Reiseziel Okzitanien: Kultur-Tipps für Montauban, Carcassonne und Albi

Das südfranzösische Okzitanien hat, neben einer wunderschönen Landschaft, auch zahlreiche kulturelle Highlights und Sehenswürdigkeiten zu bieten – auch über die Metropole Toulouse hinaus. Wir haben die besten Kultur-Tipps für Montauban, Carcassonne und Albi.

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Typisch für die Region um Toulouse ist der rote Backstein, aus dem auch die doppelten Arkaden um den Place Royale in Montauban erbaut wurden

Montauban

Auf den Spuren von Ingres und Antoine Bourdelle

Der Place Royale

Etwa 50 km nördlich von Toulouse liegt die bereits im Mittelalter gegründete Stadt Montauban. Die Stadt aus dem Jahr 1144 wurde architektonisch durchgeplant, davon zeugt bis heute das rechteckige Straßenraster innerhalb der Stadtmauern, das den zentralen Marktplatz umgibt. Der Place Royale in seiner heutigen Form entstand im 17. Jahrhundert. Das Besondere am Marktplatz sind die Backstein-Arkaden, die gleich zweireihig nebeneinander den Platz umgeben. Die Bögen der Arkaden sind nicht gleichmäßig angelegt, sondern unterschiedlich breit. Hier waren einst Händlerstände untergebracht – jeder Gewerbeart war eine der vier Seiten des Marktes zugeordnet.

Ingres und Bourdelle

Die barocke Kathedrale von Montauban ist, anders als die meisten anderen Bauwerke der Stadt, nicht aus Backsteinen errichtet, sondern aus Sandstein. Im Inneren befindet sich das Gemälde „Der Schwur Ludwigs XIII“ von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780-1867). Dem Künstler, der in Montauban geboren wurde, ist hier auch ein Museum gewidmet, das Musée Ingres im ehemaligen Bischofspalast. Noch bis 2019 wird das Museumsgebäude aufwändig renoviert und die Ausstellungsfläche neu gestaltet.

Ein weiterer berühmter Sohn der Stadt ist Antoine Bourdelle (1861-1929). Das Zeichnen lernte der Zeitgenosse von Auguste Rodin übrigens beim Gründer des Musée Ingres in Montauban. Später studierte Bourdelle Bildhauerei an der Kunstschule in Toulouse. Zahlreiche seiner Skulpturen sind an Plätzen in Montauban zu finden. Ein Museum ist ihm hier aber nicht gewidmet, statt dessen befindet sich das Musée Bourdelle in seinem früheren Atelier in Paris.

Die Kathedrale von Montauban hebt sich in ihrer Bauweise aus weißem Sandstein deutlich von der übrigen Stadt in ihrer Backsteinarchitektur ab

Die Pont Vieux

Sehenswert ist die Pont Vieux, eine Brücke aus dem 14. Jahrhundert, die hinter dem Musée Ingres über den Fluss Tarn führt. Das Bauwerk wurde 1311 begonnen und bereits 1335 vollendet. Besonders bemerkenswert ist die Bauweise, denn in den Pfeilern der Brücke befinden sich Löcher. So kann der Fluss auch bei besonders starker Strömung und Hochwasser den Brückenpfeilern nichts anhaben und durch sie hindurch fließen. Die Brücke in Montauban gilt als Prototyp und wurde in ähnlicher Bauweise in der ganzen südfranzösischen Region nachgebaut.

Kanonenkugeln aus Schokolade

Montauban ist nicht nur bekannt für seine Bauwerke, sondern auch für seine Süßigkeiten aus Lavendel. Das beste Lavendeleis gibt es in der Schokoladenmanufaktur Yves Thuries, 19 Rue de la République. Hier werden, neben Eis und Pralinen, auch Nüsse in Schokolade verkauft, die sogenannten „Kanonenkugeln“. Sie verweisen auf die Kugeln, mit denen im 17. Jahrhundert die Kirche Saint Jacques beschossen wurde. Noch heute sind die Einschläge an der Fassade des mittelalterlichen Kirchenbaus zu sehen und erinnern an die Belagerung der Stadt durch Ludwig XIII im Jahr 1621.


