Digitale Reiseplanung – Die Konzeption einer neuen Website für Museen

Eine Website ist zum Glück kein klassisches Buch, bei dem sich nichts mehr verändern lässt, sobald es gedruckt wurde. Ebenso wie sich das Web ständig verändert, sollte auch die Konzeption einer neuen Website regelmäßig angegangen werden.

Damit ist nicht nur gemeint, dass eine Site immer aktuell gehalten werden muss. Vor allem ist gemeint, dass Homepages alle 3-4 Jahre eine Generalüberholung benötigen – und zwar am besten von Grund auf. Man könnte es mit einer Reise vergleichen, bei der man nie ankommt. Das wichtigste Motto für Museen und Kulturinstitutionen muss dabei lauten: Immer in Bewegung bleiben!

 

Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch

In den letzten 4 Jahren habe ich für verschiedene Auftraggeber eine Reihe von Website Relaunches betreut. Meine wichtigste Erkenntnis hierzu ist: Die Arbeit hört niemals auf. Bildlich gesprochen könnte man auch sagen: Die Konzeption einer neuen Website ist eine nie endende Reise. Neue Browserversionen, die steigende Nutzung mobiler Geräte und schließlich auch die sich ständig ändernden Formate für Handys, Tablets, Phablets, Netbooks & Co. – es gibt zahllose Gründe, warum eine Website, die heute noch „gut aussieht“, in kürzester Zeit schon für den Nutzer unansehnlich und verschoben erscheinen kann. Im schlimmsten Fall sind mache Funktionen in neuen Browserversionen überhaupt nicht mehr nutzbar.

Nur mit einem regelmäßigen Relaunch der Website kann hierauf reagiert werden, also mit einem fest eingeplanten wiederkehrenden Neustart – und zwar am besten alle 3-4 Jahre. So geht z.B. auch das Imperial War Museum vor, das Mitte Juli 2015 mit seiner neuen Homepage online ging. Die Vorgängerversion stammte aus dem Jahr 2011, war also 4 Jahre alt.

Wenn man bedenkt, dass ein Relaunch von der ersten Konzeption bis zum fertigen Live-Auftritt bis zu 2 Jahre benötigen kann, wird schnell klar: Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch – die Reise geht immer weiter. Auch Museen und andere Kulturinstitutionen, die mittlerweile über eine Responsive Website verfügen – und laut der Untersuchung „Wie mobile friendly sind die Websites deutscher Museen?“ von Michael Müller und Jörn Brunotte war das Mitte 2014 bei nur knapp 1/4 der 100 stichprobenartig ausgewählten deutschen Museen der Fall – sind nicht am Ziel angekommen.

Wer heute über eine Homepage im Responsive Design verfügt, die sich auf Mobilgeräte anpasst, ist nur auf der Reise schon ein Stück weiter als diejenigen, die noch über eine Seite verfügen, die sich nicht anpasst. Eine neue Website ist, wie erwähnt, kein Endpunkt, sondern immer nur Ausgangspunkt für die nächste Version.

 

Die Website als Reisegepäck, das immer kleiner wird

Christian Gries hat in seinem Blogartikel „Mobile first! Die Zukunft der Museumswebsite“ bereits betont, dass die (Museums-)Website natürlich auch weiterhin das „Herzstück der digitalen Kommunikation“ darstellen wird. Wenn man auf das zuvor erwähnte Bild einer Reise zurück kommen möchte, könnte man sagen, die Website ist das Reisegepäck, das man immer dabei hat.

Es ist wichtig zu erkennen, dass sich heute die äußeren Umstände der Reise geändert haben: Früher musste man noch wirklich jedes kleine Bisschen in sein Reisegepäck packen, denn unterwegs war man ausschließlich von diesem einen Gepäckstück abhängig – und es war groß, schwer und teuer. Heute funktioniert das Reisen anders: Mittlerweile kann man mit kleinem Gepäck unterwegs sein, ganz leicht und deutlich günstiger. Der Grund hierfür heißt Social Media. Zahlreiche Netzwerke haben mittlerweile Funktionen übernommen, die früher Websites alleine leisten mussten:

  • umfangreiche Inhalte werden in Corporate Blogs publiziert, wie etwa im Fall des Joanneum,
  • Datenbanken werden von der Homepage ausgelagert, wie etwa beim Städel Museum,
  • Videos müssen nicht mehr auf der eigenen Website hochgeladen werden, sondern werden über YouTube veröffentlicht, wie im Fall der Fondation Beyeler,
  • Sogar die virtuelle Tour durchs Museum findet nicht mehr auf der eigenen Website statt, sondern via Google – wie vor Kurzem vom Archäologischen Museum Hamburg gezeigt wurde.

