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Fehlende Vielfalt in Museen, flexibler Eintritt und eine Kunst-Katze

Wird künstlerische Vielfalt in Museen zerstört, wenn Institutionen nur große Blockbuster-Ausstellungen zeigen? Das und mehr im aktuellen Nicht-Newsletter.

Nicht-Newsletter – Nr. 48, 02/2020

Frage des Monats
Zerstören Blockbuster-Ausstellungen die Vielfalt in Museen?

Thema des Monats
Ein Experiment: Flexible Eintrittspreise im Museum

Twitter des Monats
Akron Art Museum

Instagram des Monats
Fat Cat Art

Tumblr des Monats
Real Life


Frage des Monats

Zerstören Blockbuster-Ausstellungen die Vielfalt in Museen?

Ausstellungen, die nur auf große Namen der Kunstwelt setzen, stehen zunehmend in der Kritik. Alles dreht sich um eine kleine Auswahl an Künstlern, meist männlich und weiß. Wenn immer wieder Blockbuster-Ausstellungen mit Werken von Picasso, Monet oder Van Gogh in den großen Museen gezeigt werden, stellt sich die Frage, wie hier weniger bekannte und vor allem vielfältige Akteure überhaupt Aufmerksamkeit bekommen können. Eine Studie der LSE – London School of Economics hat das Phänomen der Blockbuster-Ausstellungen nun untersucht. Das Fazit der Studie: Die Organisation von Ausstellungen etablierter Künstler garantiert hohe Besucherzahlen. Museen sind zunehmend auf die so generierten Einnahmen angewiesen, besonders wenn die staatliche Finanzierung zurückgeht. Doch diese Situation führt auch dazu, dass sich Museen kaum Experimente in ihrem Ausstellungsprogramm erlauben können und unbekannte und diverse Kunstschaffende weniger oder keine Berücksichtigung finden.

Kommerzielle Interessen statt Vielfalt der Kunst

Für die Studie “The art world’s response to the challenge of inequality” wurden eine Reihe an britischen Kunstschaffenden sowie zahlreiche Kuratoren befragt. Ernst Vegelin, Leiter der Courtauld Gallery in London, betonte in der Studie: “Museums are having to gravitate towards projects that are going to guarantee a return and which tend to build on pre-existing popularity, reducing the scope for encounters with unknown art forms.” Die Kosten für ein Ausstellungsprojekt müssen also wieder gedeckt werden – und die Chance dafür ist größer, wenn man auf bekannte Namen setzt. Unbekannte Kunst ist immer ein Risiko. Je stärker sich Kunstinstitutionen auf große Namen konzentrieren, um so mehr wird also die Kunst von diversen (und bisher weniger bekannten) Akteuren vernachlässigt.

Kristina Kolbe, Co-Autorin der Studie, betonte gegenüber der Zeitung The Observer, dass Sparmaßnahmen im Kulturbereich in Großbritannien dazu führen würden, dass Institutionen zunehmend von privaten Sammlern und großen Galerien abhängig würden, wenn es um die Finanzierung und Leihgaben für Ausstellungen geht. Insbesondere Museumsmitarbeiter zeigten sich in der Studie durchaus besorgt, dass diese Abhängigkeit ihren gesellschaftlichen Bildungs- und Vermittlungsauftrag unterlaufen könnte, denn Sammler und Galerien pushen natürlich vor allem Künstler, deren Werke sie besitzen oder die sie vertreten. Kolbe betont: “The super-rich often have the art to loan, or can support exhibitions but are also able to up the value of their own investments at the same time.”

Bekannte Kunst als sicheres Investment

Ein weiteres Problem ist, dass in Großbritannien zunehmend große Galerien dominieren, die bekannte Künstler repräsentieren. Kleine Galerien, die sich auf den Nachwuchs der Kunstszene spezialisiert haben und auch diverse Kunstschaffende repräsentieren, müssen hingegen aufgrund des wachsenden finanziellen Drucks schließen. Betroffen ist auch die Galerie Parasol, deren Kuratorin Ziba Ardalan in der LSE-Studie betont: “Sponsors would rather have their names on an exhibition by a big name artist in an established museum.” Das Geld von Sponsoren fließt also eher in Museen mit Blockbuster-Ausstellungen statt in kleine Galerien, die eher unbekannte Namen fördern.


Thema des Monats

Ein Experiment: Flexible Eintrittspreise im Museum

Wer als Besucher lange im Museum bleibt, zahlt mehr? Und wer nur mal schnell in eine Ausstellung schnuppern möchte, kommt günstig davon? Im Dezember 2019 hatte das Weserburg Museum den Eintrittspreis nach der Dauer des Besucheraufenthalts berechnet und nun Anfang des Jahres die Ergebnisse des Experiments mit dem flexiblen Bezahlmodell vorgestellt.

