[Museums-Tipp] Das Palais Lascaris in der Altstadt von Nizza gilt als eines der bedeutendsten barocken Bauwerke in Südfrankreich. Das Palais entstand Mitte des 17. Jahrhunderts und war Sitz der Adelsfamilie Lascaris-Vintimille, die mit zu den einflussreichsten Familien der Region gehörte. Nach der Französischen Revolution verlor die Familie ihren Besitz, der Stadtpalast wurde 1802 verkauft und verfiel im Laufe der Zeit. Im Jahr 1942 kaufte die Stadt Nizza das Gebäude und stellte es unter Denkmalschutz. Nach einer umfangreichen Restaurierung ist das Palais seit 1970 nun als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Besuch lohnt sich nicht nur, um die barocken Wohnräume zu besichtigen, sondern auch für die wechselnden Sonderausstellungen oder für einen Einblick in eine der größten Sammlungen historischer Musikinstrumente in Frankreich.

Das Stadtpalais der Familie Lascaris-Vintimille
Erbaut wurde das Palais Lascaris im Auftrag der Familie Lascaris-Vintimille, die über Jahrhunderte zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern im Raum Nizza zählte. Auftraggeber war 1648 Jean-Baptiste Lascaris, Herr von Castellar, Feldmarschall des Herzogs von Savoyen und Nachkommen der Grafen von Ventimiglia. Die Wurzeln der Familie Lascaris-Vintimille reichen bis ins Mittelalter zurück und in allen Zweigen sind zahlreiche Ritter und Würdenträger des Malteserordens vertreten. Dadurch war die Familie eng mit den religiösen und militärischen Eliten Europas verbunden und prägte die Geschichte der Region um Nizza über Generationen hinweg.
Vom großen Reichtum der Familie zeugt bis heute das Palais Lascaris mit seinen prunkvollen Innenräumen und der außergewöhnlichen Architektur, die vor allem an der Hauptfassade sichtbar wird, die zur Rue Droite zeigt, der historisch wichtigsten Straße in der Altstadt von Nizza. Die Fassade folgt dem geschwungenen Verlauf der Straße und hebt sich deutlich von den schlichteren Gebäuden der Umgebung ab. Im Mittelpunkt steht das große Eingangsportal aus Marmor, darüber befinden sich hohe Fenster, die mit aufwendigen Stuckverzierungen, grotesken Maskenfiguren und mit Balkonen mit Balustraden aus weißem Marmor versehen sind. Diese dekorativen Elemente erinnern an die Palastarchitektur der italienischen Stadt Genua und zeigen den starken Einfluss des norditalienischen Barockstils.

Das Treppenhaus des Palais Lascaris
Der Einfluss des italienischen Barocks wird vor allem auch im Eingangsbereich und im prachtvollen Treppenhaus deutlich. Beide Bereiche gelten als Meisterwerke des Barock in Nizza. Der Stadtpalast besteht aus zwei asymmetrischen Gebäudeflügeln mit jeweils fünf Etagen, dazwischen liegen das große Treppenhaus und zwei kleine Innenhöfe mit hohen Rundbogenfenstern und Arkaden. Das Eingangsfoyer, auch Vestibül genannt, hat eine flache Gewölbedecke mit aufwendigen Fresken. Die Wand- und Deckengemälde zeigen barocke Ornamente wie Akanthusblätter und Masken, im Zentrum befindet sich dabei das Wappen der Familie Lascaris-Vintimille mit dem Wahlspruch „Nec me fulgura“ (Nicht einmal der Blitz trifft mich). Die Malereien stammen vermutlich von Künstlern der Genueser Schule und entstanden gegen Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts.
Ähnliche Verzierungen finden sich auch im Treppenhaus, wo große allegorische Darstellungen der Siegesgöttin und des Genius des Ruhms auf den Gewölben dargestellt sind. Viele dieser Fresken wurden erst in den 1960er-Jahren freigelegt und Ende der 1990er Jahre restauriert. Das Treppenhaus ist zudem mit Marmorstatuen und reich verzierten Balustraden versehen. Zu sehen sind Figuren wie Mars, Venus und ein Kinderkopf des Bacchus sowie Büsten angeblicher Vorfahren der Familie. Die Skulpturen stehen in Nischen mit Rococo-Stuckarbeiten aus dem Jahr 1766 und zählen zu den markantesten Gestaltungselementen des Stadtpalasts.

