Out of Office: Schöne neue Arbeitswelt?

#Werbung / Werden in Zukunft alle Menschen arbeitslos? Physische Arbeit in der Landwirtschaft oder in Fabriken wird heute bereits zum Großteil von Maschinen übernommen. Doch auch die intellektuelle Arbeit von Journalisten, Kundenservice-Mitarbeitern oder Social-Media-Managern wird vielleicht bald schon von Computern verrichtet. Ist das eine willkommene Erleichterung oder eine Bedrohung? Diese und weitere Fragen, wie Technologie unseren Arbeitsalltag verändert, stellt die aktuelle Ausstellung im Museum der Arbeit in Hamburg. Es ist eine schöne neue Welt, die in „Out of Office“ gezeigt wird – aber auch etwas erschreckend…

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Harte Feldarbeit wird heute bereits zum Großteil von Maschinen übernommen. Werden In Zukunft in der Landwirtschaft vielleicht gar keine Menschen mehr benötigt?

Bild: Detail aus: The Veteran in a New Field, Winslow Homer (1865) – Metropolitan Museum of ArtPublic Domain

Wird der Mensch durch Computer ersetzt?

Die Texte kommen nicht mehr von Journalisten, sondern werden von einer Artificial Intelligence (AI) geliefert. Man gibt einige wenige Sätze zu einem Thema vor und die Technik kreiert daraus Content, der sich liest, als hätte ein Mensch ihn geschrieben. Die Betreuung von Kunden erledigt statt einem Kundenservice-Mitarbeiter ein Chatbot. Auch dieser ist mit einer AI ausgestattet und erkennt, was der Nutzer für ein Anliegen hat. Der Nutzer merkt nicht einmal, dass „am anderen Ende der Leitung“ kein menschliches Wesen antwortet, sondern nur ein Computer.

Auch die Content-Produktion im Online-Bereich wird sich ändern. Für Inhalte, wie etwa Fotos, Videos oder Texte, greifen Unternehmen in Zukunft auf User Generated Content zurück. Es gibt dann keinen Grund mehr, menschliche Social-Media-Manager zu beschäftigen. Die Auswahl der schönsten Motive trifft statt dessen eine AI ganz automatisch.

So sieht die Zukunft von vielen Jobs aus, die heute noch von Arbeitnehmern aus Fleisch und Blut erledigt werden. Menschen werden durch Maschinen ersetzt, welche die Arbeit effizient erledigen – ohne krank zu werden, ohne Pausen oder Urlaub zu benötigen. Ist das eine Chance, damit sich Menschen auf kreative, erfüllende Tätigkeiten konzentrieren können? Statt mit körperlich anstrengender oder stupider geistiger Arbeit ihre physische und psychische Gesundheit zu gefährden, ermöglichen Maschinen und Künstliche Computer-Intelligenz den Menschen mehr Freiheiten im Arbeitsalltag. Wer „Out of Office“ sein kann, hat mehr Freizeit – oder? In der gleichnamigen Ausstellung im Museum der Arbeit in Hamburg geht es aber nicht nur um die Chancen und positiven Möglichkeiten der Technik. „Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“, so der Untertitel der Ausstellung, müssen auch mögliche negative Folgen für unsere Gesellschaft diskutiert werden.

Sunspring – Ars technica, via YouTube

„Sunspring“ ist der erste Kurzfilm, der komplett von einer AI geschrieben wurde. „Autor“ des Film-Scripts ist Benjamin, ein System-on-chip Computer, der mit zahlreichen Drehbüchern von Sci-Fi-Filmen wie „Matrix“ oder „X-Men“ gefüttert wurde. Auf Grundlage des AI-erstellten Drehbuchs drehte Filmemacher Oscar Sharp dann innerhalb von 48 Stunden den Kurzfilm „Sunspring“. Beim Publikum kam das Werk der Künstlichen Intelligenz übrigens gut an. So schaffte es der Film auf dem Sci-Fi-London Film Festival 2016 unter die Top 10. Werden Drehbuch-Autoren in Zukunft deshalb arbeitslos?

Sorgt die Digitalisierung für Arbeitslosigkeit?

