Leitfaden für ein Volontariat im Museumsbereich

Vor kurzem wurden das Jüdische Museum Berlin und das Museum für Kommunikation in Frankfurt bei der Bundesvolontärstagung 2018 mit dem „Goldenen V“ ausgezeichnet, als Zeichen dafür, dass die Museen vorbildliche Volontariate anbieten. Beide Institutionen zeigen, dass es für Museen nicht nur möglich ist, den „Leitfaden für das wissenschaftliche Volontariat im Museum“ des Deutschen Museumsbunds zu erfüllen, sondern Volontäre sogar darüber hinaus zu fördern. Nachdem vor kurzem hier bei MusErMeKu die Volontäre zu Wort kamen und aus ihrer Perspektive schilderten, was für sie ein gutes Volontariat im Museumsbereich ausmacht, wollten wir nun auch von den Museen wissen: Was empfehlen diese anderen Kulturinstitutionen bei der Ausgestaltung von Volontariatsstellen?


 

Die Initiative für ein vorbildliches Volontariat im Museumsbereich

Als Bundesmuseum, das zudem eines der größten in Deutschland ist, hat das Jüdische Museum Berlin den Auftrag, Museumsnachwuchs auszubilden und zu qualifizieren. Leonore Maier, Kuratorin für Alltagskultur/ Sammlungen, betreut als Ansprechpartnerin die Volontäre des Museums. Für sie ist ein Volontariat ein gegenseitiges Geben und Nehmen: „Wenn gut qualifizierte, motivierte und engagierte Bewerberinnen und Bewerbern Interesse haben, ein Museumsvolontariat zu absolvieren, sollten dazu möglichst gute Rahmenbedingungen geboten werden“, betont sie. Das Jüdische Museum Berlin unterstützt deshalb die „Initiative für ein Vorbildliches Volontariat“ und hat das entsprechende Formular unterzeichnet. Die dortigen Empfehlungen werden seit Jahren im Museum umgesetzt:

 

  • Das Volontariat verläuft nach einem Curriculum, in dem die Inhalte formuliert sind. Hierzu gehören projektbezogene, selbstständige Tätigkeiten und der umfassende Einblick in alle Arbeitsbereiche der Einrichtung.
  • Der Arbeitsvertrag sieht eine Vollzeitstelle vor. Das Volontariat darf 24 Monate nicht überschreiten.
  • Die Volontäre werden von einem verantwortlichen Ansprechpartner betreut.
  • Ein eigener Arbeitsplatz mit notwendiger technischer Ausstattung wird zur Verfügung gestellt.
  • Die Volontäre haben Anspruch auf die Teilnahme an Lehrgängen, Fortbildungen und relevanten Tagungen, im Rahmen der Möglichkeiten der Institution auch auf Bundes- und Landesebene.
  • Eine Vergütung erfolgt mindestens in Höhe der Hälfte des Endgrundgehalts der Entgeltgruppe 13, Stufe 1, des TVöD.

 

Die Bedeutung des Gebens uns Nehmens betont auch Helmut Gold, Kurator der Museumsstiftung Post und Telekommunikation und Direktor des Museums für Kommunikation in Frankfurt. Während gut ausgebildete junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Museum neue Impulse und Ideen bringen, soll ihnen im Gegenzug natürlich auch Förderung von der Institution entgegen gebracht werden: „Wir versuchen den Volontären möglichst breit die relevanten Bereiche und Arbeiten des Museumsalltags zu vermitteln und auch Verantwortung zu übertragen, wo es möglich ist“, so der Museumsdirektor.

 

Zusätzliche Unterstützung von Volontären

Das Jüdische Museum Berlin bietet für Volontäre aber noch mehr, als die „Initiative für ein Vorbildliches Volontariat“ anregt, so Leonore Maier: „Uns ist die Möglichkeit der Vereinbarung von Familie und Beruf wichtig, daher gibt es in unserem Museum auch Teilzeitmodelle für Volontariate. Es gibt außerdem ein festgeschriebenes Fortbildungsbudget pro Volontariat und die Volontärinnen und Volontäre haben vier Studientage pro Jahr zur Verfügung, an denen sie z.B. für Ausstellungsbesuche in anderen Häusern freigestellt werden. Außerdem haben sie die Möglichkeit, am 3-monatigen Austauschprogramm des Deutschen Museumsbunds für wissenschaftliche Volontärinnen und Volontäre an Museen oder Ausstellungszentren in Deutschland und Frankreich teilzunehmen. Das Volontariat wird dann unterbrochen, nach dem Austausch wird es wieder fortgesetzt. Volontäre können die Teilnahme an dem Programm durch ein Stipendium finanzieren.“ Bisher haben ein Volontär und eine Volontärin des Jüdischen Museums Berlin diesen Austausch in Paris gemacht, eine dritte Volontärin nimmt seit April am Austauschprogramm in Marseille teil.

