Influencer und Blogger Relations – Die Kunsthalle Karlsruhe im Interview

Forschen, Sammeln, Bewahren – das alles erfolgt bei Museen nicht zu einem Selbstzweck. Ziel ist es letztendlich immer, Wissen zu vermitteln – an so viele Besucher wie möglich. Man könnte dabei von einem kulturellen Ökosystem sprechen, in dem die Akteure voneinander abhängig sind: Je mehr Besucher ein Museum hat, um so mehr Ressourcen können für Forschung, Sammlung und Bewahrung zur Verfügung gestellt werden.

Exzellente Forschung, eine attraktive Sammlung und die Bewahrung von Kulturgütern zieht wiederum Besucher an. Als Bindeglied in diesem kulturellen Ökosystem fungieren Medien, die zwischen Museen und Besuchern vermitteln. Sie tragen Inhalte der Museen nach außen und bringen Besucher in die Museen. Neben klassischer Presse spielen hier sogenannte Influencer eine zunehmend wichtige Rolle, was ein Umdenken in der Kommunikationsstrategie notwendig macht.

 

Erste Schritte der Kunsthalle Karlsruhe in Richtung Blogger Relations

Unter dem Begriff „Blogger Relations“ wird heute meist ein Aspekt der Kommunikationsstrategie zusammengefasst, der die Ansprache einer Reihe von meist im Onlinebereich aktiven Vertretern der „nicht klassischen Medien“ beinhaltet. Entsprechende Influencer, also Akteure die von Zielgruppen als meinungsbildend angesehen werden, sind jedoch nicht nur klassische Blogger, sondern auch Vlogger (also Video-Blogger, z.B. bei YouTube), Podcaster, Mikroblogger (z.B. bei Twitter und Instagram) oder einflussreiche Akteure in Foren und Facebook-Gruppen.

Im Jahr 2014 hat sich die Kunsthalle Karlsruhe erstmals intensiver mit diesen Influencern befasst. Blogger Relations wurde im Rahmen der Ausstellung „Degas – Klassik und Experiment“ für das Museum zum Thema, wobei man sich aus der großen Vielfalt an erwähnten möglichen Influencern zunächst auf Twitterer und Blogger konzentrierte. Entsprechend wurde begleitend zur Degas-Ausstellung zunächst ein TweetUp mit dem Hashtag #DegasSKK am 14. November 2014 organisiert, gefolgt von einer Bloggerreise vom 28. bis 30. November unter dem Hashtag #kbreise14.

Auch wenn nach außen hin beide Events sehr erfolgreich verliefen, so wurden auf organisatorischer Ebene einige Schwierigkeiten sichtbar. Beim TweetUp musste man etwa Erfahrungen damit sammeln, dass nicht jeder im Vorfeld eingeladene Influencer freudig und auf eigene Kosten durch halb Deutschland reist, nur um für ein Freigetränk zu twittern. (Ein Denkfehler, den nach wie vor etliche Kulturinstitutionen bei Einladungen zu solchen Events machen.) Der Erkenntnisgewinn hieraus dürfte sein: Wenn Reise- und Übernachtungskosten nicht übernommen werden, macht es Sinn sich auf regionale Influencer zu beschränken. Solche Einladungen landen sonst automatisch in „Ablage P“ und die Angeschriebenen kommentieren dies im Regelfall auch nicht weiter, es kommt also meist nicht einmal zu einer Absage.

Doch nicht nur die Organisation des TweetUp offenbarte seine Tücken. Auch bei der Bloggerreise zeigten sich Probleme. Sowohl in der äußeren Wahrnehmung als auch unter den Teilnehmern kristallisierte sich der Auswahlprozess als Hauptdiskussionspunkt heraus: Eine Reihe vorausgewählter Influencer anzuschreiben, diese dann aber mit einem first come, first served zu konfrontieren, hatte bei dem einen oder anderen Blogger für Unmut gesorgt. Anika Meier brachte z.B. ihre Empörung über die Vergabe der Teilnahmeplätze in ihrem Blog artefakt zum Ausdruck.

Nun könnte man mit der alten Binsenweisheit argumentieren „Auch schlechte Presse ist gute Presse“, da ihr Artikel zweifelsohne die Reichweite der Bloggerreise erhöhte und sie in einigen Kreisen bekannt machte, an denen sie vielleicht sonst unbemerkt vorbei gezogen wäre. Vermutlich hätte man seitens der Kunsthalle aber dennoch gerne auf diese Debatte verzichtet. Auch aus dieser Problematik ergaben sich letztendlich aber so eine Reihe von positiven Lerneffekten, etwa den Auswahlprozess für das nächste vergleichbare Event transparenter zu gestalten und lieber gezielt auf Influencer zuzugehen. Zudem wurde höchstwahrscheinlich auch ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es Einsatzbereitschaft braucht, das Verhältnis zu Influencern wieder positiv herzustellen, wenn diese erst einmal eine negative Erfahrung gemacht haben.

 

Influencer Relations als Prozess – Die Kunsthalle Karlsruhe im Interview

Zwischenzeitlich hat die Kunsthalle Karlsruhe erste Erfahrungen gesammelt, ein Netzwerk zu einigen Influencern aufgebaut und einen ersten Überblick über Dos und Don’ts für sich entwickelt. In einem Interview geben Alexandra Hahn, Pressesprecherin und Leiterin des Bereichs Presse und Medien, und Isabel Koch, Mitarbeiterin des Bereichs PR und Neue Medien sowie Ansprechpartnerin für Blogger, für MusErMeKu einen Einblick in das Verhältnis der Kunsthalle Karlsruhe zum Thema Blogger Relations.

