[Museums-Tipp] In der französischen Stadt Cagnes-sur-Mer, in der Nähe von Nizza, befindet sich auf dem Hügel Les Collettes ein außergewöhnliches Anwesen: es ist der letzte Wohnsitz des Malers Pierre-Auguste Renoir (1841–1919). Inmitten eines mediterranen Gartens, bepflanzt mit Jahrhunderte alten Olivenbäumen, Orangen- und Feigenbäumen, ist hier seit 1960 das Renoir Museum zugänglich. Die Sammlung des Museums umfasst 13 Originalgemälde von Renoir, rund vierzig Skulpturen, Möbel aus dem Familienbesitz sowie Fotografien, die einen Einblick in das Leben und Werk des bekannten Impressionisten geben.

Impressionismus und darüber hinaus
Renoir wurde 1841 in Limoges geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Früh zeigte sich sein Talent und so besuchte er neben einer Lehre als Porzellanmaler auch Zeichenkurse. Ab 1862 studierte er an der Pariser Kunstschule, wo er Künstler wie Claude Monet und Alfred Sisley traf. Gemeinsam entwickelten sie den Impressionismus weiter, mit einem Schwerpunkt auf Licht, Farbe und Momentaufnahmen des Alltags. In den 1870er-Jahren feierte Renoir dann erste Erfolge; Werke wie „Bal du Moulin de la Galette“ von 1876 machten ihn bekannt. Allerdings sicherten zunächst noch Porträtaufträge seinen Lebensunterhalt. In den 1880er-Jahren widmete er sich nach diversen Reisen, etwa nach Italien, stärker klassischen Formen. Diese Abkehr vom Impressionismus wurde zunächst kritisch gesehen, beeinflusste später aber Künstler wie Pablo Picasso. Im Jahr 1890 heiratete Pierre-Auguste Renoir dann Aline Charigot, mit der er drei Söhne hatte. Familie und Alltag wurden nun zentrale Motive seiner Kunst und Renoir erhielt den Ruf als „Maler des Glücks“, da seine Bilder oft lebensfrohe, harmonische Szenen zeigten.
Diese Lebensfreude ließ sich der Künstler auch nicht durch seinen gesundheitlichen Zustand nehmen: Seit seinem 40. Lebensjahr litt Renoir an schwerem Rheuma, das sich zunehmend verschlimmerte. Im Jahr 1903 zog er daher in das südfranzösische Cagnes-sur-Mer, wo das mildere Klima ihm Linderung verschaffte. Trotz deformierter Hände durch rheumatoide Arthritis arbeitete er in den nächsten Jahren unermüdlich weiter. Hierfür ließ er sich Pinsel an die Hand binden und schuf Gemälde mit leuchtenden Farben und weichen Formen, von mythologischen Szenen über Odalisken und Porträts bis hin zu Stillleben. In dieser Zeit experimentierte er zudem mit der Bildhauerei, angeregt durch den Kunsthändler Ambroise Vollard. Gemeinsam mit Richard Guino (1890–1973) schuf Renoir Skulpturen, die von der griechisch-römischen Mythologie inspiriert waren. Neben der schlechter werdenden Gesundheit erlitt Renoir in seinen letzten Jahren zudem auch persönliche Schicksalsschläge: seine Frau verstarb 1915 und die Verwundung seiner Söhne im Ersten Weltrieg nahmen ihn sehr mit. Dennoch arbeitete der Künstler bis zu seinem Tod im Jahr 1919; noch auf dem Sterbebett soll er nach Leinwand und Pinsel verlangt haben.

Das Anwesen Les Collettes
Das Anwesen der Familie Renoir bei Cagnes-sur-Mer war ursprünglich ein großes landwirtschaftliches Gelände mit uralten Olivenbäumen. Als der vorherige Besitzer plante, das Land an Investoren zu verkaufen, die die Bäume fällen wollten, setzte sich Renoirs Frau Aline für den Kauf des Geländes ein. So konnte die Natur hier erhalten werden und die Familie Renoir konnte sich auf dem Anwesen niederlassen. Ein Jahr nach dem Kauf 1907 wurde der Architekt Jules Fevbre mit dem Bau eines Hauses im neoprovenzalischen Stil beauftragt. Die Villa war funktional und zugleich repräsentativ gestaltet: mit einem Untergeschoss, einem erhöhten Erdgeschoss, einem Obergeschoss und einem Dachboden. Während das Gartengeschoss praktische Räume wie Waschküche und Lagerräume beherbergte, diente das Erdgeschoss unter anderem als Garage. Auch eine bestehende Farm gehörte zum Anwesen; sie wurde für Gäste genutzt und später sogar zur Filmkulisse: 1959 drehte der Sohn des Künstlers, Jean Renoir, dort den Film „Le Déjeuner sur l’herbe“ (Das Frühstück im Grünen). Für die damalige Zeit bot das Anwesen hohen Komfort mit fließendem Wasser, Strom, Telefon und Zentralheizung. Unter den Olivenbäumen befand sich zudem ein Atelier im Freien, das 2019 originalgetreu rekonstruiert wurde.
Das Anwesen wurde von der Familie Renoir ab 1908 bewirtschaftet, ohne den authentischen und wilden Charakter des Ortes zu verändern. Vor allem Aline Renoir kümmert sich um den Garten und pflegt die Olivenbäume, die der Legende nach von den Soldaten François I. gepflanzt wurden. Auch die Bitterorangenbäume, Mandarinenbäume, Weinreben und der Rosengarten wurden von ihr gepflegt, ebenso wie ein Gemüsegarten. Der landwirtschaftliche Betrieb ermöglichte es der Familie, von den Erzeugnissen zu leben, so wurde etwa eigenes Olivenöl in der Mühle von Béal am Fuße des Hügels gepresst und lokale Arbeitskräfte ernteten die Blüten der Orangenbäume, um diese nach Grasse zur Parfümherstellung zu verkaufen. Bis heute hat der Garten um das Renoir Museum seinen Charme aus der früheren Zeit behalten.

