Haben Twitter und Tweetups für Museen ausgedient?

Für viele Museen und Kultureinrichtungen scheint Twitter verlockend – doch meist aus den falschen Gründen. Ein Twitter-Account ist vermeintlich schnell gemacht, zudem verspricht die Social-Media-Plattform durch ihre Chronologie, jedem Content die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, egal ob es sich um eine große Institution handelt oder um eine kleine.

Damit wirkt Twitter wie das ideale Soziale Netzwerk für den Kulturbereich – insbesondere für Institutionen, die kein großes Kommunikationsbudget haben. Schnell ist z.B. für ein Museum ein Account angelegt oder sogar für eine einzelne Ausstellung; Beispiele sind hier die Max Beckmann-Ausstellung in der Berlinischen Galerie vor einigen Monaten (@maxundberlin wurde mittlerweile als @BG_Museum in einen Museumsaccount umgewandelt), oder die Ernestiner-Ausstellung in Gotha und Weimar (@ernestiner2016). Twitter passt wohl immer. Allerdings: Eine jüngere Zielgruppe, oder einfach ein breiteres Publikum, erreichen Kulturinstitutionen damit nicht…

 

Relevanz über Medien-Umwege

Rowan Barnett, zuständig für Marktentwicklung bei Twitter Deutschland, spricht im Interview mit Meedia im März 2016 von rund 12 Millionen monatlichen Twitter-Besuchern in Deutschland. Er spezifiziert diese Zahl, indem er einräumt, dass es sich dabei sowohl um eingeloggte als auch um nicht eingeloggte Besucher handelt. Die Auskunft zu den deutschen Nutzerzahlen unterliegt also, vorsichtig formuliert, einem Interpretationsspielraum. Twitter beruft sich zur Erfassung der Zahlen vermutlich auf Serverdaten – wobei nach außen hin nicht kommuniziert wird, ob es sich bei den erwähnten „monatlichen Besuchern“ um Seiten-Besuche oder um Unique Visitors handelt und ob der Bot-Traffic außen vorgelassen oder mit einbezogen wird. (Jeder, der mit Social-Media-Statistiken vertraut ist, kennt den erheblichen Unterschied dieser Kennzahlen.)

Barnett räumt im Meedia-Interview weiterhin ein, dass Twitter-Inhalte häufig ihren Weg in andere Medien finden, was durchaus zu einem Problem bei der Gewinnung von Nutzern führen würde: „Tatsächlich ist die unglaubliche Medienpräsenz von Twitter ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gibt sie uns eine sehr große Sichtbarkeit. Auf der anderen Seite fragen sich viele Nutzer, warum sie sich überhaupt einloggen sollen, wenn sie alles über andere Medien erfahren oder lesen können.“ Wenn RTL Explosiv die skandalösesten Tweets von Kim Kardashian im Fernsehen zeigt oder Spiegel Online die vermeintlich originellsten Tweets zum Germany’s Next Topmodel-Finale in einem Beitrag zusammenfasst, kann ein breiteres Publikum auch weiterhin problemlos auf Twitter verzichten. Ob umstrittene Tweets von Nils Ruf oder von Donald Trump: eine tatsächliche Reichweite erzielt Twitter nur über andere, meist „klassische“ Medien, wenn etwa Focus.de im Fall von Ruf oder Spiegel.de im Fall von Trump den Twitter-Content aufgreifen.

 

Twitter als Phänomen der Medien-Filterblase

Jeder, der außerhalb seiner üblichen Medien-Filterblase „ganz normale“ Menschen aus dem Familien- und Bekanntenkreis fragt: Nutzt du Twitter? wird immer wieder die gleiche Antwort bekommen: Nein. Alternativ bekommt man vielleicht auch die Gegenfragen: Wozu? oder auch Was soll ich damit? „Medienmenschen“ mögen über diese Reaktionen entsetzt sein, denn obwohl Instagram und Snapchat auch eingeschworene Twitter-Abhängige immer mehr dazu verleiten, weniger Zeit bei Twitter zu verbringen – ein Leben ohne dieses Soziale Netzwerk können und wollen sich viele der Fans nicht vorstellen. Twitter ist theoretisch für alle zugänglich – praktisch ist man aber unter sich.

Hier sind v.a. Menschen, die in Medienberufen arbeiten, PR-Leute, Marketing-Onkel, Content-Tanten, Social Media Manager, Journalisten – und natürlich auch Menschen, die mit all dem beruflich nichts zu tun haben, aber zumindest privat eine besondere Affinität für Online-Medien haben. Dass es sich dabei nicht um den deutschen Durchschnittsbürger handelt, sollten die meisten Twitter-Nutzer zwischenzeitlich bemerkt haben. Und dass es nicht pauschal „die Jugend“ ist, dürfte sich auch schon herumgesprochen haben.

