Das MediaKit als Werkzeug für (Kultur-) Blogger und Institutionen

Brauchen (Kultur-)Blogger ein MediaKit? Ja! Denn es zeigt: Ich bin offen für Kooperationen. Es bietet auf einen Blick alle wichtigen Daten, Zahlen und Fakten – und ist damit Bewerbungsanschreiben und Lebenslauf in einem.

Ebenso wie eine sorgfältig erstellte Bewerbungsmappe, mit der man den Traumjob ergattern möchte, dient ein MediaKit dazu, bei Kooperationspartnern einen guten Eindruck zu hinterlassen und davon zu überzeugen: Wir sollten unbedingt zusammenarbeiten! Ein MediaKit kann dabei nicht nur für Blogs, sondern auch für Institutionen sinnvoll sein.

 

Was leistet ein MediaKit für Kulturblogger?

Anders als bei Beauty-, Lifestyle-, DIY- oder Mama-Blogs würden einige bei Kulturblogs vielleicht nicht direkt auf die Idee kommen, dass diese für Blogger Relations in Frage kommen. Doch auch Kulturblogger können und wollen Kooperationen eingehen – und zwar meist im Kultur- und Bildungsbereich.

Anfragen, ob man als Speaker bei einer Konferenz sprechen kann, Workshops oder Seminare organisieren und durchführen würde oder im Rahmen eines Tweetups, eines Instawalks oder sogar als Teilnehmer einer Bloggerreise berichten möchte, wünschen sich sicher einige Kulturblogger. Doch woher soll eine Kulturinstitution oder eine Agentur dies wissen, wenn der Blogger das nirgends mitteilt? Anja Beckmann, die sich mit Blogger Relations im Bereich Reisen und Tourismus beschäftigt, betont in ihrer Checkliste für die Identifikation geeigneter Blogger etwa, dass es ein wichtiges Signal ist, wenn Blogger eine Bereitschaft zur Kooperation auf ihrem Blog kennzeichnen.

Fazit:

Ein MediaKit zeigt, dass man als Blogger für Kooperationen nicht nur offen, sondern auch der richtige Partner ist.

 

Was leistet ein MediaKit für Kulturinstitutionen?

Auch Museen, Kulturveranstalter und Bildungseinrichtungen kommen vielen Menschen wahrscheinlich nicht direkt in den Sinn, wenn es um Blogger Relations geht. Um ehrlich zu sein: Einige dieser Institutionen wissen nicht einmal selbst, dass Kooperationen mit Bloggern für sie nützlich sein könnten. Glücklicherweise ändert sich dies langsam und immer mehr Kulturinstitutionen streben den Kontakt zu und die Zusammenarbeit mit Bloggern an.

Welche Institution freut sich nicht, wenn über sie berichtet wird? Wenn es sich dann auch noch um ein Medium handelt, das eine ganz bestimmte – und für Kulturinstitutionen hoch relevante – Zielgruppe erreicht, umso besser. Doch wenn im Pressebereich einer Museums- oder Theater-Homepage dann nur explizit Journalisten angesprochen werden und direkt das Wort Presseausweis fällt, fühlen sich Blogger hier oft abgeschreckt und nicht willkommen.

Die Schhirn Kunsthalle Frankfurt wurde beispielsweise bereits 2012 mit ihrem „MEET UP. TWEET UP. KOONS UP” bekannt für ihre Offenheit Bloggern gegenüber – auf der Homepage selbst merkt man auf der Presseseite jedoch bis heute nichts davon. Auch hier wird – wie so oft – auf den Presseausweis verwiesen. Den aber haben die meisten Kulturblogger nicht, denn er wird nur an hauptberuflich tätige Blogger ausgegeben. So abgeschreckt nehmen viele Kulturblogger mitunter keinen Kontakt zu einer Institution auf – und bloggen schlimmstenfalls auch nicht über diese, weil ihnen etwa notwendiges Bildmaterial fehlt.

Fazit:

Mit einem Media-Kit kann man auch als Institution zeigen, dass man für eine Kooperation offen ist und was man interessierten Bloggern bieten kann.

 

Wie kann man ein MediaKit gestalten?

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein MediaKit zur Verfügung zu stellen:

1) als Unterseite in der eigenen Onlinepräsenz, auf der alle Informationen übersichtlich dargestellt sind,

und/ oder

2) als PDF, das man zum Download zur Verfügung stellt, das man aber auch direkt an Kooperationspartner (nach vorheriger Absprache) per Mail versenden kann.

