Picasso in Blau, Rosa und digital

Bloggerreise/Werbung – In Kooperation mit dem Musées d’Orsay et de I’Orangerie, Paris und dem Musée National Picasso-Paris rückt die Fondation Beyeler bei Basel die „Blaue und Rasa Periode“ von Picasso in ihrer aktuellen Sonderausstellung in den Fokus. Erstmals in Europa werden Picassos Gemälde und Skulpturen, die zwischen 1901 und 1906 entstanden sind, in so einem großen Umfang gemeinsam gezeigt. Doch nicht nur Picassos Originale stehen im Mittelpunkt. Auch eine digitale Aufbereitung erwartet die Besucher der Ausstellung. In einem multimedialen Raum lassen sich so Picassos Werke auf eine ganz andere Art erleben und verstehen.


Aktuell widmet die Fondation Beyeler ihre gesamte Ausstellungsfläche dem Künstler Pablo Picasso. Neben der Sonderausstellung „Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“ zeigt das Museum die Sammlungspräsentation „Picasso Panorama“

Der junge Picasso

Der gebürtige Spanier Pablo Picasso (1881–1973) war gerade einmal Anfang Zwanzig, als er die Werke seiner „Blauen und Rosa Periode“ schuf. Noch galt er nicht als weltweit berühmtes Künstlergenie, als das er später gesehen wurde. Noch liegen auch Ereignisse seiner Biographie in der Zukunft, für die der Künstler spätestens im Zuge der #MeToo-Debatte in die Kritik geriet, etwa im Programm „Nanette“ der Autorin und Comedienne Hannah Gadsby. Die Werke, welche die Fondation Beyeler in ihrer bisher aufwendigsten Ausstellung ihrer Geschichte zeigt, markieren den Ursprung von Picassos Schaffen – sein Frühwerk.

Picasso war immer auf der Suche nach neuen Bildthemen und Ausdrucksformen und wechselte häufig seinen Stil. Die „Blaue und Rosa Periode“ zählt dabei zu Picassos wichtigsten Schaffensphasen. Der Künstler beschäftigte sich hier mit Themen wie Leben und Tod, Liebe und Sex, aber auch mit dem Schicksal, wie die Fondation Beyeler anhand von 75 Werken zeigt. An den Anfang der Ausstellung stellt das Museum die Werke, die 1901 in Madrid und während Picassos Aufenthalt in Paris entstanden. Einen starken Einschnitt stellte der Selbstmord seines Freundes Carles Casagemas dar. Es war der Auslöser von Picassos „Blauer Periode“, denn der Künstler reduzierte seine Farbpalette immer weiter auf Blautöne.

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Die Vorzeichen des Kubismus

Um 1904 änderte sich Picassos Stil wieder, als er endgültig nach Paris zog. Zunehmend arbeitete Picasso nun mit Rosa- und Ockertönen, seine Motive wurden zarter und weniger melancholisch. Die Welt des Zirkus und Varietés wurde in dieser „Rosa Periode“ zu seinem Hauptmotiv. Um 1906 erfuhr Picassos Stil eine erneute Wandlung. Der Künstler begann während seines Aufenthalts im katalanischen Bergdorf Gósol mit einer Art „primitivistischer“ Malweise, die er später zurück in Paris weiter entwickelte. Es ist die Ankündigung des Kubistischen Stils, der sich hier abzeichnete.

Eines der Schlüsselwerke der Ausstellung ist hier das Bild „Femme (époque des ‚Demoiselles d’Avignon’)“. Das Bild entstand 1907 und ist damit das früheste Werk aus der Picasso-Sammlung von Ernst und Hildy Beyeler. „Femme“ zeigt eine nackte weibliche Figur mit erhobenen Armen, deren Gesicht an afrikanische Masken erinnert, welche Picasso in seinem Schaffen hier inspirierten. Das Bild ist außergewöhnlich, denn nur Gesicht und Oberkörper der Frau scheinen „fertig“, während ihr Unterkörper nur skizzenhaft von Picasso dargestellt wurde. Der Künstler spielt hier mit der Ästhetik des Unvollendeten.

