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Museen nach Corona, der letzte Nicht-Newsletter und Bücher im Film

In unserem letzten Nicht-Newsletter hier bei musermeku.org geht es um die Frage, wie die Corona-Krise die Museumslandschaft verändern wird.

Nicht-Newsletter – Nr. 50, 04/2020

Frage des Monats
Wie wird die Corona-Krise die Museumslandschaft verändern?

Thema des Monats
Der letzte Nicht-Newsletter

Twitter des Monats
LEGO Lost at Sea

Instagram des Monats
books.in.films

Tumblr des Monats
Fantastical Beafts


Frage des Monats

Wie wird die Corona-Krise die Museumslandschaft verändern?

Es gibt viele Museen, die aus der Not vermeintlich eine Tugend gemacht haben. Da seit Mitte März Kulturinstitutionen aufgrund der COVID-19 Pandemie vorübergehend vor Ort schließen mussten, wird digital plötzlich so einiges geboten: Livestreams und neue Podcasts, spontane Online-Führungen und Bastel-Tutorials. Einige Führungskräfte betonten gar, dass die Situation doch eine gute Chance sei, das digitale Angebot weiter auszubauen.

Man kann versuchen, in allem das Positive zu sehen. Das taten auch zahlreiche Journalisten, die plötzlich Jahre alte digitale Angebote von Museen neu entdeckten. Als hätten sie noch nie zuvor von der Existenz von Digitorials, Google Arts & Culture-Angeboten oder von virtuellen 360-Grad-Touren gehört. Schön, wenn bisherige Arbeit endlich Wertschätzung erfährt

System in Not

Fast täglich veröffentlichten diverse Medien in den letzten Wochen Tipps für kulturelle Angebote, die man nun digital nutzen könnte. Weitaus seltener wurde allerdings über die Folgen berichtet, was es für Museums- und Gedenkstättenpädagogen bedeutet, wenn man kulturelle Angebote eben nicht mehr vor Ort wahrnehmen kann. Viele dieser Pädagogen, Guides und Vermittler sind nicht fest angestellt, werden daher nicht weiter beschäftigt – nicht einmal in Kurzarbeit. Die meisten Museumsguides, Gedenkstättenpädagogen & Co. sind Freiberufler und werden pro Führung bezahlt. Reich wird man damit nicht – und finanzielle Rücklagen lassen sich damit auch nicht bilden. Für diese Kulturarbeiter bedeutet die Corona-Krise keine tolle Chance sondern einen kompletten Wegbruch ihres Einkommens.

Dass diese Krise für Kulturvermittler nicht sofort vorbei sein wird, sobald Museen wieder öffnen können, zeichnet sich in den USA ab. Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York teilte etwa Anfang April seinen pädagogischen Mitarbeitern mit: “it will be months, if not years, before we anticipate returning to budget and operations levels to require educator services.” Es wird also Monate, wenn nicht Jahre (!) dauern, bevor ein museumspädagogisches Angebot wie in Vor-Corona-Zeiten wieder hergestellt werden kann. Schwer nachvollziehbar, dass das MoMa die durch die Corona-Krise verursachte finanzielle Notlage als Grund angibt, vorerst keine oder kaum Museumspädagogen zu benötigen – immerhin ist das MoMa eines der reichsten Museen der Welt.

Die Folgen der Krise

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich nicht genau sagen, wie die wochenlange Schließung von Institutionen den Kultursektor auch im deutschsprachigen Raum beeinflussen wird. Bei allem Jubel über schöne neue Digitalangebote sollte man aber auch im Blick haben, welchen Einfluss die Corona-Krise auf zahlreiche Menschen hat, die die kulturellen Angebote bisher am Laufen gehalten haben.

Noch nie wurde so deutlich, warum das Kultur-System höchst problematisch organisiert ist. Es beruht nämlich zu einem erheblichen Teil auf Befristungen, auf Minijob-Basis und auf freiberuflicher Basis. Auch ohne gering bezahlte Volontariate und unbezahlten Praktika würden viele Angebote von Kulturinstitutionen nicht existieren. Jetzt in der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie leicht diese Kulturarbeiter in existenzielle Bedrängnis geraten können.