Der wohl größte Trugschluss ist, dass Twitter überwiegend von Jugendlichen genutzt wird. Fragt man junge Menschen im eigenen Umfeld, zeigt sich, dass kaum jemand die Plattform nutzt. Wenn überhaupt, wird passiv mitgelesen – bei Fußballern, Stars und YouTubern. Dies belegt auch der aktuelle Statista-Bericht „Top 20 beliebteste Twitter-Profile nach Anzahl der Follower in Deutschland im Mai 2016“. Auch Kulturbloggerin und LMU-Lehrbeauftragte Tanja Praske stellte vor kurzem in einem Blogbeitrag fest, dass nur „einige wenige“ Studierende sich aktiv bei Twitter beteiligen. Nach einer Befragung unter den Teilnehmern in ihrem Seminar kommt sie zu dem Schluss: „Was für mich normal ist, ist für andere neu und unbekannt.“

Nun hat Tanja Recht, wenn sie versucht ihre Studierenden an Twitter heranzuführen und die Vorteile aufzuzeigen. Hier spielt aber eine entscheidende Rolle, dass es sich bei ihren Seminarteilnehmern um Geisteswissenschaftler handelt – und diese werden (mit viel Glück) wahrscheinlich später im Kultur- oder Medienbereich arbeiten und dann in der Regel auch beruflich auf die Nutzung von Social Media angewiesen sein. Twitter sollte man dann zumindest grob kennen und idealerweise auch zur Vernetzung in der Branche nutzen.

Eine Fehlannahme dürfte es aber sein zu denken, Twitter wäre für junge Menschen generell relevant. Das ist nicht der Fall, denn dafür gibt es zu viele Alternativen für Information und Austausch, die ansprechender und einfacher zugänglich sind. Dass Jugendliche nicht pauschal bei Twitter vertreten sind, dürfte mittlerweile auch das caricatura museum frankfurt festgestellt haben. Danach gefragt, warum das Museum sich für Twitter als Kommunikationskanal entschieden hätte, antwortete Direktor Achim Frenz (@achimFrenz) im Interview mit MusErMeKu: „Die Idee war ein junges Publikum anzusprechen, um das Durchschnittsalter der Besucher zu senken.“ Schaut man sich jedoch die Follower des caricatura-Accounts (@caricaturaffm) an, sind es doch wieder eher die „Medienmenschen“ und nicht die Jugendlichen, die man sich vielleicht gewünscht hätte.

 

Twittern im kleinen Kreis

Dass sich Twitter für Museen eher in einem kleinen Kreis abspielt, räumte Carmen Simon, eCulture-Projektleiterin des Historischen Museum Basel, vor kurzen in einem Blogpost ein, der zum Format des #Tweevening Bilanz zieht. Unter dem Hashtag finden drei- bis viermal im Jahr Tweetups zu aktuellen Sonderausstellungen im Historischen Museum Basel statt. Sie spricht etwas an, was viele Museen im deutschsprachigen Raum bereits erlebt haben, was aber sonst immer nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird: Zu den Treffen, bei denen Twitter-Nutzer vor Ort live Texte, kleine Videos oder Bilder posten und die von der Online-Community via vorgegebenem Hashtag mitverfolgt werden können, findet sich kaum eine größere Gruppe an Interessenten. Carmen Simon berichtet, dass sich in Basel um das Format mittlerweile eine Stammgemeinde gebildet hat, je nach Thema kommen neue Teilnehmer hinzu. Letztendlich treffen bei den Tweevenings 30-40 Menschen vor Ort zusammen – hinzu kommen diejenigen, die online mit- oder nachlesen.

Jeder, der einen Tweevening des Museums online mitverfolgt, kann beobachten, dass mehr oder weniger immer die gleichen Akteure twittern. Ebenso lässt sich feststellen, dass auch fast immer die gleichen Personen kommentieren und liken, die online aus der Ferne mitlesen. Twitter ist im deutschsprachigen Raum einfach eine kleine Community – besonders dann, wenn es um den Kulturbereich geht, oder noch spezifischer Museen, klassische Musik oder Theater. Die Vorteile, die Carmen Simon in ihrem Blogbeitrag nennt, nämlich Schwellen abzubauen und ein nicht museumaffines Publikum (durch das Angebot einer Abendöffnung) ins Museum zu holen, die Auseinandersetzung mit den Inhalten anzuregen oder den direkten Dialog mit dem Publikum zu suchen und zu fördern – das alles scheinen eher Vorteile des Events an sich zu sein und weniger mit dem Medium Twitter zusammenzuhängen. Die eCulture-Projektleiterin betont selbst, dass es vor allem die Rahmenbedingungen sind, die den Erfolg des Formats ausmachen: „Es hat sich gezeigt, dass gerade das entspannte Beisammensein und die kurzen (Ein-)Führungen auf Interesse stossen. Denn selbstverständlich sind auch Leute ohne Smartphones, Twitter- oder Social-Media-Kenntnisse eingeladen, den #Tweevenings beizuwohnen.“

