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Guillermo del Toro: At Home With Monsters

Das Buch „At Home With Monsters“ gibt einen Einblick in das Leben und die Arbeit von Guillermo del Toro als Filmemacher, Autor und Regisseur.

Auch wenn der mexikanische Regisseur, Autor und Produzent Guillermo del Toro seine Filme nicht unbedingt als Horrorfilme bezeichnen würde – seit „Cronos“ (1993) gilt er als Meister schauriger Geschichten. Ob mit „Pan’s Labyrith“ (2006), mit seinem mehrfach Oscar-prämierten Meisterwerk „The Shape of Water“ (2017) oder aktuell mit seiner Netflix-Serie „Cabinet of Curiosities“, del Toro überrascht immer wieder mit grauenerregenden Fantasiewesen, sympathischen Monstern und unheimlichen Gestalten. Einen Einblick in diese Welt gewährte die Ausstellung „At Home With Monsters“, die vom Los Angeles County Museum of Art in Kooperation mit dem Minneapolis Institute of Art und der Art Gallery of Ontario konzipiert wurde. Der begleitende Ausstellungskatalog ist eine Empfehlung für jeden Fan von Guillermo del Toro und seinen Filmen.


Caspar David Friedrich: A Walk at Dusk
Die düsteren Landschaften von Caspar David Friedrich inspirierten Guillermo del Toro für seinen Film „Crimson Peak“ (2015).

Caspar David Friedrich: A Walk at Dusk (ca. 1830–1835) – Getty Museum, 93.PA.14kein Urheberrechtsschutzt USA

„Monster sind für mich bis heute eine echte Familie. Sie sind keine Bildnisse, die aus Profitgründen oder aus einer Vervollständigungsmanie heraus gesammelt werden. In Bleak House habe ich ihnen einen Tempel gebaut, und in ihm habe ich Altäre errichtet. Ich diene ihnen – einer Macht, die größer ist als ich selbst – mit unerschütterlicher Hingabe und Liebe.“

Guillermo del Toro, 2016 [1]

Zu Hause mit Monstern

Schon seit seiner Kindheit hat sich Guillermo del Toro für Monster interessiert. Heute lebt er diese Faszination nicht nur in seinen Filmen und Büchern aus. Der Filmemacher und Schriftsteller ist auch privat gerne umringt von den Schreckgestalten der Leinwand. Aus diesem Grund ist del Toros Haus in Los Angeles, das sogenannte Bleak House, sogar wie ein Museum gestaltet. Neben Filmrequisiten, Modellen und einer umfangreichen Bibliothek finden sich hier auch lebensgroße Skulpturen. Sie verkörpern berühmte Figuren des Horror-Genres, etwa Linda Blair als vom Teufel besessenes Mädchen aus „Der Exorzist“ (1973), Darsteller aus dem Film „Freaks“ (1932) oder Figuren legendärer Schriftsteller, wie etwa Edgar Allan Poe. Sie alle bevölkern die Wohnräume und verwandeln das Haus des Filmemachers in ein Kuriositätenkabinett. [2] Das Bleak House ist ein Gebäude voller Bücher, Kunst und Monster-Devotionalien. Inspiriert wurde der Name des Hauses durch den gleichnamigen Roman von Charles Dickens aus dem Jahr 1852.

Mit fast 600 Objekten aus der Privatsammlung des Filmemachers, u.a. Skulpturen, Gemälde, Kostüme und Bücher, spiegelte die Ausstellung „At Home With Monsters“ Guillermo del Toros lebenslange Obsession mit Monstern wider. Die Schau, die in den USA, Kanada und Mexiko gezeigt wurde, konfrontierte den Besucher mit alptraumhaften Wesen aus del Toros Filmen. Doch neben dem Grauen ging es auch um die Faszination, die Monster ausüben, und um den Respekt für die Schriftsteller, Kunstschaffenden und Special-Effekts-Profis, die sie geschaffen haben.


Johann Heinrich Füssli: Satan and Death with Sin Intervening
Guillermo del Toro ließ sich von diversen Gemälden, Zeichnungen und Radierungen im Los Angeles County Museum of Art inspirieren, u.a. von den düsteren Werken von Johann Heinrich Füssli.

Johann Heinrich Füssli: Satan and Death with Sin Intervening (1799-1800) – Los Angeles County Museum of ArtPublic Domain

Freaks, Frankenstein und Vorbilder des Horror-Kinos

Die reich bebilderte Publikation, die begleitend zur Ausstellung „At Home With Monsters“ auf Englisch erschienen ist, gibt einen Einblick in ihre acht thematischen Abschnitte. Einen besonderen Schwerpunkt bildet „Freaks and Monsters“. Hier geht es um den Horror-Klassiker „Freaks“ von Regisseur Tod Browning aus dem Jahr 1932. Im Ausstellungskatalog sind Fotografien des Films zu sehen, ebenso die lebensgroßen, hyperrealistischen Skulpturen der Darsteller, wie sie in Guillermo del Toros Bleak House zu finden sind. Die Figuren des Künstler Thomas Kuebler sind in del Toros Haus im Treppenaufgang und in seinen Bibliotheken platziert, etwa die Darstellerin Schlitzie, Johnny Eck („The Amazing Half-Boy“) und Harry Earles (als Hans mit Rasiermesser).

