Hello, Robot – Die Herrschaft der Maschinen

In Filmen, Serien und in der Literatur begegnen uns Roboter und Androiden schon seit vielen Dekaden. Mittlerweile ist die Fiktion zur Realität geworden; die Robotik hat längst Einzug in unseren Alltag gehalten. Militärische Drohnen in Kriegsgebieten, Sensoren im privaten Haushalt, automatisierte Produktionsprozesse in der Industrie – Roboter haben heute viele Gesichter. Noch erinnert keines davon an Mr Data aus „Star Trek“, an C-3PO aus „Star Wars“ oder an RoboCop – das ist vielleicht aber nur eine Frage der Zeit?


 

Hello, Robot - In der aktuellen Ausstellung setzt sich das Vitra Design Museum damit auseinander, wie Roboter bereits heute unser Leben prägen

Hello, Robot – In der aktuellen Ausstellung setzt sich das Vitra Design Museum damit auseinander, wie Roboter bereits heute unser Leben prägen

 

Von Robotern und Menschen

Ob „Real Humans“ in der Science Fiction-Ausstellung „Things to Come“ in der Deutschen Kinemathek, Maschinen-Menschen in der „Golem“-Ausstellung des Jüdischen Museum Berlin oder die „Robots“-Ausstellung im Science Museum London – abgesehen vom „Selfie“ scheint im Moment kaum ein Thema die Museen so stark zu beschäftigen, wie der Siegeszug der Maschinen.

Es geht dabei meist um die Mythen, die sich um künstliche Menschen ranken, aber auch um die Skepsis, die mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung wächst. Wie kann der Mensch in Zukunft mit computerbasierter Intelligenz konkurrieren? Sind Maschinen noch unsere Diener oder bald schon unsere Herren? Auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein befasst sich aktuell in der Ausstellung „Hello, Robot“ mit den Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Im Vordergrund stehen dabei in erster Linie die Design-Aspekte, denn war die Robotik früher vor allem die Domäne von Ingenieuren und IT-Entwicklern, spielen heute Designer eine immer größere Rolle.

 

Ob als Spielzeug oder als hochspezialisierte Industrie-Maschine, ob im Film oder in der Sex-Industrie - Die gesellschaftliche Bedeutung von Robotern nimmt zu

Ob als Spielzeug oder als hochspezialisierte Industrie-Maschine, ob im Film oder in der Sex-Industrie – Die gesellschaftliche Bedeutung von Robotern nimmt zu

 

Wir sind die Roboter

Die Ausstellung „Hello, Robot“ gliedert sich in vier Themenschwerpunkte. Zunächst steht die historische Faszination für künstliche Menschen im Mittelpunkt, ebenso wie der popkulturelle Umgang mit dem Thema. Fritz Langs „Metropolis“ trifft hier auf die Roboter-alter-Egos von Kraftwerk und japanische Spielzeuge werden R2-D2 aus „Star Wars“ gegenübergestellt. Geht es hier noch um Fantasie und Fiktion, hält im nächsten Ausstellungstraum die Realität Einzug.

In der Industrie, so zeigt sich, haben die Roboter ihre Herrschaft längst angetreten. Ängste entstehen, in welchem Maße Maschinen in Zukunft Arbeitsplätze verdrängen werden. Es wird jedoch auch die Frage danach aufgeworfen, wo die Grenzen zwischen automatisierter Arbeit und menschlicher Kreativität liegen, etwa anhand einer Installation der Gruppe RobotLab, bei der ein Roboterarm unentwegt Manifeste schreibt.

Im dritten Abschnitt widmet sich die Ausstellung der Integration der Technologie in unserem Alltag – sei es als Haushaltshilfe im Bereich „Internet der Dinge“, als Unterstützung in der Pflege, z.B. in Form von interaktiven Roboter-Tieren für Menschen mit Demenz, oder als Interaktionselemente zur Lustbefriedigung.

Abschließend thematisiert das Vitra Design Museum in seiner Ausstellung „Hello, Robot“ noch die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Roboter. Hier geht es um technische Implantate, die uns langsam in Cyborgs verwandeln, aber auch um künstlerische Visionen von interaktiver Roboter-Kleidung oder Mode aus dem 3D-Drucker.

 

Die Fassade des Vitra Design Museums ziert die erste Frage der Ausstellung: Have you ever met a robot?

Die Fassade des Vitra Design Museums ziert die erste Frage der Ausstellung: Have you ever met a robot?

 

Hello, Robot?