 

Die Möglichkeiten sind vielfältig – und es kommen ständig neue hinzu. Daher lohnt es sich regelmäßig zu prüfen, welche Inhalte man an externe Plattformen auslagern kann und möchte. Dabei gilt: Eigenen externen Plattformen, wie Blogs und Datenbanken, sollte eine höhere Bedeutung eingeräumt werden, als den Plattformen von Drittanbietern, wie etwa Facebook.

Der Vorteil ist, dass sich die Website so auf das Wichtigste konzentrieren kann – und die Customer Journey so noch schneller, angenehmer und vielleicht auch kreativer gestaltet werden kann. Hier zeigt sich auch: Die Reise tritt man als Museum oder Institution nicht alleine an, denn auch der Kunde ist auf einer Reise – eben auf der Customer Journey. Auf dieser Reise will man den Kunden abholen und mitnehmen.

 

Die richtige Reiseplanung

Natürlich kann man eine Reise auch ganz spontan beginnen, sich aus dem Bauch heraus treiben lassen und sehen, wo der Zufall einen hinführt. Eine so ungeplante Reise kann mit Glück gut laufen – sie kann aber auch sehr viele unangenehme Überraschungen mit sich bringen. Eine gute Reiseplanung ist daher äußerst wichtig. Es geht nicht darum, alles minutiös im Vorneherein festzulegen, denn wie bereits erwähnt: Die Onlinewelt ändert sich unentwegt.

Eine gewisse Flexibilität muss daher erhalten bleiben, denn auch eine Reise ist dann am schönsten, wenn man offen für Neues ist. Ganz ungeplant und spontan sollte man sich aber dennoch nicht auf die Reise begeben. Tanja Praske hat in ihrem Beitrag „Website optimieren – Was muss das Museum tun?“ schon die wichtigsten technischen Aspekte zusammengefasst. Ich möchte hier aus meiner langjährigen Erfahrung heraus an dieser Stelle ergänzend auf die notwendigen konzeptionellen Vorüberlegungen eingehen. Aus meiner Sicht können diese 7 Schritte – verbunden mit je einer Leitfrage – bei der Reiseplanung zur neuen Website helfen:

 

1) Wo soll die Reise hingehen?

Wer eine Reise antritt, sollte zumindest in etwa wissen, wo es hin gehen soll. Das Gleiche gilt auch für die Konzeption einer Website. Der Leitsatz sollte hier lauten „Form follows function“ – also die Form folgt der Funktion. Um das Reiseziel festzulegen, sollte man sich daher fragen: Welche Funktionen soll der Webauftritt erfüllen? Welche Strukturen sind für diese Funktionsweisen notwendig? Welche Inhalte benötigt die Webpräsenz? Welche Informationen lassen sich von der Website auslagern (also in Blogs, Datenbanken oder Soziale Netzwerke)? Je genauer man sein Reiseziel benennen kann, umso besser weiß man, was das Reisegepäck enthalten muss. Wer Wanderurlaub in den Alpen macht, packt schließlich auch keine Taucherausrüstung ein.

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2) Wer kommt mit auf die Reise?

Wenn man alleine unterwegs ist, kann man eine Reise nach Belieben planen. Anders wird es, wenn man Begleitung hat. In dem Fall muss man sich auf seine Reisebegleitung einstellen: Was interessiert die Person? Was macht ihr Spaß? Womit möchte man sie überraschen? Wovon möchte man sie überzeugen? Plant man eine Reise mit einem Strandurlaub-Fan, sollte man keinen Städtetrip ins Auge fassen. Denn der Strandfan würde einen schnell in der Großstadt stehen lassen und verkünden: „Mach was du willst, ich fahre jetzt ans Meer!“ Er wäre also weg.

Auch Websites können in diese Falle tappen, wenn sie vollkommen an ihrer Zielgruppe vorbei geplant werden. Es ist wichtig zu bedenken: Eine neue Website konzipiert man nicht für sich selbst – auch nicht für Vorstände, Stiftungsmitglieder oder Förderer. Ziel ist es, ein bestimmtes Publikum zu erreichen und dieses davon zu überzeugen, sich gemeinsam auf eine Reise zu begeben und so lange wie möglich den Weg gemeinsam zu gehen.

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3) Welche Reiselektüre sollte man mitnehmen?

Für jede Reise gibt es die richtige Lektüre. Diese richtet sich natürlich nach den Interessen des Publikums – siehe Punkt 2: Wer kommt mit? Ein Kulturfan auf Paris-Reise könnte z.B. wenig mit einer Radwanderkarte für Slowenien anfangen. Auch bei einer Website müssen die Inhalte also passend für die Zielgruppe konzipiert werden. Der Content, also der Inhalt einer Site, muss hier in Umfang, Tonalität und Struktur so gestaltet werden, dass der Reiseteilnehmer sich angesprochen, gut unterhalten, inspiriert und selbstverständlich bestens informiert fühlt.