Thema des Monats

Der letzte Nicht-Newsletter

Ja, es stimmt: Dies ist der letzte Nicht-Newsletter bei musermeku.org. Am 30. März 2016 wurde unser erster Nicht-Newsletter veröffentlicht – und nun, 50 Ausgaben später, erscheint hiermit die letzte Ausgabe unseres monatlichen Formats. Als wir den Nicht-Newsletter starteten, lautete unsere erste “Frage des Monats”: Ist ein Newsletter sinnvoll? Unsere Antwort damals: Nein! In der ersten Ausgabe schrieben wir:

“Wenn man kein schwedisches Möbelhaus ist, das im Newsletter Kaffee-Gutscheine versendet, ein Klamottenladen, der auf SALE hinweist, oder das Redaktionsteam von Lena Dunham und Jenni Konner, das ein Femi-Style-Politik Magazin eben auch via E-Mail abonnierbar macht, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man wirklich einen Newsletter verteilen muss, wenn das Ganze via Twitter, Facebook & Co. auch einfach aktueller ginge.”

Newsletter und Nicht-Newsletter

Nun ja, 4 Jahre später ist alles anders. Den Lenny-Letter von Lena Dunham gibt es schon seit Oktober 2018 nicht mehr. Und wir mussten uns von unserem Publikum überzeugen lassen, dass unsere Social-Media-Kanäle doch nicht ausreichen. Denn einige unserer Leser nutzen Social Media einfach nicht oder nur selten; statt dessen werden E-Mails bevorzugt. Und so haben wir letztendlich doch einen E-Mail-Newsletter eingerichtet. Mit diesem landet monatlich ein Überblick zu unseren aktuellen Beiträgen im Postfach.

Mittlerweile über 430 Newsletter-Abonnenten, deren Zahl im Durchschnitt jeden zweiten Tag wächst, zeigen uns, dass ein E-Mail-Newsletter wohl doch eine ganz gute Idee ist. Das Nicht-Newsletter-Format bei musermeku.org hingegen scheint uns mittlerweile nicht mehr ausbaufähig. Unsere Statistiken zeigen uns, dass die Zugriffe auf den Nicht-Newsletter monatlich zwar sehr stabil sind, im Vergleich mit unseren übrigen Beiträgen aber eher gering ausfallen. Aus diesem Grund beenden wir das Format mit der 50. Ausgabe. Ein guter Zeitpunkt, wie wir finden.

Was in Zukunft bleibt, ist unser monatlicher Newsletter via E-Mail.


Twitter des Monats

LEGO Lost at Sea

Seit ihrer Kindheit in den 1960ern sucht Tracey Williams an den Stränden Englands nach interessanten Fundstücken. Im Jahr 1997 tauchten plötzlich LEGO-Teile am Strand von Cornwall auf – die verlorene Fracht eines Containerschiffes. Bis heute werden an den Küsten Englands Plastikspielzeuge angespült und Tracey Williams hält noch immer bei ihren Strandspaziergängen Ausschau. Farblich geordnet präsentiert sie ihre Fundstücke mittlerweile bei Facebook und Twitter unter dem Motto “Artefakte des Anthropozän”.


Instagram des Monats

books.in.films

Instagram-Nutzer lieben Bücher, Hashtag #bookstagram. Kein Wunder also, dass ungewöhnliche Accounts rund um Bücher hier viele Fans finden. Einer dieser Accounts ist @books.in.films, der Bücher auf der Leinwand aufspürt. Seit 2017 zeigt Buchliebhaberin Galine hier TV- und Film-Szenen, in denen die Charaktere in der Nähe von Büchern gesichtet werden.


Tumblr des Monats

Fantastical Beafts

Dieser Tumblr hat keinen Tippfehler, er heißt wirklich Fantastical Beafts mit f, so wie die alte Schreibweise des Buchstaben s. Der Tumblr teilt vor allem Bilder aus Conrad Gesners “Historia Animalium” aus dem Jahr 1587 sowie von Edward Topsell aus “History of Four-Footed Beasts” von 1607 und “History of Serpents” von 1608. Neben jeder Menge fantastischer Kreaturen bietet der Tumblr auch Wissenswertes über ihre Geschichte.



Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.