Insofern wird der digitale Aspekt der Veranstaltungen im Historischen Museum Basel gerade neu überdacht: „Aktuell stellen wir uns auch die Frage, ob Twitter das geeignete Medium für einen solchen Event ist. Obwohl der Mikroblogging-Dienst die idealen Voraussetzungen für eine öffentliche Diskussion eines Themas bietet, hat er sich hierzulande nicht durchgesetzt. Vielleicht ist es noch zielführender in Zukunft eine Plattform oder einen Dienst zu verwenden, der sich bei der Zielgruppe etabliert hat und gerne genutzt wird“, wie Carmen Simon einräumt.

Die Nutzung anderer Social Media Kanäle ist in Planung. Immerhin: Das Historische Museum Basel verfügt bereits über gute Voraussetzungen, schließlich ist es in einer Vielzahl anderer Netzwerke präsent und könnte über seinen Instagram-Kanal (@histmuseumbs) etwa Instagram-Beiträge begleiten oder bei Facebook eine Veranstaltung via Live-Video übertragen, was sich auch langfristig und zeitverzögert von Nutzern abrufen lässt. Über diese Kanäle könnte, ergänzend zu Twitter, letztendlich ein breiteres Publikum erreicht werden. Und wer weiß, vielleicht wird sich irgendwann auch Snapchat bei einem größeren Publikum durchsetzen, so dass es sich lohnen würde, Veranstaltungen via Snapchat-Story abzubilden?

 

Community-Veranstaltungen statt Tweetups

Als Steffen Peschel in seinem Blog vor kurzem den Beitrag „Ein Plädoyer für mehr Kultur Tweetups und Mut zu mehr Community“ veröffentlichte, wirkte die starke Betonung von Twitter auf den ersten Blick wie aus der Zeit gefallen. Längst haben viele Museen und andere Kultureinrichtungen erkannt, dass man rein mit Twitter nicht alle Zielgruppen erreicht, die man erreichen möchte. Da wo sich das Soziale Netzwerk in der Ansprache von Medienvertretern und brancheninternen oder -verbundenen Akteuren bewährt hat, versagt es, wenn es darum geht, ein Publikum zu erreichen, das weniger oder keinen Kontakt zum Kulturbereich hat. Dies betonte auch Anika Meier in ihrem Beitrag „Museen und soziale Netzwerke: GIF me more!“ in ihrem Monopol-Magazin-Blog.

Abgesehen von der geringen Verbreitung von Twitter im deutschsprachigen Raum, hat das Netzwerk einen weiteren entscheidenden Nachteil: Die chronologische Unmittelbarkeit von Twitter, die für Live-Events als größter Vorteil erscheint, sorgt dafür, dass Inhalte schnell in der Flut anderer Tweets in der Timeline von Nutzern untergehen. Und auch die nachträglichen themengebundenen Zusammenstellungen von Tweets via Storify, die von einigen Institutionen angefertigt werden, lesen vorwiegend wohl nur die Teilnehmer selbst – und einige wenige Interessierte. Immer mehr Museen sind daher dazu übergegangen, keine Tweetups sondern Community-Events zu veranstalten. Schon im Oktober 2012 lud das Städel Museum etwa zum „Community-Abend mit Tweetup und Blogparade“ ein, wobei sich hier bereits zeigte, dass Blogger klar im Blickfeld des Museums lagen. Blogartikel verfügen über eine nachhaltigere Sichtbarkeit im Netz und erreichen mitunter auch ein breiter gestreutes Publikum als es Tweets können, zumal sie auch über andere Soziale Netzwerke geteilt werden.