Der Kulturfan würde die Radwanderkarte nämlich sofort weglegen – egal wie schön sie gestaltet ist und wie toll die Tipps darin sind. Der Inhalt muss also zur Zielgruppe passen. Das kann bedeuten, dass der Content kurz und knackig gehalten werden muss, das kann aber auch bedeuten, dass manchmal „mehr = mehr“ sein kann. Eine genaue Zielgruppenanalyse (siehe Schritt 2) steht also am Anfang der Content-Konzeption.

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4) Welche Landkarten oder Stadtpläne braucht man?

Egal wohin man reist: Man muss sich immer orientieren. Ob man ein Navi nutzt, sich mit einer App zurechtfindet oder mit dem faltbaren Stadtplan hantiert – nur wer weiß wo es lang geht, kommt auch an. Übertragen auf die Website heißt das: Eine gute Menügestaltung ist ein absolutes Muss. Nur wer sich möglichst intuitiv und unkompliziert auf einer Site bewegen kann, wer also einen guten Einstieg in die Customer Journey findet, bekommt auch Lust, sich mit auf die Reise zu begeben.

Eine Website braucht daher einen übersichtlichen und logischen strukturellen Aufbau – der auch noch funktionieren muss, wenn die Seite nicht mit einem großen Bildschirm aufgerufen wird, sondern sich im Responsive Design auf ein kleines Mobilgerät „zusammenfaltet“.

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5) Wie soll das Reisegepäck aussehen?

Die Website ist das Reisegepäck in der Onlinewelt. Ja, es wird immer kleiner – aber auch hier hat man nach wie vor unendliche Möglichkeiten: soll es luxuriös sein, knallig, verspielt oder minimalistisch? Man kann mit einer Ledertasche unterwegs sein, mit einem Rollkoffer oder einem Rucksack. Alle erfüllen zwar im Prinzip ihren Zweck, aber nicht jede Art von Reisegepäck passt zu den eigenen Ansprüchen, Bedürfnissen oder dem eigenen Stil.

Insofern sollte auch das Design einer Website zum eigenen Corporate Design passen, insbesondere was Font, Farbgestaltung und Bildsprache angeht. Ein ansprechendes Reisegepäck, das unverwechselbar zu einem passt, kann schließlich auch Aufmerksamkeit erregen und die Zielgruppe neugierig machen, sich genauer zu informieren wo die Reise hin geht.

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6) Wie flexibel muss das Reisegepäck sein?

Gutes Reisegepäck macht alles mit. Es ist zuverlässig, strapazierfähig, leicht zu transportieren – und sieht dabei immer gut aus. Was für Reisegepäck gilt, gilt auch für Websites: sie müssen genau die vordefinierte Funktionalität erfüllen und dabei stets optimal dargestellt werden. Das bedeutet nicht nur, dass die Site im Responsive Design erstellt sein muss, damit sie sich auf verschiedene Arten von Mobilgeräten anpasst. Auch die Ladegeschwindigkeit spielt bei steigender mobiler Nutzung eine entscheidende Rolle. Große Grafiken, Videos, Slider – das alles macht eine Seite langsam, verbraucht Datenvolumen und erhöht die Ladezeit.

Hier gilt es abzuwägen: Auf was kann verzichtet werden, damit die Site so flexibel wie möglich ist? Auf welche Gestaltungselemente soll nicht verzichtet werden, damit die Site so ansprechend wie möglich aussieht? So wie bei Reisegepäck kann das am Ende bedeuten: Manche verzichten lieber auf Flexibilität und haben es dafür besonders hübsch. Anderen geht Flexibilität über alles – dafür darf es gerne etwas karg und sporadisch sein. Hier muss man abwägen: Was würde die Zielgruppe eher ansprechen? Was kommt ihren Bedürfnissen am ehesten entgegen?

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7) Welches Reisegepäck brauche ich?

Man kann sich sein Reisegepäck selbst basteln, man kann es kaufen und dann selbst packen – oder man beauftragt jemanden damit, alles für einen zu übernehmen. Mit Websites verhält es sich ähnlich: Man kann sie selbst programmieren; man kann sie programmieren und auch pflegen lassen, was auch heute noch von großen Institutionen praktiziert wird, welche ihre Homepage komplett in die Hände von Agenturen legen; man kann sich aber auch eine Site erstellen lassen und diese dann selbst pflegen. Als würde man ein Reisegepäck kaufen, es dann aber selbst packen. Dies funktioniert mittels eines Content Management Systems (CMS), das von einem externen Anbieter angelegt, angepasst und gestaltet werden sollte.