Auch wenn das Bewusstsein dafür noch nicht bei jedem vorhanden ist: Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche – natürlich auch die Arbeitswelt. Laut einer Studie der Oxford University gibt es eine Prognose, die besagt, dass 47 % aller Berufe in den USA in den nächsten 10 bis 20 Jahren verschwinden werden, da Maschinen die Arbeit besser, schneller und günstiger erledigen werden. [1] Dabei geht es eben nicht nur um schwere körperliche Tätigkeiten, sondern auch um „Kopfarbeit“.

Ein Beispiel ist die Umstellung von Analogfotografie zu Digitalfotografie. Viele Berufsbilder, die mit dem Analogen in Verbindung standen, sind verschwunden. Teure analoge Kameras wurden größtenteils abgelöst vom Smartphone, das es jedem ermöglichen zu fotografieren. Die aufwändige Fotoentwicklung wurde überflüssig durch das digitale Bild, das sofort online veröffentlicht werden kann. Und Social-Media-Netzwerke haben längst nicht nur das Fotoalbum aus Papier abgelöst.

Natürlich werden durch diese Entwicklung im Zuge der Digitalisierung auch neue Jobs geschaffen. Diese können aber von nur wenigen Menschen übernommen werden. So arbeiteten bei der Firma Kodak in den USA einst Tausende Mitarbeiter in der Fotofilm-Herstellung und Foto-Entwicklung. Heute sind diese Jobs mit der Etablierung der Digitalfotografie verschwunden. Statt Fotofilme entwickeln zu lassen, posten Menschen heute ihre Fotos direkt bei Instagram. Und hier arbeiteten 13 Menschen, als Facebook das Soziale Netzwerk kaufte. Aus einem Berufsbild für Tausende wurde eine Tätigkeit für einzelne Spezialisten. Jaron Lanier warnte daher bereits 2014, dass die Digitalisierung die Mittelschicht unserer Gesellschaft zerstören würde. [2]

In der Zeit der Industrialisierung war wirtschaftlicher Fortschritt von der Arbeitskraft von vielen Menschen abhängig. Bereits heute stehen in der Metallindustrie nur noch wenige Spezialisten, die den Betrieb mithilfe computergesteuerter Maschinen am Laufen halten.

Bild: Detail aus: Mitarbeiter in der Schmiede der Maschinenfabrik der Gebrüder Stork & Co., um 1884 – Rijksmuseum, RP-F-2001-7-786-7Public Domain

Sind Maschinen kreativ?

Wie gehen wir als Gesellschaft damit um, wenn Computer und Roboter nicht mehr nur unsere Arbeit unterstützen, sondern uns die Arbeit wegnehmen? Wird die Arbeitswelt ein Miteinander von Mensch und Maschine oder läuft es auf ein Gegeneinander hinaus? Die Ausstellung „Out of Office“ im Museum der Arbeit in Hamburg, die aus einem „Bucerius Lab“ der ZEIT-Stiftung hervorging, greift diese Fragen zu verschiedenen Schwerpunktthemen aus dem (Arbeits-)Alltag auf und setzt dabei auf Interaktion mit dem Besucher. Immer wieder werden Fragen gestellt, die auch eine aktive Antwort erfordern.

Besonders wenn es um kreative Schöpfung geht, verblüfft die Ausstellung „Out of Office“. Wurde ein Kunstwerk von einem Computer erschaffen oder von einem Menschen? Das Museum der Arbeit präsentiert hier Texte, Gedichte, Gemälde und lässt in Musikstücke hineinhören. Was davon hat ein Mensch geschrieben? Welcher Text wurde von einer AI aus Goethe- und Schiller-Gedichten neu zusammengewürfelt? Welches Gemälde hat ein Künstler direkt gemalt oder wo kam die Technik zum Einsatz? Und welche Komposition stammt von einem menschlichen Musiker? Kann man die Musik von der unterscheiden, die ein Algorithmus erschaffen hat? „Out of Office“ zeigt, dass der Unterschied unmöglich festzustellen ist – in allen kreativen Bereichen. Selbst wenn man als Ausstellungsbesucher auf gut Glück rät, liegt die Trefferquote bei den statistischen 50 %. Die „Menschlichkeit“ einer kreativen Schöpfung lässt sich an keinem Anhaltspunkt erkennen oder ausschließen.

