Der GIF-Leitfaden für Museen: Tipps, Beispiele und kostenlose Tools

Eigentlich sind GIFs ein Relikt aus den 80er Jahren. Doch wie Neon-Farben oder gebleichte Jeans halten sich einige 80s-Trends hartnäckig. Auch an GIFs kommt man seit einigen Jahren nicht mehr vorbei. Besonders in Social Media, aber auch bei News-Seiten wie BuzzFeed & Co., tauchen sie immer wieder auf. Sogar die Europeana hat das Format für sich entdeckt. In diesem Beitrag geben wir einen Überblick über verschiedene GIF-Typen und erklären, wie Museen und Kultureinrichtungen leicht und kostenlos selbst ein GIF erstellen können.


 

Vorlage für das GIF: Oehoe in bloeiende magnolia (ca. 1890-1900), Kubota Shunman. Public Domain. Quelle: Rijksmuseum via Europeana

 

Was ist ein GIF?

Statt mit einem Text-Kommentar bei Twitter oder Facebook lässt man mittlerweile zunehmend animierte Bilder für sich sprechen, sogenannte GIFs. Im Jahr 2012 wurde das Wort „GIF“ offiziell als Substantiv und Verb in der englischen Sprache anerkannt. Der US-amerikanische Zweig der Oxford University Press wählte den Begriff 2012 sogar zum Wort des Jahres. Die Begründung: „The GIF has evolved from a medium for pop-cultural memes into a tool with serious applications including research and journalism“.

Die Abkürzung GIF steht für Graphics Interchange Format. Hierbei handelt es sich um ein Grafikformat, das Bilder ohne Qualitätsverlust komprimieren und mehrere Einzelbilder in einer Datei abspeichern kann. Webbrowser oder auch bestimmte Social Media Plattformen können Dateien im GIF-Format als Animationen interpretieren. GIFs erscheinen also als Bewegtbild. Anders als ein herkömmliches Video werden sie aber, wenn sie erkannt werden, in einer dauerhaften Schleife (Loop) wiedergegeben. Werden sie nicht erkannt, erscheinen sie statisch wie eine normale Bilddatei.

 

GIFs im Kulturbereich

GIFs können nicht nur mit Ausschnitten aus Hollywood-Filmen und TV-Serien erstellt werden – auch wenn man diesen Versionen in Social Media am häufigsten begegnet. Auch im Kulturbereich spielen GIFs eine Rolle, wenn historisches Material dafür genutzt wird. Hierzu gibt es sogar einen jährlichen Wettbewerb: GIF IT UP. Dieser wurde 2014 von der Digital Public Library of America (DPLA) in Kooperation mit DigitalNZ initiiert. Seitdem wird jährlich dazu aufgerufen, Public Domain Videos, Bilder, Karten und Texte für die Erstellung von GIFs zu nutzen. Damit soll kulturelles Erbe einem größeren Publikum bekannt gemacht werden. Seit 2015 findet der Wettbewerb auch mit der Unterstützung durch Europeana und in Kooperation mit der National Library of Australia – Trove statt.

Um am Contest teilzunehmen, müssen lizenzfreie Inhalte aus den Beständen von DPLA, Europeana, DigitalNZ oder Trove für die Erstellung eines GIF genutzt werden. Unter allen Einsendungen zum Wettbewerb wählt eine Jury nach dem Ende des jährlichen Wettbewerbszeitraums eine Reihe an Gewinnern aus. Zusätzlich gibt es auch ein Publikums-Voting.

⇒ Auf der Plattform GIPHY kann man die bisherigen Einsendungen zu #gifitup einsehen.

 

Tipps und Tools für verschiedene GIF-Typen

 

1) Ein GIF erstellen aus einer Bilderfolge

Um ein GIF aus einer Bilderfolge zu erstellen, benötigt man mehrere Fotos einer aufeinander folgenden Bewegung. Hierzu kann man Gegenstände oder Personen immer wieder neu positionieren und jeden Zwischenschritt in einem Foto festhalten.