 

Warum hat sich die Kunsthalle dazu entschlossen, enger mit Bloggern und anderen Social Media Influencern zusammenzuarbeiten? 

Alexandra Hahn: Durch unsere Recherchen zu Themen, Meinungen und Meinungsführern in den Sozialen Netzwerken haben wir schnell festgestellt, dass es eine Community von Kulturbloggern gibt, die fachlich sehr kenntnisreich und mit viel Leidenschaft bloggt und twittert. Besonders die Kulturblogger sehen wir als Chance für uns als Museum, da sie inhaltlich zu uns passen und ein nachhaltiges Interesse an unseren Themen haben. Wir wollten den virtuellen Austausch auch offline flankieren, denn wir waren neugierig, wer die Blogger sind, woher ihr Kunstinteresse kommt, worüber sie diskutieren, was sie sonst beruflich machen. Durch das persönliche Kennenlernen und Involvieren kam eine Form der freiwilligen Zusammenarbeit zustande, die den Dialog stärker in Gang gebracht hat. Zudem macht es uns Spaß, gleichgesinnte Menschen zusammenzubringen und sich über gemeinsame Interessen und Anliegen auszutauschen.

 

Welche Erwartungen werden an die Kooperation gestellt?

AH: Bisher gab es noch keine fest verabredeten Kooperationen – wir machen Angebote und freuen uns, wenn diese unsere Wahrnehmung im Netz steigern können und bestenfalls Resonanz erzeugen. Zum Beispiel in Blogbeiträgen, die eine ausführliche Auseinandersetzung mit einer Ausstellung ermöglichen und lange im Netz sichtbar bleiben. Die vielen verschiedenen Ansätze, mit denen Blogger über eine Ausstellung berichten, sehen wir als große Bereicherung. Ziel ist es, Interesse zu erzeugen und zumindest projektweise Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen, um langfristig eine Community aufzubauen und in Verbindung zu bleiben. Im Moment entwickelt sich daraus vieles automatisch weiter.

 

Wie macht die Kunsthalle geeignete Influencer in Social Media ausfindig? Welche Kriterien spielen bei der Auswahl für die Kunsthalle eine Rolle?

Isabel Koch: Wir recherchieren im Netz, vor allem in Social Media, gehen auf wichtige Fachtagungen wie stARTcamps und suchen den Austausch mit Profis aus der Szene, z.B. den Kulturkonsorten in München, um Influencer zu definieren. Wir haben einen Verteiler mit wichtigen Wissenschafts-, Reise- und Kulturbloggern erstellt. Je nach Thema suchen wir die passenden Blogger und Multiplikatoren.

Die Zusammenstellung unserer Verteilerliste fand hauptsächlich nach inhaltlichen Gesichtspunkten statt (ob uns der Blog gefällt und zu uns passt). Die Auswahl für die Bloggerreisen beruht auf unterschiedlichen Kriterien – es kann eine gute Mischung von großen und kleinen Blogs sein, von Blogs zu Kultur, Reise, Wissenschaft, Lifestyle, Blogs aus verschiedenen Regionen etc.

 

Wie gestaltet sich die Kooperation der Kunsthalle mit den Social Media Influencern? 

AH: Wir haben mit einer kleinen Gruppe von fünf Kulturbloggern angefangen bei unserer ersten Bloggerreise 2014. Bei der zweiten Reise haben wir auf zehn erweitert und auch Reise- und Lifestyleblogger dazugenommen, was alle Teilnehmer als Bereicherung empfanden. Beide Veranstaltungen waren eine tolle Erfahrung für uns und mit Bloggern aus beiden Reisen bestehen weiterhin gute Verbindungen und regelmäßiger Austausch über Twitter, Facebook, oder auch mal per E-Mail oder Telefon. So entsteht Vertrauen als Basis für künftige Kooperationen. Bei unserer kommenden Ausstellung „Ich bin hier“ mit der Begleitausstellung „Selfies“ werden wir Blogger auf andere Art einbeziehen – die Art der Aktion hängt auch immer vom Thema der Ausstellung ab.

 

Die Kunsthalle hat mittlerweile einige Erfahrungen bei verschiedene Veranstaltungen mit Social Media Influencern gesammelt, u.a. bei Tweetups und Bloggerreisen. Welche Dos und Don‘ts konntet ihr hieraus für diese Art von Kooperationen ableiten?

IK: Die Dos and Don’ts beginnen bereits bei der Organisation einer solchen Veranstaltung. Man sollte sich um eine gute Planung im Vorfeld bemühen. Die Modalitäten (Auswahlverfahren, Kostenübernahmen, Erwartungen) sollten von Anfang an transparent kommuniziert werden.

Je nach Sparte unterscheiden sich auch die Blogger und deren Bedürfnisse oft grundlegend, je nachdem ob es sich um Kultur-, Reise- oder Lifestyle-Blogger handelt. Über diese Unterschiede sollte man sich vorher im Klaren sein und sie berücksichtigen. Kulturblogger sind unserer Erfahrung nach an Hintergrundgesprächen mit Kuratoren und Museumspädagogen interessiert und möchten einen Austausch auf Augenhöhe. Auch ein Blick hinter die Kulissen ist sehr beliebt. Sehr wichtig ist für Blogger, den eigenen Blickwinkel auf die Ausstellungen auch in Form von Fotos dokumentieren zu können. Bei der Veranstaltung vor Ort sind dann auch praktische Dinge wichtig. Falls möglich sollte ein WLAN-Netz verfügbar sein und man sollte dafür sorgen, dass die Teilnehmer die Möglichkeit haben, ihr Smartphone aufzuladen.