Mit dem Anbieter bespricht man, wie das Gepäckstück funktionieren und aussehen soll – hierfür werden alle Informationen benötigt, die man in Schritt 1 bis 6 ermittelt hat. Anhand dieser Informationen kann der Anbieter das passende CMS vorschlagen. Man benötigt definitiv professionelle Beratung, welches CMS die notwendigen Anforderungen erfüllt – soll es Typo3 sein, Drupal, Joomla oder genügt WordPress? Jedes CMS hat seine Vor- und Nachteile – diese müssen im Voraus berücksichtigt werden, denn im Nachhinein lässt sich eine billige Sporttasche nicht  in einen Multifunktions-Trekking-Rucksack verwandeln.

 

Gute Reise!

Anke von Heyl schreibt in ihrem Beitrag „Wie erreiche ich mein Publikum?“: „Hier kommen meine 10 ultimativen Tipps, wie ihr G-A-R-A-N-T-I-E-R-T … ach nee! So geht das nicht. Es ist ein bisschen komplizierter.“ Stimmt. Daher sind die aufgezählten 7 Schritte – die 7 Fragen, die man sich für die Konzeption einer neuen Website stellen sollte – auch keine „ultimativen Tipps“ die etwas garantieren. Es sind nur Schritte – die Reise muss jeder selbst antreten.

 

Header-Bild: Photo Triennale Hamburg – Angelika Schoder, 2015

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Wie startet man einen Museums-Blog? Konzept-, SEO- und Content-Tipps

28 Antworten auf „Digitale Reiseplanung – Die Konzeption einer neuen Website für Museen“

  1. Liebe Angelika,

    feine Zusammenstellung von wichtigen Faktoren für eine gut funktionierende Website. Witzigerweise kam mir gerade die neue Website vom Kölnischen Stadtmuseum ins Haus geflattert.

    http://www.museenkoeln.de/koelnisches-stadtmuseum/default.aspx?s=1

    Und ich musste wieder einmal feststellen, dass ein ganz wichtiger Punkt nicht beachtet wurde – das Prinzip Mund-zu-Mund-Propaganda! Will heißen, man kann keine einzelnen Veranstaltungen teilen (ob jetzt via E-Mail an einen Freund oder für sein Netzwerk in Facebook oder Twitter).
    Da gibt es dann eine statische Seite, auf der die Veranstaltungen der nächsten Zeit in einer Liste stehen. Ich verstehe nicht, warum?!

    Etwas weniger schlimm, aber leider sehr unattraktiv, ist auch das Teilen von einzelnen Objekten aus der Veranstaltung. Das geht nur ohne Vorschaubild. Und damit ist man dann schon raus aus dem Spiel!

    Ich gebe gerne zu, dass es so viele kleine Details sind, die man beachten muss. Und irgendwann muss man schon auch fertig werden. Finde aber gerade die Verbindungsmöglichkeiten in die sozialen Netzwerke sehr wichtig!

    Nun ja, mal schauen. In der Summe wird es schon immer besser 🙂

    Das Beispiel vom Imperial War Museum zeigt natürlich auch, wohin wir immer wieder mal blicken müssen, um die internationalen Standards zu beobachten 🙂

    Herzliche Grüße von Anke

    1. Liebe Anke,

      auf das IWM habe ich natürlich immer einen besonderen Blick. Es war schrecklich für mich, als das Museum 2011 seinen Relaunch hatte und alle Links verschwunden waren, die ich in meiner Dissertation zitiert hatte. Von außen betrachtet war es aber eine gelungene neue Website: viel übersichtlicher, viel knapper – aber dadurch auch einfacher in der Bedienung und Orientierung. Spannend nun zu sehen, dass beim Relaunch dieses Jahr das Konzept geändert wurde: Jetzt sind die Datenbanken wieder Bestandteil der Seite, ebenso wie bestimmte Inhalte, die eher an Blogbeiträge erinnern. Die verschiedenen IWM-Blogs liegen hingegen ein bisschen brach. Wo andere Museen ihre Inhalte auslagern, hat das IWM diese wieder zurück geholt. Das zeigt, dass es eigentlich nicht „den ultimativen Weg“ gibt – jede Institution muss selbst ihren eigenen Weg finden.

