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Die schönsten Künstler-Museen in Paris

Die großen Museen der französischen Hauptstadt kennt fast jeder. Es wird Zeit, auch die kleinen zu entdecken. Diese Künstler-Museen in Paris sollte man sich nicht entgehen lassen.

ParisMuseumPass/Werbung – Paris ist die Stadt der Museen und für viele Touristen stehen immer die selben auf ihrer To-Do Liste: das Musée du Louvre natürlich, das Musée d’Orsay gegenüber oder das Centre Pompidou, wenn es um zeitgenössische Kunst geht. Doch die französische Hauptstadt hat noch viel mehr zu bieten, und zwar eine ganze Reihe an kleineren Institutionen, die sich einzelnen Künstlern widmen. Wir empfehlen daher hier fünf Künstler-Museen in Paris, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Ausstellungsraum im Musée Rodin
Für eine Ausstellung im Jahr 1900 schuf Auguste Rodin ein System mit Säulen als Sockel. Im Musée Rodin ist zu sehen, wie das Größenverhältnis zwischen den Werken und ihren Sockeln die Art und Weise verändert, wie die Skulpturen betrachtet werden.

Das Musée Rodin

Auguste Rodin (1840-1917) gilt als einer der wichtigsten Bildhauer seiner Zeit, der zum maßgeblichen Einfluss für zahlreiche Bildhauer im 20. Jahrhundert wurde. Südlich der Seine, nicht weit vom Musée d’Orsay entfernt und ganz in der Nähe des Invalidendom, befindet sich im Stadtteil Faubourg Saint-Germain sein ehemaliges Wohnhaus, das bereits seit 1919 als Musée Rodin besucht werden kann. Das Gebäude wurde zwischen 1727 und 1731 als Stadtpalais von Jacques-Ange Gabriel und Jean Aubert für den Perückenmacher Abraham Peyrenc de Moras erbaut. Nach wechselvoller Geschichte gelangte das Hôtel particulier in den Besitz des französischen Staates und wurde von da an von verschiedenen Künstlern genutzt, etwa von Henri Matisse oder von Jean Cocteau. Im Jahr 1909 bezog Auguste Rodin das Palais und bewohnte es bis fast zu seinem Tod. Bereits 1916 wurde das Gebäude vom französischen Staat zum Musée Rodin ernannt und schließich ab 1919 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Im Museum selbst sowie im umgebenden Garten sind zahlreiche bekannte Werke von Rodin zu sehen, etwa der erste Bronzeguss des Portals „Das Höllentor“, das postum 1926 angefertigt wurde. In der meterhohen Skulptur finden sich viele Motive wieder, die Rodin auch einzeln umsetzte, etwa „Der Denker“ (1880), der ebenfalls im Garten des Museums zu sehen ist. Im Museum selbst wird die Arbeitsweise von Rodin deutlich, von seiner privaten Sammlung antiker Skulpturen als Inspiration über seine ersten Entwürfe in Ton und Gips bis hin zu Arbeiten in Stein und Bronze, etwa „Der Kuss“ (1886) oder „Die Hand Gottes“ (1898). Daneben sind auch Skulpturen von Rodins Geliebter und Schülerin Camille Claudel zu sehen, ebenso wie Gemälde aus Rodins Sammlung, etwa von Claude Monet, Vincent van Gogh oder Pierre-Auguste Renoir.


Ausstellungsräume im Musée de la Vie romantique
Drei Räume im Musée de la Vie romantique sind der Schriftstellerin George Sand gewidmet. Zu sehen sind Gegenstände aus ihrem persönlichen Besitz.

Das Musée de la Vie romantique

In Richtung des Montmartre im 9. Arrondissement, einst bekannt als „La Nouvelle Athènes“, befindet sich das kleine Musée de la Vie romantique in einem Hinterhof. Das Gebäude selbst stammt aus dem Jahr 1830 und ist heute eines der letzten Beispiele eines Künstlerhauses aus der Zeit der Restauration. Ursprünglich wurde das Haus, zu dem auch ein kleiner Garten und ein Gewächshaus gehören, von der Familie des Malers Ary Scheffer (1795–1858) bewohnt. Nach vielen Jahren als Wohnhaus, Künstlerhaus und Lehr- und Forschungszentrum für Klang- und Farbforschung wurde das Gebäude im Jahr 1982 als Musée Renan-Scheffer eröffnet und 1987 in Musée de la Vie romantique umbenannt.