Entscheidet man sich für das Erstellen eines MediaKit als PDF, sollte dies auf das eigene Design abgestimmt sein: Bei Bloggern sollte sich die Gestaltung am Blog-Theme orientieren, bei Institutionen sollte das MediaKit dem Corporate Design entsprechen.

Berücksichtigt werden sollten dabei:

  • Farbgestaltung: auf den ersten Blick muss erkennbar sein, dass MediaKit und Onlinepräsenz zusammengehören
  • Schriftart: Institutionen haben i.d.R. einen Font im Corporate Design Manual definiert, Blogger nutzen eine ihrem Theme ähnliche Schrift
  • Bilder: das in der Onlinepräsenz genutzte Bildmaterial sollte sich auch im MediaKit wiederfinden, es zählt der Wiedererkennungseffekt

 

Was muss ein MediaKit für Kulturblogger beinhalten?

  • Kurzbeschreibung zur Philosophie und zu den Themen des Blogs
  • Fakten rund um den Blog, z.B. wann ging er online, wie oft wird publiziert, ggf. wie viele Kommentare erhalten Beiträge im Durchschnitt
  • Angaben zur Person, welche die einschlägige Qualifikation als Kulturblogger unterstreichen (z.B. Studiengänge, branchenspezifische berufliche Tätigkeiten)
  • Statistiken zum Blog (Besuche, Unique Visitors, durchschnittliche Aufenthaltsdauer, Besuche pro Besucher) mit dem Stand der Daten (z.B. Monat/Jahr) und einer Angabe zum Messzeitraum (pro Quartal, pro Monat oder pro Woche)

Wichtig: Die Statistiken sollten auf einem aktuellen Stand gehalten werden, d.h. je nach Messzeitraum müssen sie vierteljährlich, monatlich oder wöchentlich aktualisiert werden!

  • Überblick zu den Kooperationsmöglichkeiten, die man bietet
  • Konditionen, unter denen Kooperationen eingegangen werden
  • Referenzen zu bisherigen Kooperationen (z.B. Verlinkung bisheriger Projekte bzw. Nennung von Kooperationspartnern im PDF)
  • Auflistung der Social Media Kanäle, auf denen man vertreten ist, z.B. Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, XING usw. (Verlinkung der Accounts bzw. Nennung der Statistiken im PDF)
  • Kontaktdaten (mindestens Name und Mailadresse)

 

Was muss ein MediaKit für Kulturinstitutionen beinhalten?

  • Kurzbeschreibung der Institution
  • Überblick zu den Kooperationsmöglichkeiten
  • Konditionen unter denen Kooperationen eingegangen werden
  • Auflistung von Kooperationen mit Verlinkung von Blogbeiträgen, die bisher von Bloggern über die Institution veröffentlicht wurden (vollständig oder als Auswahl)
  • Auflistung der Social Media Kanäle, auf denen man vertreten ist und Verlinkung der Accounts
  • Kontaktdaten mit konkretem Ansprechpartner für Blogger (neben Name und Mailadresse am besten auch die Telefondurchwahl für Rückfragen)

 

Beispiele für MediaKits

Blogger

Professionelle Kulturschaffende nutzen MediaKits schon lange, auch wenn sie es vielleicht nicht direkt so bezeichnen. Anke von Heyl, die als Kulturtussi bloggt, stellt etwa auf ihrer Homepage Kultur Event Büro alle Informationen zur Verfügung, die auch ein professionelles MediaKit enthalten muss (allerdings sehr viel umfangreicher).

Es geht natürlich auch eine Nummer kleiner, insbesondere wenn man nicht hauptberuflich in dem Bereich tätig ist. Wer neben dem Studium oder Beruf als Kulturblogger tätig ist und durch Kooperationen ein Netzwerk aufbauen und praktische Erfahrungen sowie Referenzen sammeln möchte, für den genügt die klassische Version eines MediaKit als Seite im Blog und/ oder als PDF zum Download. Beide Optionen nutzt In Arcadia Ego: ein kurzer und pregnanter Hinweis auf die Kooperationsbereitschaft im Onlineauftritt und ein Media-Kit, das auf Wunsch zugeschickt wird.

