Von Snapchat bis Instagram Stories: Content-Formate für den Kulturbereich

Im Kulturbereich wird Video-Content immer wichtiger. Bewegtbild lässt sich schnell konsumieren und Inhalte können kurzweilig präsentiert werden. Besonders jüngere Zielgruppen lassen sich damit leichter erreichen, als mit langatmigen Texten. Neben YouTube spielen dabei zunehmend auch kurze Video-Formate eine immer größere Rolle, besonders Snapchat und Instagram Stories. Doch egal ob man sich für ein längeres Video entscheidet oder für eine kurze Story – auf das Konzept kommt es an. Ein Überblick über empfehlenswerte Content-Formate für den Kulturbereich…


 

Authentizität mit Content-Leitfaden

Snapchat und Instagram Stories gelten als „authentisch“, obwohl die Inszenierung einer Person oder Institution hier exakt den gleichen Mechanismen folgt, wie etwa bei YouTube. Inhalte werden so oft wiederholt aufgenommen oder angepasst, bis das Ergebnis perfektioniert ist. Was bei vielen so spontan und „natürlich“ daher kommt, ist oft bis ins Detail geplant.

Die Tatsache, dass sich Snapchat- und Instagram-Profis im Voraus eine Art Conent-Leitfaden erstellen (sei es lose im Kopf oder tatsächlich gescriptet), führt jedoch nicht dazu, dass sie als „un-authentisch“ empfunden werden. Ganz im Gegenteil: Diese Akteure liefern inhaltlich relevante, unterhaltsame und teilweise emotionalisierende Inhalte, die nicht nur dazu führen, dass Nutzer ihre Stories bis zu Ende anschauen (ein Überspringen der Story wäre jederzeit möglich), sondern dass User die Akteure sogar ihren Freunden weiterempfehlen.

 

Content-Formate für Snapchat und Instagram Stories

1) Blick hinter die Kulissen

  • Residenztheater (@residenztheater)

Für das Residenztheater in München zeigt Ingo Sawilla nicht nur, wie es Backstage aussieht, sondern erklärt auch, was genau vor einer Aufführung vorbereitet wird, was währenddessen stattfindet, wer die Akteure sind, wie die Kulissen funktionieren oder wie die Proben ablaufen. Bilder und Videos sind dabei entweder mit erklärenden Beschriftungen versehen oder er ergänzt das Gezeigte knapp und informativ mit eigenen Worten.


 

2) Guided Tour

  • Kulturfritzen (@kulturfritzen)

Marc Lippuner und Anne Aschenbrenner führen ihre Follower als klassische Tour-Guides z.B. durch deutsche oder österreichische Städte und Museum. Auch sie folgen dabei – wie bei einer guten Führung – oft einer überlegten Dramaturgie und kombinieren dabei geschickt verschiedene Bild- und Video-Funktionen. Ihre virtuellen Führungen bleiben dadurch nicht nur abwechslungsreich, sondern sie verlieren auch den Inhalt – den roten Faden seiner Story – nicht aus den Augen.


 

3) Inszenierung mit Kunst

  • Los Angeles County Museum of Art (@lacma)

Der Snapchat-Account des LACMA ist mittlerweile schon mehrfach ausgezeichnet worden, etwa 2016 mit einem Webby Award in der Kategorie „Culture & Lifestyle“. Kunstwerke dienen dem Museum häufig als „Hintergrund“ für die Inszenierung verschiedener Handlungen oder Inhalte – von einem Schnelldurchlauf durch die Geschichte von „Herr der Ringe“ bis hin zur Bebilderung bekannter Pop-Songs, etwa „Sk8er Boi“ von Avril Lavigne. Inhalte zur Kunst werden so sicher nicht vermittelt, aber dem Museum scheint es zu genügen, dass der Spaß bei den Followern fantastisch ankommt.


 

4) Inszenierung von Kunst

  • Georgia Museum of Art (@georgiamuseum)

Welche Kunstwerke erwarten die Besucher in der nächsten Ausstellung? Und wann eröffnet sie? Schlicht, aber aussagekräftig zeigt das Georgia Museum of Art seine Kunstwerke im Story-Format. Auch wenn der Spannungsbogen oft fehlt – die Herausforderung, Ausstellungsobjekte spannend zu filmen und zu fotografieren, ist nicht zu unterschätzen.


