[Reise-Tipp] Besonders abends zum Sonnenuntergang ist der Schlossberg von Nizza ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische, schließlich hat man von hier aus einen spektakulären Panoramablick über die Stadt, das Mittelmeer und die Küste. Einen Besuch wert sind hier aber auch der Schlossfriedhof und der Jüdische Friedhof in Nizza. An der Côte d’Azur findet man wohl kaum schöner gelegene Grabstätten mit aufwändig gestalteten Skulpturen, die von der Geschichte Nizzas und ihren bekannten Persönlichkeiten erzählen. Zu den berühmtesten hier bestatteten Personen gehören der Autor René Goscinny, der zusammen mit dem Zeichner Albert Uderzo die „Asterix“ Comics schuf, der Unternehmer Emil Jelline, der als Begründer der Marke Mercedes gilt, der Juwelier Alfred Van Cleef, sowie Marguerite Duthuit-Matisse, die Tochter des Malers Henri Matisse.


Die Geschichte des Cimetière du Château
Der Schlossfriedhof von Nizza gehört zu den bekanntesten historischen Friedhöfen der französischen Riviera. Der Friedhof, der heute rund 2.800 Grabstätten umfasst und mit einer Fläche von rund 14.000 Quadratmetern zu den größten Friedhöfen der Stadt zählt, geht auf das Jahr 1783 zurück. Damals wurde die Anlage eines Friedhofs auf dem Gelände der ehemaligen Zitadelle von Nizza notwendig, nachdem König Viktor Amadeus III. von Sardinien per Erlass die bis dahin übliche Bestattung in Kirchen verboten hatte. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Bischof von Nizza ähnliche Maßnahmen veranlasst. Bis dahin wurden Angehörige des Adels häufig in Seitenkapellen der Kirchen beigesetzt, während die einfache Bevölkerung in Gemeinschaftsgräbern unter den Kirchenschiffen ihre letzte Ruhe fand. Aus hygienischen und städtebaulichen Gründen sollte diese Praxis beendet werden.
Als neuer Standort für einen Friedhof in Nizza wurde die ehemalige Festungsanlage auf dem Schlossberg ausgewählt. Hier befand sich früher eine Zitadelle, die aber bereits im Jahr 1706 von den Truppen Ludwigs XIV. weitestgehend zerstört worden war. Das brachliegende Gelände, auf dem nur noch Ruinen zu finden waren, bot ausreichend Platz für einen großen Friedhof. Gleichzeitig entstanden auch weitere Begräbnisstätten auf den damals noch ländlich geprägten Hügeln rund um Nizza.
Zum christlichen Friedhof, dem Cimetière du Château, kam später im südlichen Bereich der Cimetière Israélite hinzu, der Jüdische Friedhof. Er ersetzte den seit dem Mittelalter bestehenden jüdischen Begräbnisplatz am Fuß des Schlossbergs in der Nähe der Rue Sincaïre.


Die Grabstätten des Friedhofs
Ein besonderes Denkmal auf dem Cimetière du Château erinnert an eine der größten Tragödien der Stadtgeschichte: Nach dem verheerenden Brand der Oper von Nizza im Jahr 1881, bei dem rund 200 Menschen ums Leben kamen, wurde am Eingang des Friedhofs eine pyramidenförmige Gedenkstätte errichtet, um an die Opfer des Unglücks zu erinnern. Neben dem Eingang befindet sich zudem die Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit, die 1935 nach Plänen des Architekten François Aragon errichtet wurde.
Die Grabarchitektur auf dem Friedhof ist von unterschiedlichen Stilrichtungen geprägt: Während ältere Gräber aus dem frühen 19. Jahrhundert sich an antiken römischen Sarkophagen orientieren und im neoklassizistischen Stil gestaltet sind, zeigen die Grabkapellen überwiegend Einflüsse der ligurischen Baukunst; sie sind teilweise aber auch neugotisch oder neoklassizistisch gestaltet. Ein Highlight sind die insgesamt acht Skulpturen auf Grabmälern, die von Künstlern stammen, die mit dem renommierten Prix de Rome ausgezeichnet wurden. Ein genauer Blick lohnt sich aber auch auf andere Gräber, denn einige tragen noch heute Spuren von Bombensplittern aus dem Zweiten Weltkrieg.


