Was die Kulturwelt im Innersten zusammenhält – Einblicke in Volontariat- und Trainee-Stellen

Sie werden dingend gebraucht, das betonte Günter Schuchardt, der Präsident des Museumsverbands Thüringen, zu Beginn des Jahres gegenüber den neuen Volontären des Freistaats. 21 Akademiker starten jetzt zu Beginn des Jahres ihr Volontariat als 2-jährige Ausbildung in 12 Thüringer Museen und Gedenkstätten.

Bis 2020/21 werden noch zwei weitere Ausbildungszyklen folgen. In den sechs Jahren wird das Thüringische Landes-Volontärprogramm somit wohl rund 60 Nachwuchskräfte für den Bildungs- und Kulturbereich ausbilden. Doch welche Berufsperspektiven haben Volontäre? Und wie sieht es mit der „Ausbildung“ im Volontariat aus? MusErMeKu sprach mit einem Volontär und einer Trainee über ihre Erfahrungen…

 

Fachkräftebedarf durch Generationswechsel

Nach Aussage des Verbandspräsidenten des Museumsverbands Thüringen seien 3/4 der ca. 900 fest angestellten Mitarbeiter in den 230 Mitgliedsinstitutionen des Museumsverbands Thüringen über 50 Jahre alt. Der Generationswechsel würde daher unmittelbar bevorstehen. Die Hoffnung bestünde, so Schuchardt, dass nach dem Volontariat möglichst viele Nachwuchskräfte auch übernommen werden könnten. Laut Bernhard Hoppe, Museumsreferent der Kulturabteilung der Thüringischen Staatskanzlei, sei Thüringen das erste Bundesland in Deutschland, das so ein Landesprogramm für junge Nachwuchswissenschaftler in Museen umsetze. Anderen Bundesländern würden bereits Anfragen zum Thüringer Programm stellen, wie es heißt.

Das „Volontärs-Konzept“ scheint gefragt zu sein – wobei v.a. seitens der Volontäre damit die Hoffnung verbunden sein dürfte, im Anschluss tatsächlich übernommen zu werden oder zügig eine Anschlussstelle zu finden und nicht einfach durch den nächsten Volontär ersetzt zu werden. Nicht wenige haben die Befürchtung, dass altersbedingt frei werdende feste Stellen nicht neu besetzt werden, sondern die Aufgaben in den Institutionen – aufgrund von knappen Mitteln – einfach auf weitere Volontäre und Praktikanten übertragen werden. Denn solche Stellen sind deutlich günstiger – oder gratis.

 

Qualifizierter Nachwuchs, der dennoch ausgebildet werden muss

Volontäre und Trainees sind im Bildungs- und Kulturbereich gefragte Arbeitskräfte. Sie verfügen über ein abgeschlossenes Studium, oft auch eine Promotion, haben meist Auslandserfahrung, einschlägige Kenntnisse mit Datenbanken und Katalogisierungssystemen, beherrschen mehrere CMS, haben Kenntnisse in der Bildbearbeitung und können Videoschnittprogramme bedienen, haben pädagogisch-didaktische Erfahrungen in der Vermittlungsarbeit, verfügen über einen Führerschein der Klasse B (am besten mit eigenem Auto) und sind natürlich sicher im Umgang mit MS Office Anwendungen. Verhandlungssicheres Englisch ist selbstverständlich, mindestens eine weitere Fremdsprache ohnehin, sämtliche Social Media Plattformen beherrschen sie zudem im Schlaf. Sie kennen sich mit Monitoring und Kampagnen-Konzepten aus, mit Ausstellungsdesign – und natürlich sind sie gerne bereit auch abends und an Wochenenden zu arbeiten. Das mag viel klingen, wird aber teilweise in ähnlichem Umfang bei Ausschreibungen von Volontariats- und Trainee-Stellen von potentiellen Bewerbern gefordert.

Trotz ihrer umfangreichen Kenntnisse und Qualifikationen müssen diese Nachwuchskräfte nach Auffassung ihrer neuen Arbeitgeber noch ausgebildet werden, denn obwohl sie meist während des Studiums 2-3 mehrmonatige Praktika absolviert haben, scheint diese Praxiserfahrung als nicht ausreichend anerkannt zu werden. Entsprechend stellt ein Volontariat bzw. eine Trainee-Stelle eine Ausbildung dar, die auch nur mit 50% einer TV-L-Stelle (Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst der Länder) oder einer vergleichbaren Einstufung vergütet wird. Manchmal liegt die Vergütung sogar deutlich darunter.