Als roter Faden ziehen sich 14 Fragen durch die Ausstellung des Vitra Design Museums. Die Fragen werden dabei nicht nur in der Ausstellungsnarrative aufgegriffen, sondern richten sich auch an den Besucher, der seine Reaktion auf neue Technologien hinterfragen soll:

  • 01 – Sind Sie schon einmal einem Roboter begegnet?
  • 02 – Was war Ihre erste Erfahrung mit Robotern?
  • 03 – Glauben Sie, wir brauchen Roboter?
  • 04 – Sind Roboter unsere Freunde oder unsere Feinde?
  • 05 – Vertrauen Sie Robotern?
  • 06 – Denken Sie, Ihr Job könnte von einem Roboter übernommen werden?
  • 07 – Möchten Sie selbst zum Produzenten werden?
  • 08 – Wie sehr möchten Sie sich auf smarte Helfer verlassen?
  • 09 – Wie fühlen Sie sich dabei, dass Objekte Gefühle für Sie empfinden?
  • 10 – Glauben Sie an Tod und Wiedergeburt von Dingen?
  • 11 – Hätten Sie gerne, dass sich ein Roboter um Sie kümmert?
  • 12 – Würden Sie in einem Roboter leben wollen?
  • 13 – Möchten Sie besser werden als von Natur her vorgesehen?
  • 14 – Tritt der Roboter an die Spitze der Evolution?

Teilweise werden die Fragen in kleinen Ausstellungsabschnitten, teils nur an einzelnen Objekten diskutiert und darauf bezogen. Das Vitra Design Museum doppelt sich damit in einigen Schwerpunkten mit der aktuellen Ausstellung „Robots“, die vom 8. Februar bis 3.  September 2017 im Science Museum London zu sehen ist. Geht es in Großbritannien jedoch eher um die 500-jährige Entwicklungsgeschichte der Roboter, steht in der deutschen Ausstellung der Design-Aspekt der Maschinen im Mittelpunkt. Vereint sind beide Museen in der Frage danach, wie der Mensch heute und in Zukunft sein Verhältnis zur Technologie definieren will – auch nach moralischen Gesichtspunkten.

 

Der Elytra Filament Pavilion - Eine Außeninstallation zur Ausstellung "Hello, Robot" neben dem Vitra Design Museum

Der Elytra Filament Pavilion – Eine Außeninstallation zur Ausstellung „Hello, Robot“ neben dem Vitra Design Museum

 

Der Elytra Filament Pavilion

Ergänzt wird die Ausstellung „Hello, Robot“ durch eine Außeninstallation auf dem Vitra Campus, in unmittelbarer Nähe des Vitra Design Museums. Hier erstreckt sich der „Elytra Filament Pavilion“ – ein architektonisches Gebilde, das halb organisch gewachsen, halb insektoid gesponnen anmutet. Tatsächlich handelt es sich um eine bionische Dachkonstruktion, ein Beispiel dafür, wie die Robotik schon heute in der Architektur eingesetzt wird.

Der Pavillion besteht aus einzelnen trichterförmigen Modulen, die mit einer wabenförmigen Struktur verbunden und überdacht werden. Ein Algorithmus definierte diese Form, ein Industrieroboter setzte sie um. Hinter dem Projekt steht ein Team des Institute for Computational Design (ICD) an der Universität Stuttgart. Vier Jahre lang wurde hier dazu geforscht, wie sich Architektur, Ingenieurbau und Bionik miteinander verbinden lassen. Das Ergebnis dieser Forschung ist eine 200 Quadratmeter große Struktur, die zugleich besonders leicht ist. Jedes Bauelement wiegt lediglich 45 kg, der gesamte Pavillion nur 2,5 Tonnen.

Die Faserverbundstruktur des Bauwerks ist von den Deckflügeln flugfähiger Käfer inspiriert, den sogenannten Elytren. Um diese Struktur umzusetzen, wurde der Pavillion mithilfe eines robotischen Wickelverfahrens hergestellt, welches sich die besonderen Eigenschaften von Karbonfasern in gewickelten Bauelementen zunutze macht. Von einem Algorithmus gesteuert, von einem Roboter umgesetzt: Sieht so die Zukunft der Architektur aus?

 

Hello, Robot – Design zwischen Mensch und Maschine

Vitra Design Museum
11.02. – 14.05.2017
#hellorobot / #elytrafilamentpavilion

weitere Informationen

 

>>> Der Beitrag entstanden im Rahmen der Bloggerreise #MonetBasel, die von der Fondation Beyeler sowie Art & Design Museums Basel initiiert und finanziert wurde.

Bilder: Angelika Schoder – Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2017

Ein Gedanke zu „Hello, Robot – Die Herrschaft der Maschinen

  1. Pingback: Kultur-News KW 10-2017 | Kultur - Geschichte(n) - Digital

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.