 

Welchen Stellenwert nehmen Social Media Influencer in der Kommunikationsstrategie der Kunsthalle ein?

AH: Social Media Influencer existieren ja nicht nur im Netz, sondern auch in der Realität mit interessanten Berufen, Netzwerken und Expertenwissen – da wird es richtig spannend. Für uns etablieren sie sich zunehmend neben anderen wichtigen Multiplikatoren, auch als Ideengeber mit speziellen Erfahrungen. Zur Ausstellung „Ich bin hier“ entsteht im Herbst z.B. eine Zusammenarbeit mit einer Bloggerin, die auch lehrt. Ihr Seminar befasst sich mit einem Social-Media-Thema und unserer Ausstellung – so entsteht ein Austausch mit Studierenden hier vor Ort, das ist großartig. Bei den Themen Kunstvermittlung mit digitalen Medien und Medienkompetenz gibt es für Blogger und Museen gemeinsame Anliegen. Hier könnten Blogger z.B. künftig eine größere Rolle in unserer Kommunikationsstrategie einnehmen, als Experten, bei Veranstaltungen und als Multiplikatoren.

Vielen Dank für das Interview!

 

Erste Schritte auf einem langen Weg

Die Kunsthalle Karlsruhe ist auf einem guten Weg in Richtung professionelle Influencer Relations, auch wenn sie noch am Anfang steht im Vergleich zu anderen internationalen Kunstmuseen. Der nächste Schritt wäre es, ergänzend zu den bisherigen Aktivitäten, gezielt Influencer mit einer Berichterstattung zu beauftragen, auf Basis eines gemeinsam ausgearbeiteten Konzepts, das auch KPIs (Leistungskennzahlen) definiert. Ebenso wäre es, in Anlehnung an Bloggerreisen im Tourismussektor, empfehlenswert, feste Kooperationsvereinbarungen zu treffen und sich über den Output zu einer Bloggerreise zu verständigen.

Man kann schließlich Glück haben und Blogger schreiben mehrere Beiträge, begleitet von der intensiven Befüllung vieler weiterer Sozialer Netzwerke. Man kann aber auch enttäuscht werden, wenn in Ermangelung einer vorherigen Regelung eingeladene Influencer vielleicht nicht in dem Umfang berichten, den man sich gewünscht hätte. Um einen solchen „Wundertüten-Effekt“ zu vermeiden, werden von erfahrenen Institutionen daher oft entsprechende Absprachen über Mindestanforderungen getroffen, je nach Reichweite und Schwerpunkt der Influencer. Auf Grundlage entsprechender Vereinbarungen würden sich gemeinsame Ziele besser definieren und wahrscheinlich auch strukturierter umsetzen lassen, ganz im Sinne einer Integration von Blogger Relations in ein Multichannel-Kommunikationskonzept.

 

Informationen für Blogger:

Die Kunsthalle Karlsruhe ist in diversen Sozialen Netzwerken präsent und hat mit Isabel Koch eine Ansprechpartnerin für Blogger Relations.

 

>>> MusErMeKu wurde bisher von der Kunsthalle Karlsruhe zu zwei Bloggerreisen eingeladen, die #kbreise14 und die #kbreise15.

Header-Bild: #kbreise15 in der Kunsthalle Karlsruhe – Angelika Schoder, 2015

28 Gedanken zu „Influencer und Blogger Relations – Die Kunsthalle Karlsruhe im Interview

  1. Alex Antworten

    Liebe Angelika !

    Wie schon bei Michelle oder Tanja kommentiert, kommen solche Beiträge für mich derzeit so was von richtig, da ich den Lehrgang Kulturmanagement absolviere und als Projektarbeit die Blogger Relations gewählt habe.

    Danke für das spannende Interview & den Beitrag, den ich zugegeben nur überflog, für die Arbeit, die ich demnächst angehen muss, werde ich mich dann eingehender beschäftigen und dann bestimmt mit Fragen wieder kommen !

    Liebe Grüße !
    Alex

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Alex,

      ja das hatte ich schon gelesen. Auf jeden Fall ein gutes Projektthema, denn Blogger Relations sind im Kulturbereich im deutschsprachigen Raum relativ neu und im Entstehungsprozess begriffen. Wo der Reise- und Tourismussektor etwa schon sehr viel weiter ist, sammelt der klassische Kulturbereich hier erst langsam Erfahrungen. Es wird spannend zu sehen, ob sich Kulturblogger – ähnlich wie Reiseblogger – langsam professionalisieren werden und hier letztendlich auch eine Monetarisierung einsetzen wird. In den USA oder Frankreich etwa ist das auch im Kulturbereich schon der Fall und im Food- oder Reisebereich im deutschsprachigen Raum ja auch bereits.

      Viele Grüße, Angelika

  2. Tanja Praske Antworten

    Liebe Angelika,

    wunderbar! Ein sehr wichtiger Bericht bzw. Interview – Pflichtlektüre für Museumsleute, aber auch für alle anderen, die Blogger Relations ernsthaft betreiben wollen. Mir gefällt die Transparenz der Kunsthalle zu sagen, was gut und was nicht gut war und wohin sie wie wollen. Das klingt richtig gut!