Wenn im Rahmen dieser Ausbildung dann Volontäre und Trainees die meiste Zeit auf sich gestellt sind, Projekte eigenverantwortlich bearbeiten und etwa ganze Ausstellungen – von der Objektrecherche über den Ausstellungskatalog bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit – alleine bewerkstelligen, handelt es sich dann eben um eine Ausbildung learning by doing. Eine „großartige Gelegenheit“ – und ab und an gibt es ja immerhin Feedback von den Festangestellten. Auch learning by doing ist schließlich irgendwie eine Ausbildung, die geringe Vergütung ist also vermeintlich „völlig gerechtfertigt“ – zumindest aus Sicht der Arbeitgeber.

Dass Institutionen häufig nicht für den eigenen Bedarf ausbilden und die Anzahl der zu besetzenden festen Stellen oft in keinem Verhältnis zur Anzahl der Volontäre und Trainees steht, die ausgebildet werden, scheint meist von den Institutionen billigend in Kauf genommen zu werden. Immerhin haben die Nachwuchskräfte ja nach der Ausbildung beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Bildungs- und Kulturbereich – oder etwa nicht?

 

Ein ehemaliger Volontär und eine Trainee im Interview

Mit MusErMeKu sprachen jetzt zwei dieser Nachwuchskräfte aus dem Bildungs- und Kulturbereich und berichten, wie sich die Situation als Volontär und als Trainee für sie tatsächlich dargestellt hat bzw. aktuell gestaltet:

 

Einblick in ein Volontariat

„Es gab keinen vorgeschriebenen Ausbildungsplan,
der mein Volontariat inhaltlich gegliedert hätte.“

Dem heute Mitte 30-jährigen Alex Reichatz* fiel die Entscheidung für ein museumsbezogenes Studium leicht, denn er hatte schon immer ein großes Interesse an Geschichte und eine Leidenschaft für Museen: „Ich hatte vorher schon einige andere Sachen gemacht, z.B. eine Ausbildung absolviert, die mit Geschichte oder Museen nichts zu tun hatte“, so Alex. „Die Faszination für Museen und historische Themen ist aber immer da gewesen, also habe ich mit Mitte Zwanzig noch einmal ein Studium begonnen.“

Nach dem Studium hatte er sich dann auf diverse Stellen im Museums- und Kulturbereich beworben. „Für das Volo habe ich mich nicht bewusst entschieden – das hat einfach nach einem halben Jahr suchen zuerst geklappt“, betont Alex. Seine erste Wahl sei es jedenfalls nicht gewesen, doch arbeitslos wollte er auch nicht länger sein. Dass er im Museumsvolontariat letztendlich nicht viel mehr Geld zum leben zur Verfügung hatte, als mit Hartz IV, musste er so hinnehmen. „Zu Beginn des Volos habe ich 1.151,96 Euro brutto verdient, das waren 888,29 Euro netto. Am Ende, durch tarifliche Anpassungen, waren es dann 1.219,24 Euro brutto bzw. 936,79 Euro netto.“

Ist das nicht sehr wenig, wenn man bedenkt, dass das Volontariat eine Vollzeitstelle ist – zudem im Museumsbereich, wo auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet wird? Alex, der sein Volontariat in einem bayrischen Museum absolviert hat, zuckt mit den Schultern: „Na ja, es handelte sich bei mir nicht um die in vielen Bundesländern üblichen ‚50% des Tabellenentgelts E 13, Stufe 1‘, sondern um eine Vergütung ‚entsprechend den Anwärterbezügen der Laufbahn des höheren Dienstes‘, wie sie in Bayern üblich ist. Brutto wie netto ist das finanziell schlechter gestellt.“