 

5) Event-Berichte

  • Casa Batlló (@casabatllo)

Via Snapchat oder Instagram Stories von Veranstaltungen zu berichten, dürfte für die meisten Institutionen das leichteste Einstiegsformat sein. Dennoch ist hier ein Konzept wichtig, da es für den Nutzer wenig Mehrwert bringt, wenn hier einfach Räume voller Menschen fotografiert oder gefilmt werden. Stattdessen können Vorbereitungen für ein Event gezeigt und erklärt werden, auf den Hintergrund der Veranstaltung kann eingegangen werden und während des Events können verschiedene Akteure vorgestellt werden. Ein Beispiel lieferte die Casa Batlló in Barcelona zum Tag des Heiligen Sankt Georg (Sant Jordi) am 23. April.


 

6) Erklär-Video

  • Musik – mit allem und viel scharf (@mmauvs bei Snapchat)

Komplexe Themen lassen sich auch in kurzen Videos bei Snapchat oder Instagram Stories erklären, zumindest wenn man genug Clips hintereinander aufnimmt. Eindrucksvoll zeigte dies Juana Zimmermann für Musik – mit allem und viel scharf, als sie bei Snapchat die Geschichte und Konzept der Zwölftonmusik erklärte. Theoretisch ließe sich so fast jedes Thema erklären, ob Hintergründe zu einem Künstler, Thesen zu einer Ausstellung oder Inhalte einer Oper – Hauptsache das Konzept stimmt.


 

7) Takeover

  • Schirn (schirnsnaps bei Snapchat)

Einen neuen Blickwinkel auf eine Institution ermöglicht ein Account-Takeover, also die Übergabe des Kanals an einen externen Akteur. Ein Beispiel ist hier die Schirn in Frankfurt, die zum Start der Ausstellung „Ich“ im März 2016 ihren Account an den Künstler Chang Dreihzen von Vodoo Chanel weitergab. Dieser bespaßte den Snapchat-Account mit wunderlichem Kram. Was das sollte, wusste vielleicht nicht einmal er selbst und es ist fraglich, ob der Content in diesem Fall in irgendeiner Art und Weise im Voraus geplant war, aber es war in jedem Fall unterhaltsam anzuschauen.


 

8) Q&A

Im Q&A-Format (engl.: questions and answers) können Follower per Chat Fragen stellen. Der Adressat bzw. Account-Betreiber liest diese entweder in einem Video vor, zeigt Screenshots der Fragen oder schreibt den Fragen-Text in Fotos zum Mitlesen auf – und beantwortet die gestellten Fragen dann. Leider fehlen hier Beispiele dieses Content-Formats für den Kulturbereich. Als Snapchat-Beispiel kann hier aber Thomas Schwenke (thschwenke) genannt werden, der so ab und an die Rechtsfragen seiner Follower beantwortet.


 

9) Challenges

Interaktiv wird es, wenn den Followern eine Aufgabe (Challenge) gestellt wird, zu einem bestimmten Thema Videos oder Bilder via Chat zu senden. Diese Einsendungen (oder eine Auswahl davon) können dann wiederum im eigenen Account bei Snapchat oder in der Instagram Story gezeigt werden. Auch hier fehlt ein Beispiel aus dem Kulturbereich, als Snapchat-Beispiel kann der Norweger Geir Ove Pedersen (@geeohsnap) genannt werden. Der Illustrator speichert die ihn erreichenden Snaps, die ihm User als Antwort auf eine Challenge senden, als Screenshot auf seinem Handy und snapped diese dann mit einem zweiten Mobiltelefon ab.


 

10) Listicles

Das Format der gelisteten Information (engl.: list + article) passt natürlich auch zu Snapchat oder Instagram Stories. Für den Kulturbereich fehlen auch hier die Beispiele, denn leider scheint bei vielen Museen und Kulturinstitutionen das Format generell keine große Beachtung zu finden. Doch was spricht dagegen, „Die 10 blauesten Werke unserer Sammlung“ zu zeigen (inklusive einer kurzen gesprochenen Erklärung) oder „Die 12 schönsten Frauen(-Bilder) im Museum“ (je versehen mit Werktitel und Künstler).


 

Mehr Reichweite für kurze Video-Formate

Wer eine relevante Reichweite bei Snapchat oder Instagram Stories erzielen will, sollte regelmäßig gut konzipierten Content bereitstellen und auch die Dialogmöglichkeiten nutzen. So simpel und doch so kompliziert, denn sowohl Snapchat als auch Instagram können damit ebenso zeitaufwändig werden, wie die Pflege eines YouTube-Kanals.