      Den einzigen generellen Hinweis, den man (neben dem Hinweis auf Response Design) geben kann, ist aber die Berücksichtigung von Social Media. Schade dass das in Köln unterging. Wenn ich mir die URL anschaue bekomme ich da übrigens auch eine Krise – was um Himmels willen ist da los? o_O

      Viele Grüße
      Angelika

  2. Liebe Angelika,
    vielen Dank für diesen wunderbaren und informativen Blogbeitrag! Ich kann Dir in den 7 ReiseSchritten nur zustimmen. Leider wird ja bei vielen Kulturinstitution im Bereich online Kommunikation und Website gerne gesparrt, daher entsprechen viele Webauftritte nicht der Zeit. Das Archäologische Museum Hamburg, welches ich ja seit Kurzem im online Bereich unterstütze, beschäftigt sich auch so langsam mit der Idee eines Relaunch, und daher freue ich mich über Artikel und Austausch zu diesem Thema! Auch noch einmal vielen Dank für die Erwähnung des AMH im Beitrag!
    Viele Grüße,
    Katrin Schroeder

    1. Liebe Katrin,

      das AMH ist im Onlinebereich schon auf einem sehr guten Weg und durfte da natürlich nicht fehlen. 😉
      Ein Website Relaunch ist ein relativ umfangreiches Projekt, das gute Vorbereitung braucht und sehr viel Zeit in der Umsetzung. In der Konzeption muss alles bedacht werden, denn erfahrungsgemäß kann es sehr umständlich (und teuer) werden, wenn man bestimmte Funktionen nachträglich umsetzen will, die man vorher nicht berücksichtigt hat. Andererseits muss man auch genau prüfen, ob man bestimmte Features überhaupt braucht, die einem von Agenturen vorgeschlagen werden.
      Das AMH hat bei seinen Relaunch-Plänen auf jeden Fall den Hamburg-Vorteil – hier gibt es viele sehr gute Agenturen, bei denen die Betreuung in guten Händen ist. Und mit einem so motivierten Team auf Museumsseite habt ihr doch gute Voraussetzungen! 🙂

      Viele Grüße
      Angelika

  3. Liebe Angelika,

    endlich komme ich dazu, mich bei dir zu bedanken für die Verlinkung. Je mehr Posts dieser Art veröffentlicht werden, umso eher dringt die Botschaft durch, so die Hoffnung, und die stirbt bekanntlich zuletzt.

    Die Website ist der Anker einer professionellen Kommunikation. Nicht umsonst war das der Titel der Tagung: http://www.bayerische-museumsakademie.de/veranstaltungen/detail/digitaler-raum.html

    Gerade diese Tagung führte erneut Logisches vor Augen, erst die Homebase – die Website – auf die Bedürfnisse der Menschen hin gestalten, dann weitere Professionalisierungen in der digitalen Kommunikation. Gerade der Punkt „Form follows function“ ist wichtiger denn je, denn tatsächlich umfasst das fast alle deiner nachfolgenden Punkte. Zur function zählt Zielgruppenbestimmung, vielleicht mithilfe der „persona“. Das Problem ist nur, dass die Zielgruppe manchmal nur diffus bekannt ist und tatsächlich mehr von den eigenen Bedürfnissen gedacht wird, statt auf die der Besucher eingegangen wird. Besucherforschung ist im Museum ein sehr ausbaufähiges, da bislang vernachlässigtes Medium. Richtig ist auch, auf die CI (=“Corporate Identity“, Wiedererkennbarkeit) einzugehen. Das Museum bedarf wie Unternehmen auch Ecken und Kanten. Hier wäre es schön, wenn es eine Vision hätte, die es nach außen trägt und die darf ruhig dynamisch sein, sich den aktuellen Bedingungen anpassen.

    Merci für diese Überlegungen hier.

    Herzlich,
    Tanja

    1. Liebe Tanja,

      ich persönlich hatte in der Vergangenheit oft den Eindruck, dass bei Websites eher über das Design nachgedacht wird – ohne zu hinterfragen, ob dies dem Nutzer überhaupt entgegen kommt. Das erinnert teilweise an die Zeiten des Internets, in denen alles geblinkt hat auf Seiten – hier noch ein Bildchen und da noch ein PopUp und dort noch etwas, das einfach um seiner selbst willen da ist. Um eine Webpräsenz aber übersichtlich zu gestalten (und die Ladezeit zu verringern), müssen viele Institutionen hier gründlich abspecken. Es gehört nur noch das auf eine Website, was wirklich einen Mehrwert hat.
      Was die Zielgruppenanalyse angeht, wäre es auch wichtig, Nutzerdaten im aktuellen Webautritt zu erfassen. Da gibt es auch datenschutz-konforme Varianten, wie E-Tracker oder die IP-anonymisierte Google Analytics Version. Hier kann man einsehen, welche Browser, Betriebssysteme und Geräte (teilweise mit Daten zur Bildschirmauflösung) auf die Site zugreifen und v.a. was die Eintritts- und Austrittsseiten sind. So lässt sich die Customer Journey nachverfolgen. Auch Bounce Rates sind ein wichtiger Hinweis, wo etwas gründlich schief läuft. Ohne diese Daten wird es schwer, für eine neue Website die Menüführung und den Content zu optimieren. Jetzt könnte man fragen: Wie viele Museen (und andere Kulturinstitutionen) erfassen diese Daten überhaupt? Da haben einige sicher noch einen weiteren Weg vor sich…

