Tipps von Volontären: Wie sollte ein Volontariat im Museum organisiert sein?

Für viele Geistes- und Kulturwissenschaftler stellt ein Volontariat im Museum heute den häufigsten Einstieg ins Berufsleben dar, wenn es um den Museumsbereich geht. Dabei gibt es auf der einen Seite für die Institutionen zwar Handlungsempfehlungen, wie Volontariate organisiert und inhaltlich gestaltet sein sollten. Konkrete rechtliche Vorgaben gibt es jedoch kaum. So kann die Dauer eines Volontariats, dessen Inhalte oder die Vergütung stark variieren. Es herrscht hier oft Unklarheit – allerdings auch auf der anderen Seite, bei den (zukünftigen) Volontären. Viele kennen ihre Rechte nicht oder wissen nicht, auf was sie in der Ausgestaltung ihres Museumsvolontariats achten sollten. Wir sprachen jetzt mit Volontären und Institutionen, die Tipps und Empfehlungen geben, wie ein Volontariat im Museum vorbildlich gestaltet sein kann.


 

Das „Goldene V“ der Bundesvolontärstagung

Einmal jährlich treffen sich Volontärinnen und Volontäre von Museen, Gedenkstätten und anderen Kultureinrichtungen zur Bundesvolontärstagung (BVT). Neben Vorträgen und Diskussionen zu verschiedenen inhaltlichen und organisatorischen Themen, geht es hier auch um das Netzwerken untereinander und um den Erfahrungsaustausch rund um das eigene Volontariat. Dieses Jahr traf man sich am 1. und 2. März 2018 im Museumspädagogischen Zentrum in München. Bereits zum dritten mal wurde hier das „Goldenen V“ verliehen. Für die Auszeichnung können Volontärinnen und Volontäre ihre Arbeitgeber vorschlagen, wenn sie der Meinung sind, dass die Rahmenbedingungen ihres Volontariats besonders vorbildlich sind.

Mit dem „Goldenen V“ wurden 2018 das Jüdische Museum Berlin und das Museum für Kommunikation Frankfurt ausgezeichnet. MusErMeKu bat die Volontäre und die zuständigen Museumsansprechpartner deshalb zum Interview. Wir wollten wissen: Was macht ein vorbildliches Volontariat aus und was sollte man als Volontär beachten?

 

Worauf kommt es bei einem guten Volontariat im Museum an?

David Studniberg ist Wissenschaftlicher Volontär im Jüdischen Museum Berlin. Für ihn ist der Sinn und Zweck eines guten Volontariats, ein Museum als Institution in vollem Umfang kennenzulernen. Daher sollte jedes Museum seinen Volontären auch ein festes Curriculum bereitstellen: „Mit einem solchen Ausbildungsplan wird sichergestellt, dass Volontärinnen und Volontäre innerhalb der zwei Jahre ihrer Ausbildung alle (Kern-)Bereiche der musealen Arbeit kennenlernen. Hierbei können (und sollen) sie natürlich Schwerpunkte setzen, je nach ihren individuellen Interessen“, betont er. Für ihn ist es zudem von grundlegender Bedeutung, dass die Mindest-Standards eines Volontariats eingehalten werden. Diese sind im „Leitfaden für das wissenschaftliche Volontariat im Museum“ festgehalten und werden vom Deutschen Museumsbund herausgegeben. Zu den Konditionen, die der Arbeitgeber für ein Volontariat gewährleisten sollte, gehören unter anderem ein Vollzeitvertrag für zwei Jahre, ein eigener Arbeitsplatz mit moderner Ausstattung und eine Vergütung von 50% TVöD 13 Stufe 1 (im zweiten Ausbildungsjahr: Stufe 2). David Studnibergs Arbeitgeber folgt diesen Empfehlungen: „Dem Jüdischen Museum Berlin ist es sehr wichtig, sich an den Standards des Leitfadens zu orientieren. Deshalb bekam unser Haus bei der diesjährigen Bundesvolontärstagung in München auch das ‚Goldene V‘ verliehen, die Auszeichnung für das vorbildliche Volontariat.“