Die geringe Bezahlung im Volontariat wird von Institutionen in erster Linie damit gerechtfertigt, dass es sich hierbei um eine Ausbildung handeln würde. Doch im Fall von Alex sah das anders aus: „Es gab keinen vorgeschriebenen Ausbildungsplan, der mein Volo inhaltlich gegliedert hätte“, betont er. Sein Einsatz bei verschiedenen Projekten war in seinem Fall bedarfsabhängig. „Ich hatte zwar die Möglichkeit, in alle Bereiche der musealen Arbeit hineinzuschnuppern, war aber in einigen Abteilungen stärker involviert als in anderen. Es gab ja keine Vorgaben dazu, wie lange ich wo im Einsatz zu sein hatte oder welche Kenntnisse und Fertigkeiten ich erwerben sollte“, so Alex. „Das bedeutet im Endeffekt jedoch, dass ich auch negative Erfahrungen gemacht habe. Ich kam mir bei einigen Fragen alleingelassen vor, weil sich keiner zuständig fühlte oder keiner eine Entscheidung treffen wollte. Auch wurden mir Aufgaben zugeteilt, die ich als Volontär nicht hätte erledigen müssen. Stichworte waren hier: Kompetenz, rechtliche Absicherung oder aufgabengerechte Entlohnung.“

Regelmäßig musste er im Volontariat Aufgaben übernehmen, die eigentlich von festen Mitarbeitern hätten übernommen werden müssen. Immerhin, die Integration ins Team sei an sich gut gewesen, so Alex: „Mir gegenüber verhielten sich alle sehr kollegial, auch wenn die Stimmung zwischen einzelnen Abteilungen eher negativ geprägt war – was hin und wieder auf meinem Rücken ausgetragen wurde. Fachliche Vorschläge von mir wurden meist angenommen, auch die Zusammenarbeit erfolgte zum großen Teil reibungslos.“

Was das Weiterbildungsangebot während des Volontariats anbelangte, hätte deutlich mehr geboten werden können, findet Alex: „Ich habe nur an der Volontärakademie der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern teilgenommen. Andere Weiterbildungen – auch wenn sie vom Museumsleiter befürwortet wurden – wurden vom Träger der Einrichtung nicht gestattet.“

Nach seinem Volontariat war Alex ca. ein halbes Jahr arbeitslos. „Dann habe ich im selben Museum für 1,5 Jahre eine Elternzeitvertretung gemacht. Seit vier Monaten bin ich jetzt wieder arbeitssuchend.“ Bei diesen Aussichten stellt sich die Frage, ob sich Alex noch einmal für ein Volontariat entscheiden würde, wenn er die Zeit zurückdrehen könnte. „Vermutlich schon“, antwortet Alex nach kurzem Überlegen. „Ich glaube irgendwie an den positiven Gedanken, der dahinter steht. Es war natürlich eine stressige Zeit und absolut unterbezahlt bei meinen Arbeitszeiten um die 45+ Wochenstunden. Aber die Erfahrungen, die man macht, wiegen das meiner Meinung nach jedoch teilweise wieder auf“, betont er.

„Man arbeitet ja zumindest eine zeitlang mit Anleitung und hat so die Möglichkeit, erst einmal einen Einstieg zu finden. Natürlich macht man während des Studiums Praktika, doch meine Erfahrung ist, dass sich die Arbeitsaufgaben während eines Praktikums und im ‚echten‘ Museumsalltag deutlich unterscheiden“, so Alex. Auch wenn er sicher ist, dass das Volo im optimalen Fall das theorielastige Studium durch sehr viel praktische Erfahrung ergänzt, findet er es ärgerlich, wenn sich im Laufe der zwei Jahre des Volontariats herausstellt, dass die Anforderungen des Arbeitgebers und das, was dieser bereit ist dafür zu zahlen, deutlich aus dem Gleichgewicht sind.

Bei der Frage danach, wie er das Format Volontariat im Kulturbereich generell einschätzt, muss Alex länger überlegen. „Da bin ich hin- und hergerissen, das merkt man mir vermutlich auch an. Ich denke, dass es ein guter Einstieg sein kann, bei dem man mit eigenen Projekten wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Das würde aber definitiv einen aufeinander aufbauenden Ausbildungsplan voraussetzen, wenn es funktionieren soll“, betont er. „Vielleicht wäre es sinnvoll, hier einige grundsätzliche, verbindliche Parameter festzulegen. So könnte die ‚Ausbildung Volontariat’ vielleicht standardisiert und damit vergleichbar werden – vorausgesetzt, es wäre möglich, alle Museen zur Teilnahme an solchen Qualitätsstandards zu bewegen.“

Als besonders wichtig schätzt er außerdem die kompetente Anleitung der Volontäre durch erfahrene Kollegen ein, die Willens und fachlich in der Lage sind, Berufseinsteiger zu betreuen. Die Museen sollten letztendlich aber auch den Volontären eine Vergütung zahlen, die der tatsächlich geleisteten Arbeit entspricht: „Gerade weil in vielen Häusern Volontäre wissenschaftliche Mitarbeiter ersetzen, muss eine den tatsächlichen Anforderungen entsprechende Entlohnung erfolgen“, findet Alex.