Institutionen

Was Kulturinstitutionen angeht, ist das Internationale Maritime Museum Hamburg ein gutes Beispiel dafür,  wie ein MediaKit gestaltet sein kann. Das Museum spricht auf seiner Homepage ganz deutlich an, dass es offen für Kooperationen mit Bloggern ist, nennt Kooperationskonditionen und verlinkt auf entstandene Blogbeiträge. Zudem ist ein Ansprechpartner für Blogger Relations genannt.

Andere Kulturinstitutionen zeigen zumindest erste Ansätze, so erwähnt das Städel Museum in seinem Newsroom immerhin auch „Blogger und Online-Multiplikatoren“ als Zielgruppe. Vielleicht ist der nächste Schritt tatsächlich die Bereitstellung eines MediaKits für Blogger?

 

Gestaltungshilfen für MediaKits

Ein MediaKit ist schnell erstellt, hat man erst einmal alle notwendigen Informationen zusammengetragen. Für die Darstellung der Zahlen, Daten und Fakten im Blog oder auf der Institutions-Homepage nutzt man am besten eine klare Gliederung.

Möchte man ein MediaKit als PDF zum Download anbieten, kann man die Vorlage am besten in einem Grafik-Programm erstellen. Beachten sollte man, dass verwendete Fotos möglichst eine geringe Dateigröße aufweisen, damit das PDF am Ende nicht zu groß wird (2-3 MB sind optimal).

 

Hilfreich sind auch folgende Linktipps:

_________________

Kennt ihr weitere Kulturinstitutionen, die sich auf ihren Websites direkt an Blogger richten? Oder habt ihr in eurem Blog schon ein MediaKit? Hinterlasst gerne einen Kommentar!

 

Header-Bild: Angelika Schoder – Hamburg, 2016

17 Antworten auf „Das MediaKit als Werkzeug für (Kultur-) Blogger und Institutionen“

  1. Spitzen Beitrag, liebe Angelika,

    es ist ja so, dass wir Kulturblogger uns erst so langsam aus der Deckung trauen. Je mehr Institutionen sich auf Relation verlegen, umso mehr wird man damit dann auch auf Pressekonferenzen oder sonstigen Events auftauchen. Ich berichte ja schon sehr lange über Ausstellungsevents. Und bislang hatte ich immer das Gefühl, dass das nicht gelesen wird von denen, über die ich berichte. Da ändert sich jetzt langsam etwas. Und ich merke auch, wie ich immer mehr Einladungen zugeschickt bekomme. Ich rutsche jetzt in die Verteiler. Wobei ich mich dann immer fürchterlich ärgere, wenn ich z.B. keine Links oder sonstige teilbare Infos kriege. Denn nicht immer reicht die Zeit (und ehrlicherweise auch das Interesse) für einen Blogpost. Aber man würde vielleicht gerne einen Tweet absetzen oder auf Facebook auf eine Veranstaltung hinweisen. Ich nutze diese Kanäle ja auch sehr für die Öffentlichkeitsarbeit.
    Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen 😉

    Aber gute Idee, auch auf der Kulturtussi noch mal einen Hinweis einzubauen, dass man mit mir kooperieren kann … Ich hab mich ja erst Anfang des Jahres dazu entschlossen, meine Job-Visitenkarte (Kultur Event Büro) und das Blog (Kulturtussi) auseinanderzuklambüsern. Ich fand es irgendwie schlüssiger, das Blog als Marke weiter allein stehen zu lassen.

    Man kann sich bei den Reisebloggern sicher auch das ein oder andere abgucken. Oder Lifestyle- und Foodblogs. Die sind da auch eine viel eingeschworenere Gemeinde. Aber ich finde, wir machen das auch schon richtig klasse mit dem Netzwerken. Und wir werden immer mehr! Das finde ich großartig.

    Ich finde auch, dass sich die Kommentierunlust auf den Kulturblogs erfreulicherweise gelegt hat. (Wissenschaftsblogs waren da eh immer anders unterwegs, aber die reinen Kultublogs … da schnarchte das ein bissl).

    Sommerliche Grüße aus dem Rheinland von Anke

    1. Liebe Anke,

      ich finde es eigentlich sehr gut, dass und wie du das Kultur Event Büro und den Kulturtussi-Blog aufgeteilt hast – deswegen auch für mich als #BestCase im Blogbeitrag! Vielleicht hast du ja jetzt Lust bekommen, auch noch ein PDF-Format als Media-Kit zum Download in den Blog mit aufzunehmen?

