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Tipps zu Live-Videos für Museen und Kulturinstitutionen

Ob Facebook Live, YouTube Livestreaming oder die Live-Übertragung in Instagram Storys: Die wichtigsten Tipps und Links zum Thema Live-Videos.

In den letzten Jahren haben immer mehr Museen und Kulturinstitutionen das Thema Live-Berichterstattung für sich entdeckt. Während früher oft noch bei sogenannten TweetUps das Publikum im Rahmen von Events via Twitter in Echtzeit informiert wurde, spielen heute eher andere Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram eine zentrale Rolle. Besonders die Corona-Krise, wegen der alle Kulturorte im Frühjahr 2020 vorübergehend schließen mussten, brachte einen großen Schub für Video-Formate über Facebook Live, YouTube Livestreaming oder die Live-Übertragung in den Instagram Storys. Führungen und Vorträge können so als Event einem Publikum zu Hause zugänglich gemacht werden. Für das Internationale Maritime Museum beschäftige ich mich schon länger mit dem Thema Bewegtbildkommunikation. Hier im Beitrag habe ich einige Tipps für alle zusammengestellt, die sich in Zukunft noch weiter mit dem Thema Live-Videos auseinandersetzen wollen.


Tipp 1

Unkomplizierte Technik

Die meisten Menschen nutzen Social Media auf dem Mobilgerät. Daher braucht es für Live-Videos keine professionelle Filmkamera, wie man sie etwa für eine Hochglanz-Videoproduktion nutzen würde. Wichtig ist es, dass man sich flexibel bewegen kann und dass die Ausrüstung leicht zu transportieren und schnell einsatzbereit ist.

Welche Technik benötigt man für Live-Videos?

Die einfachste Ausrüstung ist hier ein möglichst neues Smartphone, eine Powerbank für die Stromversorgung, falls die Akkuladung nicht ausreicht, und ein stabiles WLAN (oder eine Daten-Flatrate auf dem Mobilgerät).

Filmt man einen Vortrag, eine Podiumsdiskussion oder ein ähnliches Format, bei dem sich das Aufnahmegerät nicht bewegen muss, sollte man ein Stativ nutzen. Filmt man eine Führung, bei der man sich dynamisch bewegen muss, sollte man einen sogenannten Gimbal (dt. kardanische Aufhängung) zur Bildstabilisierung nutzen. Notfalls kann auch ein einfacher Selfie-Stick genutzt werden.

Je nach Raum und Distanz zum Sprechenden, kann das integrierte Mikrofon des Smartphone bereits ausreichen. Für Außenaufnahmen oder größere Aufnahmedistanz ist ein externes Mikrofon sinnvoll, am besten ein Bluetooth Mikrofon für maximale Flexibilität, ohne Kabel oder Adapter.

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Tipp 2

Content-Planung

Die Basis für ein gutes Live-Video ist ein Storyboard. Dabei geht es nicht darum, ein detailliertes Drehbuch zu erstellen oder wortwörtlich festzulegen, was gesagt werden soll. Wie bei einem Text muss aber auch für ein Video eine Einleitung, ein Hauptteil und ein Schluss geplant werden. Das Live-Video sollte nicht aus dem Nichts starten und dann abrupt enden. Zudem sollte vorher genau geplant werden, welches Setting zu sehen ist.

Wie erstellt man ein Storyboard für ein Live-Video?

Eine Führung für ein Live-Video kann tatsächlich einem klassischen Storyboard folgen. Dabei sollte grob geplant werden, was gesprochen wird und was dabei gefilmt wird. Wann wird der Guide gefilmt und wann wird auf ein Objekt gezoomt? Wann bewegt sich der Guide, welcher Route folgt man während der Führung? Und wie muss sich der Guide bei Zwischenstationen positionieren, damit die Person, aber auch Objekte oder der Raum gut im Video eingefangen werden können?

Im Storyboard muss also grob geplant werden, was bei der Führung erzählt wird: Es startet bei der Vorstellung des Guide und bei der Begrüßung des Publikums, es setzt sich fort bei der Planung des inhaltlichen Ablaufs der Führung und endet bei den Schlussworten und der Verabschiedung. Parallel muss geplant werden, was im Video gezeigt wird: Welcher Weg wird zurückgelegt und welche zentralen Objekte müssen im Video aus der Nähe gezeigt werden?