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Pablo Picasso: „Femme“ at The Getty – via YouTube, Fondation Beyeler

Picasso Panorama

Außergewöhnlich ist, dass die Fondation Beyeler erstmals ihre gesamte Ausstellungsfläche nur einem einzigen Künstler widmet. Neben der Ausstellung zu den Werken der „Blauen und Rosa Periode“ wirft das Museum auch einen Blick auf das spätere Werk des Künstlers mit seiner Sammlungsausstellung „Picasso Panorama“. Die Fondation Beyeler selbst verfügt über 33 Werke von Pablo Picasso und ist damit im Besitz einer der größten und bedeutendsten Picasso-Sammlungen weltweit.

Museumsgründer Ernst Beyeler vermittelte im Laufe seiner Karriere als Galerist über 1.000 Werke von Picasso und widmete ihm eine Reihe an Ausstellungen in seiner Galerie. Für ihn und seine Frau Hildy galt der Spanier, mit dem sie auch freundschaftlich verbunden waren, als Verkörperung des „idealen Künstlers“. Gemeinsam sammelte das Ehepaar Beyeler daher auch Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier von Picasso. Die Sammlung umfasst dabei den Frühkubismus, beginnend mit dem Gemälde „Femme“ von 1907, bis hin zum Spätwerk.

In der Ausstellung „Picasso Panorama“ wird die Sammlung Beyeler durch Dauerleihgaben ergänzt. Damit kann Picassos Werk in diesem Ausstellungsabschnitt bis ins Jahr 1972 nachverfolgt werden – vom Kubismus und Klassizismus über an den Surrealismus angelehnte Werke bis hin zu den Zeichnungen und Druckgrafiken seines Spätwerks. Damit wird die Fondation Beyeler für rund ein viertel Jahr zu einem vollständigen Picasso-Museum.

Mit 1.622 qm ist „Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“ flächenmäßig die bisher größte Ausstellung der Fondation Beyeler

Pariser Nachtleben im Museum

Ergänzend zum Ausstellungsprogramm versucht die Fondation Beyeler die Atmosphäre der Jahrhundertwende einzufangen, die den jungen Picasso zu seinen Werken der „Blauen und Rosa Periode“ inspirierte. Während der Laufzeit der Ausstellung, vom 3. Februar bis zum 26. Mai 2019, ist im Untergeschoss des Museums deshalb das Café Parisien zu Gast.

Jeden Mittwoch wird das Café zum Varieté-Theater. Hier soll zur „Blauen Stunde“ das Umfeld der Pariser Künstler-Bohème und der Zirkuswelt wieder aufleben, etwa mit Flamenco des Theater Basel und Sara Pérez, mit Burlesque von Anja Pavlova und einer Drag-Show mit Violet Chachki, aber auch mit französischer Musik und kunsthistorischen Vorträgen.

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Der junge Picasso. Blaue und Rosa Periode | Ausstellung in der Fondation Beyeler – via mus.er.me.ku Kulturblog bei YouTube

Picasso digital und multimedial

Ihre Schau zur „Blauen und Rosa Periode“ komplettiert die Fondation Beyeler durch einen multimedialen Vermittlungsraum am Ende der Ausstellung. Hier können sich Besucher interaktiv näher mit dem Werk von Pablo Picasso beschäftigen. Das Vermittlungskonzept baut dabei auf direkte Ansprache auf, wie die Agentur iart im Interview mit mus.er.me.ku betont: „Die interaktiven Bücher im Raum bieten viele kleine Entdeckungen. Man kann sie betrachten wie Bildbände, wobei die Bilder auf den Buchseiten auch animiert sind.“ Via Sensoren können die Inhalte der interaktiven Bücher per Fingerdruck von Besuchern verändert werden. Ergänzend werden im Raum Filmszenen und Bilder von Orten projiziert, an denen Picasso gelebt und gearbeitet hat. „Bilder und Klänge des Films und aus den Büchern vermischen sich im Raum zu einem lebendigen Panorama zum jungen Picasso“, so iart.

