Überflüssige Blogger Relations, bedeutsame Klobürsten und traurige Hipster

MusErMeKu – best of – Nr. 09, 11/2016

– Frage des Monats: Sind Blogger Relations überflüssig? –
– Thema des Monats: Die Bedeutsamkeit von Klobürsten –
– Twitter des Monats: Cursed Images –
– Instagram des Monats: National Air and Space Museum –
– Tumblr des Monats: Unhappy Hipsters –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Sind Blogger Relations überflüssig?

Museen sind gut damit beraten, wenn sie möglichst hartnäckig an Mechanismen festhalten, die schon seit jeher Bestand haben. Dazu gehört es, ausschließlich Berichterstattung durch die klassischen Medien ernst zu nehmen und anzustreben. Was nicht Zeitung, Radio oder TV ist, kann weg. Wer sich als Museumsmitarbeiter nicht daran erinnern kann, wann er zum letzten Mal ein Video bei YouTube gesehen oder einen Blogbeitrag gelesen hat, geschweige denn jemals Twitter oder Instagram genutzt hat, der kann folgerichtig davon ausgehen, dass auch niemand sonst dies tut.

Völlig richtig ist es daher, nur Pressevertretern Zutritt zum Museum zu gewähren, die durch einen Presseausweis belegen können, ein echter Journalist zu sein. Keinesfalls sollte man irgendwelche dahergelaufenen Menschen mit Internetzugang gratis in das Museum lassen, auch nicht, wenn sie über eine Ausstellung berichten wollen. Das liest am Ende ohnehin niemand, daher rechtfertigt es auch nicht den Verzicht auf die Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Lieber 5-12 Euro pro Person in der Kasse, als dass später etwas über die Ausstellung im Internet steht – für besonnene Museumsmitarbeiter geht die Rechnung so auf.

Generell gilt es für Museen sparsam zu sein, wo es nur geht. Das betrifft auch Pressemappen. Sollte sich jemand für Pressematerial zu einer Ausstellung interessieren, ist es auch hier wichtig zu prüfen, ob es sich um einen echten Journalisten handelt. Eine Pressemappe beinhaltet immerhin Flyer, zusammengeheftete bedruckte Blätter und die hochwertige Pappmappe selbst. Da kommt schon mal ein Wert zwischen 55 und 85 Cent zusammen. Sollte die Mappe – ungewöhnlicherweise – digital auf einem USB-Stick verfügbar sein, dann explodieren die Kosten sogar auf bis zu 2 Euro. Nicht auszudenken, man würde jedem Blogger, der danach fragt, ein solch hochwertiges Stück überlassen. Sehr genau sollte man daher prüfen, ob der Anfragende einer Pressemappe würdig ist.

Schließlich ist übrigens auch Zeit gleich Geld. Sollte man als Museumsmitarbeiter daher per E-Mail von einem dieser Internetleute kontaktiert werden, gilt es diese Person schnellstmöglich abzuwimmeln. Dabei sollte man nicht vergessen darauf zu verweisen, dass Fotografieren in der Ausstellung selbstverständlich untersagt ist. Nur Journalisten dürfen im Rahmen einer Presseberichterstattung Bilder nutzen – bis zu 6 Wochen nach Ausstellungsende. Für Internetmenschen gilt dies natürlich nicht, denn wie jeder weiß, sind sie keine echten Journalisten. Insofern kann aus Museumsperspektive auch gerne auf eine Berichterstattung durch solche Menschen verzichtet werden. Denn eins ist ja wohl klar: Print und TV gehört die Zukunft, das Internet geht hingegen schnell wieder vorbei.

 

⇒ Anke von Heyl: Anregungen zu Blogger Relations im Museum


 

Thema des Monats

Die Bedeutsamkeit von Klobürsten

Sie steht für das, was St. Pauli und das Hamburger Schanzenviertel ausmacht: Sie ist dreckig und widerborstig. Für Hamburger ist die Klobürste eine Ikone. Seit im Januar 2014 im „Gefahrengebiet“ zwischen Schanzenviertel, St.Pauli und Altona Demonstranten das praktische Haushaltsutensil als Symbol nutzten, ist die Klobürste in der Hansestadt allgegenwärtig geworden – auf T-Shirts, Stickern oder Social-Media-Avataren. „I Klobürste HH“ ersetzte das „I <3 Hamburg“. Der empfehlenswerte Hypotheses-Blog „The Nomos of Images“ analysiert nun die kulturellen Hintergründe dieses Motivs.

 

Daniel Becker, The Nomos of Images: Klobürste


 

Twitter des Monats

Cursed Images

Bei diesen Bildern mussten wir abwechselnd schreien, weinen, waren entsetzt und konnten es nicht fassen. Der Twitter-Account @cursedimages postet kommentarlos absurde, eklige und wirklich gruselige Fotos – ohne Zusammenhang und leicht verstörend. Vertretend sind Familienbilder mit Horror-Clowns, Babies, die sich über einen Fleischwolf freuen, oder die traumatisierendsten Simpsons- und SpongeBob-Kostüme der Welt. Sie werden bei Bild Nummer 7777 jedenfalls nicht geistig gesund bleiben können, wenn Sie es sehen – ein Melonen-Cosplay! Begleitend existiert übrigens der Account @uncursedimages, der die Hintergründe bzw. den Ursprung zu den Bildern nachliefert.