Im November 2015 hatte sich das Städel schließlich völlig von der Begrifflichkeit des Tweetup gelöst und sprach anlässlich von #200JahreStaedel nur noch von einem Community-Abend mit „Instagramern, Twitterern, Bloggern und anderen Online-Gefährten“, wie es im Blog des Museums heißt. Was die Auswahl der Teilnehmer anging, zeigte sich bereits im Vorfeld der Veranstaltung eine klare Präferenz des Museums: Twitter schien rein für eine Masse an Content zuständig gewesen zu sein, für das billige Rauschen im Hintergrund, damit man später mit großen Zahlen punkten können würde (immerhin über 1.500 Tweets mit einer Reichweite von rund 6 Millionen). Das tatsächliche Augenmerk der Veranstalter (auch was die Art der Einladung anging) lag hingegen in Wirklichkeit eher bei Instagrammern, Bloggern und Journalisten – für eine Reichweite, die über die Kulturfilterblase hinaus geht.

Um auf Steffen Peschels Blogbeitrag zurückzukommen und auf seinen darin formulierten Wunsch nach „mehr Tweetups“: Im Prinzip geht es ja eher um den Aspekt der Community. Ebenso wie Carmen Simon vom Historischen Museum Basel, stellt er die wichtige Bedeutung des miteinander-ins-Gespräch-kommens vor Ort heraus. Entscheidend dabei ist der direkte Austausch von Kulturinteressierten untereinander und mit den Mitarbeitern der Gastgeberinstitution – und zwar ganz unabhängig vom Medium Twitter. Insofern gilt es auch den Begriff des „Tweetup“ zu überdenken, denn wer immer ihn nutzt, muss noch betonen, dass „auch andere“ eingeladen sind. Wer hingegen einfach zu einem oder Community-Event einlädt, überlässt den Eingeladenen die Wahl des Kommunikationsmediums – und das muss nicht immer digital sein. Ein gutes Beispiel war der Community-Abend des Archäologischen Museums Hamburg unter dem Hashtag #ausgegraben. Nicht jeder der Teilnehmer twitterte, instagrammte oder bloggte. Einige waren ganz einfach nur offline dabei – aber alle beteiligten sich an einem Dialog.

 

Der B2B-Bereich als Stärke von Twitter

Schaut man sich die Twitter-Nutzer im deutschsprachigen Raum an – und hier insbesondere im Kulturbereich – zeigt sich, dass es sich bei Twitter eher um einen Business-to-Business-Kanal (B2B) Handelt. Im Dialog stehen hier in erster Linie Akteure, die im Namen von Kultureinrichtungen kommunizieren, Menschen, die auf irgendeine Art und Weise im Kulturbereich tätig oder daran interessiert sind, und Medienvertreter. Dies zeigt sich z.B. daran, wer sich etwa an Twitter-Aktionen wie #AskACurator oder #MuseumWeek im deutschsprachigen Raum beteiligt. Wenn sich Museumsmitarbeiter und Akteure aus dem Museumsumfeld in erster Linie untereinander austauschen, geht es eher um eine brancheninterne Veranstaltung als um einen Dialog mit einem breiteren Publikum.

Dies ist hierbei nicht nur der verhältnismäßig homogenen Twitter-Community  geschuldet, sondern wird auch durch die Terminlage entsprechender Twitter-Events zusätzlich forciert, schließlich sind insbesondere die Social-Media-Akteure von Museen eher wochentags aktiv und dann auch eher zu den klassischen Bürozeiten von 9 bis 17 Uhr. Würde man tatsächlich versuchen, ein Publikum zu erreichen, dass beruflich nichts mit Museen zu tun hat, müsste man die Kernzeiten von #AskACurator oder der #MuseumWeek im deutschsprachigen Raum eher in den Abend verlegen – und aufs Wochenende. Dann hätte man zumindest eine Chance, auch Twitter-User zu erreichen, die beruflich nichts mit dem Kulturbereich zu tun haben und wochentags etwas anderes arbeiten, in der Schule sind oder in der Uni.

Aufgrund dieses Charakters einer brancheninternen Veranstaltung, bestätigten auch einige Museen auf Nachfrage, dass sie sich nicht an solchen Twitter-Events beteiligen, da man dort ohnehin nicht das Museumspublikum erreiche. Und auch vielen Musee, die sich beteiligen, ist dies bewusst. Aus diesem Grund exportieren einige die Twitter-Aktionen zunehmend auch in andere Plattformen und erstellen auch Inhalte z.B. für Facebook, Instagram oder für ihre Blogs. Hier besteht dann tatsächlich die Chance, dass ein breiteres Publikum den Content besser wahrnimmt – nicht nur, weil diese Plattformen mitunter größere Nutzerzahlen aufweisen, sondern auch, weil die Inhalte zeitunabhängiger rezipiert werden.

