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Die Königin der Hanse: Museen in Lübeck

Mit rund 1.000 Kulturdenkmalen gehört die Hansestadt Lübeck zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir stellen die schönsten Museen in Lübeck vor.

Die im Jahr 1143 gegründete Hansestadt Lübeck, die als „Königin der Hanse“ historische Bedeutung erlangte, verfügt in ihrer Altstadt über mehr als 1.000 Kulturdenkmale. Seit 1987 ist die Stadt Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Bekannt ist Lübeck vor allem für das Holstentor, das nicht nur das Wahrzeichen der Stadt ist, sondern auch zu den markantesten Bauwerken Deutschlands zählt. Doch Lübeck hat viele weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Wir stellen hier die schönsten Museen in Lübeck und weitere touristische Highlights vor.


Blick von der Trave auf die Altstadt. Lübeck wurde lange auch die "Stadt der Sieben Türme" genannt, nach den fünf gotischen Hauptkirchen auf dem Altstadthügel.
Blick von der Trave auf die Altstadt. Lübeck wurde lange auch die „Stadt der Sieben Türme“ genannt, nach den fünf gotischen Hauptkirchen auf dem Altstadthügel.

Das Museum Holstentor

Der Weg in die Lübecker Altstadt führt durch das Holstentor, das Wahrzeichen der Hansestadt Lübeck. Das spätgotische Stadttor gehört zu den Überresten der Lübecker Stadtbefestigung und diente früher als westlicher Eingang in die Stadt. Es wurde von 1464 bis 1478 vom Stadtbaumeister Hinrich Helmstede nach niederländischen Vorbildern errichtet. Dabei stand nicht nur dessen Funktion als Tor zur Stadtverteidigung im Mittelpunkt, sondern das Bauwerk sollte auch eine repräsentative Rolle erfüllen.

Über dem Tor an der sogenannten Feldseite, der Stadt-abgewandten Fassade, steht seit 1871 in Latein der Schriftzug: „Drinnen Eintracht, draußen Frieden.“ Auffällig ist die starke Neigung des Tores; aufgrund des morastigen Untergrundes sanken die beiden Türme seit dem Mittelalter immer weiter ein. Erst in den 1930er Jahren wurde das Tor stabilisiert. Seit 1950 befindet sich im Holstentor das Stadtgeschichtliche Museum von Lübeck. Die Ausstellung „Die Macht des Handels“ schildert die Geschichte der Stadt als Zentrum der nordeuropäischen Handelswege.


Das Holstentor gilt als Wahrzeichen von Lübeck. Auf der Feldseite steht über dem Tor der Schriftzug "Drinnen Eintracht, draußen Frieden."
Das Holstentor gilt als Wahrzeichen von Lübeck. Auf der Feldseite steht über dem Tor der Schriftzug „Drinnen Eintracht, draußen Frieden.“

Die Lübecker Salzspeicher

Rechts neben dem Holstentor befinden sich die historischen Salzspeicher der Stadt Lübeck. Die Lagerhäuser wurden im Stil der sogenannten Backsteinrenaissance und des Backsteinbarock zwischen 1579 und 1745 erbaut. Die insgesamt sechs Speichergebäude dienten ursprünglich der Lagerung von Salz. Es wurde entweder von Lüneburg über die Alte Salzstraße und später über den Stecknitz-Kanal transportiert oder stammte aus der Saline Oldesloe und wurde mit Lastkähnen auf dem Fluss Trave befördert. Von den Salzspeichern aus verkaufte Lübeck das Salz in ganz Skandinavien.

Die Lübecker Salzspeicher waren übrigens Drehort des Films „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922. Im Film diente ein Salzspeicher als Haus des Vampirs Graf Orlok, das sich laut Handlung eigentlich in Wisborg befindet.

  • Lübecker Salzspeicher | Wallstraße 1 | 23560 Lübeck

Die sechs historischen Salzspeicher in Lübeck wurden zwischen 1579 und 1745 erbaut.
Die sechs historischen Salzspeicher in Lübeck wurden zwischen 1579 und 1745 erbaut.

