Von Batman bis Wednesday: Eine Ausstellung entführt in die Welt von Tim Burton

Das Design Museum London lädt dazu ein, in die Welt von Tim Burton einzutauchen, voller witziger Zeichnungen, düsterer Geschichten und skurriler Charaktere.

Das Design Museum London lädt dazu ein, in die Welt von Tim Burton einzutauchen, voller düsterer Geschichten und skurriler Charaktere.

[Ausstellung] Bunte Haare, schwarz-weiß gestreifte Outfits und „Beetlejuice“ Plüschpuppen im Arm – schon an den Besuchenden lässt sich erkennen, um welche Ausstellung es sich handelt. Wer hier zwischen dem Original-Kostüm von „Edward mit den Scherenhänden“ und diversen „Nightmare Before Christmas“-Charakteren im Design Museum London unterwegs ist, hatte Glück noch eines der begehrten Zeitfenster-Tickets für die Ausstellung „The World of Tim Burton“ zu ergattern. Denn es ist die erfolgreichste Schau in der Geschichte des Museums; in den ersten vier Monaten seit der Eröffnung Ende Oktober 2024 sind bereits über 170.000 Besuchende in die skurrile Welt von Tim Burton eingetaucht. Noch bis Ende Mai 2025 haben Fans die Gelegenheit zahlreiche Filmrequisiten, Kostüme, Zeichnungen, Skulpturen und Gemälde von Tim Burton aus der Nähe zu betrachten, bevor sie wieder in Privatsammlungen und in Archiven verschwinden. Denn nachdem die Ausstellung in einer ähnlichen Form fast auf der ganzen Welt zu sehen war, ist das Design Museum London nun die letzte Station. Gleichzeitig ist es aber auch die aktuellste Version der Ausstellung, denn auch neue Projekte von Tim Burton wurden hier integriert, etwa Kostüme und Entwürfe zur Serie „Wednesday“, deren zweite Staffel noch 2025 bei Netflix startet. So bietet die Ausstellung einen Überblick über das gesamte kreative Werk von Tim Burton, von ersten Zeichnungen in seiner Jugend über Klassiker wie seine „Batman“-Filme bis hin zu seinen aktuellen Fotografie-Projekten.


The World of Tim Burton ist nun nach 14 Stationen weltweit zum letzten mal in London zu sehen.
Im Jahr 2009 wurden erstmals Arbeiten von Tim Burton im MoMA in New York gezeigt. Nach 6 Stationen dieser Schau entstand 2014 eine weitere Ausstellung, „The World of Tim Burton“. Sie ist nun nach 14 Stationen weltweit zum letzten mal in London zu sehen.

„Als ich aufwuchs, war ich sehr introvertiert: Ich fühlte mich nicht sehr kommunikativ, also wurde das Zeichnen zu meinem Mittel, um Gedanken und Gefühle auszudrücken, die ich nur schwer verbal ausdrücken konnte. Es war für mich eine unkomplizierte Möglichkeit, auf einer sehr einfachen Ebene zu kommunizieren.“ [1]

Tim Burton


Die künstlerischen Anfänge von Tim Burton

Als Regisseur von Filmen wie „Beetlejuice“ (1988), „Batman“ (1989) oder „Edward mit den Scherenhänden“ (1990) erreichte Tim Burton schon frühzeitig in seiner Karriere Kult-Status. Die für ihn typische Mischung aus Gothic Horror, Schwarzer Komödie, Melancholie und Märchen zeichnet seine Projekte bis heute aus, egal ob auf der Leinwand oder in seinen anderen künstlerischen Projekten. Im Zentrum steht dabei immer seine besondere Design-Handschrift, der das Design Museum London nun die Ausstellung „The World of Tim Burton“ widmet. Burton wird hier in erster Linie als Künstler gezeigt, für den das Zeichnen seit seiner Kindheit immer Ausgangspunkt für all sein kreatives Schaffen war.

Geboren wurde Tim Burton 1958 in einem Vorort von Burbank in Kalifornien. Das Leben dort war von den typischen Vorstellungen des amerikanischen Traums geprägt, wovon sich Burton jedoch schon als Kind eingeengt fühlte. Um dieser Welt zu entfliehen, begann er schon früh, sich Geschichten auszudenken. Als Kind liebte er es zu zeichnen, zu illustrieren und mit seiner Super-8-Kamera kleine Filme zu drehen; statt normaler Schulaufgaben reichte er oft selbst gedrehte Filme ein. Mit neun Jahren bekam er ein Halloween-Skelettkostüm von seiner Mutter – eine Inspiration für die Figur Jack Skellington aus „The Nightmare Before Christmas“. Auch „Edward mit den Scherenhänden“ skizzierte er bereits als Jugendlicher, viele Jahre vor der Verfilmung.