Einen Kurator kann man immerhin auch via Facebook- oder Instagram-Kommentar fragen und die MuseumWeek-Themen lassen sich sogar besser präsentieren, wenn man mehr als 140 Zeichen für Text (plus demnächst wohl extra Zeichen für Links) zur Verfügung hat. Das stellte etwa Burg Posterstein unter Beweis, indem Mitarbeiterin Marlene Hofmann täglich zu den wechselnden Themen der Woche je einen Blogbeitrag verfasste.

 

Twitter als wichtige Plattform für Museen und Kulturinstitutionen

Die Nutzung von Twitter macht für Institutionen im Kulturbereich nur Sinn, wenn der Kanal, wie Tanja Praske in ihrem Blogbeitrag „Hashtags und Twitter – wie funktionieren sie in der Kultur?“ betont, „von anderen Medien flankiert wird“. Ebenso wichtig ihre Anmerkung, dass lieber auf Twitter verzichtet werden sollte, wenn eine angemessene Betreuung nicht gewährleistet werden kann, denn: „Eine Karteileiche schadet der digitalen Reputation des Hauses.“ Stehen jedoch Ressourcen zur Verfügung, lohnt sich die Nutzung von Twitter, auch wenn dort kein breites Publikum erreicht werden kann.

Doch wer sagt, dass es immer nur um Business-to-Consumer (B2C) gehen muss? Wie bereits dargelegt, eignet sich Twitter bestens zur B2B-Kommunikation, da man in kaum einem anderen Netzwerk eine so große Community an Medienvertretern, Kulturakteuren und -interessenten findet. Die Reichweite mag (im Vergleich mit anderen Plattformen wie Facebook und Instagram) quantitativ nicht groß sein – dafür ist sie es qualitativ um so mehr.

 

Bilder: Angelika Schoder – Fondation Beyeler, Basel 2016

16 thoughts on “Haben Twitter und Tweetups für Museen ausgedient?

  1. Michelle Antworten

    Liebe Angelika,
    wie immer ein wunderbar ausführlicher Artikel, der viele Aspekte des Mediums Twitter gut beschreibt. Leider finde ich ihn doch sehr negativ. Ein Artikel dieser Art lässt sich am Ende des Tages über jede einzelne Plattform im Netz schreiben. Jede hat Vor- wie Nachteile und eine ganz eigen Community und einen eigenen Nutzerkreis. Wer heute noch meint auf Twitter findet er junge Leute, hat offensichtlich die letzten Jahre geschlafen. Museen können hier sicher gut mit Journalisten und der Medienblase wie auch miteinander erfolgreich kommunizieren. In wie fern Blogs (abgesehen von der Nachhaltigkeit) besser sein sollen, wird mir nicht klar, weil die meisten Museen doch eher mit Kulturbloggern arbeiten, die ebenfalls nur eine winzig kleine Blase bedienen und ganz sicher nicht den Durchschnittsbürger. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis nach sozialen Netzwerken und ihrer Relevanz frage ist übrigens gar nichts dabei, dass das Herz von Medienmenschen höher schlagen lässt 😉

    Den Königsweg gibt es halt nicht, sondern nur einen guten Marketing-Mix, der durch eine gut durchdachte Strategie untermauert wird. Und im Idealfall erreicht man dann eine große Gruppe seiner Zielgruppen, wenn man denn soweit gedacht hat.

    Liebe Grüße
    Michelle

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Michelle,

      verschiedene Zielgruppen erfordern definitiv verschiedene Kommunikationsmittel. Generell sind Soziale Medien da nur ein Aspekt, als Ergänzung zur Pressearbeit und als Ergänzung zur klassischen Werbung in Form von Plakaten, Anzeigen & Co. Wichtig ist eigentlich nur, dass man definiert, welche Zielgruppen man erreichen möchte und anlisiert, wie und wo man diese erreicht. Dass es da im Kulturbereich Probleme gibt, zeigt sich bei verschiedenen digitalen Kanälen, egal ob es sich um eine konzeptlose Facebook-Seite handelt oder um Instagram-Accounts, bei denen nicht klar wird, wer angesprochen werden soll – und womit eigentlich. Die Art und Weise, wie im Kulturbereich mit Twitter umgegangen wird, ist aber für mich am auffälligsten. Hier scheint oft überhaupt nicht klar zu sein, wozu man Twitter sinnvoll und mit Mehrwert nutzen kann, was ich (als Twitter-Fan) sehr schade finde. Das Paradebeispiel ist für mich nach wie vor #BayreuthFake zu den Bayreuther Festspielen. Twitter hat – gerade im Kulturbereich – sehr großes Potential was die qualitative Vernetzung innerhalb einer Branche und gegenüber bestimmten Interessentengruppen angeht. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