Das Renoir Museum
Nach dem Tod des Künstlers im Jahr 1919 erbten seine Kinder das Anwesen, das sie sorgfältig pflegten. Im Jahr 1960 verkaufte der jüngste Sohn des Malers, Claude Renoir (1901–1969) dann das Anwesen an die Gemeinde, die Les Collettes zu einem Museum umbaute. Dabei wurde der ursprüngliche Charakter des Landhauses erhalten, das übrigens auch für Renoir als Motiv in zahlreichen seiner Werke diente. Er sah das Anwesen als „Paradies auf Erden“ und war überzeugt, dass seine Kunst vor allem Schönheit zeigen müsse, um der Härte der Welt etwas entgegenzusetzen.
Heute zeigt das Renoir Museum neben der ursprünglichen Einrichtung auch Gegenstände und Möbel die Renoir gehörten, darunter seine Staffelei und seinen Rollstuhl, sowie Porträts, Landschaften und Aktbilder, die der Künstler schuf. Die Sammlung des Museums umfasst außerdem Fotografien, Briefe, Archivmaterial, Keramiken, sowie persönliche Gegenständen und Möbel, die von der Karriere des Malers, der seiner Söhne, seiner künstlerischen Freundschaften sowie vom Alltag der Familie in Les Collettes erzählen. In der Ausstellung sind insgesamt rund 200 Objekte und Kunstwerke mit Bezug zu Renoir zu sehen, darunter 13 seiner Gemälde.

Renoir als Bildhauer
Die Bildhauerei nahm im Spätwerk von Pierre-Auguste Renoir eine besondere Rolle ein, auch wenn sie lange nicht im Mittelpunkt seines Schaffens stand. Schon in jungen Jahren bewunderte er diese Kunstform und unternahm 1875 erste Versuche als Bildhauer. Wirklich intensiv widmete er sich dem Thema aber erst ab etwa 1907, als er in Cagnes-sur-Mer lebte. Zu diesem Zeitpunkt war seine Krankheit bereits weit fortgeschritten und seine Hände waren durch Rheuma stark beeinträchtigt. Trotz dieser körperlichen Einschränkungen modellierte Renoir zunächst kleinere Werke, darunter ein Medaillon und eine Büste seines Sohnes Claude. Diese Arbeiten weckten das Interesse seines Kunsthändlers Ambroise Vollard, der darin sowohl künstlerisches als auch wirtschaftliches Potenzial erkannte. Da Renoir jedoch nicht mehr selbst modellieren konnte, arrangierte Vollard die Zusammenarbeit mit einem jungen Bildhauer: Richard Guino, der auf Empfehlung des Künstlers Aristide Maillol an die Côte d’Azur kam. Der in Katalonien geborene Künstler hatte eine fundierte Ausbildung und überzeugte Renoir schnell, so arbeiteten beide ab 1913 eng zusammen.
In der Zusammenarbeit lieferte Renoir die künstlerische Vision, bestimmte Themen, fertigte Zeichnungen an und gab genaue Anweisungen zu Haltung und Ausdruck der Figuren. Guino setzte diese Vorgaben dann praktisch um, indem er die Skulpturen in Ton oder Wachs modellierte. Renoir kontrollierte dabei den Fortschritt der Skulpturen und korrigierte Details, oft mithilfe eines Stocks, da er seine Hände kaum noch bewegen konnte. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden rund zwanzig Skulpturen: Sie greifen Motive aus der Natur, dem Alltag und der antiken Mythologie auf. Ein bekanntes Beispiel ist die „Vénus Victrix“, die vor dem Renoir Museum platziert ist und die Besucher begrüßt.

Musée Renoir
19 Chem. des Collettes, 06800 Cagnes-sur-Mer
Der Eintritt ins Museum ist im French Riviera Pass enthalten.
musermeku dankt dem Office de Tourisme Nice Côte d`Azur für die Bereitstellung des French Riviera Pass.
Bilder: Angelika Schoder – Musée Renoir, Cagnes-sur-Mer 2026
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