Mehr als AskACurator: Warum Museen in Social Media nachhaltig kommunizieren sollten

Das im Jahr 2010 etablierte AskACurator gilt als erste internationale Twitter-Aktion für Museen. Die Idee dahinter ist, dass Kultur-Interessierte über das Hashtag #askacurator an einem bestimmten Tag im Jahr (Fach-)Fragen an Institutionen stellen können. Diese werden dann direkt von Kuratoren beantwortet. Das Problem dabei: Nicht immer ist ein Kurator in die Kommunikation in Social Media involviert – weder am Aktionstag, noch darüber hinaus. Diese Museen verankern damit ihre Social Media Kanäle in erster Linie im Bereich Werbung und Marketing, ohne fachlich vertiefte Dialoge zu ermöglichen.

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Eine Vernetzung weltweiter Museen

Ins Leben gerufen wurde das #AskACurator am 1. September 2010 von Jim Richardson, der auch die Konferenzreihe MuseumNext initiierte. Nach einem Start bei Twitter wurde AskACurator 2011 als Video-basierte Website umgesetzt. 2012 übernahm dann Mar Dixon die Koordinierung des Projekts und brachte das Format zurück zu Twitter, das seitdem jährlich Mitte September stattfindet.

Die Statistiken der letzten Jahre lesen sich sehr positiv: 2013 hatten sich 622 Museen zum Event angemeldet; 2014 nutzen rund 13.000 Accounts das Hashtag (davon 721 Museen) und 2015 hatten sich 1.079 Museen beteiligt. (Zu den Statistiken siehe mardixon.com) Für 2016 hatten sich über 1.100 Museen aus über 50 Ländern angemeldet; im Jahr 2017 steht die Zahl der beteiligten Museen schon bei fast 1.500 aus 57 Ländern. Mittlerweile greifen die Institutionen die Aktion auch auf Facebook und Instagram auf, der Schwerpunkt bleibt aber weiterhin bei Twitter.

Twittern unter Experten

Auch wenn die Idee hinter AskACurator bei Twitter darin besteht, Museen für ein breiteres Publikum mit Fachfragen zu öffnen, zeigte sich im deutschsprachigen Raum in der Vergangenheit eine Beschränkung des Mediums. Museen beteiligten sich mit Herzblut und auch Akteure aus dem Kulturbereich, Medienschaffende oder medienaffine Kulturinteressierte sendeten sich via #AskACurator Fragen und Antworten zu. Verfolgte man das Hashtag in den vergangenen Jahren, war insbesondere bei Twitter im deutschsprachigen Raum festzustellen, dass sich Museumsmitarbeiter häufig gegenseitig Fragen stellten oder Influencer und Interessenten beteiligt waren, die im Medien- oder Museumsbereich entweder beruflich tätig sind oder ein besonderes Interesse damit verbinden.

Die Beteiligung von Personen außerhalb dieses Kreises erwies sich jedoch als eher gering. Denn wer hat während der Arbeit, Uni oder Schule schon Zeit, sich tagsüber aktiv bei Twitter einzubringen? Das „breite Publikum“ das einbezogen werden soll, hat durch die Struktur des Events kaum die Möglichkeit „live“ teilzunehmen, sondern müsste höchstens im Nachhinein nachlesen. Der Effekt des unmittelbaren Dialogs ist dann aber verloren.

Wie im Beitrag „Haben Twitter und Tweetups für Museen ausgedient?“ beschrieben, muss das aber nicht negativ sein. Ganz im Gegenteil: Die Kommunikation in Fachkreisen sollte nicht unterschätzt werden. Ein Dialog zwischen Kultur-Akteuren auf dieser Ebene trägt zur Vernetzung bei und kann neben einem Ideen-Austausch auch Kooperationen mit sich bringen, die sich letztendlich auch jenseits von Twitter wiederspiegeln.

AskACurator jenseits von Twitter

Zu einer nachhaltigen Kommunikation würde es beitragen, wenn sich Museen im Bezug auf AskACurator nicht nur auf einen Aktionstag konzentrieren und sich nicht im Schwerpunkt auf Twitter bewegen. Dabei geht es nicht nur darum, das Event auch auf anderen Kanälen zu bewerben. Bei Instagram kündiget das Getty Museum 2016 etwa den Termin mit der Beantwortung von Beispielfragen an und das Historische Museum Basel legte 2015 zur Bewerbung des Events eine Facebook-Veranstaltung an. Neben der Ankündigung sollten Museen alle ihre Social Media Kanäle auch direkt zur Beantwortung von Fragen zu AskACurator nutzen, wie etwa die National Gallery, die 2015 bei Facebook sogar in Form von Videos antwortete. Zudem spricht auch nichts dagegen, Interessenten dazu eingeladen, Fragen per E-Mail zu senden.

