[Reise-Tipp] Nur wenige Minuten von Nizza entfernt, befindet sich die kleine Stadt Cagnes-sur-Mer. Besonders sehenswert ist hier, neben dem Musée Renoir, das historische Viertel Haut-de-Cagnes, das auch als „Montmartre der Côte d’Azur“ bezeichnet wird. Die kleinen Gassen, mittelalterlichen Gebäude und der weite Blick in die Alpen sowie auf das Mittelmeer inspirierten zahlreiche bedeutende Maler des 20. Jahrhunderts, darunter Chaim Soutine, Tsuguharu Foujita, Yves Klein und natürlich Pierre-Auguste Renoir. Im Zentrum der auf einem Hügel gelegenen Altstadt thront das Château Grimaldi, in dem diverse Ausstellungen zur regionalen Geschichte und Kunst besucht werden können. Vom Turm des Schlosses hat man außerdem einen besonders schönen Blick über die Landschaft der Côte d’Azur.


Die Geschichte von Haut-de-Cagnes
Der Name „Cagnes“ stammt aus dem Ligurischen und bedeutet „bewohnter Ort auf einem runden Hügel“. Die besondere Lage auf einem über 90 Meter hohen Felsvorsprung, mit guter Aussicht über die Umgebung, in der Nähe der Var und mit fruchtbaren Böden, führte dazu, dass sich hier zunächst die Kelto-Ligurer ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. und später auch die Römer ansiedelten. Eine entscheidende Rolle spielte Cagnes ab dem Jahr 1388, als der Fluss Var zur natürlichen Grenze zwischen der Grafschaft Provence und dem Gebiet von Nizza wurde, das sich dem Haus Savoyen anschloss.
Mit etwa 1.200 bis 1.500 Einwohnern entwickelte sich Cagnes im Mittelalter zu einem wichtigen Grenzort. Als die Provence 1483 Teil des Königreichs Frankreich wurde, blieb Cagnes ein bedeutender Übergangsort an der einzigen Verbindung zwischen den savoyischen Gebieten und Frankreich. Die strategische Lage brachte jedoch nicht nur Vorteile: Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Region immer wieder von Kriegen, Plünderungen und Angriffen erschüttert. Seine glanzvollste Zeit erlebte Cagnes unter König Ludwig XIII; um 1620 ließ Jean-Henri Grimaldi die mittelalterliche Burg in eine prachtvolle Residenz umwandeln und das Schloss wurde zu einem der angesehensten Herrschaftssitze der Region. Unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. kehrten jedoch erneut Konflikte und Invasionen in die Grenzregion zurück.
Noch während der Französischen Revolution im Jahr 1790 blieb Cagnes ein kleiner ländlicher Ort mit rund 1.400 Einwohnern; die meisten Menschen lebten zu dieser Zeit vom Anbau von Wein, Oliven, Hanf, Zitrusfrüchten und Gemüse. Eine neue Epoche begann erst Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Einzug des berühmten Impressionisten Pierre-Auguste Renoir, der von 1903 bis zu seinem Tod 1919 in Cagnes lebte. Seine Begeisterung für das Licht und die Landschaft der Côte d’Azur zog zahlreiche weitere Kunstschaffende an und so wurde Cagnes zu einem Treffpunkt der Kunst- und Kulturszene. Im Laufe des 20. Jahrhunderts lebten und arbeiteten hier zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, darunter Chaim Soutine, Tsuguharu Foujita, Yves Klein, Georges Simenon, die Chansonnière Suzy Solidor oder Brigitte Bardot.


Das Château-Musée Grimaldi
Das Château Grimaldi ist das Wahrzeichen des mittelalterlichen Dorfes Haut-de-Cagnes. Ursprünglich als wehrhafte Festung erbaut, entwickelte sich das Schloss im Laufe der Jahrhunderte zu einem eleganten Herrschaftssitz und ist heute eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Region. Errichtet wurde die Burg um das Jahr 1300 im Auftrag von Rainier Grimaldi, Herr von Cagnes und Admiral von Frankreich. Das Château Grimaldi hatte zunächst eine militärische Funktion: Von der strategisch günstigen Lage auf dem felsigen Hügel aus kann man die Küstenebene und die Bucht zwischen Cap Ferrat und Cap d’Antibes überwachen. Über zwei Jahrhunderte hinweg hielt die Festung zahlreichen Belagerungen und Angriffen stand.
Erst im frühen 17. Jahrhundert wandelte Jean-Henri Grimaldi die Burg in einen repräsentativen Adelssitz nach italienischem Vorbild um. Aus der wehrhaften Festung entstand ein kleines Schloss mit dem Komfort und der Eleganz eines Palastes. Noch heute erinnern ein monumentales Doppeltreppenhaus, ein prächtiges Marmorportal mit Ehrenbalkon sowie große Fenster an diesen Umbau. Im Inneren kann man heute die kunstvoll bemalten Barockdecken, Marmor-Dekorationen, Schieferböden und aufwendig gestalteten Säle erkunden, die den Wohlstand der Familie Grimaldi widerspiegeln.
1937 erwarb die Stadt Cagnes-sur-Mer das Schloss, um es in den folgenden Jahren zum Stadtmuseum umzuwandeln. Heute beherbergt das Château-Musée Grimaldi mehrere bedeutende Sammlungen, etwa das Olivenmuseum, das die Geschichte des Olivenanbaus und der traditionellen Ölproduktion in der Provence erzählt. Ein weiterer Höhepunkt ist die „Donation Solidor“, eine außergewöhnliche Sammlung mit rund 40 Porträts der Sängerin und Kabarettistin Suzy Solidor. Darüber hinaus präsentiert das Museum regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und veranstaltet Konzerte in den historischen Räumen.