Museen und Archive können hierfür auch historisches Bildmaterial aus ihren Sammlungen nutzen, z.B. wie im Fall der Bilderserien “Evolution of household articles” aus dem Bestand der Wellcome Library. Hier müsste man, mithilfe einer Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop oder GIMP, noch einzelne Bilder aus der Gesamtabbildung herausschneiden.

Nun wird die Bilderfolge nacheinander zu einem GIF zusammengefügt. Ein schnellerer Ablauf der Bilder lässt die Bewegung flüssiger wirken.

 

Vorlage für das GIF: „Evolution of household articles, animals etc“ von Fr. Schmidt. Quelle: Wellcome CollectionCC BY via Europeana

 

2) Ein GIF mit Mimik erstellen

Um ein GIF zu erstellen, bei dem Mimik in einem Gesicht zu sehen ist, benötigt man zunächst natürlich ein Porträt. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um das Foto einer echten Person handelt, um das Gesicht einer Statue oder um ein gemaltes Bild. Mit der FaceApp lässt sich nun ein Lächeln in das Gesicht zaubern, es kann verjüngt oder älter gemacht werden, Frauen können in Männer verwandelt werden und umgekehrt.

Für das GIF muss das Originalbild nun mit dem bearbeiteten Bild immer abwechselnd animiert werden. So entsteht der Eindruck von Mimik.

⇒ FaceApp für Android

⇒ FaceApp für iOS

 

2) GIFs mit Farbwechsel

Die Basis für ein GIF mit Farbveränderung kann ein Bild sein, das aus mehreren Elementen besteht. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm, z.B. Photoshop oder GIMP, wird nun ein Bildelement markiert und dessen Farbe verändert. Diesen Schritt wiederholt man so oft, bis man eine Reihe an Bildern hat, bei denen jeweils ein unterschiedliches Element anders eingefärbt ist.

Es ist auch möglich, über das gesamte Bild einen Farbfilter zu legen. Auch hier wiederholt man das Einfärben so oft, bis man eine Reihe unterschiedlich eingefärbter Bilder hat.

Aus den Bildern kann nun ein GIF erstellt werden. Je nach eingestellter Geschwindigkeit kann das Motiv langsam seine Farbe wechseln oder zum Flackern und Blinken gebracht werden.

 

Vorlage für das GIF: Théâtre de Loïe Fuller – Exposition Universelle. Lithografie, Emmanuel Orazi (1860–1934). Public Domain. Quelle: Sammlung des MKG – Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg via Europeana

 

4) Ein GIF mit beweglichen Bildelementen

Wem die Bewegung der Mimik durch die FaceApp zu minimal ist oder wer andere Bildelemente oder Körperteile einer Figur in einem Bild bewegen möchte, benötigt etwas umfangreichere Erfahrungen im Umgang mit Photoshop oder GIMP.

Als Grundlage nutzt man am besten ein Bild mit einem schlichten Hintergrund, denn hier lässt sich das Bildelement, das man bewegen will, am leichtesten freistellen. Die zu erzeugende Bewegung sollte nicht zu komplex sein, z.B. kann man gut etwas vor- und zurückkippen lassen. Die Bewegung kann man dann so anordnen, dass ein flüssiger Loop entsteht, wenn das GIF abgespielt wird. Wer Photosop nutzt, kann sogar direkt in der Software die Bewegung animieren und benötigt keine zusätzliche GIF-App.

⇒ Dazu: Smithsonian Libraries: Library Hacks: Creating animated GIFs

⇒ Auch: Digital Trends: How to make animated GIFs with Photoshop (and other alternatives)

⇒ Mit Photoshop: How to use a series of photos and frame animation to create an animated GIF

 

5) GIFs mit animierten Stickern

Ein Bild mit animierten Stickern zu versehen, ist vielleicht die einfachste Möglichkeit, ein GIF zu erstellen. Hierzu nutzt man als Grundlage ein Foto, eine Zeichnung oder ein historisches Bild. Nun platziert man mit einer GIF-App oder mit einem entsprechenden Onlinedienst bewegliche Elemente, etwa Schnee, sich bewegende Augen oder blinkende Schrift.