Positiv ist es auch, wenn sich die Beteiligung bei AskACurator in den Blogs von Museen wiederfindet, etwa in Form einer Nachbereitung, wie 2013 im Blog von Burg Posterstein oder 2015 im Blog des Marta Herford, wo eine Fragen-Antwort-Übersicht aus Twitter zusammengestellt wurde.

Ask A Curator: Nur hier, nur heute

Durch die Einbeziehung mehrerer Social-Media-Kanäle lässt sich der Teilnehmerkreis von #AskACurator auf Nutzerseite erweitern. Eine echte Nachhaltigkeit kann aber letztendlich nur erreicht werden, wenn die zeitliche Begrenzung entfällt. Auch AskACurator-Koordinatorin Mar Dixon spricht es in der Projekt-Definition an:

„What is Ask a Curator? It’s a way to talk to curators and people who work in cultural venues you normally don’t have access to.“

Warum sollte aber das Nachfragen bei einem Kurator nicht immer möglich sein, sondern auf einen Tag beschränkt? Sollte man nicht jederzeit Fragen an Institutionen stellen können, deren Aufgaben in erster Linie auch Bildung und Vermittlung sind? Selbst bei Firmen holen Social Media Manager oder Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit tagtäglich Informationen von den zuständigen Fachabteilungen ein, wenn eine Expertenantwort erforderlich ist. Warum sollte das bei Museen anders sein?

Natürlich bietet AskACurator hier bei manchen Museen eine Besonderheit, denn teilweise wird die Möglichkeit geboten, zu bestimmten Uhrzeiten mit Kuratoren zu chatten. Dass das im Tagesgeschäft außerhalb eines Events nicht möglich sein kann, ist selbstverständlich. Doch der „Zugang zu einem Kurator“ bedeutet ja nicht, dass dieser stets in Echtzeit verfügbar sein muss. Außerhalb von Events würde es Interessenten völlig ausreichen, wenn sie jederzeit Fachfragen stellen könnten, die dann an Kuratoren weitergeleitet werden und halbwegs zeitnah von diesen beantwortet werden. Ein dauerhaftes Angebot von Museen, jederzeit an sie auch fachliche Hintergrundfragen stellen zu können, wäre in jedem Fall nachhaltiger als die Beschränkung auf Einzelevents.

Nachhaltiger Dialog mit Kuratoren-Beteiligung

Ein Beispiel für eine nachhaltige und wissenschaftlich fundierte Kommunikation in Social Media zeigt das Internationale Maritime Museum Hamburg (@maritimesmuseum), das regelmäßig Fachfragen unter seinen Instagram-Bildern beantwortet. Das Museum hat durch seine Dialogbereitschaft nicht nur innerhalb von wenigen Monaten bereits eine enorme Followerzahl bei Instagram gewonnen, sondern erhält auch i.d.R. immer eine außergewöhnlich hohe Interaktionsrate pro Bild. Wirklich ausschlaggebend ist aber die Vielzahl an Kommentaren, die auch Fragen zu historischen oder konservatorischen Hintergründen einschließen und die hier beantwortet werden.*

Auch eine Reihe anderer Museen sehen es als selbstverständlich an, dass jeden Tag an sie auch fachliche Fragen gestellt werden können, die dann an Kuratoren weitergeleitet werden. Diese Museen beteiligen sich teilweise nicht erst an AskACurator oder sie nutzen es nur als Anlass um dafür zu werben, dass ihre Kuratoren jederzeit kontaktiert werden können.

Keineswegs bei allen für AskACurator angemeldeten Museen sind übrigens Kuratoren beteiligt. Teilweise wird es allein den Social Media Managern überlassen, Antworten auf die Fragen der Teilnehmer des Events zu finden. Seitens der Wissenschaftler wird dann einfach abgewunken, man habe keine Zeit für solche Aktionen und wozu habe man schließlich eine Presse-/Öffentlichkeitsarbeit oder einen Social Media Manager? Diese Einstellung zeigt, welche geringe Bedeutung dem (digitalen) Dialog mit potentiellen Besuchern oder Interessenten in manchen Institutionen noch immer beigemessen wird. Solange sich diese Dialogbereitschaft nicht ändert, bleiben die Social Media Kanäle von Museen in erster Linie der Werbung und dem Marketing überlassen.

* Anmerkung: MusErMeKu-Redaktionsmitglied Damián Morán Dauchez ist beim Internationalen Maritimen Museum Hamburg u.a. für die Online-Kommunikation verantwortlich und als Kurator tätig.


Header-Bild: Angelika Schoder – Hamburg, 2018