Anders als die hier vorgestellten anderen Institutionen, ist dieses Museum nicht nur einem einzelnen Künstler gewidmet. In erster Linie sind hier die Räume in ihrer zeitgenössischen Einrichtung zu sehen, als Ary Scheffer diese bewohnte. Der gebürtige Niederländer gilt als einer der wichtigsten Porträtmaler der Romantik; er schuf aber auch Gemälde von Landschaften, von zeitgeschichtlichen Themen und „literarische“ Bilder, die vor allem von Goethe und Byron inspiriert waren. Die Dauerausstellung ermöglicht einen Einblick in sein Leben und in sein künstlerisches Werk. Herzstück des Museums ist der Salon, in dem der Maler bekannte Persönlichkeiten seiner Zeit empfing, etwa George Sand und Frédéric Chopin, Eugène Delacroix, Franz Liszt oder Charles Dickens. Allen voran sind George Sand im Museum drei eigene Räume gewidmet, in denen Schmuck, Möbel und persönliche Gegenstände aus dem Besitz der Schriftstellerin zu sehen sind. Neben der Dauerausstellung zeigt das Museum in seinen Räumen auch immer wieder Sonderausstellungen mit Kunst aus der Zeit der Romantik.


Das Atelier im Musée Gustave Moreau
Zentrales Element im Musée Gustave Moreau ist eine aufwändig gestaltete Wendeltreppe, die die Ateliers in der zweiten und dritten Etage des Gebäudes miteinander verbindet.

Das Musée Gustave Moreau

Ganz in der Nähe des Musée de la Vie romantique befindet sich das Musée Gustave Moreau. Es ist ein absoluter Geheimtipp und eines der wohl schönsten kleinen Museen in Paris. Dies liegt nicht nur an den bemerkenswerten Gemälden und Zeichnungen des Künstlers, die in den Ausstellungsräumen bis unter die Decke gehängt sind. Es ist vor allem auch der Charme des ehemaligen Wohnhauses, das Gustave Moreau (1826-1898) noch zu seinen Lebzeiten als Museum plante. Gezielt hatte Moreau die meisten seiner Gemälde kurz vor seinem Tod behalten, um damit den Grundstein für eine Museumssammlung zu legen, ergänz durch seine Zeichnungen, die bis zu seinem Tod nie ausgestellt worden waren. Bereits 1895 beauftragte Moreau den Architekten Albert Lafon damit, sein Wohnhaus in ein Museum umzuwandeln. Die Räume im ersten Stock wurden als privates Museum eingerichtet, mit Familienporträts und Werken, die Moreau von befreundeten Künstlern wie Edgar Degas geschenkt bekommen hatte. Die zweite und dritte Etage wurden zu Ateliers umgebaut, verbunden durch eine außergewöhnlich schöne Wendeltreppe, um möglichst viel Ausstellungsfläche für Moreaus Werke zu bieten. Fünf Jahre nach dem Tod des Künstlers, im Jahr 1903, konnte das Wohnhaus schließlich als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Moreaus Ziel war es, dass seine Werke eher zum Träumen als zum Nachdenken anregen sollten. Für seine neoklassizistischen Zeichnungen, die im Museum in Wandhalterungen durchgeblättert werden können, ließ sich Moreau von der Natur inspirieren; er fertigte etwa zahlreiche Studien von exotischen und heimischen Tieren an. Als Quellen dienten ihm antike Vorbilder, Druckgrafiken oder Fotografien. Neben Zeichnungen mit Graphit, Kohle oder Tusche fertigte er auch Aquarelle an. Rund 5.000 dieser Werke umfasst die Sammlung des Museums. Zu Moreaus bekanntesten Arbeiten zählen jedoch seine symbolistischen Gemälde. Er selbst bezeichnete sich als Historienmaler, der aber immer das Spirituelle eines Motivs in den Vordergrund stellte. In seinen Gemälden, von denen sich rund 1.300 in der Sammlung des Museums befinden, befasst sich der Maler meist mit antiken und biblischen Mythen. Die Ausstellung im Musée Gustave Moreau verdeutlicht, warum sich später zahlreiche Kunstschaffende des Surrealismus von Moreau inspirieren ließen.