Den status quo der Volontariate im Museumsbereich sieht er sehr kritisch: „Ich glaube, die einzelnen Museen – und ihre Träger – haben es versäumt, das ‚Konzept Volontariat‘ den real existierenden Arbeitsbedingungen anzupassen, die sich in den letzten 20 Jahren grundlegend und relativ schnell geändert haben.“ Der AK Volontariat und der Deutsche Museumsbund würden sich zwar viele Gedanken über die sinnvolle Strukturierung eines Volontariats machen, räumt Alex ein. Er findet es auch wichtig, dass gerade der AK Volontariat mit zahlreichen Publikationen für angemessene Rahmenbedingungen während des Volontariats kämpft. „Es bleibt aber die Frage,“ so Alex abschließend, „warum das Umdenken in diesem Punkt der Museumsarbeit scheinbar so lange dauert.“

 

Einblick in eine Trainee-Stelle

„Mitarbeitermotivation wird fast nur durch Angst erzeugt
und es wird zusätzlicher Druck ausgeübt.“

Auch für Michaela Haffer* stand schon vor ihrem Studium fest, dass sie später im Kulturbereich arbeiten möchte. Dass dies keinen 9-to-5-Bürojob bedeuten würde, sondern dass hier auch Arbeit abends und am Wochenende anfallen würde, sei dabei für sie sogar eher ein Pluspunkt gewesen, wie sie sagt. Die Ende 20-jährige begeisterte sich schon immer für Kulturevents und findet die Vorstellung reizvoll, ein Teil davon zu sein. Ihr Weg in den Kulturbereich verlief dabei etwas schneller als bei vielen anderen Geisteswissenschaftlern: „Ich habe mich nach meinem Bachelorstudium zunächst für Praktika beworben, als Übergang zum Master. Auch die Bewerbung für die Traineestelle gehörte dazu. Als ich dann die Zusage für meine aktuelle Stelle erhielt, habe ich meine Master-Pläne etwas hinten angestellt. Zunächst war zwar meine Idee, den Master während meiner Traineezeit zu beginnen. Das ließ sich aber letztendlich wegen personeller Engpässe und der damit einhergehenden Überbelastung mit der Arbeit nicht vereinbaren. Momentan plane ich für die nähere Zukunft nach meiner Traineezeit ein berufsbegleitendes Aufbaustudium.“

Als Trainee startete Michaela mit einem Gehalt von 1.475 Euro brutto, was etwa 1.070 Euro netto entspricht. Die Arbeitsbedingungen für dieses Gehalt sind hart, wobei sich die angespannte Lage absurderweise sogar positiv auf den Zusammenhalt unter den Kollegen auswirkt, wie Michaela berichtet: „Wir sind ein kleines Team, knapp ein Dutzend in der Verwaltung. Die Atmosphäre innerhalb des Mitarbeiterstamms ist im Prinzip sehr gut, auch bzw. grade wegen der dauerhaft angespannten beruflichen Lage. Das schweißt zusammen“, so Michaela.

Die Führung verhalte sich in dieser Lage jedoch kontraproduktiv, kritisiert sie: „Mitarbeitermotivation wird fast nur durch Angst erzeugt und es wird zusätzlicher Druck ausgeübt, weswegen es bei uns eine sehr hohe Personalfluktuation und Krankenstände gibt.“ Die Situation hält sie für problematisch: „Das Klima erweist sich meiner Meinung nach als nicht besonders förderlich für Routine, Erfahrungen und Kontinuität. Das führt dann wieder zu mehr Unzufriedenheit und Ungeduld in der Chefetage. Es ist fast ein Teufelskreis.“

Was Weiterbildungen angeht, gestaltet sich die Situation auch für Michaela als Trainee nicht unbedingt besser als für ihren Volontär-Kollegen im Museumsbereich: „In über einem Jahr Traineezeit habe ich neben den routinemäßigen Erste-Hilfe-Kursen nur ein internes Weiterbildungsangebot zu unserem Datenbanksystem erhalten“, berichtet sie. „Allerdings war das bei mir auch viel learning by doing.“ Auch Michaela musste als Trainee Aufgaben übernehmen, die eigentlich eher von einem Festangestellten hätten übernommen werden müssen: „Sowohl einzelne Großprojekte wurden mir übertragen als auch Krankheits- oder Vakanzvertretungen. Letztere offiziell als Zuarbeit, da der Aufgabenbereich ja dann eigentlich an die Chefetage geht, aber faktisch handelte es sich dabei um eine volle Übernahme der Stelle“, berichtet sie. „Mein eh schon sehr halbherzig angewandter sogenannter ‚Ausbildungsplan‘, der mir eigentlich Einblicke in alle Bereiche geben sollte, litt darunter dann nur noch mehr“, kritisiert sie.