Bei Vorträgen oder Podiumsdiskussionen ist das Storyboard in der Regel nicht so aufwändig, denn hier wird aus einer festen Perspektive gefilmt. Zudem ist eine Einleitung zum Thema und eine Vorstellung der Sprecher zu Beginn ohnehin vorgesehen, ebenso wie eine Zusammenfassung mit einer Verabschiedung des Publikums zum Schluss.

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Tipp 3

Tonalität festlegen

Das Vorurteil, dass Social Media nur von “jungen Leuten” genutzt wird, hält sich oft noch hartnäckig. Tatsächlich werden soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder auch YouTube längst auch von den sogenannten Silver Surfer genutzt, also von Menschen im höheren Alter. Bei der Planung eins Live-Videos sollte man daher bedenken, welche Zielgruppe man ansprechen möchte.

Wie findet man die richtige Tonalität für ein Live-Video?

Im Prinzip gehört dieser Planungsschritt mit in das Storyboard: Wer soll mit dem Live-Video angesprochen werden? Soll ein Fachpublikum erreicht werden oder ein Publikum ohne Vorkenntnisse? Richtet sich der Inhalt an Erwachsene oder an Kinder? usw.

Auch hier erfordert ein Live-Video eines Vortrags oder einer Podiumsdiskussion natürlich weniger Planung, denn in diesen Fällen stehen der Inhalt und welche Zielgruppen damit erreicht werden sollen natürlich schon fest.

Bei der Planung eines Live-Videos von einer Führung sollte im Vorfeld aber genau die Tonalität festgelegt werden, damit diese auch durchgängig eingehalten wird. Dazu gehört die Planung der inhaltlichen Komplexität, aber auch die Ansprache des Publikums. Beides sollte natürlich im Verlauf des Videos einheitlich bleiben.

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Tipp 4

Interaktion mit dem Publikum

Bei Live-Videos besteht für das Publikum die Möglichkeit zu kommentieren. Dies lässt sich für eine stärkere Einbindung des Publikums in das Geschehen natürlich nutzen. Daher kann aktiv dazu aufgerufen werden, dass das Publikum Fragen stellen soll, die dann direkt im Live-Video beantwortet werden. Umgekehrt können auch im Video Fragen gestellt werden, die das Publikum dann in den Kommentaren beantworten soll.

Wie integriert man Interaktion in ein Live-Video?

Wie mit Interaktionen seitens des Publikums umgegangen werden kann, hängt immer davon ab, was gefilmt wird und wie viele Personen an dem Live-Video beteiligt sind.

Wird eine Podiumsdiskussion oder ein Vortrag gefilmt, sollte ja ein festes Stativ genutzt werden. In dem Fall reicht eine Person aus, die mit einem zweiten Smartphone oder vom Computer aus im Namen der Institution eingeloggt ist und hier mit dem Publikum interagiert. Diese Person kann direkt auf die Kommentare des Publikums reagieren und Fragen beantworten oder an die Speaker weitergeben.

Wird eine Führung gefilmt, sind mehrere Konstellationen möglich. Filmt sich eine Person mit dem Smartphone selbst, können die Kommentare des Publikums natürlich erst im Nachhinein beantwortet werden (gilt nicht für Instagram). Ist es möglich, mehrere Mitarbeiter an der Erstellung des Live-Videos zu beteiligen, kann eine zweite Person von einem anderen Gerät aus parallel zur Live-Führung auf die Kommentare des Publikums reagieren, wie oben erwähnt.

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Tipp 5

Nachhaltige Nutzung

Live-Videos in Social Media zielen natürlich in erster Linie darauf ab, in dem Moment das Publikum zu erreichen, indem das Video erstellt wird. Wie bei einem analogen Event kann auch bei Live-Videos gelten: Wer nicht pünktlich dabei war, hat es verpasst. Doch das Digitale bietet hier einen Vorteil gegenüber Events vor Ort: Es besteht bei Live-Videos auch die Möglichkeit, den Inhalt im Anschluss an die Übertragung abzuspeichern und so dauerhaft für Nutzer auf den Social-Media-Kanälen zugänglich zu machen.

Wie können Live-Videos nachhaltig genutzt werden?