      Es stimmt, dass sich Kulturblogger jetzt erst „langsam aus der Deckung trauen“, wie du es so schön schreibst. Viele haben glaube ich noch nicht so den Mut, offen anzusprechen, dass sie gerne Kooperationen eingehen würden – z.B. zur Vernetzung oder um praktische Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht spielt auch die Vorstellung eine Rolle, man müsste sehr viel Reichweite besitzen, um für Kooperationen überhaupt interessant zu sein. Dabei betonen selbst Blogger-Relations-Experten, dass Qualität eine sehr wichtige Rolle spielt – und ob man eine spezifische Zielgruppe adressiert. Und das ist bei Kulturbloggern oft der Fall! Insofern sind sie als Kooperationspartner interessanter für Kultureinrichtungen, als viele vielleicht vermuten.

      Auch für Kulturinstitutionen finde ich es wichtig, dass – z.B. durch ein Media-Kit – häufiger signalisiert wird, dass man auch Blogger ebenso ernst nimmt wie Journalisten. Dazu gehört es, dass man eben nicht nur auf den Presseausweis verweist, sondern auch Bloggern eine Möglichkeit bietet sich zu akkreditieren, um freien Eintritt und eine Fotoerlaubnis zu erhalten. Oder dass man signalisiert, dass auch Bloggern der Zugang zu Experteninterviews gewährt wird – wie man sie auch einem Journalisten gewähren würde, der um ein Interview bittet. Da gibt es sicher noch Potential…

      Viele Grüße
      Angelika

  2. Liebe Angelika !

    Toller Beitrag und danke für die Erwähnung in diesem. Wir haben uns bezüglich Media-Kit auch an den Lifestyle- und Reisebloggern orientiert.

    Wir haben das auch erst vor kurzem (ca. einem Monat oder so) online gestellt, da wir damit auch zeigen wollten, dass wir für Kooperationen offen sind. Euer Mediakit ist sehr gelungen, gefällt uns sehr. Ein wichtiger Schritt für uns Kulturblogger, so signalisieren wir, dass wir uns über Zusammenarbeiten unterschiedlichster Arten freuen.

    Liebe Grüße aus dem sonnigen Wien und Bratislava !
    Alex & Eva

    1. Liebe Alex, liebe Eva,

      danke für das Lob!
      Spannend, dass ihr euer Kit relativ neu etabliert habt. Konntet ihr in der kurzen Zeit schon Erfahrungen damit sammeln? Habt ihr schon Feedback dazu bekommen?

      Viele Grüße
      Angelika

  3. Liebe Angelika,

    ich nehme gerne deine Anregung auf und bastel mir ein PDF. Finde das vollkommen richtig von dir, anzuregen, dass man auch als Blogger proaktiv in Richtung Blogger-Relation arbeitet. Und nicht auf Zufallstreffer wartet 🙂

    Das mit der Reichweite ist natürlich auch immer ein Argument. Und da ja die sagenhaften Blogger-Stars der DIY- oder Food-Szene auch durch die Presse geistern, Bücher machen können und auch ziemlich hofiert werden, hat sich so eine Erwartungshaltung Bloggern gegenüber eingeschlichen. Ich hab erst letztens irgendwo gelesen, dass jemand einen Blogging-Workshop gibt, in dem man erklärt bekommt, wie man Geld mit dem Bloggen verdienen kann. Ich werde bei meinen Workshops auch immer gefragt, wie man das hinbekommt. Tja, im Kulturbereich habe ich da leider noch keinen gefunden, der das hinkriegt. Kennt ihr wen? Wobei – die Auftrags-Bloggerei ist auch ein gutes Geschäftsmodell. Das kommt dann auf Umwegen über die Expertise, die man sich aufgebaut hat. Ich konnte ja schon einige Projekte via Blog begleiten. Das könnte sich gerne auch zukünftig durchsetzen.

    Was ich allerdings schon feststelle: es gibt zunehmend Blogs, die eher wie Magazine funktionieren und da blitzt dann hie und da auch Werbung auf. Aber was ist der Unterschied zwischen Blog und Magzin? Aus meiner Sicht ist es auch die Persönlichkeit, die hinter den Blogs sichtbar wird. Das mag vielleicht manchmal auch eher „privat“ als „professionell“ wirken. Aber deswegen ist es für mich auch spannender, Blogs zu lesen als mich durch Magazine inspirieren zu lassen. Klar, da schaut man auch rein. Dort herrscht dann ein eher „offizieller“ Ton und man kommt nicht so ganz nah dran.