      Viele Grüße
      Angelika

  4. Liebe Angelika !

    Danke für deinen wunderbaren Artikel, der ja meiner Meinung nach allgemein gültig ist (sprich das gilt für jeden Blogger). Ich denke nur mit Schaudern an die Arbeit zurück, die wir im Februar mit unserem Blog hatten – wir wollten damals zum zweiten Mal unser Blogdesign ändern. Alleine nur die Diskussion über das Theme hat uns Tage, wenn nicht Wochen beschäftigt. Damals habe ich mich intensiv mit Webdesign, -aufbau, Content etc. auseinandergesetzt. Es liefen damals auch einige spannende Kurse zu dem Thema.

    Was ich auf jeden Fall unterstreiche – nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch. Wir haben natürlich auf viele Ideen bezüglich Blog, da man davon aber nicht leben kann, geht natürlich der „Brotjob“ immer vor und somit „hinken“ wir mit der Umsetzung etwas nach, aber egal – Bloggen soll ja Spaß machen.

    Liebe Grüße
    Alex

    1. Liebe Alex,

      es stimmt, dass Blogs da einen ähnlichen Weg gehen wie „große“ Institutionen. Ich kann mich auch noch gut an die Umstellung unseres Theme erinnern – die Anpassung hat mehrere Tage gedauert. Sehr vieles war verschoben, z.B. Absätze waren zu groß, Bilder waren verrutscht usw. – alles in allem ein großer Aufwand, da wir damals auch schon ca. 60 Beiträge hatten und fast jeder nachbearbeitet werden musste.

      Wobei man es mit WordPress noch verhältnismäßig leicht hat – kein Vergleich zu Institutionen die noch kein CMS hatten oder die Art des CMS wechseln wollen. Aber du sprichst es richtig an: Da wir ja neben dem Beruf bloggen, reicht der Aufwand definitiv mehr als doppelt und dreifach für uns! 😉

      Viele Grüße
      Angelika

  5. Eine hilfreiche Auflistung ganz wichtiger Punkte, denn meist geht es ja doch nur darum, dass die Seite „hübsch“ aussieht und die Konkurrenz aussticht. Ich hätte im Sinne der Customer Experience gerne Punkt 1 und 2 getauscht, aber Du sprichst die Customer Journey eh an.

    Was mir mittlerweile gut gefällt ist die Erkenntnis, dass immer mehr Menschen über mobile Endgeräte auf das Web und damit die Homepage zugreifen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Seiten von Museen gerade zu verändern beginnen.

    Für mich stellt sich aber in dem Zusammenhang auch immer wieder die Frage, wie wir mit der Tatsache umgehen, dass die meisten User fast ausschließlich Apps nutzen, den Browser hingegen selten. Müssen wir daraus Konsequenzen ziehen und wenn ja, welche?

    1. Lieber Christian,

      vielen Dank für deinen Kommentar. In der Tat werden mobil zwar zunehmend Apps benutzt – wer würde z.B. Social Media auf dem Handy je via Browser aufrufen? – aber bei Museen verhält es sich anders.

      Apps nutzt man für Angebote, die man regelmäßig benötigt – wenn nicht sogar täglich. Ein Museum hingegen besucht man einmalig – oder in großem Zeitabstand. Will ich mir dafür wirklich die 250. App herunterladen? Ich persönlich tue das nicht – und ich kenne auch kaum jemanden, der Museumsapps nutzt. Wenn man starkes Interesse an einem Museum hat, kann man mit ihm via Social Media in Verbindung bleiben, eben mittels der Facebook- oder Twitter-App. Ohnehin ist man dann eher an aktuellen News intereressiert – und die werden über Social Media verbreitet.

      Eine Website muss Interessenten schnell zu nötigen Infos führen: Öffnungszeiten, Sonderausstellungen, Barrierefreiheit, Eintrittspreise etc. Dafür ist Responsive Design essentiell – denn Museumsbesucher schauen entweder unterwegs (im Urlaub) nach Infos – und selbst zu Hause sitzen sie gemütlich mit Tablet oder Handy auf dem Sofa um ihre Freizeit zu planen – selten am Schreibtisch vor dem „großen Rechner“. Dem Verhalten kommt eine responsive Site viel besser entgegen. Das hat auch die „Blaue Nacht“ in Nürnberg erkannt, die für ihr Event, das 1x im Jahr stattfindet, längst keine App mehr anbietet, sondern statt dessen eine Site, die sich „wie eine App verhält“.