Ein Blick in die Zeit des Barock
Die historischen Räume des ersten und zweiten Stocks im Palais Lascaris erzählen viel über das Leben des Adels in der Barockzeit. Der erste Stock besitzt niedrige Decken und erinnert an die Mezzanini italienischer Stadtpaläste. Im 18. Jahrhundert befanden sich hier die privaten Wohnräume von Familienmitgliedern des Grafen Lascaris. Die ursprüngliche Ausstattung ging im Laufe der Zeit verloren, daher wurden die Räume heute bewusst schlicht gehalten und werden als Ausstellungsfläche für wechselnde Sonderausstellungen genutzt.
Die eigentlichen Prunkräume liegen im zweiten Stock, der sogenannten étage noble oder bel étage. Wie in vielen aristokratischen Palästen befanden sich dort die repräsentativen Salons, die Gäste beeindrucken sollten. Die Räume besitzen noch heute ihre originalen Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert; Künstler der Genueser Schule sowie lombardische Stuckateure schufen hier mythologische Szenen und aufwendige Dekorationen, die den Reichtum der Familie verdeutlichen sollten.
Um 1766 ließ Graf Jean-Paul-Augustin Lascaris die Räume modernisieren. Aus dieser Zeit stammen die Holzvertäfelungen und Rococo-Elemente, etwa in der sogenannten „Kammer der Jahreszeiten“. Nach umfangreichen Restaurierungen erhielten die Salons wieder historische Möbel aus den Sammlungen der Museen von Nizza sowie aus Spenden und Neuerwerbungen. Die repräsentativen Räume verteilen sich auf zwei Gebäudeflügel: Im Osten liegen die Salons mit Blick auf die Rue Droite, im Westen befindet sich der ehemaligen Kapellenflügel, der sich zur heutigen Rue Benoît Bunico und zu den kleinen Innenhöfen öffnet.

Die Prunkräume des Stadtpalasts
Der große Salon zählt zu den eindrucksvollsten Räumen des gesamten Stadtpalastes; der sogenannte „Phaéton-Saal“ war einst der wichtigste Repräsentationsraum der Familie Lascaris-Vintimille. Verziert ist er mit einer Deckenmalerei aus dem späten 17. Jahrhundert, die den mythologischen Sturz des Phaéton zeigt, der von Jupiter mit einem Blitz getroffen wird. Eingerahmt wird die Darstellung von Architekturmotiven, vergoldeten Girlanden und Figuren wie Putten und antiken Aktgestalten, ganz im Stil des römischen Hochbarocks. Der Salon besitzt außerdem originale italienische Türen aus dem 18. Jahrhundert, sogenannte „fliegenden Türen“ mit nur einem asymmetrisch befestigten Türflügel. Sie waren in Norditalien und Nizza weit verbreitet und sollten das Gewicht der Türen reduzieren, Zugluft verhindern und die wertvollen Teppiche im Haus schonen. Ergänzt wird die Ausstattung durch Wandteppiche aus Aubusson, die Szenen aus der Liebesgeschichte von Antonius und Kleopatra zeigen.
Daneben gehört der Salon „Venus und Adonis“ zu den kunstvollsten Räumen des barocken Stadtpalastes. Das Deckenfresko zeigt die Göttin Venus und ihren Geliebten Adonis, die gemeinsam in einem goldenen Wagen durch den Himmel schweben, gelenkt vom Götterboten Merkur. Ergänzt wird die Darstellung durch Medaillons mit weiteren mythologischen Figuren wie Bacchus, Flora oder Amor und Psyche.
Auch die anschließende Prunkkammer spiegelt den Reichtum der Familie Lascaris-Vintimille wider. Besonders auffällig ist die aufwendig gestaltete Schlafnische, die durch drei große Arkaden vom Hauptraum getrennt wird. Diese Theater-artige Konstruktion erinnert an die Gartenanlagen und Brunnenarchitekturen des Barock in Genua und Ligurien. Die Stuckfiguren, sogenannte Atlanten und Karyatiden, tragen die Architektur scheinbar auf ihren Schultern und erinnern an Werken des Bildhauers Pierre Puget. Ein Deckengemälde und vergoldete Fackelträger aus Holz, aus den Werkstätten der Bildhauerfamilie Parodi aus Genua, ein Himmelbett aus dem 18. Jahrhundert mit originalen Seidenstoffen aus Lyon sowie Wandteppiche, Möbel und italienische Keramiken ergänzen die prunkvolle Ausstattung des Raums.