Für Kulturinstitutionen und Museen bedeutet das also nicht, dass Snapchat und Instagram „nebenher“ einfach mitbedient werden können. Ebenso wie es völlig absurd wäre zu denken, man könnte irgendeinen beliebigen Social Media Account wie beiläufig führen, ohne dass das schlechte Ergebnis dem Image der Institution letztendlich eher schadet als nützt.

 

Header-Bild: Angelika Schoder – château de Versailles, 2017

12 Gedanken zu „Von Snapchat bis Instagram Stories: Content-Formate für den Kulturbereich

  1. Alex Antworten

    Liebe Angelika !
    Wie immer ein gelungener Beitrag (*flauschflausch*) – das Leopoldmuseum in Wien muss ich aber auch als sehr gutes Beispiel erwähnen – die Snaps sind wirklich immer sehr gelungen – witzig – ironisch.

    Ich für meinen Teil habe noch so meine Probleme mit Snapchat (jetzt nur rein von der Anwendung her – Bitte wie geht das mit den Gesichtsfiltern ???!!! 😉 …. ), ansonsten gefällt mir der Zugang und die angebotenen Stories ganz gut.

    Viele liebe Grüße
    Alex

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Alex,

      der Gesichtsfilter funktioniert, indem du die Kamera auf dein Gesicht richtest und so lange auf den Bildschirm tippst, bis die App das Gesicht erkannt hat und dir Filter anzeigt (vorher musst du Snapchat eine Standortfreigabe erteilen). 😉 Eigentlich hilft nur ausprobieren und rumtüddeln!
      Das Leopold Museum war für mich bisher sehr stark am LACMA orientiert, daher habe ich es jetzt nicht separat erwähnt. Auch wenn es bei den Wienern schon gut ist, da ginge noch mehr finde ich…

      Viele Grüße, Angelika

  2. Marc Lippuner (Kulturfritzen) Antworten

    liebe angelika,
    danke für den umfassenden blogpost und die lobende erwähnung. in der tat überlege ich mir vorab, was ich wohl erzählen könnte, ohne immer zu wissen, wohin die reise führt. ich habe gemerkt, dass es gut ist, am anfang kurz zu erklären, was das ziel der folgenden snaps ist, so schaffe ich mir selbst eine struktur und verhindere ausuferndes erzählen. ich bin erstaunt, wie gut das auch funktioniert, wenn ich unbekanntes terrain betrete (z.b. eine mir nicht bekannte ausstellung, eine theatervorstellung, während der man ja nicht snappt).
    gut, dass du auch erwähnst, dass es ein ziemlicher zeitfresser ist, der sich nicht so einfach in den alltag integrieren lässt (zumindest nicht, wenn man einem konzept folgt). für die guided tours brauche ich schon etwa zwei stunden, in denen ich nicht sozial kompatibel bin (zitat: „sowas kann man echt nicht zu zweit machen, melde dich, wenn du fertig bist“), das ergebnis ist dann maximal drei minuten lang.
    danke auch für die auflistung der formatideen. neben den guided tours werde ich auf jeden fall die listicles als format aufnehmen. das lässt sich sicher auch prima mit spaziergängen kombinieren („die 10 bemoostesten statuen im schlosspark sanssouci“ u.ä.). 🙂
    viele grüße aus berlin,
    marc

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Lieber Marc,

      bitte etabliere endlich den Kultur-Listicle! 😉 Ich finde das Format so toll und stelle es mir witzig und kurzweilig vor, wenn es gut gemacht ist. Wenn man ehrlich ist, liest man sowas bei Buzzfeed & Co. doch selbst mal ganz gerne – warum also nicht mal für Kulturthemen!?

      Danke, dass du hier auch nochmal den Aufwand schilderst, den so eine gut durchdachte Snapchat-Story macht. Ich muss ehrlich sagen, ich finde man merkt auch an der Qualität deiner Stories, dass du viel Zeit investierst. Dafür ist das Ergebnis auch sehr gelungen! Und eigentlich ist man im Real Life doch immer sozial inkompatibel, wenn man gerade konzentriert arbeitet – nur mit dem Handy in der Hand und unterwegs sieht es für andere nicht nach Arbeit aus. Würde man statt dessen am Laptop am Schreibtisch sitzen wüsste jeder gleich: Da wird gearbeitet! Vielleicht ändert sich die Wahrnehmung ja mal… 😉

      Viele Grüße, Angelika

    • Huflaikhan

      In der Tat. Die Sache mit dem Aufwand muss man doch erwähnen. Und mit der Technik – mein Teil wird immer müder und ruckeliger. Ich habe nur so fünf, sechs Snapper abonniert. Aber allein das zu schauen, was die machen, ist zeitlich aufwendig. Alles für 24 Stunden Existenz.