    Vor allem wird die nötige Beharrlichkeit und der Lernwillen daran offenkundig. Dazu ergänzend aus dem PR-Bereich von Kerstin Hoffmann ist der heute Post über „Sichtbarkeit im Web von null auf hundert – wie geht das?“ http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2015/09/24/sichtbarkeit-reichweite-web-steigern/

    Schon witzig der Titel ich schreibe gerade einen Blogpost übers Storytelling und habe einen fast identischen Titel zu Kerstin Hoffmann ausgewählt #Randbemerkung.

    Ganz wichtig finde ich auch deinen Punkt, dass natürlich der Kostenfaktor und der Mehrwert für beide Seiten – Museum und Blogger – zu regeln ist. Von nichts kommt nichts. Genau das zählt zur Professionalisierung in der Kommunikationsstrategie dazu. Wer das macht, der hat eine sehr gute Basis. Wenn dabei die Authentizität, Ehrlichkeit und der tatsächliche Wille zum ernsthaften Austausch auf Augenhöhe gewahrt wird, zahlt es sich am Ende nur aus. Zahlen- und faktenmäßig, aber auch inspirierend und wertvoll.

    Weiter so, Angelika!

    Herzlich,
    Tanja

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Tanja,

      ich bin auch der Meinung, dass eine gemeinsame Vereinbarung über Leistungen auf jeder Seite und über gemeinsame Ziele der Authentizität, Ehrlichkeit und der Bereitschaft zum Austausch auf Augenhöhe nicht widersprechen müssen. Es geht hier einzig darum, für alle Beteiligten eine Basis zu schaffen, mit der man zielgerichteter arbeiten und planen kann. Natürlich muss nicht jede Aktion mit Influencern duschkonzipiert werden, aber bei größeren Themen und Aktionen würde es durchaus Sinn machen, das in die Kommunikationsstrategie mit einzubeziehen.

      Viele Grüße, Angelika

  3. Anke von Heyl Antworten

    Liebe Angelika,

    klasse, dass du dich des Themas Blogger-Relations noch einmal angenommen hast. Gerade die Kulturinstitutionen sollten sich hier ruhig noch mehr engagieren.

    Die Kunsthalle Karlsruhe macht das super, dass sie die Kontakte, die auf solchen Blogger-Events geknüpft werden, auch weiter verfolgt. Und vor allem in den sozialen Netzwerken interagiert. Das ist die große Chance, sich hier mit den Influencern zu verbinden. So können sie bei neuen Aktionen auf deren Weiterempfehlungs-Potenzial setzen. Das ist schon viel wert. Und es ergeben sich auch neue Möglichkeiten der Kooperation.

    Was die Festlegung eines bestimmten Outputs angeht, so bin ich da eher skeptisch. Für mich ginge das zu Ungunsten eines persönlich geschriebenen Blogs aus.

    Aus meiner Sicht ist es eine Win-Win-Situation. Wenn ich als Blogger auch entsprechend spannende Impulse bekomme, super gutes Material, was ich verwenden kann (das große Thema Abbildungen von Kunstwerken), dann habe ich auch den Drang, möglichst viel an meine Leser weiterzugeben. Vielleicht möchte ich aber auch mal was kritisieren. Das würde dann schwierig bei solchen „Vereinbarungen“, oder?

    Wie dem auch sei, es ist vor allem noch viel Luft nach oben, was die Wahrnehmung von Kulturbloggern angeht. Ich bin da zuversichtlich, dass das Verhältnis sich in Zukunft optimaler gestaltet. Das würde mich auf jeden Fall freuen.

    Herzliche Grüße von Anke

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Anke,

      das Aufrechterhalten von Kontakten finde ich auch wirklich toll. Es ist absolut im Sinne beider Seiten, langfristig etwas aufzubauen und sich gegenseitig zu unterstützen. Das macht für mich auch Blogger Relations aus, dass man nicht nur kurzfristig denkt. Natürlich braucht es Zeit, aber ich glaube es lohnt sich auch das Netzwerk, das einmal aufgebaut wurde, zu pflegen – von allen Beteiligten.

      Ich kann deine Skepsis bezüglich einer Vereinbarung von gemeinsamen Zielen verstehen, aber ich sehe es ebenso wie Tanja. Nur weil man bestimmte KPIs definiert, müssen die Beiträge nicht weniger kritisch oder authentisch ausfallen. Es geht eher darum, was Was und das Wann (vielleicht auch das Wie) abzusprechen, um auf beiden Seiten die Kommunikation besser planen zu können. Das ist natürlich ein größerer Aufwand, daher kann es nicht ohne Honorar erfolgen, aber es könnte gezielt bei bestimmten Themen und Veranstaltungen Sinn machen. Ich denke ein Mix könnte die beste Lösung sein – komplett offen gestaltete Kooperationen mit Influencern, die eher als Journalisten gesehen werden, und durchstrukturierte Kooperationen, die eher auf Dienstleister-Basis funktionieren.

      Viele Grüße, Angelika

  4. Isabel Koch Antworten

    Liebe Angelika,

    danke für dein Feedback zu unseren Maßnahmen im Bereich Influencer und Blogger Relations. Es ist immer gut und hilfreich, Input von außen, insbesondere natürlich von unserer Zielgruppe, zu erhalten.