Der Vermittlungsraum soll so das Konzept der klassischen Kunstausstellungen erweitern, denn diese bietet ja Kontextinformationen zu den Werken und zum Künstler selbst primär mit Text und Fotografien. „Im Multimediaraum zum jungen Picasso können die Besucherinnen und Besucher hingegen räumlich in die Atmosphäre der Zeit eintauchen und stehen etwa Passanten aus dem Paris der Belle Epoque, die im Film auftauchen, direkt gegenüber,“ so iart. Ein überraschendes Element sind hier die interaktiven Bücher, die nicht klassisch bedruckte Seiten mit Bildern und Texten bieten, sondern sich beim Umblättern und auf Berührung hin verändern: „Von Seite zu Seite eröffnen sich neue Blicke auf lebendige Bilder. Die Möglichkeit, in Büchern aus Papier mit den Fingern zu interagieren, versetzt die Besucher immer wieder in Erstaunen.“ Diese Interaktion ist übrigens auch ein kollektives Erlebnis, denn oft stehen mehrere Besucher gemeinsam vor den Büchern.

Die haptische Erfahrung eines herkömmlichen Buches trifft im multimedialen Vermittlungsraum zur Ausstellung „Der junge Picasso“ auf digitale und interaktive Projektionen

Technik trifft auf Kunst

Einen multimedialen Vermittlungsraum präsentierte die Fondation Beyeler übrigens bereits in ähnlicher Form im Jahr 2015 im Rahmen der Gauguin-Ausstellung. Die größte Herausforderung des Raumes zu Picasso war daher, das damals schon recht erfolgreiche Konzept der Gauguin-Vermittlung weiterzudenken. In der Gauguin-Ausstellung wurden die interaktiven Bücher von einer umfangreichen Wandgrafik begleitet. Im Fall der Picasso-Ausstellung wird nun auf einen Film zur Ergänzung gesetzt. In den interaktiven Büchern kam zudem bei Picasso nun eine neue Komponente hinzu: Die abgebildeten Fotografien werden von gezeichneten, animierten Figuren bevölkert, um kleine Szenen zwischen den Buchseiten entstehen zu lassen. „Die Bücher selbst sind also filmischer geworden“, erklärt iart. „Da sowohl Film als auch Bücher mit Klängen ausgestattet sind, verschmelzen die beiden Komponenten noch stärker. Der gesamte Raum ist in die Atmosphäre der Zeit getaucht und das Gesamterlebnis wird noch immersiver.“

Eine besondere technische Herausforderung war dabei die präzise Pegelung von Ton- und Bild: „Die Klangkulisse darf nicht aufdringlich sein und muss gleichzeitig gut hörbar sein. Und die Projektionen müssen auch bei relativ viel Sonneneinstrahlung gut funktionieren“, erklärt iart. Im Multimediaraum sind insgesamt 6 interaktive Bücher auf Sockeln platziert. Hierin befinden sich Sensoren und Lautsprecher, die diese selbst zum Klingen bringen. In die Decke des Museums eingelassen sind zudem Beamer, Infrarotkameras und Boxen. „Technisch anspruchsvoll ist vor allem die präzise Installation im Museumsraum: Alle Elemente müssen sich voll und ganz in die Architektur der Fondation Beyeler einfügen“, beschreibt iart die Herausforderung bei der Installation. Und dieses Angebot muss auch bei großer Beanspruchung einwandfrei funktionieren. Zur Ausstellung „Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“ werden immerhin rund 300.000 Besucher erwartet.

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Der Junge Picasso – Blaue und Rosa Periode

Fondation Beyeler
03.02. – 26.05.2019 (in veränderter Form verlängert bis 16.06.2019)
Weitere Infos zur Ausstellung

Der Beitrag entstand im Rahmen der Bloggerreise #MeetBeyelerPicasso, die vom 16. bis 17.02.2019 stattfand und die von der Fondation Beyeler initiiert und finanziert wurde.


Bilder: Angelika Schoder – Fondation Beyeler, 2019


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