Sein Weg führte Tim Burton dann an das California Institute of the Arts (CalArts), wo er Animation studierte. Sein Talent fiel auf und er bekam eine Stelle bei den Walt Disney Studios. Doch dort fühlte er sich oft ausgebremst – viele seiner Ideen wurden nicht umgesetzt. Enttäuscht konzentrierte er sich auf eigene Projekte. Trotz der Herausforderungen half ihm diese Zeit, seinen einzigartigen Stil zu entwickeln, der ihn später berühmt machen sollte, wie die Ausstellung anhand zahlreicher Zeichnungen und Skizzen zeigt.


Das Design Museum London zeigt das Werk von Tim Burton in allen Schaffensphasen.
Von frühen Zeichnungen in seiner Jugend über seine Hollywood-Filme bis hin zu seinen aktuellen künstlerischen Arbeiten, beleuchtet das Design Museum London das Werk von Tim Burton in allen Schaffensphasen.

Die Vorbilder und Einflüsse von Tim Burton

Ob Feiertage, Jahrmärkte, der Zirkus oder die Mischung aus Komödie und Horror – Tim Burtons Inspirationen sind vielfältig. Auch Künstler wie Edward Gorey und Dr. Seuss (Theodor Geisel) sowie klassische Monsterfilme und Regisseure wie Federico Fellini beeinflussten ihn. Besonders bewunderte Burton die britischen Hammer Horror-Filme, in denen sein Idol Vincent Price mitspielte. Price trat später in mehreren seiner Werke auf, darunter Burtons Kurzfilm „Vincent“ (1982).

Schon als Kind entdeckte Tim Burton die Stop-Motion-Animation – eine Technik, bei der Figuren Bild für Bild bewegt werden, um einen flüssigen Ablauf zu erzeugen. Besonders beeindruckte ihn hier der Film „Jason und die Argonauten“ (1963) von Ray Harryhausen. Diese Faszination begleitete ihn sein Leben lang und floss auch in eigene Projekte ein. Mit „Corpse Bride“ (2005) drehte Burton seinen ersten kompletten Stop-Motion-Film, unterstützt von den Puppenmachern Ian Mackinnon und Peter Saunders. Bereits 1984 hatte er mit „Frankenweenie“ eine 25-minütige Schwarz-Weiß-Hommage an James Whales „Frankenstein“ (1931) und „Frankensteins Braut“ (1935) geschaffen. Fast 30 Jahre später, im Jahr 2012, kehrte Burton zu dieser Geschichte zurück und verfilmte sie erneut als Stop-Motion-Animationsfilm in Schwarz-Weiß. Die Ausstellung bietet hier einen einzigartigen Einblick in den Entstehungsprozess dieses Films.


„Meine Ideen entstehen aus einer Verschmelzung von Bildern, Gefühlen und Erfahrungen – ähnlich wie Teile eines Traums, die sich zusammenfügen und später wieder auftauchen.“ [2]

Tim Burton


Handwerkskunst in Tim Burtons Filmen

Die Filme von Tim Burton zeigen oft zwei gegensätzliche Welten: eine normale, konventionelle und eine fantasievolle, ungewöhnliche. Ganz praktisch entstehen diese Welten durch seine enge Zusammenarbeit mit Akteuren aus Bühnen-, Kostüm- und Produktionsdesign. Sie schaffen den für Tim Burton typischen, unverwechselbaren Stil mit Spiralen, scharfen Linien und monochromen Farbwelten, die eine besondere, oft unheimliche Schönheit ausstrahlen.

Jeder Film beginnt mit einer Zeichnung von Burton, die sein Team nutzt, um seine Fantasie lebendig werden zu lassen. Selbst Werke, die in realistischen Umgebungen spielen, wirken oft traumhaft und spiegeln eher ein Gefühl als die echte Welt wider. Dieser Stil begeisterte schon früh bedeutende Personen im Filmbusiness, so wurde Burton schon 1985 von Paul Reubens als Regisseur für „Pee-Wee’s Big Adventure“ ausgewählt – nur aufgrund eines kurzen Ausschnitts aus „Frankenweenie“ (1984). Nach diesem Durchbruch folgten „Beetlejuice“ (1988) und „Batman“ (1989), der das Superhelden-Genre neu definierte. Mit Filmen wie „Edward mit den Scherenhänden“ (1990) oder „Big Fish“ (2003) festigte Burton seinen unverwechselbaren Stil voller märchenhafter Schönheit, verzerrter Schatten und surrealer Traumwelten.