In del Toros Haus finden sich auch Bilder und Repliken von Mary Shelleys Geschöpf „Frankensteins Monster“. Insbesondere Boris Karloffs ikonische Interpretation des vom „modernen Prometheus“ geschaffenen Wesens hat den Filmemacher schon immer fasziniert. Der überlebensgroße Kopf von Karloff als „Frankensteins Monster“, der über die Ausstellung wachte, hängt in der Eingangshalle des Bleak House, wie Fotos im Ausstellungskatalog zeigen. Die Größe der Skulptur und der erhöhte Präsentationsort sollen an den Eindruck erinnern, den Karloff auf der Kinoleinwand hinterließ. [3] Für Guillermo del Toro ist Mary Shelleys Kreatur das ultimative Monster. Es markiert einen Wendepunkt im Diskurs, denn die Autorin beschreibt in ihrer Erzählung „das Andere“ als etwas, das imstande ist besser zu sein als der Mensch. Frankensteins Schöpfung ist das erste Monster, das durch Wissenschaft erschaffen wurde. Dieses Konzept stellt für del Toro die fundamentale Frage nach dem Sinn des Lebens und der menschlichen Existenz. Für den Filmemacher ist dieses Monster daher ein Spiegelbild des Menschen an sich. [4]

Ein weiterer Schwerpunkt ist den Autoren, Kunst- und Filmschaffenden gewidmet, aus deren Arbeiten del Toro Inspiration für sein eigenes Schaffen zieht. Auch im Ausstellungskatalog sind die realistischen Skulpturen von Edgar Allen Poe, H.P. Lovecraft, Ray Harryhausen und Make-up-Künstler Dick Smith zu sehen. Daneben sammelt Guillermo del Toro Illustrationen von Horror-Künstlern wie Richard Corben, Basil Gogos und Bernie Wrightson. Diese sind in seinem Bleak House in allen Zimmern verteilt und waren auch in der Ausstellung zu sehen. Besonderes Highlight waren außerdem die überlebensgroßen Figuren aus dem Oscar-prämierten Fantasy-Film „Pan’s Labyrinth“, etwa der Faun und der „Pale Man“ mit Augen in seinen Händen, oder Geisterfiguren aus „Crimson Peak“ (2015).


Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel the Elder: Christ's Descent into Limbo
Einige der Monster aus den Filmen von Guillermo del Toro erinnern stark an die fantastischen Gestalten aus den Werken von Pieter Bruegel dem Älteren mit ihrer Mischung aus Mensch, Objekten und Tieren.

Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel the Elder: Christ’s Descent into Limbo (ca. 1561) – Los Angeles County Museum of ArtPublic Domain

At Home With Monsters

Einen Einblick in Guillermo del Toros Welt aus Schauergestalten und Filmemorabilia bot die Ausstellung „At Home With Monsters“, die in folgenden Museen zu sehen war:


Der Begleitband zur Ausstellung „Guillermo del Toro: At Home With Monsters“, herausgegeben von Britt Salvesen, Jim Shedden und Matthew Welch, ist 2016 bei Insight Editions erschienen (ISBN: 978-1-60887-860-4). Der Band auf Englisch enthält, neben Beiträgen über Guillermo del Toros Privatsammlung und über seine kreativen Einflüsse, auch Abbildungen von del Toros privaten Notizbüchern und ein Interview mit ihm. Daneben zeigt der Katalog auch Werke von für den Filmemacher wichtigen Künstlern, u.a. Johann Heinrich Füssli, Francisco de Goya, Ernst Barlach oder Max Klinger aus den Sammlungen des Los Angeles County Museum of Art, des Minneapolis Institute of Art und der Art Gallery of Ontario.


Header-Bild: Detail aus: Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel the Elder: Christ’s Descent into Limbo (ca. 1561) – Los Angeles County Museum of ArtPublic Domain


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Angelika Schoder

Über die Autorin

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

@musermeku

Fußnoten

[1] Guillermo del Toro: Foreword, In: Guillermo del Toro: At Home With Monsters, Hg.v. Britt Salvesen, Jim Shedden, Matthew Welch, 2016, S. 6

[2] Siehe: Britt Salvesen: Chaotic Passions: Guillermo del Toro and Collecting, In: Ebd., S. 15-27, hier S. 16f

[3] Siehe: Paul Koudounaris: The Monster in the Mirror, In: Ebd., S. 43-59, hier S. 43

[4] Siehe: Ebd., S. 59


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