Auch das Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main wurde dieses Jahr mit diesem Preis ausgezeichnet. Für Volontärin Anjuli Spieker zeichnet sich ein gutes Volontariat dadurch aus, dass man die Chance bekommt, verschiedene Arbeitsbereiche eines Museums kennenzulernen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wie die komplexen Planungs- und Gestaltungsprozesse ineinander greifen. Auch sollte man sich als Volontär parallel dazu Kompetenzen aneignen können, um selbst einen aktiven Beitrag zu diesen Abläufen zu leisten. „Von der ersten Ideenentwicklung über Recherche, Konzipierung, Finanzplanung und Gestaltung bis hin zu Aufbau und Präsentation – als Neueinsteiger in die Welt des Museum begibt man sich bei der Begleitung dieses Prozesses auf eine spannende Reise voller Herausforderungen und bereichernder Erfahrungen. Der richtige Umgang mit den Exponaten und die Abwicklung des Leihverkehrs sind dabei ebenso wichtige Wegstationen wie die Darstellung des Hauses in der Öffentlichkeit und die Suche nach Sponsoren und Kooperationspartnern“, so die Volontärin.

Einen strukturierten Ausbildungsplan vergleicht sie dabei mit einer präzisen Landkarte, die einem als Volontär bei der Planung und zwischenzeitlichen Orientierung hilft. Auch engagierte Mentoren sind wertvoll, ebenso wie eine allgemeine Offenheit und Hilfsbereitschaft aus dem Team. „Letztlich geht es – wie so häufig – um eine gute Mischung: Eine Mischung aus Lernen und Beitragen, Kompetenzentwicklung und Profilstärkung, Verantwortung übernehmen und Unterstützung erfahren“, betont Anjuli Spieker.

 

Immer ein offenes Ohr: Ansprechpartner und Mentoren

Auch für David Studniberg tragen Mentoren zu einem guten Volontariat bei: „Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sind sehr wichtig. Im Jüdischen Museum Berlin gibt es zwei offizielle Volontärsbeauftragte. Egal, ob es sich um inhaltliche, zwischenmenschliche oder administrative Dinge handelt: sie helfen uns bei allen Fragen und Themen, die uns bewegen. So führen unsere Volontärsbeauftragten zum Beispiel regelmäßige Feedback-Gespräche mit uns durch (einzeln oder in der Gruppe) und machen sich bei unseren Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleitern für unsere Interessen stark.“ Zusätzlich sollten die Volontärinnen und Volontäre in den Bereichen, in denen sie gerade tätig sind, eine direkte Ansprechperson zugeteilt bekommen, die sie während der Zeit in der jeweiligen Abteilung betreut. „Einen festen Ansprechpartner zu bekommen gehört übrigens ebenfalls zu den Standard-Empfehlungen des Leitfadens des Museumsbunds“, betont der Volontär.

Elke Schimanski, Volontärin in der Abteilung Sammlung des Frankfurter Museums für Kommunikation, sieht die Bedeutung eines festen Ansprechpartners als ebenso wichtig an: „Sie geben einem im Volontariat eine gewisse Sicherheit. Bei Problemen sollten die Ansprechpartner vermitteln, dass es besser ist über alles zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Außerdem kann man von deren Erfahrungsschatz in der Museumsarbeit ungemein profitieren.“ Die Volontärin betont, dass die Ansprechpartner bereit sein sollten, ihre Erfahrungen im Museumsbereich mit den Volontären zu teilen und diese mit Tipps auch bezüglich möglicher Fortbildungen, Tagungen und Veröffentlichungen zu unterstützen.

Auch bei wichtigen Terminen, ob innerhalb oder außerhalb des Hauses, sollten die Ansprechpartner und Mentoren die Volontärinnen und Volontäre teilhaben lassen, wenn das möglich ist. „Nur so kann man lernen, sich auf dem Parkett der Museumslandschaft zu bewegen. Gute Ansprechpartner begleiten einen durch das Volontariat, aber geben einem auch genug Freiheiten für Kreativität und Verantwortung für eigene Projekte“, so Elke Schimanski.

 

Worauf sollten Volontäre bei einer Institution achten?

