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Social Media als Besucher-Anreiz, Restaurierung im Fokus und haariges Instagram

Nicht-Newsletter – Nr. 47, 01/2020

Frage des Monats
Wie wichtig ist die Social-Media-Nutzung für Besucher?

Thema des Monats
Restaurierung als Kommunikations-Highlight

Twitter des Monats
Dining Car

Instagram des Monats
The Hair Historian

Tumblr des Monats
Advertrends


Frage des Monats

Wie wichtig ist die Social-Media-Nutzung für Besucher?

In einem Beitrag für Museum Next gehen drei Wissenschaftler der University of Canberra der Frage nach, wie die Nutzung eines Smartphone das Verhalten bei touristischen Aktivitäten beeinflusst. Genauer gesagt geht es natürlich um die Nutzung von Social Media und die Gewohnheit, nicht nur Content jederzeit produzieren zu können, sondern diese Inhalte auch sofort unmittelbar an seine Kontakte bzw. Follower kommunizieren zu können.

Eine Freizeit- oder Urlaubsaktivität ist von einem persönlichen Erlebnis längst zu einem sozialen Event geworden, immerhin teilen viele ihre Eindrücke von Besuchen von Orten und Sehenswürdigkeiten mit anderen. Das Smartphone ermöglicht es hier, ständig eine Foto- und Videokamera bei sich zu haben, und entsprechende Inhalte zu erstellen. Durch eine Internetverbindung besteht zusätzlich die Möglichkeit, diese Inhalte sofort ins Netz zu senden und mit anderen zu teilen. Noch während man als Besucher etwas erlebt, kann man so über sein Erlebnis in Dialog mit Menschen treten, die gar nicht vor Ort am Erlebnis teilnehmen.

Studie zum Besucherverhalten

Im September 2019 veröffentlichten Michael James Walsh, Naomi F. Dale und Raechel Johns die Ergebnisse ihrer qualitativen Studie “Der Social Media Touristen-Blick”. Auch wenn es in der Studie um die Besucher eines Zoos geht, sind die Ergebnisse auch für Museen interessant. Zwei Gruppen aus je 6 Personen wurden in die Jamala Wildlife Lodge in Canberra geschickt: Eine Gruppe durfte fotografieren, die Fotos aber nicht in Social Media posten. Die zweite Gruppe durfte jederzeit in Sozialen Medien über den Zoo-Besuch kommunizieren.

Die Studie bestätigte die These: Für Besucher gehört es einfach dazu, Fotos eines Erlebnisses in Echtzeit in Social Media zu teilen. Dies verändert auch die Art und Weise, wie sich Menschen mit den von ihnen besuchten Orten beschäftigen. Es herrscht teils sogar ein Pflichtgefühl oder ein Drang, die Erlebnisse an seine Kontakten online zu kommunizieren.

Eine Teilnehmerin aus der Gruppe, die nichts online veröffentlichen durfte, betonte im Interview nach dem Zoo-Besuch:

“For me personally not being able to post was a negative experience because I wanted to show people what we’re doing, when we’re doing it. […] I sort of feel like if we don’t share the photos it’s like a tree fell down in the forest and no one heard it, like, we’ve had this amazing experience and if I don’t share them, then no one’s going to know that we had this experience, you know, apart from us.”

Teilnehmerin der Studie “The social media tourist gaze”

Das Erlebnis im Zoo wird von der Studienteilnehmerin also als weniger positiv bewertet, da sie in Echtzeit niemandem via Social Media mitteilen konnte, was sie gerade erlebt.

Kommunikation statt Erinnerung

(Digitale) Fotografie wird zunehmend nicht mehr dazu genutzt, später eine Erinnerung an ein Erlebnis zu haben. Vielmehr sind Fotos durch Social Media zum Kommunikationsmittel geworden, das unmittelbar mit anderen geteilt wird. Institutionen, wie etwa Museen, sollten auf diese Bedürfnisse reagieren und bedenken, dass für viele Menschen das Erstellen von Fotos und Videos einen hohen Stellenwert einnimmt, ebenso wie das Bedürfnis, diese Inhalte sofort online zu teilen.

