Auf den Spuren von Auguste Rodin in Paris

Die französische Metropole feiert in diesem Jahr Auguste Rodin mit zwei großen Jubiläums-Ausstellungen. Anlässlich des 100. Todesjahres werden in Paris die wichtigsten Werke des Künstlers gezeigt und in Dialog gesetzt mit den Skulpturen und Zeichnungen seiner Zeitgenossen sowie weiterer Künstler des 20. Jahrhunderts. Doch die Spuren Rodins lassen sich noch an weiteren Orten an der Seine finden…

 

Auguste Rodin, „Le Sommeil“ (1889-1894), Musée Rodin

Auguste Rodin, „Le Sommeil“ (1889-1894), Musée Rodin

 

Rodin an der Seine

„Kiefer/Rodin“ im Musée Rodin

Wer sich nicht nur mit dem Werk Rodins auseinandersetzen möchte, sondern auch seinen Wirkungsstätten in Paris nachspüren will, sollte mit dem Musée Rodin im 7. Arrondissement starten. Im herrschaftlichen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert arbeitete der Künstler von 1908 bis 1917, auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Hier studierte er Emotionen ebenso wie Körper und füllte die Räume mit Skulpturen von verschlungenen Figuren, Männer-Akten und Fragmenten weiblicher Formen.

„Le Penseur“ gilt als eine der berühmtesten Skulpturen der Welt. Nach vorne über gebeugt, das Kinn auf den Handrücken gestützt, begegnet man dem „Denker“ vor dem Musée Rodin, wie er den Garten vor dem Anwesen überblickt. Im Inneren des Museums werden vom 14. März bis zum 22. Oktober 2017 Kontraste, aber auch Parallelen zwischen den Werken des deutschen Malers und Bildhauers Anselm Kiefer (1945) und des Franzosen Auguste Rodin (1840-1917) gezeigt. Die Ausstellung verdeutlicht die ungewöhnliche Konvergenz dieser beiden Künstler, welche frei von traditionellen künstlerischen Konventionen arbeiteten bzw. arbeiten.

In „Kiefer/Rodin“ wird besonders auf die ähnlichen Hintergründe, Inspirationsquellen und kreativen Prozesse der Künstler verwiesen. Häufig vom Zufall getrieben, arbeiteten beide mit verschiedenen Materialien, immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Beiden gemein ist dabei das Spiel mit verschiedenen Techniken und unterschiedlichen Materialien.

  • Musée Rodin
    19, boulevard des Invalides, 75007 Paris

 

Das Grand Palais entstand zwischen 1897 und 1900 als Ausstellungsgebäude für die Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris

Das Grand Palais entstand zwischen 1897 und 1900 als Ausstellungsgebäude für die  Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris

 

„Rodin. Die Jahrhundertausstellung“ im Grand Palais

Auf den Spuren Rodins geht es im Anschluss weiter auf die andere Seite der Seine. Hier, im 8. Arrondissement an den Champs-Élysées, zeigt das Grand Palais vom 22. März bis 31. Juli 2017 das kreative Universum Rodins in einer großen, zwei Stockwerke umfassenden Ausstellung. Beleuchtet wird sowohl Rodins Beziehung zu seinem Publikum, als auch der Einfluss, den sein Werk auf andere Künstler hatte. Das Grand Palais zeigt daher neben über 200 Werken von Rodin auch Skulpturen und Zeichnungen u.a. von Bourdelle, Brancusi, Picasso, Matisse, Giacometti, Beuys oder Baselitz. Die Ausstellung verdeutlicht dabei, wie das Werk Rodins sowohl als Inspiration als auch als Kontrast für andere Künstler diente.

 

Auguste Rodin: "Grande Ombre" (1904), Musée des Beaux-Arts Lyon

Auguste Rodin, „Grande Ombre“ (1904), Musée des Beaux-Arts Lyon

 

Die Ausstellung des Grand Palais gliedert sich in drei Themenschwerpunkte:

Die Kraft des Ausdrucks

Zunächst zeigt die Ausstellung, wie Rodin dem Medium Skulptur Leben einhauchte. Der menschliche Körper diente ihm als Vokabular für seine eigene künstlerische Ausdrucksform. Rodin wurde schnell zum Liebling von Sammlern, Museen und der Presse – in einer Zeit, in der der Pariser Kunstmarkt boomte. Schon früh ließen sich auch Bildhauer wie Bourdelle, Lehmbruck oder Brancusi von ihm inspiriert.

Der Experimentierfreudige

Das Museum greift im zweiten Abschnitt die Ausstellung auf, die Rodin im Jahr 1900 organisierte. Hier rückte er einen bis dahin weniger beachteten Aspekt seines Werks in den Fokus: eine Serie von Skulpturen aus Gips, einem seiner bevorzugten Materialien. Diese Werke verdeutlichen sein konstantes Bestreben, sich neu zu erfinden und zu experimentieren. Die von Rodin genutzten Techniken, wie Wiederholung oder die Fragmentierung von Formen, wurden später von Künstlern wie Matisse, Brancusi oder Picasso aufgegriffen.

