juna als Berlinerin zudem noch Ehrenbeauftragte für Spree-Angelegenheiten und Feuerwerks-Sichtungen.

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Instagram des Monats

Stadtbibliothek Erlangen

Die Anzahl der instagrammenden Bibliotheken und Archive ist enorm, nicht nur im englischsprachigen Raum. Dass Instagram eine dankbare Plattform ist, um potentielle Besucher zu erreichen, haben mittlerweile hierzulande fast mehr Bibliotheken als Museen festgestellt. Schließlich tummeln sich hier all die #bookworms, #instabook- und #bookstagram-Fans, die auch eine potentielle Zielgruppe für Bibliotheken sind. Einer der kreativsten hiesigen Accounts stammt von der Stadtbibliothek Erlangen, denn die Franken haben das #bookface-ing für sich entdeckt. Bücher-Liebhaber wissen schließlich, dass es neben dem #treppenhausfreitag auch den #bookfacefriday gibt.

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Snapchat des Monats

Ninia LaGrande

Ninia ist als Bloggerin, Poetry Slammerin und TV-Moderatori ein Medienprofi – und das ist auch bei Snapchat ein großes Plus. Während die meisten einfach wackelige Videos machen, nuschelig ins Smartphone sprechen oder ständig nur ihr Essen snappen (die Verfasserin dieses Beitrags ruft „hier“), ist Ninia jemand, der etwas zu sagen hat. Und jemand mit vielen, sehr schönen großen Brillen.