      Sites lassen sich auch viel besser pflegen und an neue technische Gegebenheiten anpassen als Apps. Die sind teilweise schon technisch veraltet, wenn sie nach 1-2 Jahren Konzeption und Entwicklung auf den Markt kommen. Für den Preis einer App für iOS und Android (die Windows- und Ubuntu-User werden meist ignoriert) bekommt man zudem mittlerweile schon 2 Websites. Ich sehe also nicht nur die Diskriminierung bestimmter Betriebssysteme bei Apps kritisch, sondern auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dann lieber eine gut gemachte, schnelle Website mit News, die einen RSS-Feed erzeugen.

      Und ebenfalls wichtig zu berücksichtigen: Die Daten bei Google Maps zu pflegen, kann für Museen mindestens so wichtig sein, wie die Aktualisierung der Homepage. Da Interessenten meist die URL einer Museumswebsite nicht kennen, googeln sie dessen Namen – und finden bei Google alles was sie benötigen, ohne einen einzigen Klick auf die Museumswebsite machen zu müssen: Lage und Öffnungszeiten. Mehr wollen die meisten Besucher nicht wissen. Bevor Museen also an aufwendige Apps denken, sollten sie erst einmal Google optimieren – das bringt im Zweifelsfall tatsächlich mehr Besucher.

      Viele Grüße
      Angelika

  6. Danke für Deine Antwort, Angelika. Du hast natürlich nicht unrecht mit Deiner Erwiderung. Natürlich macht es keinen Sinn, die x-te Museumsapp auf den Markt zu bringen, ich lade mir, wenn ich am Wochenende eine größere Stadt besuche, nicht 25 Apps auf meine mobilen Geräte. Ich gebe Dir auch recht, dass wir damit wieder neue Silos schaffen, die darüber hinaus auch nicht ganz billig sind.

    Aber: Eine Seite im responsive Design ist in meinen Augen zwar sinnvoll, aber wenn die User immer häufiger Apps nutzen und den Browser kaum noch anrühren, dann hilft die beste Seite nichts, es schaut sie keiner an. Ja, die Frage, wie man trotzdem auf Google gefunden wird, ist natürlich eine wichtige. Google hat da in den letzten Jahren fundamentale Veränderungen durchgedrückt, wer weiß, ob nicht irgendwann Apps den gleichen Stellenwert bei der Suche haben wie Webseiten?

    Und ich glaube auch nicht, dass jedes Museum eine eigene App haben sollte. Aber auf übergeordneter Ebene macht das sehr wohl Sinn. Ob das nun die Kulturabteilung oder das Citymarketing ist, auf dieser Ebene scheinen mir Apps interessant zu sein. Ich muss als Museum nicht darauf warten, sondern kann ja selbst Partner ins Boot holen, in dem ich die Customer Journey abbilde. Da sind dann auch Partner aus der Wirtschaft dabei, die ihren finanziellen Beitrag leisten müssen/dürfen.

    Zugegeben, ich orientiere mich dabei nicht am Status Quo, sondern versuche mir zu überlegen, wie sich die Dinge weiter entwickeln könnten. Insofern kann und möchte ich Dich auch gar nicht widerlegen, mir geht es eher darum vorbereitet zu sein auf das, was die Zukunft uns bringt. Wobei es ja wir selbst sind, die diese Entwicklungen verursachen, wir als User…

    1. Lieber Christian,

      spannende Überlegung zu einer App-Kooperation verschiedener Partner. Kennst du etwas vergleichbares – in D oder im Ausland – wo sich Museen (oder andere Einrichtungen) bereits beteiligen?

      Viele Grüße
      Angelika

    1. Hallo Wera,

      interessant – und ich gestehe zu meiner großen Schmach, dass ich noch nie von der App gehört habe, obwohl ich ja nun sein fast 2 Jahren in HH wohne. Ohne die App jetzt laden zu wollen (ich habe da eine kleine Allergie): Sind dort nur allgemeingültige Infos zu den vertretenen Institutionen enthalten (wie man sie etwa bei Wikipedia findet) oder hat die App auch aktuelle Daten, wie etwa Events (z.B. zur Langen Nacht der Museen)?

      LG Angelika

  7. Liebe Angelika,

    die App beinhaltet eine Karte, Kategorien, anhand derer man Kultureinrichtungen suchen kann, Tourenvorschläge und Favoriten, die man selbst festlegen kann.
    Veranstaltungen werden darüber (leider) nicht angeteasert.