      Viele Grüße, Angelika

  2. Axel Kopp Antworten

    Prinzipiell teile ich die Skepsis, wobei man Twitter auch ganz gut nebenher laufen lassen kann (so wie viele es ja machen). Darunter leidet dann zwar die Qualität und Reichweite, man bleibt aber trotzdem als Kulturinstitution auf Twitter ansprechbar, was durchaus von Wert ist. Andere Twitterer können einen erwähnen und ansprechen – und man selbst kann darauf ggfs. sofort reagieren. Wenn jemand schreibt „Die Ausstellung in @museumxy ist gut“, sollte man als Museum auch in der Lage sein, so einen Tweet zu liken und sich somit fürs Lob zu bedanken.
    Hinsichtlich der Reichweite dürfte Twitter für kleine Kulturinstitutionen tatsächlich nicht von großer Bedeutung sein, weshalb ich jenen auch nicht empfehlen würde, sich stundenlang Gedanken über einen einzelnen Tweet zu machen. Aber macht das denn überhaupt jemand?

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Axel,

      grundsätzlich halte ich Twitter aus den von dir genannten Gründen auch für sinnvoll – aber die Ansprechbarkeit sollte gegeben sein. Es gibt einige Institutionen, die ihre Inhalte automatisch (klassischerweise von Facebook aus) auch bei Twitter veröffentlichen, aber nie in den Kanal reinschauen und auch nicht merken, wenn sie erwähnt oder angeschrieben werden.
      Zu automatisch synchronisierten Inhalten gibt es verschiedene Meinungen – ich persönlich würde eher raten, immer mal wieder einen Link von Hand zu teilen. Das muss auch keinen großen Zeitaufwand bedeuten und macht es für die Nutzer einfacher, denn man verlinkt direkt auf den gewünschten Inhalt und muss nicht den Umweg über Facebook gehen. Solange Kulturinstitutionen zumindest eine Ansprechbarkeit auf Twitter ermöglichken können, d.h. es personell möglich ist auf Fragen oder Erwähnungen zu reagieren, würde ich definitiv dazu raten es zu nutzen. Der Inhalt muss auch nicht zeitaufwendig sein, solange man ab und an ein Lebenszeichen von sich gibt.

      Viele Grüße, Angelika

  3. conni de witt Antworten

    respekt, gut erkannt. Es trifft einfach zu – detailanalysen fuehren auch bei klassischen unternehmenstwitterchen zu diesem ergebnis ( viell. zus. mit dem vorteil, dass es da noch mehr passive follower gibt, den eigenen mitarbeitern 🙂 ). Dennoch: gerade der o.g. unterschied in deutschland kann zum vorteil gereichen und anlass sein, twitter weiterzubetreiben. Twitter ist tats. eine gute idee, informationsjunkees zu erreichen. Diese sind dankbar, mit diesem adhoc-infodienst up2date zu sein. Auch zu weiterverwendung und recherche. Denn gerade twitter gehoert zum standard einer social media auswertung und kann damit ein themensetting beeinflussen. Aber – wie im beitrag schon geschrieben – das ganze ist arbeitsintensiv. Erfordert interaktion und inter-intellektuelles engagement mit allen beteiligten. Manchmal auch nach 17h… Und das ganze bisdato immer noch mit 140 zeichen (wenn auch immer mehr licht im dunkel des twittertunnels aufleuchtet wie videoeinbindung, gif-bildchen….) Und auch schon bei musermeku zu lesen gewesen: nicht twitter degradieren als zus. channel von fb posts… nur mit link zum facebook… grausam…

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Conni,

      mir ging es auch keinesfalls darum, Twitter abzuwerten – sonst hätte ich nicht die qualitative Reichweite betont. Wenn man sich die Twitter-Nutzung einiger Institutionen anschaut, kommt man aber zu dem Schluss, dass sie Twitter vielleicht neu bewerten sollten und analysieren sollten, wen sie hier erreichen und welche Inhalte für diese Zielgruppe sinnvoll wären. Wenn man feststellt, wer hier erreicht wird, kann man seine Inhalte auch besser anpassen. Letztendlich ist das für beide Seiten von Vorteil, weil dann die Nutzer von relevanteren Inhalten profitieren und Twitter-Accounts wiederum davon, dass sich die Nutzer besser angesprochen fühlen.