In diesem Ausstellungsabschnitt werden zudem zahlreiche Zeichnungen von Rodin gezeigt, ebenso wie Fotografien. Diese Werke sind völlig unabhängig zu seinem Bildhauerischen Werk zu betrachten. Sie beeinflussten später Künstler wie Picasso oder Henry Moore.

Die Schockwelle

Der letzte Ausstellungsabschnitt befasst sich mit den Werken Rodins, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Fokus der Öffentlichkeit gerieten. Montagen aus Gipsfiguren und antiken Vasen, Skulpturen tanzender Figuren und ein Abguss von Balzacs Morgenmantel schockierten einst die Kunstwelt. Picassos Montagen, Beckmanns Akrobaten und die Filzarbeiten von Beuys können als Reaktion auf diese Werke von Rodin betrachtet werden.

  • Grand Palais
    3, avenue du Général Eisenhower, 75008 Paris

 

Die Opéra Garnier wurde nach ihrem Erbauer Charles Garnier benannt

Die von von 1860 bis 1875  erbaute Opéra Garnier wurde nach dem Architekten Charles Garnier benannt

 

Rodins Paris

Wer nach dem Besuch der beiden Ausstellungen Rodins Paris noch weiter erkunden möchten, begibt sich ins 9. Arrondissement zur Pariser Oper, einem Prunkstück der Belle Époque. Das 1875 eröffnete Palais Garnier befindet sich in der Rue Scribe, inmitten der breiten Boulevards, die zu Rodins Zeiten das elegante Bild der Stadt prägten. Die Bronzestatuen auf der großen Treppe des Opernhauses wurden in der Skulpturen-Werkstatt angefertigt, in der auch der junge Rodin in den 1860er Jahren arbeitete.

  • Opéra Garnier
    8 Rue Scribe, 75009 Paris, Frankreich

 

Mit ihrem neobarocken, üppigen Stil grenzt sich die Oper gegenüber anderen Pariser Bauwerken der Zeit ab, denn diese waren eher im Stil des Historismus oder Klassizismus gehalten

Mit ihrem neobarocken, üppigen Stil grenzt sich die Oper gegenüber anderen Pariser Bauwerken der Zeit ab, denn diese waren eher im Stil des Historismus oder Klassizismus gehalten

 

Abschließend lohnt sich ein Besuch des Quartier Latin im 5. Arrondissement. Hier befindet sich heute noch die École nationale supérieure des beaux-arts de Paris, die Staatliche Hochschule der Schönen Künste Paris. Hier hatte sich Rodin drei mal beworben, um Bildhauerei zu studieren, wurde aber stets abgelehnt. Heute werden in der Hochschule auch Ausstellungen gezeigt.

  • École nationale supérieure des beaux-arts de Paris
    14 Rue Bonaparte, 75006 Paris

 

Auguste Rodin, "Le Penseur" (1903), Musée Rodin

Auguste Rodin, „Le Penseur“ (1903), Musée Rodin

 

Rodin an der Spree

„Der Mensch und sein Genius. Rodin – Rilke – Hofmannsthal“ in der Alten Nationalgalerie

Rodin kann man nicht nur in Paris begegnen, sondern auch hierzulande. So widmet die Alten Nationalgalerie in diesem Jahr dem „französischen Michelangelo“ ebenfalls eine Sonderausstellung. Das Berliner Museum nennt in seiner Sammlung ebenfalls eine Bronze-Statue von Rodins „Denker“ ihr Eigen. In „Der Mensch und sein Genius. Rodin – Rilke – Hofmannsthal“ wird aber nicht etwa „Le Penseur“ ins Zentrum gesetzt, sondern die bisher weniger beachteten Bronze-Statue „Der Held / Der Mensch und sein Genius“.

Diese Skulptur des „Helden“ stand 20 Jahre auf dem Schreibtisch von Hugo von Hofmannsthal und gelangte 1920, vermittelt durch Rainer Maria Rilke, in die Sammlung von Werner Reinharts. An diesen Hintergrund angelehnt zeigt die Ausstellung zahlreiche Gemälde, Grafiken, Kunstschriften, Briefwechsel sowie Fotografien, welche das Thema der Inspiration in der Kunst und Dichtung um 1900 beleuchten. Eröffnet wird die Ausstellung in Berlin zum 17. November 2017 – dem 100. Todestag des Künstlers. Zu sehen ist die Schau dann bis  zum 18. Februar 2018.

  • Alte Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin
    Bodestraße 1-3, 10178 Berlin

 

Auguste Rodin – 1917 / 2017

⇒ Mehr über das Jahrhundert-Jubiläum von Rodin

 

>>> Der Beitrag entstanden im Rahmen der Press-/ Bloggerreise #FeelFrenchCulture, die von Atout France initiiert und finanziert wurde.

Bilder: Angelika Schoder – Paris, 2017

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