Fast alle Social-Media-Plattformen, die eine Live-Funktion anbieten, bieten nach Beendigung der Übertragung die Möglichkeit, das Video direkt auf den Account der Institution zu posten und/oder den Inhalt als Video herunterzuladen. Wählt man die letzte Option, kann das Video nachträglich noch bearbeitet werden (z.B. mit Untertiteln) und dann wie ein reguläres Video gepostet werden.

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Tipp 6

Auswahl der Plattform

Die meisten Museen und Kulturinstitutionen nutzen für ihre Live-Videos Facebook oder die Instagram Storys. Doch auch bei YouTube ist Livestreaming möglich, ebenso wie bei Twitch. Welche Plattform man nutzen sollte, hängt zum einen davon ab, wo man als Institution überhaupt vertreten ist und bereits eine Community aufgebaut hat – denn innerhalb dieser werden in erster Linie die Zielgruppen erreicht. Es ist daher nicht sinnvoll, sich z.B. neu bei Instagram anzumelden, nur um hier Live-Videos zu zeigen. Denn ein neuer Account ohne Follower wird hier auch kein Publikum erreichen. Daher sollte man sich für Live-Videos für die Plattform entscheiden, bei der man sich bereits eine Community aufgebaut hat. Bei den meisten Museen und Kulturinstitutionen im deutschsprachigen Raum wird dies Facebook sein.

Ist man als Institution auf mehreren Plattformen bereits gut vertreten, kann man abwägen, welcher Inhalt am besten zu welcher Community passen würde – insbesondere im Hinblick auf das Thema Tonalität. (Siehe Tipp 3)

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Welche Plattform sollte man für Live-Videos nutzen?

Facebook Live

Bei Facebook kann man Live-Übertragungen als Institution von einer Seite, von einer Gruppe oder von einer Veranstaltung aus starten. Ein Live-Video erscheint auch in den News Feeds der Follower.

Für ein Live-Video von einem Smartphone aus benötigt man die Facebook Seitenmanager App. Man öffnet einen Beitrag und wählt hier die Live-Option aus.

Nutzt man kein Smartphone sondern filmt das Live-Video mit einer Kamera, benötigt man eine zusätzliche Streaming-Software.

YouTube Livestreaming

Live-Videos wie Tutorials lassen sich bei YouTube mit einer Webcam über den Computer oder Laptop streamen.

> Wie erstellt man einen YouTube Livestream über die Webcam?

Live-Videos wie Führungen oder die Übertragung von Vorträgen und Podiumsdiskussionen können vom Smartphone aus direkt über die YouTube App gestreamt werden. Dafür braucht der YouTube-Kanal der Institution allerdings mindestens 1.000 Abonnenten.

> Wie erstellt man einen YouTube Livestream über ein Mobilgerät?

Live-Übertragung in den Instagram Storys

Sobald man die Übertragung eines Instagram Live-Video beendet, kann man das Video als Wiederholung in der Story posten. Soll das Video länger als 24 Stunden verfügbar sein, kann es als Instagram-Highlight ins Profil geheftet werden.

Wenn ein Live-Video in den Aufnahmen auf dem Smartphone gespeichert wird, speichert Instagram übrigens nur das Video selbst, nicht die Kommentare, die “Gefällt mir”-Angaben oder die Übersicht der Zuschauer.

Live Streaming bei Twitch

Bei Kulturinstitutionen ist die Plattform Twitch im deutschsprachigen Raum bisher eher weniger bekannt. Die Plattform ist auf Live-Streaming spezialisiert, bietet daher also alle technischen Voraussetzungen. Für den Kulturbereich dürfte eher die Herausforderung darin bestehen, sich hier zunächst eine Community aufzubauen.

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Cultours sammelt Livestreams

Im Rahmen des #WirVsVirus Hackathon entstand Ende März 2020 das Projekt Cultours, eine Website, die Live-Videos von Kulturinstitutionen bündelt. Institutionen können hier ihre geplanten Streams ankündigen.


Header-Bild: Detail aus: Pierre-Louis Pierson: Scherzo di Follia 1863-66 – Metropolitan Museum of ArtPublic Domain, bearbeitet


Über den Autor

Bei mus.er.me.ku schreibt Damián Morán Dauchez über Erinnerungskultur und Geschichtsthemen sowie über Museums- und Ausstellungsdesign.