Ihr Blick auf den Beruf hat sich zwischenzeitlich jedenfalls gewandelt: „Grundsätzlich sehe ich meine Trainee-Stelle inzwischen nicht mehr so golden glänzend, sondern sehr viel nüchterner. Im Prinzip bin ich eine billige Arbeitskraft, der dennoch kaum bis gar keine erhöhte Fehlertoleranz zugestanden wird“, fasst sie ihre Situation zusammen. Michaela fühlt sich zunehmend nicht mehr als Auszubildende, schließlich bildet sie mittlerweile sogar selbst aus, wie sie erzählt: „Bei den inzwischen doch einigen neuen Mitarbeitern seit meinem Beginn habe ich sogar selbst Ausbildungs- bzw. Übergabetätigkeiten übernommen. Dabei bin ich immer in dem Zwiespalt, dass ich dies eigentlich nicht sollte bzw. dass dies nicht meinen geplanten Tätigkeiten und meiner Bezahlung entspricht.“ Doch um das System am Laufen zu halten, kümmert sich Michaela natürlich trotzdem um die neuen Kollegen, „allein aus dem persönlichen Interesse heraus, wieder eine funktionierende Mitarbeiterstruktur um sich zu haben und um mittelfristig eine persönliche Entlastung zu erhalten“, wie sie einräumt.

Trotz dieser negativen Erfahrungen, zieht Michaela sogar eine weitere Traineestelle in Betracht: „Nachdem ich mich gezwungenermaßen und auf eigene Faust mit den ganzen rechtlichen Dingen beschäftigt habe und weiß, was ich darf, wo meine Schutzgrenzen sind und was ich will, würde ich gerne noch einmal eine Trainee-Stelle antreten, um dann das Bestmögliche daraus zu machen“, erzählt sie. Für Michaela steht fest, dass sie im Kulturbereich auch in Zukunft praktisches Wissen und Erfahrungen sammeln möchte: „Trotz allem arbeite ich sehr gerne in dem Bereich und möchte auch weiterhin kreativ sein und mich einbringen.“

* Die Namen der beiden Interviewpartner wurden geändert, da es für ihren weiteren Berufsweg sicher nicht von Vorteil wäre, dass sie hier so offen über ihre prekären Beschäftigungsbedingungen sprechen.

 

Idealismus hält das System am laufen

Vielleicht wäre es übertrieben, das Verhältnis vieler Volontäre und Trainees gegenüber ihren Arbeitgebern im Kultur- und Bildungsbereich als Stockholm-Syndrom zu bezeichnen. Dennoch ist auffällig, dass viele über die Möglichkeit, einen (teils auch nur vermeintlichen) Berufseinstieg in die Branche gefunden zu haben, so dankbar sind, dass sie die Entscheidung für die Stelle rückblickend jederzeit wieder treffen würden – ungeachtet der oft desolaten Arbeitsbedingungen, der fehlenden Ausbildungsstruktur und trotz der prekären Bezahlung.

Die Begeisterung für den Bildungs- und Kulturbereich überwiegt einfach und der Idealismus lässt so manche Widrigkeiten in den Hintergrund treten. Die Kultur- und Bildungsinstitutionen können sich in Anbetracht dieser Haltung der Nachwuchskräfte mehr als glücklich schätzen, denn die Volontäre und Trainees sind es oft genug, die vieles am laufen halten – rein aus Idealismus. Die Frage ist aber, ob sich jemals etwas an den Strukturen in der Branche ändern wird, wenn weiter genug Nachwuchskräfte bereit sind, zu den Bedingungen zu arbeiten. Solange es beständig weiter Nachfrage gibt, warum sollte sich das Angebot verbessern?

 

Header-Bild: Angelika Schoder – Hamburg, 2016

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