Zum Nachdenken regt auch der „Job-Futuromat“ an, der vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundeagentur für Arbeit bereitgestellt wird. Hier kann man in der Ausstellung sofort testen, wie hoch die Automatisierbarkeit eines Berufes ist und wie wahrscheinlich es deshalb sein wird, diesen Beruf an eine Maschine zu verlieren. Der „Job-Futuromat“ verrät etwa, dass man sich Sorgen machen sollte, wenn man in einem Schuhgeschäft arbeitet, denn 11 der 14 benötigten Tätigkeiten können bereits heute schon von Robotern übernommen werden. Wer eine Professorenstelle an einer Musikhochschule hat, braucht sich hingegen keine Gedanken um seine berufliche Zukunft zu machen. Der „Job-Futuromat“ erkennt hier 5 verschiedene Tätigkeiten, von denen nur eine von einem Roboter übernommen werden könnte. Auch hier zeigt sich, dass die Digitalisierung und Automatisierung besonders für niedrig qualifizierte Arbeitnehmer zum Problem wird, während hochqualifizierte Experten wenig zu befürchten haben.

Vom 7. November 2018 bis 19. Mai 2019 zeigt das Museum der Arbeit Hamburg die Ausstellung „Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“ / Foto: Angelika Schoder, Hamburg 2019

Wie kann die Arbeitswelt in Zukunft aussehen?

Wird es statt Produktionsarbeitern und Gastronomie-Angestellten in Zukunft „Algorithmenversicherer“ und „Empathie-Interventionisten“ geben? Die Ausstellung „Out of Office“ gibt auch einen Ausblick auf Berufe, die es heute noch nicht gibt. Schließlich muss vielleicht jemand bald die Aufgabe übernehmen, selbstfahrende Transporte zu versichern, die durch den Einsatz von Algorithmen als Risiko-anfällig gelten. Alles was man für diesen Job braucht, ist Berufserfahrung in der Regulierung von Schäden, die von Robotern und AI verursacht wurden. Oder man übernimmt die Aufgabe, Robotern beizubringen, menschliche Reaktionen richtig zu verstehen. Perfekt wäre dieser Zukunfts-Job für alle, die einen Abschluss in Psychologie mit dem Schwerpunkt „Mensch-Maschine Schnittstellen“ haben.

Dass es noch viel Klärungs- und Diskussionsbedarf zum Thema AI und Automatisierung im Berufsleben gibt, zeigt das Museum der Arbeit schließlich auch mit einigen aktuellen Zahlen aus Umfragen, die in der Ausstellung präsentiert werden. Immerhin 58 % der Befragten denken, dass durch Künstliche Intelligenz und Roboter mehr Jobs verloren gehen als geschaffen werden. 52 % glauben, dass im Jahr 2030 auch kreative Aufgaben von Technologie übernommen werden, statt von Menschen. 64 % denken, dass der von Computern übernommene Kundenservice sogar schneller und zuverlässiger erledigt wird. 78% der Befragten befürchten aber auch, dass AI Machtmissbrauch und Manipulation ermöglicht, und 54 % fürchten, dass sich die Technologie irgendwann gegen die Menschen richten wird. Ob unsere Arbeitskollegen in Zukunft eher harmlos wie R2D2 aus „Star Wars“ sein werden oder doch gefährlich wie ein „Terminator“, wird sich zeigen.

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Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten

07.11.2018 -19.05.2019
Museum der Arbeit Hamburg
Weitere Infos zur Ausstellung

Dieser Beitrag entstand im Auftrag des Museums der Arbeit Hamburg.


Header-Bild: Detail aus: The Veteran in a New Field, Winslow Homer (1865) – Metropolitan Museum of ArtPublic Domain


Fußnoten:

[1] Dazu: Merle Strunk: Die Osborne/Frey-Studie: Wie ersetzbar sind wir? In: Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten. Hg.v. Rita Müller und Mario Bäumer, Hamburg 2018, S. 168f.

[2] Daniel Opper, Mario Bäumer: Einleitung zur Ausstellung. In: Ebd., S. 18-20, hier S. 18