Die Lübecker Marienkirche

Die evangelische Kirche St. Marien zu Lübeck, die von 1277 bis 1351 erbaut wurde, gilt als „Mutterkirche“ der norddeutschen Backsteingotik. Nach ihrem Vorbild entstanden rund 70 Kirchen im Ostseeraum. Im März 1942 brannte die Marienkirche infolge eines Luftangriffs auf Lübeck völlig aus. Bereits 1947 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, der nach 12 Jahren vollendet wurde. Von der mittelalterlichen Ausstattung sind heute noch u.a. ein Taufbecken aus Bronze von 1337 erhalten, ebenso wie eine Holzstatue des St. Johannes von Henning von der Heyde aus dem frühem 16. Jhd. und der Flügelaltar mit Mondsichelmadonna von Christian Swarte, der um 1495 entstand.

In der Marienkirche können verschiedene Themenführungen besucht werden, etwa zum Lübecker Totentanz, ebenso wie eine allgemeine Kirchenführung sowie Gewölbe- und Turmführungen. Die beiden Kirchtürme sind 125 Meter hoch; ein Aufstieg in 60 Meter Höhe ermöglicht einen Ausblick auf das Holstentor, das historische Rathaus und den Marktplatz sowie über die gesamte Altstadtinsel.


St. Marien zu Lübeck wurde bis 1351 im Stil der Backsteingotik erbaut und gilt als Vorbild für 70 weitere Kirchen im Ostseeraum.
St. Marien zu Lübeck wurde bis 1351 im Stil der Backsteingotik erbaut und gilt als Vorbild für 70 weitere Kirchen im Ostseeraum.

Das Lübecker Rathaus

Direkt hinter der Marienkirche steht das historische Rathaus der Stadt Lübeck. Mit dessen Bau wurde bereits im Jahr 1230 begonnen, kurz nach der Verleihung der Reichsfreiheit an die Stadt. Erst 1308 wurde das Gebäude fertiggestellt. Bis heute ist das Rathaus Sitz der Lübecker Verwaltung und Tagungsort der Bürgerschaft sowie des Senats. Wenn keine Veranstaltungen stattfinden, kann das historische Rathaus im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Besucht werden kann u.a. der Audienzsaal, der in seiner Ausstattung von 1754 erhalten ist, der neugotische Bürgerschaftssaal oder die ebenfalls im Stil der Neugotik gestaltete Eingangshalle von 1887.


Die neugotische Eingangshalle des Lübecker Rathauses ist mit schwarzgrün glasierten Backsteinen verkleidet.
Die neugotische Eingangshalle des Lübecker Rathauses ist mit schwarzgrün glasierten Backsteinen verkleidet.

Das Heiligen-Geist-Hospital

Direkt am Koberg im Jakobi Quartier Lübecks steht das Heiligen-Geist-Hospital. Das im Jahr 1286 vollendete Gebäude im Stil der Backsteingotik mit seinen markanten Türmen zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt. Von der Straße aus betritt man die dreischiffige Hallenkirche des Hospitals, die ganzjährig besichtigt werden kann. Besonders sehenswert sind hier 23 Tafeln aus dem 15. Jhd., auf denen die Legende der Heiligen Elisabeth dargestellt wird, ebenso wie die beeindruckenden Wandgemälde aus dem frühen 14. Jhd.

  • Heiligen-Geist-Hospital | Koberg 11 | 23552 Lübeck

In der Hallenkirche des Heiligen-Geist-Hospital sind aufwändige mittelalterliche Wandmalereien zu sehen.
In der Hallenkirche des Heiligen-Geist-Hospital sind aufwändige mittelalterliche Wandmalereien zu sehen.

Das Museum Behnhaus Drägerhaus

Nur wenige Meter neben dem Lübecker Koberg befindet sich das Museum Behnhaus Drägerhaus. Benannt ist das Museum nach den zwei Stadtpalais aus dem 18. Jhd., in dem sich die Ausstellungsräume befinden – das Behnhaus und das Drägerhaus. In den historischen Räumen, die auch die bürgerliche Wohnkultur des 19. Jhd. widerspiegeln, zeigt das Museum Kunst des 19. Jhd. und der klassischen Moderne. Die Sammlung umfasst Plastiken, Grafiken, Fotografien und Gemälde, u.a. von Caspar David Friedrich, Edvard Munch, Max Liebermann und Paula Modersohn-Becker.


