Vampire, Sirenen und andere Monster im MKG Hamburg

Der „Frosch mit Kaninchenohren“ (1891) ist nicht das merkwürdigste Wesen, das aktuell im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) zu sehen ist. Neben der Skulptur von Jean-Joseph Marie-Carriès zeigt das Ausstellungshaus auch eine ausgestopfte japanische „Sirene“, King Kong auf dem Empire State Building, eine Sphinx aus der Römerzeit oder Max Beckmanns Gemälde eines „Vampirs“ (1948).Mit der Ausstellung „Tiere. Unterwerfung – Harmonie – Respekt“ widmet sich das MKG den drei Schwerpunkten Unterwerfung, Harmonie und Respekt, die das Verhältnis zwischen Mensch und Tier bestimmen. Dabei geht es nicht nur um Schoßhündchen und Zirkuselefanten, sondern auch um Fabelwesen, menschliche Mischwesen und rätselhafte Monster.


Verehrt und erforscht

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier bewegt sich in der westlichen Welt meist im Spektrum zwischen unreflektierter Verwertung und sentimentaler Vermenschlichung. Das MKG in Hamburg widmet dieser Beziehung nun seine aktuelle Ausstellung. Sie beginnt mit prähistorischen Tierdarstellungen, zeigt Tiere als mythische Wesen, aber auch als unterworfene Kreaturen.

Im alten Ägypten wurden Gottheiten verehrt, die einen menschlichen Körper und einen Tierkopf besaßen. Teil des Verehrungskultes war es, mumifizierte Tiere als Opfergabe darzubringen. Doch Tiere begleiteten als Mumien auch aus sentimentalen Gründen ihre Besitzer mit ins Jenseits, etwa Katzen, Hunde oder Affen. Letzteren kam im Mittelalter bis hin zur Frühen Neuzeit auch in Europa eine besondere Bedeutung zu. Affen fanden hier besonders als Karikaturen Eingang in die europäische Bildtradition. Im 18. Jahrhundert widmete sich die Kunst schließlich einer eher realistischen Darstellung dieser Tiere, ihr Verhalten und ihr emotionaler Ausdruck wurde genau beobachtet.


Mythische Wesen

In der Kunst der Moderne wurden Tiere oft zu Symbolen psychologischer Aspekte der menschlichen Natur. Beeinflusst von der Psychoanalyse wurden verschiedene Arten zum Sinnbild für Wollust, Begierde und unbewusster Angst vor sexueller Dominanz. Treibhafte Körperlichkeit wird im wahrsten Sinne des Wortes animalisch dargestellt. Häufig wird von Künstlern auf Mischwesen der antiken Mythologie zurückgegriffen. Sirenen, die Figur der Sphinx oder Lamien und Empusen, die Vorfahrinnen der Vampire, sind eine Einheit aus weiblichen Reizen und Gefahr. Die monströse Natur der Tier-Mensch-Hybride stellt die Frage nach Animalität im Humanen. Wie viel Ungeheuer steckt in einem rationalen Menschen?

Bereits in Fabeln und Märchen spielen anthropomorphe Tiere eine zentrale Rolle. Sie stehen für menschliche Verfehlungen, Laster und Absurditäten und sind so ein Spiegelbild des Menschen. Sie agieren außerhalb herkömmlicher Moralvorstellungen, was nicht nur zur Unterhaltung dient, sondern auch für Gesellschaftskritik genutzt wird.


Donald Duck und Pussy Hat

Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Filmaufnahmen entstanden, wurden nicht nur Menschen, sondern auch Tiere zu Leinwandstars. Neben dokumentarischen Aufnahmen filmte man Varieté-Kunststücke und Zirkusnummern mit Tieren. Auch Animationsfilme mit menschlich agierenden Tieren entstanden, ganz nach dem Vorbild von Fabeln und Comics. Tiere wurden zu Ikonen der Popkultur – angefangen bei Donald Duck bis hin zu Simon’s Cat.

In einem Sonderteil der Ausstellung widmet sich das MKG „Katzenbildern“ und verfolgt das Verhältnis zwischen Mensch und Katze von der Antike bis hin zu Twitter. Hierbei wird nicht nur der „Women’s March on Washington“ vom 21. Januar 2017 thematisiert, bei dem die Teilnehmer*innen selbst gestrickte „Pussy Hats“ trugen, pinke Mützen mit Katzenohren. Auch die #BarcelonaCats werden gezeigt, eine Hashtag-Aktion, die anlässlich des islamistischen Terroranschlags am 17. August 2017 von Twitter-Nutzern initiiert wurde. Statt Spekulationen im sozialen Netzwerk zu verbreiten, teilten die Nutzer Katzenbilder – eine Reaktion, die sich auch schon bei anderen Terroranschlägen in der jüngsten Vergangenheit bei Twitter gezeigt hatte.


Tiere. Unterwerfung – Harmonie – Respekt

Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg
03.11.2018 – 04.03.2018


Header-Bild: Die Figur der Sphinx saß, der antiken Mythologie zufolge, am Wegesrand nach Theben und gab jedem Reisenden ein Rätsel auf. Konnte der Befragte das Rätsel nicht lösen, wurde er von dem Mischwesen verschlungen. / Sphinx, röm. Kopie nach griech. Original, 450-440 v.Chr. (Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig) im MKG Hamburg, 2017