    Tja, wie sehr betrachtet man das Bloggen als „Profession“. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit ich in die einzelnen Beiträge Woche für Woche stecke, dann ist das schon ein Teil meiner Arbeit. Man macht das nicht nebenher. Aber es zahlt natürlich auf die Marke ein. Was ich wichtig finde: man muss eine gewisse Konstanz aufweisen. Ich kann schon feststellen, dass sich bei regelmäßigen Beiträgen die Reichweite exponentiell steigert.

    Da fällt mir doch gleich ein: muss noch einen Blogbeitrag für die Herbergsmütter fertig machen 🙂

    Herzliche Grüße
    Anke

    1. Liebe Anke,

      vielen Dank für deinen Input – da bekomme ich ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich dir hier Zeit für die Herbergsmütter stehle… 😉

      Was das Geld verdienen angeht: Die Seminare und Workshops, die zu dem Thema angeboten werden, sprießen zur Zeit wie Pilze aus dem Boden. Es mag Branchen geben (Tech, Automotive, Lifestyle, Fashion etc.) wo die Chancen sicher gut stehen – auch wenn mich interessieren würde, wie vielen Bloggern es möglich ist, davon tatsächlich ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Honorare für einen Blogbeitrag fangen bei 50 Euro an und gehen bis weit ins 4-Stellige. Damit sind die Ausgaben für Firmen noch immer deutlich geringer, als wenn sie eine klassische Printanzeige schalten würden.

      Was das Budget angeht, konkurrieren hier Blogger in gewisser Weise mit anderen Werbeformaten – insofern stellt sich die Frage, inwieweit Kulturinstitutionen bereit sind, ihren Werbe-Etat, der in der Regel immer weiter gekürzt wird, zugunsten von Bloggern zu verschieben bzw. Blogger Relations in ihr Budget mit aufzunehmen. Solange Blogger Relations im Kommunikations-Etat und nicht im Werbe-Etat vorgesehen sind, sieht es für das Geldverdienen für Kulturblogger erstmal nicht sehr optimistisch aus.

      Als kurz- oder mittelfristiges Ziel würde ich es schon toll finden, wenn man als Kulturblogger nicht draufzahlen muss – sprich, wenn man keinen Eintritt zahlen muss und bei weiteren Entfernungen keine Reisekosten selbst tragen muss. Es wäre traumhaft, wenn man am Ende des Monats bei 0 wäre und nicht ein Minus hätte. Von realistischen Chancen auf einen Zusatzverdienst mit dem eigenen Blog, sind wir im Kulturbereich sicher noch weit entfernt…

      PS: Ich bin schon neugierig, wie du dein Media-Kit im PDF-Format gestaltest!

      Viele Grüße
      Angelika

  4. Liebe Angelika ! Liebe Anke !

    Genau vor diesen „Problem- und Fragestellungen“ stehen wir derzeit auch. Man steckt viel Zeit und Energie in einen Artikel, der – wie Anke so treffend erwähnt – in die Marke einzahlt.

    Da stellt sich immer mehr die Frage, lässt sich so ein Kulturblog monetarisieren oder kann man davon leben – wie so mancher Fashionblogger.

    Wir taten uns schon mit der Entscheidung schwer, AffilateLinks bei den Büchern einzubauen, jetzt noch Werbung reinzunehmen. Keine Ahnung. Die Blog-Magazine, die ich kenne, die bestehen auch noch oft aus einem größeren Team. Ohne jetzt herablassend zu klingen, es sind aber die Beiträge manchmal nicht so umfassend, recherchiert und ausgeklügelt, wie wir es von den klassischen Blogs her kennen.

    Wir sind zu zweit und betreiben unseren Blog rein als Hobby und aus Vergnügen am Schreiben.

    Hier ist natürlich die Auftragsschreiberei interessant, nur hält sich das Auftragsfeld mehr als in Grenzen.

    Eva und ich diskutieren schon seit längerem, wir hätten da einige Ideen, ob wir das überhaupt auf unserem Kultur-Blog laufen lassen sollen oder dies davon trennen und auf einem anderen Blog Dienstleistungen in diese Richtung anbieten sollen.