Während des Volontariates sollte man so viel Wissen und Erfahrungen wie möglich sammeln, insbesondere in den Bereichen, die einen besonders stark interessieren – das empfiehlt Joel Fischer, der sein Volontariat in Frankfurt am Museum für Kommunikation absolviert. „Im Vorfeld sollte man sich bewusst machen, dass ein Volontariat keine Ausbildung mit festen Modulen und schulischen Strukturen ist. Vieles erfolgt über Eigeninitiative, Neugier und Lernbereitschaft. Ich finde, dass gerade darin einer der Vorzüge des Volontariats besteht. Museumsarbeit hat viele Facetten und Bereiche und nicht alle sind gleichermaßen interessant“, so der Volontär.

Vor allem in großen Häusern kann es auch vorkommen, dass Volontariate nur für bestimmte Bereiche ausgeschrieben werden (z.B. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder kuratorische Assistenz). Hier ist es dann schwieriger „über den Tellerrand“ zu blicken und andere Bereiche der Museumsarbeit kennenzulernen. Joel Fischer hat im Museum für Kommunikation den Vorteil, dass hier das wissenschaftliche Volontariat bewusst breit angelegt ist und er verschiedene Bereiche der Museumsarbeit durchlaufen kann. Sein Tipp: „Im Vorfeld sollte man unbedingt darauf achten, ob man sich für ein Volontariat mit einem Schwertpunkt entscheidet, oder ob man eine Stelle anstrebt, in dem man verschiedene Arbeitsbereiche kennenlernt. Man sollte das Volontariat auf seine persönlichen fachlichen und beruflichen Ziele abstimmen.“ Der Volontär räumt aber auch ein, dass es häufig so ist, dass Bewerberinnen und Bewerber aufgrund der großen Konkurrenz und des begrenzten Angebots an Museumsstellen nicht wählerisch sein können und sich daher für fast jede Art von Volontariat im Museum bewerben.

David Studniberg vom Jüdischen Museum Berlin rät, sich dennoch nicht blind auf alles zu bewerben: „Schon beim Lesen der Stellenausschreibung sollten potentielle Anwärterinnen und Anwärter darauf achten, dass es sich bei der Stelle um ein Volontariat handelt, das sich an den Standards des Deutschen Museumsbunds orientiert.“ Da es zur Ausgestaltung von Volontariaten kaum rechtliche Vorgaben gibt, können sich unter den Stellenausschreibungen nämlich auch „Schwarze Schafe“ befinden, also Museen, die deutlich zu gering vergüten, keine inhaltliche oder organisatorische Betreuung von Volontären bieten, sich nicht um Weiterbildung kümmern und Volontäre einfach als Vollzeitkräfte zum Dumpinglohn ausnutzen. Auf diese Stellenausschreibungen sollte man nicht hereinfallen.

Man sollte sich also nur dann bewerben, wenn die gebotenen Rahmenbedingungen des Volontariats gewährleisten, dass man sich beruflich auch wirklich umfangreich weiterbilden kann und praktische, berufsrelevante Fähigkeiten entwickelt – und zwar nicht nur „learning by doing“, sondern im Rahmen eines geregelten Ausbildungsverhältnisses. „Wenn man so eine Stelle dann tatsächlich bekommt, sollte man während der Ausbildungszeit versuchen, so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln“, ergänzt David Studniberg. Außerdem sollte man im Volontariat die Gelegenheit nutzen, „nach rechts und nach links“ zu schauen und sich auch außerhalb der Institution, bei der man angestellt ist, weiterzubilden: „Es gibt mehrere regionale, nationale und sogar internationale Fortbildungsprogramme, die sich speziell an Volontärinnen und Volontäre richten. Neben dem spannenden Input, den man hierbei bekommt, hat man außerdem die Gelegenheit, Volos aus anderen Kultureinrichtungen kennenzulernen und somit neue Kontakte zu knüpfen. Für das spätere Berufsleben im Kulturbereich ist der Aspekt der Vernetzung besonders wichtig“, betont der Volontär.

 

Empfehlungen für ein Volontariat im Museum

In einem weiteren Beitrag wird die Perspektive der Institutionen thematisiert: Wie sollten Museen und andere Kultureinrichtungen Stellen für Volontäre gestalten, so dass beide Seiten bestmöglich davon profitieren können?

⇒ Zum Beitrag

 


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Header-Bild: Angelika Schoder – Kunsthalle Bremen, 2017