Auch das Museum für Kommunikation in Frankfurt bietet seinen Volontären die Möglichkeit, außerhalb der Institution Erfahrungen zu sammeln, so Museumsdirektor Helmut Gold: „Da wir eine Stiftung mit drei Museen sind, besteht bei uns die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und die anderen Häuser und deren Volontärinnen und Volontäre kennenzulernen.“ Grundsätzlich ist es das Ziel des Museums für Kommunikation, seine Volontäre durch die Ausbildung auf spätere Führungsaufgaben in Museen vorzubereiten. Dazu gehört es, neben wissenschaftlichen Kenntnisse im Rahmen des Volontariats auch Erfahrungen im Bereich Management zu sammeln, etwa was Ausschreibungen, Vergabeverfahren, Sponsoring oder Budgetverwaltung anbelangt. „Unsere Volontärinnen und Volontäre nehmen z.B. an den vierteljährlichen Reporting-Sitzungen teil, wo alle Bewirtschafter berichten. Ähnliches gilt auf für Liegenschaftsangelegenheiten, denn das ist später Museumsalltag. Dazu gehören natürlich auch Fragen der Personalführung, soweit man hier keine persönlichen Daten weitergibt“, so Helmut Gold.

Für die Ausbildung seiner Volontäre hat das Museum für Kommunikation einen eigenen Katalog entwickelt, der als Leitfaden in der ganzen Stiftung dient. „Ziel unserer Darstellung ist es, den Volontärinnen und Volontären sowie den sie betreuenden Vorgesetzten damit eine Orientierung an die Hand zu geben, um während der Dauer des Volontariats zu verfolgen, wo bereits Schwerpunkte und vertiefte Kenntnisse bestehen und wo noch Erfahrungen zu sammeln sind.“ Anhand des Katalogs werden die Projekte der Volontäre dokumentiert, was am Ende des Volontariats auch die Zeugnisformulierung erleichtert. Grundsätzlich ist dieser interne Volontariatsleitfaden sehr umfangreich und breit angelegt, räumt Helmut Gold ein. „Es ist kein Minimalkatalog sondern eher eine Idealvorstellung. In der Praxis wird es immer so sein, dass sich der eine oder andere Punkt vielleicht nicht in der gewünschten Tiefe erfüllen lässt  – dafür andere um so mehr.“

 

Hinweise für Museen und Kultureinrichtungen

Für Leonore Maier vom Jüdischen Museum Berlin ist es wichtig, auf der einen Seite das Wissen und die Fähigkeiten, die Volontäre in eine Institution mitbringen, anzuerkennen und zu nutzen. Auf der anderen Seite sollte eine Einrichtung aber auch die spezifischen Interessen von Volontären zu beidseitigem Nutzen fördern. Am Ende sollten Volontäre ihre Ausbildung mit einem klaren Profil beenden, betont sie. „Wichtig sind klare Strukturen und eine oder mehrere Ansprechpersonen und Mentoren, welche die Volontäre während ihrer Ausbildung begleiten und betreuen. Dies hat viel mit der Haltung eines Hauses zu tun, sprich mit der Anerkennung des Volontariats als Ausbildung, in die Zeit investiert werden muss“, betont Leonore Maier. Ihr Tipp für andere Museen ist es, Projekte und Ziele eines Volontariats vorab zu definiert und immer wieder im engen Austausch abzugleichen.

Auch Helmut Gold, Direktor des Museums für Kommunikation in Frankfurt, empfiehlt den engen Austausch mit den Volontären: „Der einfachste Weg ist, die Volontäre selbst zu fragen und einzubeziehen in die Planung ihrer eigenen Ausbildung. Besonders ehemalige Volontäre können aus eigener Erfahrung gut ermessen, was bei der Ausbildung wichtig war, aber auch was sie vermisst haben. Wir haben bei der Erstellung unseres Katalogs der Ausbildungsinhalte hier wertvolle Hinweise bekommen“, so Goldt.  Auch der Austausch mit anderen Häusern sei hilfreich, so der Museumsdirektor. Er empfiehlt außerdem den „Arbeitskreis Volontariat“ des Deutschen Museumsbunds als Ansprechpartner.

 

Empfehlungen von Volontären

Die Volontärinnen und Volontäre des Jüdischen Museums Berlin und des Museums für Kommunikation in Frankfurt, die ihre Arbeitgeber für das „Goldene V“ im Rahmen der Bundesvolontärstagung vorgeschlagen hatten, gaben hier im Blog Tipps, auf was man bei einem Volontariat im Museumsbereich achten sollte.

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Header-Bild: Photo Triennale Hamburg – Angelika Schoder, 2015