Die Persönlichkeiten auf dem Schlossfriedhof
Auf dem Cimetière du Château de Nice fanden Menschen aus allen sozialen Schichten ihre letzte Ruhestätte, vom einfachen Volk des historischen Altstadtviertels bis hin zu angesehenen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft. Auch zahlreiche internationale Persönlichkeiten, die Nizza seit dem 19. Jahrhundert geprägt haben, sind hier begraben.
Zu den bedeutenden Persönlichkeiten aus Nizza zählen der Admiral Félix de Constantin de Châteauneuf, der Korsar Joseph Bavastro sowie General Éberlé. Auch mehrere Dichter, Wissenschaftler, Maler, Architekten und Politiker ruhen auf dem Friedhof. Dazu gehören unter anderem die Schriftsteller Joseph-Rosalinde Rancher und Agathe-Sophie Sasserno, die Naturforscher Antoine Risso und André Verany sowie die ehemaligen französischen Minister Édouard Corniglion-Molinier und Édouard Grinda. Ebenso befinden sich hier die Gräber bedeutender Unternehmer und Kulturförderer, die zur Entwicklung der Stadt beigetragen haben. Eine besondere Verbindung zur italienischen Geschichte zeigt sich durch das Grab von Rosa Garibaldi, der Mutter des Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi. Auch der Schriftsteller Louis Nucéra erhielt 2019 auf dem Schlossfriedhof seine endgültige Ruhestätte.
Neben den lokalen Persönlichkeiten sind auf dem Schlossfriedhof bzw. auf dem dabenen gelegemen Jüdischen Friedhof in Nizza auch zahlreiche international bekannte Namen vertreten. Dazu zählen der russische Denker Alexandre Herzen, der als Wegbereiter des russischen Sozialismus gilt, der Unternehmer Emil Jellinek, der maßgeblich zur Entstehung der Automobilmarke Mercedes beitrug, sowie der französische Politiker Léon Gambetta. Außerdem sind hier der Juwelier Alfred Van Cleef beigesetzt, sowie der Schriftsteller Gaston Leroux und der Comic-Autor René Goscinny. Der „Asterix und Obelix“ Mit-Erfinder war eigentlich zunächst auf dem Friedhof Montparnasse in Paris beigesetzt und später auf den Friedhof La Caucade in Nizza umgebettet worden. Schließlich wurde sein Grab auf den Jüdischen Friedhof verlegt.


Der Jüdische Friedhof in Nizza
Die Stadt Nizza verfügt über eine relativ lange jüdische Geschichte; bereits 1418 wurde die erste Synagoge der Stadt errichtet. Im Mittelalter lebten viele Juden zunächst in einer eigenen, nachts verschlossenen Straße in der Altstadt. Der Kontakt zur übrigen Bevölkerung war dennoch eng, so wurden etwa geheime Durchgänge zwischen dem jüdischem Wohnviertel und der restlichen Altstadt geschaffen, um das Zusammenleben der Menschen zu erleichtern. Ab dem Jahr 1783 wurden nicht nur die christlichen Begräbnisstätten auf den Schlossfriedhof verlegt, nachdem Bestattungen in Kirchen in der Stadt untersagt worden waren. Auch der jüdische Friedhof wurde umgesiedelt und auf den Schlossberg verlegt.
Der Cimetière Israélite verweist auch auf die Geschichte der Juden während des Zweiten Weltkriegs: Während Nizza zunächst vielen jüdischen Flüchtlingen Schutz bot, änderte sich die Situation 1943 mit der deutschen Besatzung. Zahlreiche Menschen wurden in dieser Zeit deportiert und ermordet. Heute erinnern mehrere Gedenkstätten auf dem Friedhof an die Opfer des Nationalsozialismus: Eine Gedenktafel würdigt die 3602 aus Nizza deportierten Juden. Direkt hinter dem Eingang befindet sich zudem ein Mahnmal für die Widerstandskämpfer und Verfolgten der jüdischen Gemeinde. Dort werden Asche aus Auschwitz und weitere Zeugnisse der nationalsozialistischen Verbrechen aufbewahrt.
Im vorderen Teil des Friedhofs befinden sich die historischen jüdischen Grabstätten, teils sogar aus der Zeit des Mittelalters, die im 18. Jahrhundert hierhin verlegt wurden. Im hinteren Bereich findet sich außerdem ein moderner Friedhofsteil.


Cimetière du Château de Nice & Cimetière Israélite
Allée François Aragon
Château de Nice, 06000 Nice
Bilder: Angelika Schoder – Cimetière du Château de Nice & Cimetière Israélite, Nizza 2026
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