Die Solidor-Sammlung im Château-Musée Grimaldi
Ein Ausstellungsraum im Château Grimaldi ist der Künstlerin Suzy Solidor gewidmet, bzw. ihren Portraits. Im Jahr 1900 als Suzanne Marion in Saint-Servan bei Saint-Malo geboren, war Suzy Solidor eine der schillerndsten Persönlichkeiten im Frankreichs des 20. Jahrhunderts. Mit 18 Jahren zog sie nach Paris, um als Model Karriere zu machen. Dort lernte sie die Kunsthändlerin Yvonne de Brémond d’Ars kennen, die ihre Partnerin wurde und sie mit der Pariser Kunstszene vertraut machte. Ab 1932 widmete sich Suzy Solidor dem Chanson und feierte mit ihrem Kabarett „La Vie Parisienne“ große Erfolge. Ihre Lieder waren oft sinnlich und provokant, zudem lebte sie offen ihre Beziehungen zu Frauen und Männern, was ungewöhnlich für ihre Zeit war. 1936 spielte sie noch an der Seite von Édith Piaf und Arletty im Film „La Garçonne“, doch nach dem Zweiten Weltkrieg nahm ihre Popularität ab. Nach Stationen in den USA und Paris ließ sie sich 1960 in Haut-de-Cagnes nieder und eröffnete hier ein Antiquitätengeschäft und ein Kabarett, in dem sie bis 1967 auftrat.
Vor ihrem Tod im Jahr 1983 schenkte Suzy Solidor der Stadt ihre Kunstsammlung mit Werken berühmter Kunstschaffender. Sie war eine der meist-gemalten Frauen ihrer Zeit und wurde auch durch ihre Porträts zu einer Ikone der 1920er- und 1930er-Jahre. Zu ihren bekanntesten Porträts zählt das Gemälde der polnischen Malerin Tamara de Lempicka aus dem Jahr 1935. Die in Warschau geborene Künstlerin floh nach der Russischen Revolution nach Paris und entwickelte dort ihren unverwechselbaren Stil zwischen Kubismus, Renaissance und Art déco. Lempicka war mit Suzy Solidor befreundet und malte sie als moderne, selbstbewusste „Garçonne“ vor der Kulisse der New Yorker Wolkenkratzer.
Bereits 1927 porträtierte der japanisch-französische Maler Tsuguharu Foujita die damals noch weitgehend unbekannte Suzy Solidor, nachdem er sie in den Künstlercafés von Montparnasse kennengelernt hatte. Sein Bild in der Ausstellung zeigt sie mit ihrem Hund vor einem mit Gold verzierten Hintergrund und unterstreicht die elegante, unabhängige Ausstrahlung der Entertainerin. Ebenfalls 1927 entstand ein Porträt des niederländischen Künstlers Kees van Dongen, einem gefragten Porträtmaler der Pariser Gesellschaft. Er stellte Suzy Solidor in einem Matrosenanzug dar und griff damit ihre enge Verbindung zum Meer auf. Im Hintergrund sind Schiffsrumpf und Segel zu erkennen, eine Anspielung auf den legendären Freibeuter Robert Surcouf, dessen Nachfahrin sie angeblich war.


Die Eglise Saint-Pierre du Haut-de-Cagnes
Direkt neben dem Château-Musée Grimaldi, im historischen Ortskern von Haut-de-Cagnes, befindet sich die Kirche Saint-Pierre. So wie das Schloss, blickt auch die Eglise Saint-Pierre auf eine fast 800-jährige Geschichte zurück. Ihre Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert, als sie noch eine kleine Kapelle innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern war. Aus dieser Zeit ist heute noch das nördliche Kirchenschiff erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach erweitert, so entstand im 18. Jahrhundert ein neuer Eingangsbereich mit einem repräsentativen Portal, das direkt auf den Altar führt. Gleichzeitig erhielt die Kirche eine reich verzierte Decke. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude dann über die Stadtmauer hinaus nach Osten verlängert. Später kam außerhalb der alten Befestigungsmauer eine Sakristei hinzu.
Eine Besonderheit der Kirche ist das Pfarrhaus, das im 19. Jahrhundert über den Gewölben errichtet wurde. Dadurch fügt sich das Bauwerk harmonisch in die Häuser des historischen Ortskerns ein und ist von der Straße aus kaum als Kirche zu erkennen. 2017 wurde die Kirche aufwändig restauriert, dabei wurden auch die ursprünglichen Fresken sorgfältig freigelegt.


Château-Musée Grimaldi
Pl. du Château, 06800 Cagnes-sur-Mer, Frankreich
Wer in Cagnes-sur-Mer ist, sollte auch das Musée Renoir besuchen, das sich auf einem Hügel neben der Altstadt befindet.
Der Eintritt zum Château-Musée Grimaldi sowie zum Musée Renoir ist im French Riviera Pass enthalten.
musermeku dankt dem Office de Tourisme Nice Côte d`Azur für die Bereitstellung des French Riviera Pass.
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Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.
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