Der Westflügel des Palais
Im westlichen Flügel des Palais führt eine große Halle sowohl zur privaten Kapelle der Familie Lascaris-Vintimille als auch zu mehreren kleinen Salons entlang der früheren Rue de la Juiverie, der heutigen Rue Benoît Bunico. An den Wänden befinden sich Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts mit religiösen Szenen, biblischen Motiven oder Porträts. Heute sind hier zahlreiche historische Musikinstrumente aus der Sammlung des Museums ausgestellt, die auf die Harfenspielerin und Komponistin Gisèle Tissier-Grandpierre zurückgeht. Die Musikerin, eine Freundin des Komponisten Gabriel Fauré, lebte in Nizza und trug über Jahrzehnte wertvolle Instrumente zusammen, darunter zahlreiche historische Harfen. Insgesamt 65 Instrumente aus der Sammlung befinden sich heute im Palais Lascaris. Damit besitzt das Museum die zweitgrößte öffentliche Sammlung alter Musikinstrumente in Frankreich, nach dem Pariser Musée de la musique.
Neben diesen Ausstellungsräumen befindet sich die barocke Hauskapelle. Ursprünglich diente sie der Familie Lascaris-Vintimille für private Gottesdienste und bis etwa 1750 fanden hier auch Hochzeiten und Taufen aristokratischer Familien statt. Danach verlor die Kapelle ihre religiöse Funktion und wurde in eine Schlafnische umgewandelt. Erst während der Restaurierungsarbeiten in den 1960er-Jahren erhielt der Raum mit seiner reich verzierten Decke aus dem späten 17. Jahrhundert und aufwendigen Stuckarbeiten mit vergoldeten Details wieder sein historisches Erscheinungsbild. Da der ursprüngliche Altar verschwunden ist, wurde die Ausstattung heute mit vergoldete Holzarbeiten aus Kirchen der Region Nizza versehen, ergänzt um Reliquienbehälter, Skulpturen und Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
In den „Salles Gautier“ wird daneben die Sammlung des Musikliebhabers und Juristen Antoine Gautier präsentiert. Gautier, der im 19. Jahrhundert in Nizza lebte, war selbst Musiker und pflegte engen Kontakt zu bedeutenden Künstlern seiner Zeit, darunter auch Gabriel Fauré. Seine Sammlung umfasst rund 225 Musikinstrumente aus aller Welt und zählt damit zu den größten privaten Sammlungen Europas. Besucht werden kann hier außerdem die „Kammer der Jahreszeiten“, mit einer aufwendig verzierten Decke aus dem späten 17. Jahrhundert, und der sogenannte „Salon der Malteserritter“, der die enge Verbindung der Familie Lascaris-Vintimille zum Malteserorden zeigt. Hier ist eine Bronze-Büste von Jean-Paul Lascaris zu sehen, einem ehemaligen Großmeister des Ordens. Zu den außergewöhnlichsten Kunstwerken des Palais gehören außerdem fünf bemalte Lederpaneele aus dem späten 16. Jahrhundert. Sie zeigen Figuren des Alten Testaments wie Jesabel oder Rachel und zählen zu den ältesten erhaltenen vergoldeten Lederarbeiten Frankreichs. Die Werke stammen wohl aus der ehemaligen Synagoge von Nizza und geben bis heute kunsthistorische Rätsel auf.
Musée du Palais Lascaris
15 Rue Droite, 06300 Nizza
Der Eintritt ins Museum ist im French Riviera Pass enthalten.
musermeku dankt dem Office de Tourisme Nice Côte d`Azur für die Bereitstellung des French Riviera Pass.
Bilder: Angelika Schoder – Musée du Palais Lascaris, Nizza 2026
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