    Liebe Grüße
    Wera

    1. Liebe Wera,

      klingt aber dennoch nicht schlecht – vielleicht sollte ich die App doch mal testen… 😉

      LG Angelika

  8. Ich habe für wirklich-wichtige-museen.de zig Webseiten von diversen Museen in Deutschland durchstöbert und muss einfach das Fazit ziehen, dass viele Museen das Digitale noch nicht einmal ansatzweise verstanden haben und bei denen es selbst an elementaren Dingen fehlt. Es gibt im Jahr 2015 immer noch Museen, die keine Homepage haben. Es gibt Museen, deren Homepage besteht aus einer kleinen Unterseite auf der jeweiligen Kommunalhomepage. Es gibt Museen, die ihre Adresse effektiv verstecken. Bei manchen kann man die Öffnungszeiten nicht finden oder sie sind gut versteckt. Und während ihr hier über Responsive Design redet, besitzt das Zollstockmuseum Dobbrikow diese Webseite:
    http://www.zollstockmuseum-dobbrikow.de/

    1. Hallo Michael,

      ok, es ist amtlich: Du hast die schönste Museumswebsite Deutschlands entdeckt! Das Zollstockmuseum Dobbrikow ist seiner Zeit weit voraus – kein Retro-Schnickschnack sondern original Vintage! Ob das Museum weiß, dass es ein Trendsetter ist – ganz im Sinne der „Digital Folklore“ (http://digitalfolklore.org/)? (noch bis zum 27. September 2015 im Dortmunder U zu sehen) 😉

      Aber du hast Recht – bei vielen Museen fehlt es am Nötigsten, dabei täte es zur Not einfach ein ordentlicher Google Maps Eintrag mit Adresse, Öffnungszeiten und kurzen Angaben zu Inhalt und Eintritt. Das kostet nichts, ist sehr schnell gepflegt und man braucht quasi keine Kenntnisse.

      Viele Grüße
      Angelika

    2. Hallo Reinhard,

      „Diese Website ist schon mehrfach ausgezeichnet mit Awards!“ – völlig zu Recht wie ich finde! <3

      Viele Grüße
      Angelika

    3. Ich finde die Seite des Zollstockmuseums 1000x charmanter als ein 08/15-WordPress, oder ein Jimdo-Baukasten.
      Die Macher mögen aus Eurer Sicht „das Digitale nicht verstehen“ (müssen sie als Sammler ja auch nicht, es geht in erste LInie um den Wert der Sammlung und die Tatsache, dass sie zur Verfügung gestellt wird, nicht?), aber sie zimmern sich Ihre Homepage selbst! Ein Hoch auf die Amateure!
      Etwas ganz anderes ist es, wenn eine öffentliche Einrichtung eine nicht barrierefreie Website wie diese http://www.zhb.uni-luebeck.de/ ins Netz stellt.

    4. Hallo,
      charmant finde ich es in solchen Fällen auch. Bei kleinen Institutionen verhält es sich natürlich ganz anders und die Anforderungen kann man nicht vergleichen, die man hingegen an große Institutionen stellen kann. Die Seite der Unibibliothek Lübeck ist ein gutes Beispiel – wie kann das 2015 möglich sein? Aus Studierendensicht wirklich unmöglich.
      Trotzdem sollten sich auch kleine Institutionen die Frage stellen, was das Ziel ihrer Onlinepräsenz ist. Betreibt man sie „just for fun“ für sich selbst, oder sollen dadurch Besucher angesprochen werden. Falls letzteres der Fall ist, stellt sich die Frage, ob dieses Ziel mit der charmanten Selbstbauseite erreicht wird.

      Viele Grüße
      Angelika

  9. Ich will die Lacher nicht abwürgen, aber das Zollstockmuseum scheint mir eher ein privater Hobbyist zu sein, der seine Homepage selbst schraubt. Ich finde viel schlimmer, was auch im Kommentar stand, wenn sich öffentliche (öffentlich bezahlte/geförderte) Einrichtungen einer halbwegs passabel öffentlichen Darstellung entziehen. Davon lenkt das Zollstockmuseum vielleicht zu schnell ab…

    1. Hallo Daniel,

      das auf jeden Fall. Natürlich gelten für staatliche oder durch große Stiftungen geförderte Museen ganz andere Anforderungen. Daher auch mein Verweis darauf, auch als kleines privates Museum unbedingt einen eigenen Google-Eintrag zu pflegen. Die Website muss nicht das große Feuerwerk veranstalten und eigentlich muss es noch nicht einmal eine Website geben. Wichtig ist nur, dass Besucher das Museum finden und schnell zu ihren Infos kommen. Dafür würde ein Google-Eintrag ausreichen.

      Die Grundanforderung an eine Onlinepräsenz bei jedem Museum – ob riesige Einrichtung oder kleines Heimat- oder Privatmuseum in einem Nebenraum – ist, dass Besucher darauf aufmerksam werden und sich das Museum anschauen. An größere Institutionen müssen aber auch höhere Anforderungen gestellt werden, die über diese Grundanforderung hinaus gehen. In den Fällen kann man dann durchaus weniger Verständnis für eine technisch unzureichende Präsenz aufbringen.

      Viele Grüße
      Angelika

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