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Das Vagina Museum in London

In London wurde das weltweit erste Vagina Museum eröffnet. Mit zeitgenössischer Kunst und Sonderausstellungen wird wichtige Aufklärungsarbeit geleistet.

Im Oktober 2019 eröffnete das Vagina Museum in London – das erste seiner Art weltweit. Ziel des Museums ist die Aufklärung über gynäkologische Anatomie und Gesundheit durch Sonderausstellungen zu diversen Themen. Gezeigt werden hier Arbeiten zeitgenössischer Kunstakteure, es werden aber auch historische und aktuelle gesellschaftliche Hintergründe rund um die Themen Geschlecht und Sexualität vermittelt. Das Museum, das zunächst in Camden ansässig war und 2022 nach Bethnal Green verlegt wurde, ist zudem als Forum für Feminismus, Frauenrechte, die LGBT+ und die Intersex-Community gedacht.


Dekoration zum Valentinstag 2020 vor dem Vagina Museum an seinem ersten Standort in Camden
Dekoration zum Valentinstag 2020 vor dem Vagina Museum an seinem ersten Standort in Camden

Die Gründung des Vagina Museum

In Island gibt es ein Penis-Museum, das Icelandic Phallological Museum. Ein Vagina-Museum gab es allerdings lange Zeit nicht. Und so entstand 2017 die Idee, ein solches Museum zu gründen. Zunächst handelte es sich nicht um ein Museum im klassischen Sinn, sondern um eine Art Wanderausstellung sowie um eine Reihe an Veranstaltungen. Zu Gast war das Vagina Museum u.a. im Science Museum London, im Royal College of Nursing und beim Edinburgh Fringe Festival. Der Erfolg dieser temporären Projekte führte zu einem Crowdfunding im März 2019, um das weltweit erste Museum auf den Weg zu bringen, das sich Vaginas, Vulvas und der gynäkologischen Anatomie widmet.

Das erfolgreiche Crowdfunding ermöglichte es der Museumsgründerin Florence Schechter im Oktober 2019 das Vagina Museum an seinem ersten festen Standort im Stables Market im Londoner Stadtteil Camden zu eröffnen. Von hier aus sollte sich das Museum weiter entwickeln, durch die Einbeziehung der Öffentlichkeit, den Aufbau einer Community und durch die Veranstaltung von Events und wechselnder Ausstellungen. Ziel ist es, mindestens zwei Sonderausstellungen pro Jahr zu zeigen und wöchentliche Events zu organisieren.


„We have a vision of a world where no one is ashamed of their bodies, everyone has bodily autonomy and all of humanity works together to build a society that is free and equal.“

Mission Statement des Vagina Museum

Die Mission des Museums

  • Wissensverbreitung und Sensibilisierung für die gynäkologische Anatomie und Gesundheit.
  • Selbstbewusstsein anzuregen, über Fragen zur gynäkologischen Anatomie zu sprechen.
  • Das Stigma um den biologisch-weiblichen Körper und die gynäkologische Anatomie zu beseitigen.
  • Als Forum für Feminismus, Frauenrechte, die LGBT+ und die Intersex-Community zu fungieren.
  • Heteronormatives und cis-normatives Verhalten zu hinterfragen.
  • Die Förderung intersektioneller, feministischer und trans-inklusiver Werte.

Installation von Sam Dawood @sam.daw.ood in der Ausstellung "Muff Busters: Vagina Myths and How To Fight Them"
Installation von Sam Dawood @sam.daw.ood in der Ausstellung „Muff Busters: Vagina Myths and How To Fight Them“ 2020 in Camden

Aufklärung über Mythen und die Periode

Die erste Sonderausstellung des Museums „Muff Busters: Vagina Myths and How To Fight Them“ beschäftigte sich mit den gängigen Mythen und Vorurteilen gegenüber Vaginas, Vulvas und der biologisch-weiblichen Anatomie. Immerhin haben rund 50 % der Weltbevölkerung eine Vagina und die meisten Menschen erblickten das Licht der Welt durch diese. Dennoch gilt ein offenes Gespräch darüber als gesellschaftliches Tabu. So entstehen Legenden und Mythen über alles „da unten“. Dies hat direkte oder indirekte negative Auswirkungen für viele Menschen, denn es führt zu einer falschen Vorstellung davon, was „normal“ ist. Die Sonderausstellung „Muff Busters“ setzte sich hier mit den bekanntesten Vorurteilen und Fehlinformationen auseinander, die in der Popkultur verhaftet sind und im Internet herumgeistern.

Die nächste geplante Sonderausstellung trägt den Titel „Periods. A Brief History“. Viele Vorurteile und Fehlannahmen ranken sich seit Jahrhunderten um die Periode. Erst seit der Mitte des 20. Jhd. wird die Menstruation näher wissenschaftlich erforscht – und noch immer ist die Periode mit Scham und einem gesellschaftlichen Stigma verbunden. Die Ausstellung thematisiert hier die historische Entwicklung der Auseinandersetzung mit der Menstruation und beleuchtet, welche Folgen dies bis heute hat.


Zukunftspläne für das Vagina Museum

Das Vagina Museum war auf dem besten Weg, eine echte Erfolgsgeschichte zu werden. Innerhalb von nur 18 Wochen zählte das kleine Museum an seinem ersten Standort in Camden über 110.000 Besuche. Die Reaktionen des Publikums waren überwiegend enthusiastisch und zeigten, dass ein Vagina-Museum den aktuellen Zeitgeist trifft. Immerhin ist es die Mission des Museums, für eine Welt einzutreten, in der sich niemand für seinen Körper schämt, in der jeder Mensch körperliche Autonomie hat und in der die gesamte Menschheit zusammenarbeitet, um eine freie und gleichberechtigte Gesellschaft aufzubauen.

Der Ausbruch der Pandemie 2020 hat die Erfolgsgeschichte des Vagina Museum unterbrochen. Doch mittlerweile hat das Museum einen neuen Standort in Bethnal Green gefunden. Hier sollen nun wieder wechselnde Sonderausstellungen zu sehen sein; zusätzlich ist für die Zukunft eine Dauerausstellung geplant. Auch das Veranstaltungs- und Community-Angebot soll weiter ausgebaut werden.


The Vagina Museum

18 Victoria Park Square
Bethnal Green, London E2 9PF


Fotos: Angelika Schoder – London, 2020;
Header-Bild: Angelika Schoder – Installation von Sam Dawood @sam.daw.ood in der Ausstellung „Muff Busters: Vagina Myths and How To Fight Them“ – London, 2020


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Angelika Schoder

Über die Autorin

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

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