Der schnelle, günstige Museumsbesuch

Normalerweise kostet der Eintritt im Weserburg Museum 9,- Euro. Doch im Dezember 2019 konnte man pro 10 Minuten für 1,- Euro das Museum besuchen. Der Hintergrund des Experiments ist die Annahme, dass Menschen, die nur wenig Zeit haben bzw. nur schnell eine Ausstellung sehen möchten, vom Preis für ein Tagesticket abgeschreckt wären. Die Aussicht auf einen günstigen, weil schnellen Museumsbesuch könnte also neue oder häufiger wiederkehrende Besucher anlocken, so die Idee. Die Regelung des Weserburg Museums war natürlich auch nicht zum Nachteil der Besucher, die länger im Museum blieben. Der Preis des normalen Tagestickets galt als Obergrenze für alle, die einen mehrstündigen Besuch bevorzugten.

Dieses Bezahlmodell sorgte für Aufmerksamkeit und so konnte das Museum 42% mehr Besucher als im Vorjahr im Testzeitraum begrüßen. Die Besucher zahlten im Durchschnitt 5,55 Euro. Das ist natürlich günstiger als die üblichen 9,- Euro fürs Tagesticket, doch durch den Besucheranstieg machte das Museum hier nur 3% Verlust. Und überraschend: Verglichen mit den durchschnittlichen Umsätzen aus der Adventszeit der vergangenen 5 Jahre, liegen die Einnahmen des Museums sogar bei plus 28%. Die Aufenthaltszeit hatte das Bezahlmodell aber tatsächlich etwas verkürzt. Bleiben die Besucher durchschnittlich normalerweise 83 Minuten im Museum, waren es im Zeitraum des Experiments durchschnittlich nur 67 Minuten.

Die Chance auf neue Besucher?

Rund 10% der befragten Besucher gaben an, dass dieses Bezahlmodell explizit der Grund für ihren Museumsbesuch gewesen sei. Für 40% war die Aktion immerhin mit ein Grund für den Besuch. Die Besucherbefragung zum Test des Bezahlmodells ergab übrigens auch, dass sich die Besucherstruktur durch die Aktion nicht verändert hatte.

Neue Zielgruppen hat man damit vermutlich also nicht erreicht. Das Museum interessiert aber auch eher, ob es seltene Besucher durch das Bezahlmodell zu regelmäßigen Besuchern machen kann. Im März 2020 soll deshalb ein weiterer Test mit dem zeitlich flexiblen Eintrittspreis stattfinden.


Twitter des Monats

Akron Art Museum

Vor einem knappen halben Jahr zeigte das amerikanische Akron Art Museum, wie man ein interaktives Quiz zu einer Ausstellung in einem Twitter-Thread umsetzen kann. Ein Thread sind Tweets, die miteinander verlinkt sind und so aufeinander aufbauen. Passend zur Ausstellung “Dread & Delight”, die im Museum vom 29.06.22.09-2019 zu sehen war, entwickelte die Institution ein Quiz, das nicht nur unterhaltsam die Themen der Ausstellung aufgreift, sondern auch einen Blick auf die hier präsenten Kunstwerke ermöglicht. Diese Werke sind jeweils Anhaltspunkt zu einer Quizfrage. Am Ende haben Nutzer nicht nur die Ausstellung kennengelernt, sondern bekommen auch ein Ergebnis: Welche Persönlichkeit ist man wohl?


Instagram des Monats

Fat Cat Art

Die “Fat Cat”, ein Kunst-liebender Kater, heißt eigentlich Zarathustra. Noch ungewöhnlicher als der Name des etwas zu molligen Tieres ist jedoch sein Instagram-Account. Zarathustra treibt sich (dank der Photoshop-Skills seines Besitzers) in allen möglichen Meisterwerken der Kunstgeschichte herum: In Edvard Munchs Gemälde setzt die Katz zu einem “Schrei” an, sie kuschelt auf dem Arm der Mona Lisa oder neben der “Dienstmagd mit Milchkrug” von Jan Vermeer. Und weil Katzen bei Instagram einfach immer gehen, hat der Account der “Fat Cat” immerhin schon über 170k Follower.


Tumblr des Monats

Real Life

Diesmal empfehlen wir den Tumblr des Real Life Magazins. Auch wenn die Plattform nicht mehr aktiv genutzt wird, lohnt es sich, im kuratierten Feed ein bisschen in der Vergangenheit bei Tumblr zu stöbern. Weiterhin aktiv ist hingegen das eigentliche Magazin, das sich mit dem Einfluss von Technologie auf unser Leben auseinandersetzt. Viermal bis fünfmal pro Woche erscheinen hier Essays, Kolumnen, Features und weitere Formate. Interessanter Aspekt: Das Magazin ist werbefrei, wird finanziell aber von Snapchat unterstützt.



Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.