 

6) Ein GIF aus einem Video

Auch aus Videos lassen sich GIFs erstellen. Als Vorlage kann man selbst ein neues Video drehen oder bereits vorhandenes, evtl. historisches lizenzfreies Material nutzen. Um ein GIF zu erstellen, wählt man aus einem längeren Video eine kurze Sequenz aus, die sich als Schleife wiederholen soll. Mithilfe von GIF-Apps oder Plattformen lässt sich das Video zusätzlich mit Text oder mit einem Filter ergänzen.

Um ein statisches Bild in ein Video zu verwandeln, kann man einen animierten Snapchat-Filter oder einen Facebook-Story-Filter nutzen. Das so gefilmte Video kann man dann von Snapchat oder Facebook herunterladen und wie oben beschrieben daraus ein GIF erstellen.

 

Vorlage für das GIF: Portret van onbekende dame (1678), Bernard Vaillant. Public Domain. Quelle: Rijksmuseum via Europeana

 

Tools, um GIFs zu erstellen

 

Ezgif

Ezgif.com ist ein Online-GIF-Maker für die grundlegende animierte GIF-Bearbeitung. Hier können Bilder (.jpg/.png) skaliert, zugeschnitten, umgekehrt und mit Effekten versehen werden, um daraus GIFs zu erstellen. Das Tool funktioniert nicht nur mit Bild-Vorlagen, sondern kann auch Videos in GIFs umwandeln.

⇒ Zum Online-Tool für Bild-Vorlagen

⇒ Zum Online-Tool für Video-Vorlagen

 

GIPHY

Auch über die Plattform GIPHY lassen sich Fotos oder Videos in GIFs umwandeln, mit Texten oder Stickern versehen. Per Upload können die so erstellten Dateien auch online zur Verfügung gestellt und von dort aus dann geteilt oder verlinkt werden.

⇒ Zum Online-Tool

⇒ Für Mac bietet GIPHY auch eine App

 

ImgPlay

Mit der App ImgPlay können ebenfalls Videos oder Fotos mit Text versehen werden, um sie dann in GIFs umzuwandeln. Auch Filter können genutzt werden. Zudem kann man die Abspielrichtung ändern und vor dem Speichern kann die Anzahl der Wiederholungen der Sequenz ausgewählt werden.

⇒ ImgPlay für Android

⇒ ImgPlay für iOS

 

Tutorials zur Erstellung von GIFs

⇒ DPLA Workshop: GIF Making 101

⇒ DPLA Workshop: Advanced GIF-Making Techniques

 

Speichern und Wiedergabe eines GIF

 

Ein GIF in Social Media nutzen

Nicht immer wird das GIF-Format auf allen Social-Media-Plattformen erkannt. Um ein erstelltes GIF auch überall animiert darstellen zu können, sollte man es zur Sicherheit zusätzlich auch als Video-Datei abspeichern. Die meisten Apps und Programme, mit denen man GIFs erstellen kann, bieten verschiedene Speichermöglichkeiten an. Je nachdem, ob eine Plattform GIFs animiert darstellt oder nicht, kann man so im Notfall auf die Video-Version zurückgreifen, um das Bewegtbild zu erhalten.

 

GIFs auf einer Website oder im Blog einbinden

Wer ein GIF auf seiner Website oder im eigenen Blog nutzen möchte, hat hier zwei Möglichkeiten. Man kann die Datei in die eigene Mediathek hochladen. Je nach verwendetem Content Management System (CMS) muss evtl. aber erst ein Plugin installiert werden, etwa WP GIF Player für WordPress, um das GIF richtig wiedergeben zu können. Es empfiehlt sich aber nicht, mehrere GIFs auf diese Weise in eine Website einzubinden. Die Dateigröße ist relativ groß, benötigt daher viel Ladezeit und verlangsamt eine Seite.

 

Header-Bild: Ausschnitt aus „Théâtre de Loïe Fuller – Exposition Universelle“. Lithografie, Emmanuel Orazi (1860–1934). Public Domain. Quelle: Sammlung des MKG – Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg via Europeana