      Viele Grüße, Angelika

  4. Marlene Hofmann Antworten

    Hallo Angelika,
    vielen herzlichen Dank für die Erwähnung von unserer MuseumWeek-Blogaktion! Das Schöne ist wirklich, dass die Posts ja auch lange nachher noch aktuell sind und auch gelesen werden. Über Facebook kamen in der MuseumWeek genauso viele Leute zum Blog wie über Twitter. Trotzdem sehe ich – und auch meine Kollegen auf Burg Posterstein – Twitter als wichtigen Teil unserer Kommunikation nach außen. Nicht zum breiten Publikum, dafür sind v.a. Facebook und Instagram zuständig, aber als wunderbares Medium, um mit Kollegen, Journalisten und politischen Entscheidungsträgern direkt ins Gespräch zu kommen – und auch, um Inspiration zu finden, wie durch deinen schönen Blogpost!
    Viele Grüße,
    Marlene

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Marlene,

      die Blog-Serie ist eigentlich ein gutes Beispiel, dass man abwägen muss, wo man die Zeit am besten investiert. Die Konzentration auf den Blog hat es euch möglich gemacht, die Inhalte auf Twitter zu platzieren, wo die #MuseumWeek ja eigentlich stattfindet. Gleichzeitig konntet ihr den Content so aber auch bei Facebook nutzen, was sicher dort noch mal ein ganz anderes Publikum erreicht hat und letztendlich den Zugriff verdoppelt hat. Und: Der Blog-Inhalt bleibt auch für Google besser sichtbar, d.h. man kann die Inhalte auch langfristig gut finden, wie du schon anmerkst.
      Und wie du ja auch aus eigener Erfahrung bestätigst: Für bestimmte Zielgruppen und einen Dialog in der Kulturbranche ist Twitter nach wie vor sehr wichtig. Wenn es aber um die Ansprache von Besuchern geht, sollten einige Institutionen hier noch mal ihre Erwartungen an Twitter überdenken – und letztendlich auch abwägen, welche Inhalte sie mit welchem Aufwand dort zur Verfügung stellen.

      Viele Grüße, Angelika

    • Marlene Hofmann

      Du hast recht, noch eine kurze Antwort meinerseits: Du sprichst mir da sehr aus dem Herzen, denn manche Institutionen betreiben Twitter nur als eine Art Nachrichtenschleuder und scheuen jeglichen persönlichen Kontakt, d.h. antworten nicht mal auf Ansprache. Sowas entspricht einfach nicht dem Wesen des Mediums und fällt bei mir daher einfach nur unten durch. – Und auch so kann ich mir nicht vorstellen, dass das Reichweite bringt, nur immer seine eigenen Veranstaltungen zu pushen und zu bewerben… Das kann man dann z.B. (in Maßen) auf Facebook machen.
      Viele Grüße,
      Marlene

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Marlene,

      es gibt zwar auch im Kulturbereich automatisierte Accounts, die sehr nützlich sind, z.B. Planet History (https://twitter.com/planet_history) – aber da ist der Mehrwert auch, dass eine Vielfalt an Inhalten getwittert wird. Das ist dann zwar eine „Nachrichtenschleuder“ in dem Fall, aber eine nützliche. Bei Accounts wie dem St. Paili Museum (https://twitter.com/StPauliMuseum) fragt man sich hingegen schon, was der Mehrwert sein soll – für das Museum selbst, aber auch für Rezipienten. Solche Accounts sagen ja eigentlich: Spar es dir, bei uns ist eh alles bei Facebook. Ich kann verstehen, wenn man einen Twitter-Account belegen möchte, um sich den Namen zu sichern (und das ist sogar absolut ratsam). Aber wie schon im Kommentar bei Axel Kopp angemerkt: Auch mit sehr wenigen Ressourcen kann man Twitter halbwegs aufrecht erhalten, indem man z.B. die Benachrichtigungen per Mail abonniert um reagieren zu können, wenn man erwähnt wird, und indem man 1-2 mal pro Woche ein Lebenszeichen von sich gibt. Wenige, aber dafür sinnvolle (vollständige) Tweets machen noch immer einen besseren Eindruck auf Außenstehende als eine Automatisierung, die abgebrochen und dadurch unverständlich ist.

      Viele Grüße, Angelika

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  6. historytoby Antworten

    Liebe Angelika,

    ein supertoller Artikel (wie immer). Ich finde im Übrigen nicht, dass Twitter bei dir besonders schlecht wegkommt. Es ist halt die Plattform, auf der sich Museen, Kuratoren u.a. Kulturinstitutionen & -menschen vernetzen. Dafür ist es echt gut, denn es gibt da oftmals sehr gute ‚öffentliche‘ Unterhaltungen, die auch den passiven Lesern aus der Bubble wirklich was bringen können.