Das Museum Behnhaus Drägerhaus befindet sich in zwei Stadtpalais aus dem 18. Jhd.
Das Museum Behnhaus Drägerhaus befindet sich in zwei Stadtpalais aus dem 18. Jhd.

Die Museumskirche St. Katharinen

Unweit des Museum Behnhaus Drägerhaus steht die Katharinenkirche, eine bedeutende Bettelordenskirche der Hochgotik. Die Kirche des ehemaligen Franziskaner-Klosters wurde etwa zwischen 1300 und 1370 erbaut und ist die einzige in Lübeck noch erhaltene Klosterkirche. Besonders sehenswert sind die Terrakottafiguren an der Westfassade der Kirche, die sogenannte „Gemeinschaft der Heiligen“. Sie stammen von den beiden Bildhauern Ernst Barlach (1930-33) und Gerhard Marcks (1947/48). Die Museumskirche kann besichtigt werden und es werden auch wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.


Die Museumskirche St. Katharinen bietet regelmäßige Führungen unter dem Motto "Klosterkirche - Pferdestall - Museum" an.
Die Museumskirche St. Katharinen bietet regelmäßige Führungen unter dem Motto „Klosterkirche – Pferdestall – Museum“ an.

Das Lübecker Burgtor

Das im spätgotischen Stil erbaute Lübecker Burgtor im Norden der Stadt ist neben dem Holstentor das einzige noch erhaltene Stadttor Lübecks. Seinen Namen erhielt das Burgtor nach der alten Lübecker Burg, die 1227 zum Burgkloster umgebaut wurde. Das Burgtor wurde im Jahr 1444 nach Plänen des Stadtbaumeister Nicolas Peck innerhalb einer Befestigungsanlage errichtet. Um dem steigenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, wurde im 19. Jhd. der Durchgang durch das Tor erweitert. Heute verfügt das Tor über vier Durchgänge.

Am Ende der Burgtorbrücke befinden sich zwei sitzende „Lübecker Löwen“, die von Bildhauer Fritz Behn gestaltet wurden. Sie ergänzen die Statuen zweier liegender Löwen vor dem Holstentor, die von Christian Daniel Rauch stammen.

  • Lübecker Burgtor | Große Burgstraße | 23552 Lübeck

Das Burgtor wurde im Jahr 1444 nach Plänen des Stadtbaumeister Nicolas Peck errichtet.
Das Lübecker Burgtor wurde im Jahr 1444 nach Plänen des Stadtbaumeister Nicolas Peck errichtet.

Das Europäische Hansemuseum Lübeck

Das Europäische Hansemuseum in der nördlichen Altstadt, unterhalb des Burgtors, wurde erst 2015 eröffnet. Es umfasst einen modernen Museumsneubau und das historische Burgkloster. In der Dauerausstellung „Die Hanse“ im Neubau sind zunächst archäologische Funde zu sehen, die beim Bau des Museums freigelegt wurden. Die Ausstellung befasst sich im Anschluss auf zahlreichen Displays und anhand von Dioramen mit dem Netzwerk der Hanse, einem Handelsnetz, das sich ab dem 12. Jhd. zwischen Ost- und Nordsee, aber auch bis nach Frankreich, Spanien und Portugal erstreckte.

Im Burgkloster, dem 1229 gegründeten Maria Magdalenen Kloster, sind wechselnde Ausstellungen zu sehen. Besichtigt werden können auch die historischen Räume des gotischen Backsteinbaus mit Wand- und Deckenmalereien, ebenso wie die Gerichts- und Gefängnisräume, die Ende des 19. Jhd. im Obergeschoss entstanden und die auch im Nationalsozialismus noch genutzt wurden.


Der Neubau des Europäischen Hansemuseums Lübeck wurde 2015 eröffnet.
Der Neubau des Europäischen Hansemuseums Lübeck wurde 2015 eröffnet.

Infos zu den Museen in Lübeck


Fotos: Angelika Schoder – Lübeck, 2020


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Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.


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