    Unsere Strategie in diesem Bereich haben wir allerdings von Beginn unserer Aktivitäten bewusst anders ausgerichtet. Wir setzen darauf, dass wir die Influencer, ähnlich wie bei der Presse, mit unseren Inhalten begeistern können und dass sie dann davon inspiriert, freiwillig und mit Freude darüber schreiben.
    Mit unseren Angeboten und dieser Herangehensweise haben wir bisher sehr positive Erfahrungen gemacht und wir verzichten deshalb bewusst auf konkrete Kooperationsvereinbarungen. Es geht uns darum, glaubwürdige Blogartikel zu unseren Inhalten anzuregen, die nicht aufgrund von Absprachen entstanden sind, sondern aus ehrlicher Begeisterung für die Materie. Für uns ist bei den Bloggerreisen die Nähe zur Pressearbeit viel enger als zum Bereich PR. Mögliche Enttäuschungen und Kritik sind natürlich auch einkalkuliert.

    Viele Grüße,

    Isabel Koch und Alexandra Hahn

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Isabel, liebe Alexandra,

      nochmal auch an dieser Stelle vielen Dank an euch für das Interview!

      Geplante Kooperationen mit Influencern werden in verschiedenen Branchen bereits erfolgreich umgesetzt und auch im Kulturbereich gibt es mittlerweile in Deutschland erste Beispiele. In den USA gehören diese Art der Influencer Relations schon länger fest zum Kulturbereich. Hier holt man sich oft zu bestimmten Projekten und Themen keine Agentur ins Haus sondern einzelne Influencer, die authentischer und näher an der Zielgruppe arbeiten können. Denn in der Tat wird die Authentizität eben nicht davon beeinflusst, dass die Kooperation gezielt in ein Kommunikationskonzept eingebunden ist.

      Es kommt sicher immer darauf an, wo man diese Kooperationen verortet – eher im Bereich Pressearbeit oder im Bereich Marketing. Durch die Bespielung von Social Media Kanälen haben Institutionen heute zwar die Möglichkeit, das Content Marketing in die eigenen Hände zu nehmen, doch es macht auch Sinn gelegentlich Input von Außen mit ins Boot zu holen. Die Kooperation mit Influencern eher auf Basis einer Pressearbeit ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt. Aber es lohnt sich wirklich auch über die Möglichkeit des Content Marketing nachzudenken. Idealerweise lassen sich beide Konzepte gut kombinieren.

      Viele Grüße, Angelika

  5. Michelle van der Veen Antworten

    Liebe Angelika,

    schöner Artikel und wunderbares Interview. Hat mich dran erinnert, dass ich mich dem Thema auch unbedingt mal wieder widmen muss. Zumal die Einladungen zu Blogger Reisen sich gerade bei mir häufen.

    Du sprichst wie immer wichtige Punkte an und ich finde es gut, dass die Kunsthalle Karlsruhe diese positiv für sich genutzt hat. Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am meisten und auch andere Institutionen können davon in der Theorie profitieren.

    Sehr wichtig, das kann gar nicht oft genug gesagt werden, ist der Punkt der Anreisekosten! Jedoch möchte ich hier einwerfen, dass ich es trotz allem ganz und gar unhöflich finde, deshalb nicht zu antworten. Ich finde Nicht-Antworten ist ganz schlechter Stil und auf der selben Fehler-Ebene. Auch das kann man meiner Meinung nach nicht oft genug betonen. Wobei ich für eine solche Anmerkung vor einigen Tagen eine sehr patzige Email erhalten habe. Die Erkenntnis das Blogger Relations Geld kosten ist noch lange nicht bei allen Institutionen angekommen. Noch immer herrscht die Meinung vor, man sollte doch froh sein, dass man eine Einladung erhält. Doch auch bei Bloggern lässt gutes Benehmen oft zu wünschen übrig, was ich nicht begrüßen kann.

    Die Diskussion zu diesem Thema ist auf jeden Fall lange noch nicht erschöpft.

    Viele Grüße
    Michelle

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Michelle,

      ich kann dir nur beipflichten, dass Kommunikation das Wichtigste ist. Wenn etwas von einer Seite als kritisch gesehen wird, sollte man sich mit dem Gegenüber austauschen. Es kann viele Gründe geben, warum eine Kooperation nicht zustande kommt: Es kann zeitlich nicht klappen, es kann inhaltlich nicht richtig passen oder man ist mit den Bedingungen nicht einverstanden. Ich spreche das immer offen an und kann jedem Blogger raten, dies auch zu tun.

      Die „Ablage P“ kommt bei mir wirklich nur bei Pressemitteilungen zum Einsatz, bei denen ich nicht weiß wie ich im Verteiler gelandet bin. Wenn aber die persönliche Ansprache in der Kontaktanfrage fehlt, ist die Chance größer, dass etwas für eine Pressemitteilung oder eine Massenmail gehalten wird. Die MusErMeKu-Adresse aus dem Impressum erhält mittlerweile fast täglich Pressemitteilungen, die unverlangt zugesandt werden. Bei größeren Blogs ist es sicher deutlich schlimmer und ich kenne Blogger, die regelrecht zugespammt werden. Ähnlich wie bei Journalisten, ist die Löschen-Taste da nicht weit. Ich bin ganz deiner Meinung, dass Anfragen der Höflichkeit halber beantwortet werden sollten. Aber ich kann auch diejenigen verstehen, die Mails einfach löschen, wenn sie irgendwann zu viel werden. Je unpersönlicher die Kontaktaufnahme ist, umso eher könnte sie der Empfänger für eine Massenmail oder eine Pressemitteilung halten. Das sollten Institutionen vielleicht auch berücksichtigen.