Für das Design Museum London ist "The World of Tim Burton" die erfolgreichste Sonderausstellung in der Geschichte des Museums.
Für das Design Museum London ist „The World of Tim Burton“ die erfolgreichste Sonderausstellung in der Geschichte des Museums.

Tim Burton jenseits des Films

Die Ausstellung „The World of Tim Burton“ widmet sich auch seinen künstlerischen Projekten jenseits der Leinwand. Bis heute ist das Zeichnen für Burton ein wichtiger Teil seiner kreativen Arbeit. Mit seinen Skizzen plant er das Aussehen, die Stimmung und den Stil seiner Figuren und Kulissen. Seine Kunst vereint dabei Gegensätze: Sie ist gleichzeitig schön und seltsam, humorvoll und traurig. In seinen Werken zeigt Burton die Welt nicht so, wie sie wirklich ist, sondern so, wie er sie fühlt. Er verändert Perspektiven, verzerrt Formen und erschafft oft Figuren, die Mensch, Tier und Fantasiewesen zugleich sind. Viele seiner Zeichnungen spiegeln seine Kindheit wider, in der er sich als Außenseiter fühlte. Auch wenn er ohne konkretes Ziel zeichnet, erzählen seine Bilder immer eine Geschichte. Die Ausstellung widmet sich in diesem Abschnitt auch Burtons Projekten jenseits von Hollywood, so drehte er etwa ein Musikvideo für The Killers, veröffentlichte Bildbände wie „The Melancholy Death of Oyster Boy and Other Stories“ (1997) oder fertigt Gemälde, Skulpturen und Fotografien an.

Tim Burtons einzigartiger Stil wurde unter dem Begriff „Burtonesque“ bekannt und beeinflusste zahlreiche Kunstschaffende. So ließ sich der Designer Alexander McQueen von Burtons Zeichnungen für seine Herbst/Winter-Kollektion 2002/03 inspirieren und der Fotograf Tim Walker widmete ihm eine Modestrecke mit dem Titel „Tim Burton’s Tricks and Treats“ (Harper’s Bazaar, 2009). Darüber hinaus inspiriert Burtons düstere und märchenhafte Bildsprache bis heute Kreative auf der ganzen Welt.

Zu jedem der Themenschwerpunkte zeigt die Ausstellung eine Vielzahl von Original-Zeichnungen und Skizzen von Tim Burton, Charakter-Figuren und Modelle aus seinen Animationsfilmen, Original-Kostüme sowie aktuelle Gemälde und Fotografien. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Dokumentarfilm über Tim Burton, der einen Einblick in seinen künstlerischen Werdegang bietet.


„Wenn man am Anfang nicht in eine bestimmte Kategorie passt, wird man in die Schublade ’seltsam‘ gesteckt, so wie ich, aber das gibt einem die Möglichkeit, so zu handeln, wie man will. Darin liegt die Freiheit.“ [3]

Tim Burton


Die Publikation „Tim Burton. Designing Worlds“, herausgegeben von Maria McLintock, ist 2024 bei Design Museum Publishing erschienen (ISBN: 978–1-8720005-72-0). Der Band enthält zahlreiche farbige Werkabbildungen sowie Texte von u.a. Maria McLintock, Ian Borden, Hadeel Eltayeb, Imogen West-Knights, Hilary Davidson, Charlie Fox, Jenny He, Ryan White und Tim Burton sowie Interviews mit Tim Burton, Colleen Atwood und den Puppenmachern Ian Mackinnon und Peter Saunders.


The World of Tim Burton

The Design Museum, London
25.10.2024-26.05.2025 (verlängert)


Bilder: Angelika Schoder – Design Museum London, 2025


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Angelika Schoder

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

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Fußnoten

[1] Maria McLintock im Gespräch mit Tim Burton. In: Tim Burton. Designing Worlds, 2024, S. 17.

[2] Ebd., S. 18.

[3] Tim Burton: Nachwort. In: Ebd., S. 266.


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