    Zu den Blogger-Relations – da hallt in mir immer der Artikel „Wilde Maus“ zu der Blogger-Reise nach, wo die Autorin die „mangelnde“ Reichweite der Teilnehmer kritisieren und vorschlug so manch anderen Lifestyle-Blogger dafür zu nehmen, die über eine größere Reichweite verfügen.

    Darüber haben Eva und ich auch sehr lange gesprochen – was bedeutet jetzt eigentlich Reichweite ? Die nackten Zahlen der Fans auf diversen Social-Media-Plattformen? Der Bekanntheitsgrad der bloggenden Person ?

    Ich selbst schau mir oft die Kulturbeiträge der Lifestyle-Blogger an, aber die Texte, die sind mir oft zu wenig. Sie gehen mir nicht zu sehr in die Tiefe. Das ist jetzt aber wieder eine Frage nach der Definition der Zielgruppe. Wenn will man ansprechen. Ich mag es sehr, eure Beiträge und Blogs und jene der anderen Kulturblogger, wie Tanja Praske etc. zu lesen und dort aktiv mitzudiskutieren. Es wird hier echt hochwertiger Content geliefert. Allerdings wiederum für eine sehr schmale Zielgruppe.

    Ich springe etwas in den Gedanken – hier muss ich dann gleich an die Diskussion der Banalität und Kunst denken. Ihr wisst was ich meine.

    Das Ganze ist sehr spannend, danke dir Angelika nochmals, dass du etwas zum Nachdenken anregst.

    Liebe Grüße
    Alexandra

    1. Liebe Alexandra,

      beim stARTcamp München jetzt am 25.4. wollen wir in einer Session zum Thema Bloggerreisen / Blogger Relations die Frage nach Reichweite vs. Qualität aufgreifen. Auch der Zusammenhang zur Diskussion um die Banalisierung soll hier hergestellt werden. Ich bin sehr gespannt auf die Perspektive der Vertreter von Kulturinstitutionen, die hier teilnehmen weden – immerhin können sie ein Feedback geben, was ihnen bei der Auswahl eines Kooperationspartners wichtig ist.

      Was die „Wilde Maus“ angeht: Ich bezweifle, dass sie das Thema aus Auftraggebersicht kennt – bei ihren Aussagen zu ihren Rückschlüssen auf die Followerzahlen bei Twitter musste ich mich jedenfalls sehr wundern. Ich kenne extrem erfolgreiche Blogger, die in Social Media fast nicht vertreten sind – da läuft die Reichweite wirklich nur über den Blog oder über Foren und Gruppen. Passende Influencer für Kooperationen auszuwählen ist relativ aufwendig – wenn man nur auf die Social Media Followerzahlen schauen müsste, bräuchte man keine Agenturen, die hier intensiv recherchieren und beraten.

      In einem Blogbeitrag bei Medium.com habe ich mich schon mal mit dem Thema gedanklich beschäftigt – hier aber eher auch aus Auftraggeber-Perspektive, denn ich kenne und vertrete beide Perspektiven. -> Zum Beitrag bei Medium.com

      Viele Grüße
      Angelika

  5. Liebe Angelika,

    danke für deinen Beitrag – ich fand es spannend, die Sache mal aus der Sicht eines Kulturbloggers zu hören. Ich kenne das Thema bisher nur von Seiten der Kulturinstitutionen, mit denen ich gearbeitet habe. Dort sind Blogger grundsätzlich herzlich willkommen – auch wenn durchaus Skepsis und gewisse Berührungsängste bestehen.

    Thema Eintritt: Hier scheitert es meist an ganz einfachen Dingen. Mit einem Presseausweis besteht Klarheit auf beiden Seiten – der freie Eintritt ist berechtigt. Wenn nun Blogger ohne Presseausweis generell freien Eintritt haben, kommen Bedenken auf, dass andere Besucher dies ausnutzen. Theoretisch kann dann jeder kommen und behaupten, er habe einen erfolgreichen Blog. Die Dame an der Kasse kann das nicht nachkontrollieren.

    Einige Blogger melden sich kurz vor Besuch per E-Mail an. Ich freue mich dann immer, sage zu, schicke Infos und gebe den Namen an meine Kollegen am Eingang weiter. In der Praxis passiert es aber leider schon mal, dass durch Personalwechsel und Übergaben an der Kasse v.a. am Wochenende so etwas untergeht. Das führt zu Unmut – denn dann muss Eintritt gezahlt werden.