Dies zu unterbinden, kann für einige Menschen bedeuten, dass sie einen Besuch als weniger positiv empfinden. Vielleicht kann ein Fotoverbot bzw. eine verbotene Smartphone-Nutzung sogar dazu führen, dass manche Menschen eine Institution deshalb gar nicht besuchen würden.


Thema des Monats

Restaurierung als Kommunikations-Highlight

Immer mehr Kulturinstitutionen nutzen Social Media, um dem Publikum einen Einblick hinter die Kulissen zu ermöglichen. In den Fokus der Kommunikation rücken dabei auch Tätigkeiten, die früher hinter verschlossener Tür stattfanden, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit: die Konservierung und Restaurierung. Ein Artikel im Museums + Heritage Advisor betrachtet hier insbesondere die beiden Beispiele der Rekonstruierung der Notre Dame Kathedrale in Paris und die Restaurierung von Rembrandts Gemälde “Die Nachtwache” im Rijksmuseum.

Mehr als ein “Nerd-Thema”

Am Beispiel von Notre Dame wird deutlich, dass das Thema Restaurierung auf großes Publikumsinteresse stößt. Besonders in Sozialen Medien wird seit dem Brand der Kathedrale seit Monaten fortwährend diskutiert, ob, wie und warum das Gebäude restauriert werden sollte. Es liegt auf der Hand, hier den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten gut zu dokumentieren und auch öffentlich und vor allem in Social Media zu kommunizieren.

Genau dieses Interesse bedient auch das Rijksmuseum mit seiner “Operation Nachtwache”, eine publikumswirksame Inszenierung der Restaurierung von Rembrandts großformatigem Gemälde. Sowohl vor Ort können Museumsbesucher den Prozess durch einen Glaskasten beobachten, als auch online per Live Stream mitverfolgen. Dies, ebenso wie die begleitende Online-Kommunikation, eröffnet einem breiten Publikum den Blick auf Rembrandts Maltechnik, seine genutzten Materialien, historische Veränderungen am Gemälde durch frühere konservatorische Maßnahmen, sowie die Spuren der Zeit, die am Werk ersichtlich sind.

Beide Beispiele zeigen, dass auch ein vermeintliches Spezialthema wie Restaurierung nicht unbedingt nur etwas für “Kultur-Nerds” ist, sondern dank Social Media auch ein großes Publikum erreichen kann.


Twitter des Monats

Dining Car

Neuigkeiten aus dem Speisewagen: Der Twitter-Account @_DiningCar sammelt Bilder und Geschichten aus der ganzen Welt, rund um das Dinieren auf Schienen. Früher waren manche Speisewagen ein kleiner Ort des Luxus während einer Bahnfahrt; ein Restaurant mit Ausblick. Heute geht es meist leider weniger exklusiv zu, dafür kann sich fast jeder einen Snack in einem Speisewagen leisten. Und es schwingt schon etwas “Zugstolz” mit, wenn die Fans des Twitter-Accounts ihre Malzeiten posten: Bier, Schnitzel oder Würstchen aus osteuropäischen Zügen oder Nudelsuppe aus Vietnam. Zugfahren kann ein Erlebnis sein – auch kulinarisch.


Instagram des Monats

The Hair Historian

Schon seit Jahrhunderten haben Menschen mit ihren Haaren ein Statement gesetzt. Frisuren waren – und sind bis heute – ein Zeichen der Persönlichkeit und erzählen Geschichten. Diesen Haar-Geschichten widmet die studierte Modejournalistin Rachel Gibson ihren Instagram-Account @thehairhistorian, der Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Gemälde zeigt.

Gibson durchstöbert für ihren Account Archive und Online-Sammlungen von Museen, immer auf der Suche nach spannenden Portraits, bei denen die Haare einer Person eine wichtige Rolle spielen. Ihre Fundstücke zeigen, dass Haare über die Jahrhunderte hinweg eine zentrale Rolle in der Kunst spielten. Doch Gibson zeigt auch, wie sich die künstlerische Darstellung der Frau im Laufe der Geschichte gewandelt hat.


Tumblr des Monats

Advertrends

In seinem mittlerweile nicht mehr aktiv befüllten Tumblr Advertrends setzte sich Klaus Speidel mit Werbung, Typografie und Trends der visuellen Kommunikation auseinander. Ein spannender Blick auf diverse Kampagnen – von Mode über Streetart bis hin zu österreichischen Wahlplakaten.



Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.