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Mehr als AskAMuseum: Nachhaltige Kultur-Kommunikation

AskACurator gilt als ältestes Social-Media-Event für Museen. Nun wurde die Aktion in AskAMuseum umbenannt. Doch für einen nachhaltigen Online-Dialog ist mehr nötig.

Das im Jahr 2010 etablierte „Ask A Curator“ gilt als erste internationale Twitter-Aktion für Museen. Die Idee dahinter ist, dass Kultur-Interessierte über das Hashtag #AskACurator an einem bestimmten Tag im Jahr (Fach-)Fragen an Institutionen stellen können, um diese dann von Kuratoren beantworten zu lassen. In den letzten Jahren wurde der Aktionstag von zahlreichen Museen weltweit aufgegriffen und auch in andere Social-Media-Plattformen jenseits von Twitter ausgedehnt. Doch was dabei immer wieder auffiel: Nicht immer waren bei den Museen tatsächlich Kuratoren beteiligt. Häufig übernahmen ganz andere Museumsmitarbeitende die Beantwortung von Publikumsfragen. Nun endlich wurde seitens der Organisatoren auf diesen Umstand auch bei der Namensgebung für das Event reagiert: Seit 2022 heißt AskACurator nun AskAMuseum. Das spiegelt eine größere Vielfalt in der Ausrichtung der Aktion wider, doch was bleibt, ist die Begrenzung auf einen bestimmten Tag. Dabei müsste für eine wirklich nachhaltige Online-Kommunikation von Museen eigentlich jeder Tag zum AskAMuseum Day werden.


Eine Vernetzung weltweiter Museen

Ins Leben gerufen wurde #AskACurator am 1. September 2010 von Jim Richardson, der auch die Konferenzreihe MuseumNext initiierte. Nach einem Start bei Twitter wurde AskACurator 2011 als Video-basierte Website umgesetzt. 2012 übernahm dann Mar Dixon die Koordinierung des Projekts und brachte das Format zurück zu Twitter, das seitdem jährlich Mitte September stattfindet. Nach 12 Jahren Laufzeit gibt es jedoch zum Termin am 14. September 2022 eine Neuerung: AskACurator wurde in AskAMuseum umbenannt. Das neue Hashtag #AskAMuseum soll verdeutlichen, dass sich „hinter den Kulissen“ eine große Vielfalt an Verantwortlichen um die Betreuung der Social-Media-Kanäle der Museen kümmert und eben nicht unbedingt dabei Kuratoren involviert sind.

Die Statistiken der ersten Jahre lesen sich positiv: 2013 hatten sich 622 Museen zum Event angemeldet; 2014 nutzen rund 13.000 Accounts das Hashtag (davon 721 Museen) und 2015 hatten sich 1.079 Museen beteiligt. Für 2016 hatten sich über 1.100 Museen aus über 50 Ländern angemeldet; im Jahr 2017 erreichte die Zahl der beteiligten Museen fast 1.500 aus 57 Ländern, wie Mar Dixon auf ihrer Website berichtete. Mittlerweile greifen die beteiligten Institutionen die Aktion auch auf Facebook und Instagram auf, der Schwerpunkt bleibt aber weiterhin bei Twitter. Doch nicht nur die Social-Media-Kanäle haben sich in den letzten Jahren geändert. Auch das Interesse an der Aktion seitens der Museen im deutschsprachigen Raum ist mittlerweile anders: Es ist deutlich gesunken.


Twittern unter Experten

Auch wenn die ursprüngliche Idee hinter AskACurator darin bestand, Museen für ein breiteres Publikum mit Fachfragen zu öffnen, zeigte sich im deutschsprachigen Raum in der Vergangenheit eine Beschränkung, welche die Live-Nutzung von Social Media mit sich bringt. Museen beteiligten sich mit Herzblut und auch Akteure aus dem Kulturbereich, Medienschaffende oder medienaffine Kulturinteressierte sendeten sich via #AskACurator Fragen und Antworten zu. Verfolgte man das Hashtag in den vergangenen Jahren, war insbesondere bei Twitter im deutschsprachigen Raum festzustellen, dass sich Museumsmitarbeitende häufig gegenseitig Fragen stellten oder Influencer und Interessenten beteiligt waren, die im Medien- oder Museumsbereich entweder beruflich tätig sind oder ein besonderes Interesse damit verbinden.

Die Beteiligung von Personen außerhalb dieses Kreises erwies sich jedoch als eher gering. Denn wer hat während der Arbeit, Uni oder Schule schon Zeit, sich tagsüber aktiv in Social Media einzubringen? Das „breite Publikum“ das einbezogen werden sollte, hat durch die Struktur des Events kaum die Möglichkeit unmittelbar teilzunehmen, sondern müsste höchstens im Nachhinein nachlesen. Der Effekt des direkten Dialogs ist dann aber verloren.

Das muss aber nicht negativ sein. Ganz im Gegenteil: Die Kommunikation in Fachkreisen sollte nicht unterschätzt werden. Ein Dialog zwischen Kultur-Akteuren auf dieser Ebene trägt zur Vernetzung bei und kann neben einem Ideen-Austausch auch Kooperationen mit sich bringen, die sich letztendlich auch jenseits von Social Media widerspiegeln.