    • Huflaikhan

      Apropos: Das Residenztheater habe ich doch wieder rausgekickt. Irgendwann war mir das Bühnenauf- und -abbauen doch zu wenig interessant. Die Sache ist ja doch auch: Man muss schon echt entertainen können. Thomas Schwenke, Knüwer oder Gutjahr haben das extrem gut drauf. Das geht in den zehn Sekunden selten ein Wort verloren.

      Was ich andererseits prinzipiell gut finde, ist, dass die Filmtechnik nicht das Medium beherrscht. Im Videobereich ist das ja fast komplett verschwunden. Da muss es mit Stativ und Profikamera laufen, Ansteckmikrofon … Snapchat setzt da wieder unten an. Das gefällt. Da ist die Zugangsschwelle niedrig geworden.

      Wie man da aber ein Publikum aufbauen will, ist mir nach wie vor schleierhaft. Und grundsätzlich finde ich es immer problematisch, sich an eine Plattform ranzuhängen, über die man nicht selbst verfügen kann. Egal ob Facebook, Twitter oder Snapchat.

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo und vielen Dank für die Anmerkungen.

      Wahrscheinlich wird man als Institution einen größeren Interessentenkreis auf sich ziehen, wenn man „entertainen kann“, das ist schon richtig. Daher geht es ja darum, sich ein Konzept für eine Snapchat-Story zu überlegen – ob das dann letztendlich bei den Rezipienten ankommt, mag dann wiederum individuelle Geschmacksache sein. Ein größeres Publikum kann man sich im Moment bei Snapchat jedenfalls nur über Empfehlungen aufbauen, d.h. entweder man verfügt bereits über Fans (z.B. bei Twitter und Facebook) und weist diese auf den eigenen Snapchat-Kanal hin, oder die Fans empfehlen einen Kanal direkt weiter. Ein gutes Beispiel ist hier ja Thomas Schwenke, der immer wieder empfohlen wird – so dürfte er mittlerweile sicher bereits eine nicht unerhebliche Anzahl an Zuschauern bei Snapchat bekommen haben.

      Jeder, der die Charakteristika einer Drittanbieter-Plattform ablehnt, könnte den eigenen Inhalt natürlich auch bei Snapchat herunterladen und auf einem selbst gehosteten Format weiter nutzen, etwa indem man eine Story im eigenen Blog hochläd (wenn man es denn für nötig hält). So ließe sich auch das „Verfallsdatum“ der 24 Stunden umgehen. Einige Stories sind sicher zu schade, dass sie verschwinden. Häufig ist es aber auch ganz gut so, dass der Content nach einem Tag wieder gelöscht wird.

      Übrigens: Da man bei Snapchat Stories mit einem „Wisch“ überspringen kann oder auch mit Tippen „vorspulen“ kann, ist es eigentlich nicht nötig sich beim folgen auf wenige Kanäle zu beschränken. Je nach Lust und Zeit kann man ja auswählen, was und wie viel man schaut. Bei einem Fernseher hat man ja auch lieber die Auswahl aus vielen Kanälen. 😉

      Viele Grüße, Angelika

  3. Marlene Antworten

    Super Beitrag! Vielen Dank, sehr gelungen, tolle Infos und neue Leute auf Snapchat geaddet! Danke ➡️ art2marlene

  4. Kirsten Antworten

    Liebe Angelika!
    Ein super Blogpost zu dem Thema Snapchat und schon habe ich ein paar mehr Accounts zu meiner Freundesliste hinzugefügt!
    Danke für die Empfehlungen!
    Beste Grüße,
    Kirsten

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Kirsten,

      freut mich, dass ich beim Entdecken helfen kann. Du selbst bist ja mit -> knightlyart auch schon fleißig mit dabei! 😉

      LG Angelika

  5. Pingback: Snapchat Top 10 aus Deutschland | Ergebnis einer Umfrage | MINISTRY Group Blog

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