      Viele Grüße, Angelika

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  7. Anke von Heyl Antworten

    Liebe Angelika,

    die Sache mit der Anreise ist ein wichtiger Punkt. Es muss doch für jeden verständlich sein, dass man nicht mal eben so von Köln nach Berlin reisen wird, um an einem Tweetup teilzunehmen. Wenn man aber dringend vor Ort „gebraucht“ wird, dann ist es für mich selbstverständlich, dass Reisekosten gezahlt werden.

    Du sagst, dass es in Deutschland im Kulturbereich bereits Kooperationsvereinbarungen zwischen Bloggern und Institutionen gibt. Das ist mir bisher noch nicht so aufgefallen. Das würde mich sehr interessieren, so ein Beispiel mal verfolgen zu können.

    Es wäre toll, wenn wir uns Kulturblogger mal zu einem Camp o.Ä. treffen könnten. Ich glaube, es gäbe sehr viel zu bereden!!!

    Herzliche Grüße
    Anke

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Anke,

      auch wenn die Institutionen teilweise noch am Anfang stehen, würde ich mir hier wünschen, dass sich stärker in die Perspektive des Gegenübers versetzt wird. Kultureinrichtungen sollten sich Gedanken machen, welcher Aufwand für einen Blogger hinter einer Berichterstattung steht. Da geht es um einen erheblichen Zeitaufwand und eine sehr wertvolle Kommunikationsleistung seitens der Blogger (oder Influencer in anderen Bereichen). Und außer ihrer Zeit sollen diese Multiplikatoren dann auch noch finanzielle Ausgaben hinnehmen? Es ist für mich unverständlich wie die Annahme zustande kommt, man würde arbeiten und dafür noch draufzahlen. Ich befürchte, einige denken nicht so weit.

      Ein gutes Beispiel für geregelte Kommunikationsvereinbarungen im Kulturbereich ist das Städel. Für #MonetMoment kooperierte man hier z.B. vor kurzem mit zwei Instagrammern, also Micro-Bloggern: http://blog.staedelmuseum.de/kunst-der-moderne/monetmoment. Ob das auf Honorarbasis erfolgte weiß ich allerdings nicht. Auch die Schirn gibt glaube ich Beiträge für das SchirnMag bei Bloggern in Auftrag – also klassisches Content Marketing. Hier wird Honorar für die Artikel gezahlt, denn die Autoren arbeiten ja wie für eine Redaktion. Also es gibt diese Art der Kooperationen durchaus und ich empfinde sie bisher immer absolut glaubwürdig, ehrlich und authentisch. Ein Journalist schreibt ja auch aufrichtig, ungeachtet dessen, dass er von einem Zeitungsverlag sein Gehalt erhält.

      Viele Grüße
      Angelika

  8. Michelle van der Veen Antworten

    Liebe Angelika,

    so langsam werden die Kommentare ja wieder länger als der Beitrag, was zeigt wie groß der Gesprächsbedarf in Wirklichkeit ist. Momentan habe ich das Gefühl Institutionen wissen nicht recht wie der Einstieg in BloggerRelations funktioniert und Blogger sind es leid drauf zu zahlen. Also im Kulturbereich. Lifestyle etc. lasse ich bewusst außen vor, denn dort funktioniert es ganz anders. Da erwarten Firmen keineswegs, dass man die Produkte über die man schreiben soll, selbst erwirbt. Deine Anregung sich mal in sein Gegenüber zu versetzen kann ich nur unterschreiben. Ich würde es sehr begrüßen wenn Museumsmitarbeiter nicht mehr davon ausgehen, dass man von einer privaten Führung so begeistert ist, dass man 200-400€ investiert um daran teilzunehmen. Aber vielleicht muss man ja demnächst auch 100€ bezahlen damit die eigene Bewerbung gelesen wird! Das wäre ja ähnlich. Warum da wohl noch keiner drauf gekommen ist^^ trotzdem werde ich weiter freundliche Emails schreiben und Verbesserungsvorschläge machen. Ich bin mir auch sicher, dass das alles in 1-2 Jahren geklärt ist 😉

    Liebe Grüße
    Michelle

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Michelle,

      es gibt natürlich auch in Branchen, die schon länger im Bereich Blogger Relations aktiv sind, die einen oder anderen Beispiele, die als Abschreckung gelten können. Einer Bekannten von mir, die einen Style-Blog schreibt, wurde einmal für einen Beitrag 50 Euro geboten. Wohlgemerkt hat sie 7 bis 9.000 Unique Visitors pro Monat. Als sie darauf bestand, dass sie nur selbst fotografiert und keine PR-Fotos verwendet, und darum bat ihr die Kleidung zuzusenden – gerne mit Retourfrankierung – wurde das abgelehnt mit dem Verweis, sie könne die 50 Euro ja dafür nutzen, ein Teil der Kollektion selbst zu kaufen und das dann fotografieren. Selbstverständlich hätte ein Teil der Kollektion mehr als 50 Euro gekostet – sie hätte also draufzahlen sollen. Solche Beispiele zeigen einfach, dass Blogger Relations manchmal nicht richtig durchdacht werden – egal in welcher Branche. Man kann nur hoffen, dass sich dies ändern wird…