AskAMuseum und darüber hinaus

Zu einer nachhaltigen Kommunikation würde es beitragen, wenn sich Museen im Bezug auf AskAMuseum nicht nur auf einen Aktionstag konzentrieren und sich nicht im Schwerpunkt nur auf Twitter bewegen. Zumindest die Erweiterung in Social Media funktioniert mittlerweile bei einigen Museen gut, so übergab etwa die Newcastle Art Gallery ihren Instagram-Account 2021 an die Kuratorin Donna Biles-Fernando, wobei Fragen via Instagram oder Facebook gestellt werden konnten. Und das Getty Museum sammelte 2017 im Vorfeld der Veranstaltung über den Museumsblog Fragen via E-Mail, um diese am Aktionstag dann bei Facebook per Live-Video von Mitarbeitenden aus dem Kuratoren- und Restaurierungs-Team beantworten zu lassen. Für Nutzer, die nicht live dabei sein konnten, sind die Videos auf der Facebook-Seite des Museums auch noch nachträglich abrufbar, was die ganze Aktion deutlich nachhaltiger gestaltet.

Durch die Einbeziehung mehrerer Social-Media-Kanäle und die langfristige Bereitstellung von Inhalten, etwa als Video oder Blogbeitrag, lässt sich der Teilnehmerkreis von #AskAMuseum auf der Nutzerseite erweitern. Eine echte Nachhaltigkeit kann aber letztendlich nur erreicht werden, wenn die zeitliche Begrenzung entfällt. Denn warum sollte das Nachfragen beim Museums-Team nicht immer möglich sein, sondern auf einen Tag beschränkt? Sollte man nicht jederzeit Fragen an Institutionen stellen können, deren Aufgaben in erster Linie auch Bildung und Vermittlung sind? Selbst bei Firmen holen Social-Media-Manager oder Mitarbeitende der Öffentlichkeitsarbeit tagtäglich Informationen von den zuständigen Fachabteilungen ein, wenn eine Expertenantwort erforderlich ist. Warum sollte das bei Museen anders sein?

Natürlich stellt AskAMuseum bei manchen Museen eine Besonderheit dar, denn teilweise wird die Möglichkeit geboten, zu bestimmten Uhrzeiten mit Kuratoren oder anderen Mitarbeitenden über die Social-Media-Kanäle zu chatten. Dass das im Tagesgeschäft außerhalb eines Events bei den meisten Mitarbeitenden eher nicht so leicht möglich sein wird, ist naheliegend. Doch der Zugang zu fachlicher Expertise bedeutet ja nicht, dass diese stets in Echtzeit verfügbar sein muss. Außerhalb von Events würde es Interessenten völlig ausreichen, wenn sie jederzeit Fachfragen stellen könnten, die dann an die entsprechenden Verantwortlichen im Museum weitergeleitet werden und halbwegs zeitnah von diesen beantwortet werden. Ein dauerhaftes Angebot von Museen, jederzeit an sie auch fachliche Hintergrundfragen stellen zu können, wäre in jedem Fall nachhaltiger als die Beschränkung auf Einzelevents.


Nachhaltiger Dialog in Social Media

Ein Beispiel für eine nachhaltige und wissenschaftlich fundierte Kommunikation in Social Media zeigt das Internationale Maritime Museum Hamburg, das regelmäßig Fachfragen unter seinen Instagram- und Facebook-Beiträgen beantwortet. Das Museum ist durch seine Dialogbereitschaft mittlerweile nicht nur eines der reichweitenstärksten Maritimen Museen weltweit auf diesen Social-Media-Plattformen, es erzielt unter seinen Beiträgen auch durchweg eine hohe Interaktionsrate unter den Nutzern. Dabei fällt auf, dass hier regelmäßig fachliche Fragen an das Museum gestellt werden, etwa zu historischen Hintergründen, die in den Postings thematisiert werden, oder zu den Exponaten, die gezeigt werden. In der Community hat sich herumgesprochen, dass bei diesem Museum jederzeit Fachfragen willkommen sind und diese auch zeitnah beantwortet werden.*

Auch eine Reihe anderer Museen sehen es als selbstverständlich an, dass jeden Tag an sie fachliche Fragen gestellt werden können, die dann – teils nach Rücksprache mit den Fachabteilungen – beantwortet werden. Diese Museen beteiligen sich teils mittlerweile übrigens auch nicht mehr an AskAMuseum oder sie nutzen es nur als Anlass um dafür zu werben, dass man jederzeit für fachliche Fragen zur Verfügung steht. Letztendlich ist das ein nachhaltigerer Weg, als sich einmal im Jahr an einer Aktion wie AskAMuseum zu beteiligen und den Rest des Jahres die Social-Media-Kanäle nur für Werbung und Marketing zu nutzen.

* Anmerkung: musermeku-Redaktionsmitglied Damián Morán Dauchez ist beim Internationalen Maritimen Museum Hamburg als Historiker u.a. für die Digitale Kommunikation verantwortlich.


Header-Bild: Angelika Schoder – Hamburg, 2018


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Angelika Schoder

Über die Autorin

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

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