 

⇒ @cursedimages


 

Instagram des Monats

National Air and Space Museum

Während einige Museen hierzulande noch ein Konzept entwickeln müssen, wie sie Instagram für sich nutzen können, sind anglo-amerikanische Institutionen – wie so oft, wenn es um digitale Medien geht – hier schon weiter. Ein gutes Beispiel im Bereich historische Museen ist sicherlich das Smithsonian National Air and Space Museum. Das Museum vermittelt in seinen Beiträgen Wissenswertes aus der Geschichte, zeigt historische Bilder, beteiligt sich an Social-Media-Aktionen wie dem #ArchivesShelfie Day und ist stets 100% authentisch, indem z.B. immer wieder auch Mitarbeiter vorgestellt werden. Die Institution beweist, wie wichtig es ist, Inhalte genau auf die eigene Zielgruppe zuzuschneiden und einen individuellen Stil zu finden. Und auch wenn das Air and Space Museum noch Verbesserungsbedarf hätte, etwa im Umgang mit Links und wenn es um die Interaktion mit Followern geht, ist der Account des Museums eine gute Inspirationsquelle, wie historische Museen bei Instagram auftreten können.

 

⇒ @airandspacemuseum

⇒ Der Instagram-Leitfaden für Museen und Kulturinstitutionen


 

Tumblr des Monats

Unhappy Hipsters

In der modernen Welt kann es schon mal einsam werden, erst recht wenn man ein Hipster ist, der ein ebenso hippes Haus bewohnt. Stylishe Aufnahmen von Möbeln und Wohnungseinrichtungen in klischeehafter Instagram-Optik werden hier mit rätselhaften Bildbeschriftungen versehen und so ironisch-distanziert hinterfragt. Ergänzt werden die Bilder mit gesammelten Textzitaten, die irgendwo aufgeschnappt wurden und die exemplarisch für eine Menschengruppe stehen sollen, die immer wieder mit gesellschaftlichen Vorurteilen zu kämpfen hat. Das Craft Beer muss eben am besten vom Nachbar gebraut worden sein, das Kind besucht eine Montesori-Schule und jeder arbeitet bei einem Startup.

 

⇒ Unhappy Hipsters – It’s lonely in the modern world


 

⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Berlin, 2009

6 thoughts on “Überflüssige Blogger Relations, bedeutsame Klobürsten und traurige Hipster

  1. Celine Antworten

    Hallo Angelika,

    Ausgezeichnete Frage des Monats! 😉
    Ich musste wirklich schmunzeln, denn genau so ergeht es mir auch! Man fühlt sich immer in einer „Bettler-Situation“. Das ist teilweise richtig unangenehm. Dabei will man den Museen ja nur helfen und die Ausstellungen bewerben. Aber das wird meist nicht gesehen.
    Da kann man nur hoffen, dass sich das bald ändert!

    Liebe Grüße
    Céline

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Céline,

      es ist schade, dass manche Museen nicht verstehen, dass eine Ausstellungs- oder Museumsbesprechung in einem Blog mittel- und langfristig mehr bringt, als kurzfristig 10 Euro Eintritt zu verdienen. Einige Museumsmitarbeiter wissen vielleicht nicht, was ein Blog ist und haben noch nie einen gelesen, wer weiß… Zum Glück ändert sich die Situation langsam und mit einer neuen Generation an Museumsmitarbeitern kommt auch eine größere Sensibilität den Onlinemedien gegenüber. Hoffentlich kommt es in ein paar Jahren nicht mehr vor, dass man als Blogger abgewiesen wird.

      Viele Grüße, Angelika

  2. PLATFORM Antworten

    Hallo Angelika
    … und Applaus für diese relevante Fragestellung und die gelungene Ausführung! Teilweise kann man nur den Kopf schütteln und hoffen, dass zukünftig mehr Museen und Ausstellungshäuser die Relevanz von Bloggern begreifen. #morebloggerrelations
    Liebe Grüße von Clara aus der PLATFORM München

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Clara,

      zum Glück passiert es heutzutage nicht oft, aber es ist schade wenn man es dann eben doch erlebt. Es ist ja nicht so, dass es für die Museen ein riesiger Zeitaufwand wäre – einfach Ticket und Pressemappe an der Kasse hinterlegen würde ja ausreichen. Mit dem Generationenwechsel kommt aber langsam Bewegung in die Museumslandschaft, immerhin.

      Viele Grüße, Angelika

  3. Juna Antworten

    Hihi, großartig. Ähnliche Diskussionen zu Bloggerrelations hatte ich tatsächlich jüngst auf der PR-Schulung – mit anderen PRlern. Zum Glück nicht aus Museen, sonst wäre ich vermutlich amok gelaufen.

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Juna,

      es ist schade, dass manche Institutionen bei einer Anfrage (ob Blogger, Instagrammer, etc.) scheinbar nicht einmal schauen, was die Personen zu bieten haben. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass auf Anfragen für eine Berichterstattung nicht oder ablehnend reagiert wird.

      Viele Grüße, Angelika

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