      Viele Grüße, Angelika

  9. Marlene Antworten

    Liebe Angelika,
    Das Thema ist sehr spannend. Für mich nimmt die Kunsthalle Karlsruhe inzwischen eine Führungsrolle in Sachen Blogger-Relations ein, zumindest unter deutschen Museen. Toll finde ich, wie transparent und offen die Veranstalterinnen mit positiven und negativen Erfahrungen umgehen und diese teilen – statt sie vielleicht still zu verschweigen. Auf diese Art können andere Häuser aus den Erfahrungen lernen ohne erst die gleichen Fehler machen zu müssen.
    Viele Grüße
    Marlene

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Marlene,

      durch die Transparenz gewinnt die Kunsthalle auf jeden Fall. Ich hoffe, dass auch andere Museen ihre Vorbehalte in diesem Bereich abbauen und beginnen eigene Kontakte aufzubauen. Es tut sich auf jeden Fall etwas in der Museumslandschaft in Deutschland – zwar langsam, aber sicher…

      Viele Grüße, Angelika

  10. Anke von Heyl Antworten

    Liebe Angelika,
    ich bin gerade sehr versucht, auf eine Anfrage zu einem Bloggertreffen mit dem Hinweis auf diesen Beitrag hier zu antworten 🙂

    Falls irgendwer eine Bloggerreise plant, darf ich hier noch den Hinweis ergänzen: Eine persönliche Anrede in der Einladungs-E-Mail ist ein MUSS!

    Tja, so lange man immer noch an solchen Basics rumdoktern muss, wird es schwierig, da professionelle Bedingungen zu schaffen. Wie soll man darauf reagieren? Zudem wird auch keine Einladung (sprich Übernahme der Reisekosten) ausgesprochen. Sollte man das Museum darauf hinweisen? Ich möchte nicht so gerne oberlehrerhaft daherkommen. Aber meine Laune sackt doch ziemlich in den Keller. Ich denke, dass sich doch das 1×1 der Blogger-Relation langsam rumgesprochen haben dürfte!

    Das gute Beispiel der Kunsthalle Karlsruhe darf ruhig Schule machen. Aber wie bekommt man das kommuniziert?
    Also: weiter Blogbeiträge schreiben und diese verteilen. Doch was hilft es, wenn die Betreffenden überhaupt nicht auf den entsprechenden Plattformen mitlesen? Das ist wohl das Grundproblem, das sämtliche andere nach sich ziehtl.
    Ok, ich höre schon auf zu meckern.

    Eigentlich möchte ich auch nicht immer auf den Problemen rumeiern. Das kam mir nur aktuell so blöd unter!!

    Herzliche Grüße trotzdem in die Runde
    Anke

    • Tanja Praske

      Liebe Anke,

      ich habe auf die Anfrage via Mail geantwortet, genau die Punkte angesprochen und auf Angelikas Post mit der Kunsthalle Karlsruhe verwiesen. Das war richtig. Ich erhielt eine gute Antwort und auch eine Entschuldigung. Ich war nicht die einzige. Jetzt passiert da gerade etwas. Also, ruhig ansprechen, zumal wenn man die Kultureinrichtung schätzt.

      LG, Tanja

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Tanja,

      Kommunikation ist doch unsere Stärke – und gerade wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, muss man um so besser kommunizieren. Schließlich ist es ja in beiderseitigem Interesse eine Blogger Relation bzw. ein Netzwerk aufzubauen. Insofern: Tief durchatmen und dann eine Lösung suchen. 😉

      Viele Grüße, Angelika

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Anke,

      man sagt in Marketing-Kreisen ja gerne „Die besten Blogger Relations werden von Bloggern gemacht!“. Wahrscheinlich könnte man Fehler bei der Ansprache von Bloggern – oder anderen Social Media Akteuren – schon alleine dadurch vermeiden, indem man diese Aufgabe in die Hände von jemandem legt, der sich in dem Bereich auch selbst bewegt. Twitter, Facebook, YouTube, Instagram, Blogs usw. – alle „ticken“ anders und nur wer hier Zeit verbringt, sich einliest und auch die Perspektive einnehmen kann, wird hier eine erfolgreiche Ansprache hinbekommen.

      Es ist wie gesagt super, dass immer mehr Institutionen das Thema Blogger Relations und Social Media Networking für sich entdecken, aber hier sollte eine umfangreiche Recherche der Anfang sein. Dazu kommt dann, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen. Wer möchte schon gerne unpersönlich kontaktiert werden? Und wer möchte gerne für seine Arbeit auch noch draufzahlen müssen? Wahrscheinlich niemand! Von daher wäre eine genaue Planung im Vorfeld das Wichtigste – egal ob es sich um eine große Bloggerreise handelt oder um ein kleines TweetUp.

      Viele Grüße, Angelika

    • Tanja Praske

      Liebe Angelika,

      eben – sag ich ja!

      Die Diskussion zu deinem Artikel zeigt, wie brisant das Thema ist. Und wie wichtig es sein kann, wenn Museen sich untereinander auch austauschen, wie ihre Erfahrungswerte sind, vor allem dann, wenn man beispielsweise plant, eine Bloggerreise zu organisieren. Sie kostet und sollte für beide Seiten zu einem positiven Ergebnis kommen.