    Die Frage ist mE einfach, ob Museen ‚die Jugend‘ tatsächlich effektiv im großen Stil über SoMe im Allgemeinen erreichen können. Museen müssen sich im Klaren sein, was sie mit Twitter-, Instagram und Snapchataccounts überhaupt bewirken können und wollen. Mir fehlen bei diesen Diskussionen leider auch immer wieder belastbare, empirische Untersuchungen (read: Zahlen!), mit denen man Effektivität und Effizienz der SoMe-Aktionen beschreiben könnte.

    Was mir im Artikel am besten gefallen hat, war die Erklärung, warum wir weg sollten vom Begriff des Tweetups und hin zum (SoMe)-Community-Event. Das ist total sinnvoll, das so zu machen, und ich bin froh, dass dieser Gedanke jetzt in meinem Kopf steckt!

    Beste Grüße,
    Toby.

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Lieber Toby,

      es war auch auf keinen Fall gemeint, Twitter negativ zu betrachten – sondern einfach anders. Worauf ich nicht richtig eingegangen bin ist etwas, was du jetzt ansprichst: Kann über Social Media generell überhaupt ein jüngeres Publikum angesprochen werden? Egal welchen Kanal man nutzt, wenn der Inhalt nicht für die gewünschte Zielgruppe als relevant erscheint, dann hilft weder die Art, WIE der Inhalt kommuniziert wird, noch ist es dann ausschlaggebend WO kommuniziert wird. Der Kern der Problematik bleibt das WAS. Es ist ja schön, wenn Instagram und Snapchat genutzt werden, aber obwohl man dort theoretisch Jugendliche erreichen könnte, muss das nicht bedeuten, dass man sie dort auch wirklich erreicht. Kulturinstitutionen haben es hier per se schwerer als etwa Unterhaltungsmedien. Pro7 hatte z.B. im April eine Woche lang Snapchat intensiv für verschiedene Formate genutzt und wohl um 50.000 views pro Snap (siehe: http://snapgeist.com/2016/05/17/prosieben-dielinke-eurovision-snapchat-kritik/). Das ist auch einfacher, wenn man Gernany’s Next Topmodel hinter den Kulissen zeigt als einen Ausstellungsaufbau im Museum. Nicht dass ich hier das Fass „Banalisierung von Kunst“ aufmachen möchte, aber irgendwie muss die Balance möglich sein, Kulturinhalte auch für ein breiteres (dazu gehört auch ein jüngeres) Publikum interessant zu gestalten, ohne gleich völlig banal zu werden. Bei den Themen muss es aber anfangen – wenn die nicht ansprechend sind, kann die Kommunikation es dann auch nicht retten.

      Viele Grüße, Angelika

    • historytoby

      Du hast recht: Der Inhalt muss ansprechend sein, sonst interessiert sich niemand dafür. Das WAS hängt aber natürlich auch davon ab, WO und WIE kommunziert wird. Content, Plattform/Medium und Form hängen von einander ab.

      Daher sehe ich auch nicht die Gefahr der ‚Banalisierung‘. Auf Instagram, Snapchat und Twitter (WO/WIE) sollte man doch gar nicht den Anspruch haben, hochkomplex zu präsentieren. Wenn hier Inhalte (WAS) auf eine total andere Art als zB im Museum präsentiert werden, ist das nur konsequent und logisch.

      Ich bleibe gedanklich aber irgendwie bei der Empirie hängen. Die Frage ist, ob oder wie Kultureinrichtungen den Impact verschiedener Herangehensweisen an SoMe messen können.

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Toby,

      quantitativ lässt sich alles messen, qualitativ wird es schwer… Im Fall einer Homepage oder bei einem Corporate Blog geben Aufenthaltsdauer und Bounce Rate gute Hinweise, bei Social Media hingegen wird es schwerer. Die reine Reichweite sagt hier ja wenig aus und selbst Likes z.B. bei Instagram sind ja mittlerweile bei vielen so automatisch, dass sie nicht mehr schauen, was geliked wird. Auch bei Twitter und Facebook ist die Reichweiten-Angabe ja eigentlich qualitativ nicht aussagekräftig, weil man nie sagen kann, wer einen Beitrag wirklich gesehen (und gelesen) hat oder nur schnell weggescrollt hat. Am ehesten kann man anhand der Kommentare Rückschlüsse ziehen (bei Instagram) oder anhand der interagierenden Einzelpersonen (bei Facebook und Twitter).

      Viele Grüße, Angelika

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