    Wenn genügend Zeit ist oder ich einen Blogger von mir aus kontaktiere, schicke ich Freikarten per Post. Nicht gerade 2.0, aber zuverlässig. Viele Blogger haben aber keine Adresse auf ihrer Webseite oder in ihrem E-Mail-Footer. Und bis dann noch zwei E-Mails gewechselt wurden, ist die Zeit für den Postversand manchmal schon wieder zu knapp.

    Daher, liebe Blogger, habt Verständnis, wenn das Verhältnis Kulturinstitution-Blogger manchmal noch etwas holprig ist. Blogger Relations sind für viele Museen ganz neu, da verhält man sich gern mal unbeholfen, ist unerfahren. Nicht alle Mitarbeiter im Museum wissen, was ein Blog eigentlich genau ist.

    Ich persönlich finde es trotzdem toll, wenn sich die Kulturblogger – wie Anke von Heyl es sagt – aus der Deckung trauen und Kontakt aufnehmen. Nur zu!

    Viele Grüße,
    Linda

    1. Liebe Linda,

      ich freue mich ungemein, dass du hier die Perspektive eines Museums mit einbringst!

      Meist ist es so, dass auch Journalisten sich im Vorfeld akkreditieren müssen. Ich finde es nur schade, dass viele Institutionen auf ihren Websites durch den Verweis auf den Presseausweis suggerieren, dass nur Journalisten akkreditiert werden können. Zumal es ja oft nicht stimmt – auch als Blogger kann man einen Pressezugang erhalten, wenn man im Gegenzug Berichterstattung vornimmt. Mit Presseausweis geht die Akkreditierung für Journalisten etwas schneller, bei Bloggern muss man als Institution hingegen noch etwas recherchieren – wobei ein Media-Kit den Background-Check erleichtert.

      Es ist wirklich toll, dass ihr Blogger so viel Anerkennung zukommen lasst! Auch wenn manches holprig sein kann (z.B. wenn beim Personalwechsel eine Info untergeht), ihr seid offen für Berichterstattung von Bloggern und kümmert euch.
      Kannst du kurz beschreiben, ob und wie ihr das auf eurer Website kommuniziert? Verlinkt ihr entstandene Blogbeiträge über euer Museum? Gab es im Vorfeld eine Diskussion zu der Entscheidung mit der Museumsleitung?

      Viele Grüße
      Angelika

  6. Liebe Angelika,

    wir haben auf unserer Homepage bisher keinen Vermerk darüber, dass wir offen für Blogger sind – ist aber eine gute Idee. Wir weisen aber auch nicht darauf hin, dass man mit Presseausweis kostenlosen Eintritt hat. Das ist für uns selbstverständlich.

    Blogbeiträge teilen wir via Social Media – sobald wir Wind davon bekommen. Wir freuen uns über Beiträge, wollen sie dadurch honorieren und unseren Fans zeigen. Die meisten Blogbeiträge finde ich zufällig oder durch Google Alerts, sehr wenige Blogger informieren uns über ihren Bericht – das ist schade.

    Unser „Umgang“ mit Bloggern hat sich langsam entwickelt, dazu gab es keine offizielle Entscheidung oder Dienstanweisung. Inzwischen haben ja auch die meisten Museen zumindest einmal darüber nachgedacht, ob sie nicht selbst bloggen sollten. Und das Bewusstsein über die Bedeutung von Blogs – und Social Media – sowie über den Nutzen, den wir davon haben, wächst stetig.

    Viele Grüße
    Linda

    1. Liebe Linda,

      das klingt gut – vielleicht könnt ihr ja einen Hinweis auf eure Homepage nehmen, der Blogger dazu ermutigt sich bei einem direkten Ansprechpartner zu akkreditieren. Wenn ihr dort bisher erschienene Blogbeiträge veröffentlicht, ist es auch nochmal ein Signal an die Blogger, euch über veröffentlichte Beiträge zu informieren.
      In jedem Fall ist es super, dass ihr Monitoring betreibt und recherchiert, was über euch geschrieben wird.

      Es ist spannend zu hören, dass sich die Kooperation mit Bloggern organisch entwickelt hat und es keine offizielle Entscheidung oder eine große Strategie im Vorfeld gab. Ich glaube es ist gut, wenn sich so etwas langsam entfalten kann – das nimmt auch auf der Seite der Institution den Druck, dass bestimmte Ziele erreicht werden müssen und man kann sich erstmal rantasten.