      Eines muss klar sein, auch wenn den Bloggern sämtliche Kosten erstattet werden – das ist normal und angebracht – und selbst wenn sie darüber hinaus ein Honorar erhalten sollten – auch das wird Thema sein – haben sie trotz allem ihre eigene Meinung. Sie können auch kritisch schreiben und das sollte eine Kulturinstitution als Chance auffassen, zu reflektieren. Aber damit wären wir wiederrum bei einem anderen Threat!

      LG, Tanja

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Tanja,

      ich sehe es auch so. Ein Honorar wäre sicher nicht der Todesstoß für jegliche Authentizität, so wie das manche vielleicht befürchten. Sonst müsste jeder Journalist plötzlich anfangen gratis zu schreiben. Institutionen können nicht ernsthaft denken, Journalisten würden „gratis“ über sie berichten – diese erhalten ihre Honorare von Verlagen. Wer für eine Berichterstattung finanziell aufkommt, wenn kein Verlag im Hintergrund steht, sollte daher auch naheliegend sein – und das ist sicher nicht der Blogger, indem er z.B. Reisekosten selbst übernehmen soll.

      Viele Grüße
      Angelika

  11. Anke von Heyl Antworten

    Liebe Angelika,
    es muss sich noch eine Menge ändern. Was du angesprochen hast, das Mitlesen in den entsprechenden Netzwerken, wissen, wer die Influencer sind, das halte ich auch für extrem wichtig.

    Lieben Gruß
    Anke

  12. Maria Männig Antworten

    Liebe Angelika,

    nun kam ich endlich dazu, deinen Artikel zu lesen, auf den ich schon gespannt war und der Aspekte berührt, die sich mit meinem eigenen aktuellen Beitrag überschneiden. Mir fällt auf, dass die Diskussion um einen fixen Kern rotiert. Es geht darin eigentlich um Formen sozialer Kommunikation. Hier bestehen offenbar Unsicherheiten im Umgang miteinander.

    Hervorheben kann ich, dass es gerade der persönliche Kontakt ist, über den es z.B. zum Ko-Projekt kam, das ich mit der Kunsthalle machen kann. Das hat es mir erleichtert.

    Ich muss dir in dem Punkt zustimmen, dass klare Absprachen vieles erleichtern würden, z.B. darüber, was Menge und Umfang (vielleicht auch Ausrichtung) der Beiträge anbelangt. Sollte nur Applaus gewünscht sein, wäre das vorher zu kommunizieren. Spätestens wenn Kritik kommt, beginnt nämlich der große Eiertanz.

    Viele Grüße,
    Maria

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Maria,

      danke für dein Feedback. Es ist wie gesagt schade, dass es teilweise bei der Kommunikation Schwierigkeiten gibt – ausgerechnet in einer Branche, die Kommunikation zu ihren Stärken zählen sollte.

      Einerseits sollte von den Teilnehmern an solchen Kooperationsprojekten (ob Tweetup, Reise oder eine andere Form der Kooperation) kommuniziert werden, was erwartet wird. Verständlicherweise gibt es da gewisse Vorbehalte, denn man will als Blogger (oder Podcaster, Instagrammer etc.) vielleicht nicht gleich Ansprüche stellen. Oft lässt man es auf sich zukommen, in der Hoffnung, die Organisatoren würden die eigenen Bedürfnisse berücksichtigen. Geschieht das dann nicht, stellt es aber ein Problem dar – für beide Seiten. Insofern ist es wichtig im Vorfeld zu betonen, was einem als Teilnehmer wichtig ist – damit der Organisator die Chance hat sich darauf einzustellen.

      Die Problematik lässt sich natürlich auch umkehren: Auch Organisatoren haben gewisse Erwartungen an eine Kooperation. Auch hier schreckt man teilweise davor zurück Absprachen zu treffen, in der Befürchtung dies könnte als Beeinflussung gesehen werden, es könnte die Authentizität leiden usw. Es ist natürlich klar, dass ab einem gewissen Grad der Absprache – mit anderen Worten: wenn eine klare Auftragslage vorliegt – eine Kennzeichnungspflicht für die Berichterstattung besteht, schon aus rechtlichen Gründen. Hier muss man dann abwägen, was man will: Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing.
      Wer den Ausgang einer Kooperation offen lassen will, kann die Kooperationspartner wie Pressevertreter behandeln. Das bedeutet: Themen- und Gesprächsangebote bieten, dafür sorgen dass sie sich wohl fühlen – und dann das beste hoffen. Vielleicht berichten sie, vielleicht auch nicht. Vielleicht wird es positiv, vielleicht wird es negativ. Mit allem muss gerechnet werden.
      Wer aber als Institution bestimmte Erwartungen hat und sichergehen will, dass diese erfüllt werden, sollte mit Kooperationspartnern wie mit Freelancern oder einer Agentur umgehen. Hier kann man dann Art und Weise der Berichterstattung absprechen, Zeitpunkt, Tenor, Umfang etc. In dem Fall ist dann nicht mehr die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig sondern das Marketing – mit entsprechendem Budget und mit dem Wissen, dass dann die Berichterstattung gekennzeichnet werden muss.

      Beides hat seine Berechtigung und beides hat seine Vorteile. Andere Branchen haben das längst erkannt und der Kulturbereich sollte auch endlich dahin kommen, nicht mehr ausschließlich auf Öffentlichkeitsarbeit zu setzen sondern auch bei Influencer Relations von den Marketing-Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Eine „Wundertüte“ lässt sich schließlich schlechter in eine Kommunikationsstrategie einbauen, als gezieltes Content Marketing.

      Viele Grüße, Angelika

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