Die Cité de Carcassonne wird vor ihrem Hauptportal von einer Statue ihrer angeblichen Namensgeberin geschützt, der legendären Madame Carcas

Carcassonne

UNESCO Weltkulturerbe mit dem Charme von Game of Thrones

UNESCO Weltkulturerbe

Die Geschichte von Carcassonne reicht bis in die Römerzeit zurück, seine Blütezeit hatte die Stadt jedoch im Mittelalter. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts zählte die Festungsstadt zu den Hauptstützpunkten der Katharer und war Ausgangspunkt der südfranzösischen Inquisition. Die bis heute bewohnte historische Cité de Carcassonne, die von einer doppelten Mauer mit 52 Türmen umgeben ist, wurde im 19. Jahrhundert vom Architekten Eugène Viollet-le-Duc restauriert. Im Jahr 1997 wurde die Cité schließlich zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt.

Der Zugang zum Château comtal im inneren der Festungsmauern der Cité de Carcassonne

Château comtal und Basilika St-Nazaire

Im Inneren der Cité befinden sich das sogenannte Grafenschloss, das Château comtal. Es ist zusätzlich nochmals von fünf Türmen und einem Graben umgeben. Unweit davon befindet sich die ehemalige Kathedrale der Stadt, die Basilika St-Nazaire und St-Celse. Dem mittelalterlichen Kirchenbau mit romanischen und gotischen Elementen, der das Zentrum der Cité de Carcassonne bildet, kommt besondere Bedeutung zu, da die Stadt an einer Nebenstrecke des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela liegt.

Nicht nur Pilger besuchen Carcassonne regelmäßig, auch Hollywood ist hier häufiger zu Gast gewesen. In der mittelalterlichen Kulisse drehte 1990 beispielsweise Kevin Reynolds seinen Film „Robin Hood: Prince of Thieves“ mit Kevin Costner, Morgan Freeman und Alan Rickman in den Hauptrollen.


Das Palais de la Berbie ist Teil des Bischofsviertels, das 2010 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde

Albi

Toulouse-Lautrec und sein künstlerisches Vermächtnis

Palais de la Berbie

Auch die 80 Kilometer nordöstlich von Toulouse gelegene Stadt Albi beherbergt ein Weltkulturerbe. Im Jahr 2010 wurde das Bischofsviertel, die Cité épiscopale d’Albi, in die Liste der UNESCO aufgenommen. Herzstück des Viertels bilden die Kathedrale Sainte-Cécile, die Kirche Saint-Salvi und der Bischofspalast, das Palais de la Berbie. Der Wohn- und Wehrturm des Gebäudes, der sogenannte Donjon, stammt aus dem Hochmittelalter und wurde mehrmals umgebaut. Daran angegliedert sind Gebäude des 15. bis 17. Jahrhunderts. Hier ist auch das Musée Toulouse-Lautrec untergebracht.

Das Musée Toulouse-Lautrec im Bischofspalast wurde nach aufwändiger Renovierung im Jahr 2012 wieder eröffnet

Das Musée Toulouse-Lautrec

Das Museum im Palais de la Berbie ist dem bekanntesten Sohn der Stadt gewidmet, dem Maler Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901). Die Sammlung umfasst frühe Gemälde, Portraits, Lithographien und die 31 Werbeplakate, die Toulouse-Lautrec gestaltete. Das Musée Toulouse-Lautrec verfügt damit über die größte Sammlung von Werken des Künstlers weltweit.

Neben dem Musée Toulouse-Lautrec sind im Palais de la Berbie auch weitere Kunstsammlungen untergebracht. Zum einen handelt es sich dabei um eine Sammlung Alter Kunst, deren Beginn auf das 19. Jahrhundert zurückgeht. Zum anderen ist dies eine Sammlung Moderner Kunst im zweiten Stock des Museumsgebäudes. Den Schwerpunkt dieser Sammlung bilden Kunstwerke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Header-Bild: Angelika Schoder – Albi, 2017,
Bilder: Angelika Schoder – Montauban, Albi und Carcassonne, 2017