      Habt ihr auch schon darüber nachgedacht einen Museumsblog einzurichten?

      Viele Grüße
      Angelika

  7. Liebe Angelika,

    vielen Dank für deine ausgezeichnete Zusammenfassung zum Media-Kit. Mit der Überarbeitung meines Blogs, habe ich auch meine Media-Kit-Seite überarbeitet. (Link: http://www.stadtsatz.de/media-pr/ )
    Dein Beitrag, den ich schon im April las, war mir dabei eine sehr gute Unterstützung! Einige Punkte möchte ich aber noch aufnehmen und z.B. mein Media-Kit bald wieder als PDF zur Verfügung stellen. (Vor der Überarbeitung war es das bereits…)

    Mich würde interessieren, wie andere Blogger die Veröffentlichung ihren Kontaktdaten handhaben? Bisher hatte ich meine E-Mail Adresse und eine Telefonnummer sowohl auf der Media-Seite, als auch im PDF. Leider wurde ich mehrfach ungefragt, in für mich nicht-relevante Presse-Verteiler aufgenommen und mit Spam zugeschüttet. Die Kommunikation, die man sich als Blogger und als Unternehmen / Presse-Vertreter wünscht, fand leider nicht statt.
    Haben andere Kulturblogger ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder habe ich „branchenspezifisches Pech“? 🙂

    Viele Grüße,
    Anett

    1. Liebe Anett,

      sieht sehr schön gestaltet aus auf deiner Seite – die Arbeit hat sich absolut gelohnt!

      Tja, die Spam-Frage… Da es in D ja die Impressumspflicht gibt, sind i.d.R. die Kontaktdaten ja ohnehin online einsehbar – und haben auch bei unserem Blog schon Spam angelockt, ohne dass wir ein Media-Kit hatten. Vielleicht ist das bei MusErMeKu aber auch noch zu frisch – das Kit gibt es ja erst seit knapp 2 Monaten bei uns. Mal sehen, ob die Spam-Dichte zunehmen wird – bisher ist es nicht viel mehr geworden. Seriöse Newsletter sind hier auch nicht so das Problem – hier ist eine opt-out Möglichkeit ja gesetzlich vorgeschrieben, die kann man also leicht wieder loswerden. Bei uns finde ich eher den ganzen amerikanischen Wissenschafts-Spam nervig – der hat natürlich nie ein Impressum… :-/

      Viele Grüße
      Angelika

  8. Liebe Anett !
    Wir überarbeiten gerade (wirklich in diesen Minuten unser Media-Kit). Wir haben es nicht online stehen, sondern übersenden es nur auf Anfrage bzw. schicken wir es mit, wenn wir Anfragen stellen.
    Bis jetzt hielt sich der „Spam“ in Grenzen, ungefragt hat uns aber noch keiner in einen Verteiler aufgenommen. Ich sage nur Doubt-In-Verfahren und Abmahnung – vielleicht trauen sie sich aber nicht, da ich Juristin bin 😉 … bis auf einen, der hat uns in seinen Newsletter aufgenommen, den wir selbst nicht abonniert haben (das stört mich aber in dem Fall überhaupt nicht und außerdem könnte ich das Abo ja kündigen).

    Bei der Erstellung des Media-Kits und der PR-Seite haben wir uns vor allem an den Erfahrungen der Mode-Blogger orientiert und uns eben dann für die Variante – MediaKit – erst auf Verlangen – entschieden.

    Zur Kommunikation: da haben wir unterschiedliche Erfahrungen, auch gemischter Natur. Da können wir uns aber gerne mailen !

    Liebe Grüße
    Alexandra

  9. Hallo ihr beiden und vielen Dank für euer Feedback!
    Können wir nicht einfach Alex auf unseren Seiten als gesetzliche Vertreterin nennen? Dann hat der Spam vielleicht ein Ende… 😀

    Ich hatte jeweils im Impressum und im Media-Kit unterschiedliche E-Mail Adressen verwendet, so dass deutlich sichtbar war, dass man meine Media-Kit-eMail verwendete. Aber vermutlich kann man „Spam“, durch die Angaben im Impressum, tatsächlich nicht ganz verhindern… :-/

    Ich wünsche euch einen schönen Montag,
    Anett

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