Der Garten des Musée Bourdelle
Im Musée Bourdelle sind die Arbeiten des Bildhauers in seinem ehemaligen Atelier und in den umliegenden Gärten zu sehen. Zur Straße hin sind die vier Figuren des „Monument au général Alvéar“ unter Backsteinbögen zu sehen.

Das Musée Bourdelle

Westlich des Jardin du Luxembourg befindet sich das Musée Bourdelle, eingerichtet im ehemaligen Wohnhaus, in dem ab 1885 der Bildhauer Antoine Bourdelle (1861-1929) gelebt und gearbeitet hatte. Präsentiert wird hier das umfangreiche Werk des Künstlers, von Ton- und Gipsarbeiten über Bronzefiguren bis hin zu Arbeiten in Marmor. Besonders bemerkenswert sind die Gipsabgüsse seiner wichtigsten Werke, darunter 21 Studien von Ludwig van Beethoven, und seine Kopien von griechischen und mittelalterlichen Werken. Die Sammlung des Museums umfasst rund 500 Arbeiten von Bourdelle sowie zahlreiche Werke aus seiner privaten Kunstsammlung, etwa von Eugène Delacroix, Jean Auguste Dominique Ingres oder Auguste Rodin. Bereits 1922 begann Antoine Bourdelle mit der Planung, sein Atelier in ein Museum für seine Arbeiten umzuwandeln. Das Museum wurde allerdings erst 1949 eröffnet. Um mehr Ausstellungsfläche zu schaffen, insbesondere für Sonderausstellungen, entstand im Jahr 1961 ein erster Neubau, entworfen von Henri Gautruche; im Jahr 1992 kam ein weiterer Anbau von Christian de Portzamparc hinzu.

Das Herz der Dauerausstellung sind die einstigen Ateliers des Künstlers, die in ihrem historischen Originalzustand erhalten sind. Als zentrales Werk ist hier die Skulptur des „Sterbenden Zentaur“ (1911-1914) platziert, daneben zahlreiche Arbeiten in verschiedenen Materialien auf einem großen Holztisch, um die künstlerische Vielfalt Bourdelles zu verdeutlichen. Die Ausstellung setzt sich in den Gärten des ehemaligen Wohnhauses fort. Zur Straße hin sind die bekanntesten Bronzestatuen von Bourdelle zu sehen, etwa die vier Figuren des „Monument au général Alvéar“ (1913-1923), die jeweils Freiheit, Stärke, Sieg und Beredsamkeit verkörpern. Im sogenannten Inneren Garten, der von den Atelierräumen umschlossen ist, sind weitere bedeutende Bonzeskulpturen des Bildhauers zu sehen, etwa „Die Jungfrau der Opferung“ (1919-1923) oder die Darstellung der Dichterin Sapho (1889-1925). Daneben sind im ersten Neubau, der sogenannten Großen Halle, die monumentalen Gipsabgüsse von Bourdelle ausgestellt, die vor allem Helden und Götter des antiken Griechenland zeigen. Schließlich gehören auch die ehemaligen Wohnräume des Künstlers zum Museum. Hier erhält man einen Einblick in die private Umgebung des Bildhauers mit Bett, Schreibtisch und persönlichen Gemälden an den Wänden.


Ausstellungsraum im Musée national Eugène Delacroix
Das etwas versteckt gelegene Musée national Eugène Delacroix gehört zum Musée du Louvre. Im ehemaligen Wohnhaus und Atelier des Künstlers werden wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.

Das Musée national Eugène Delacroix

Im Herzen von Saint-Germain-des-Prés, nur wenige Minuten südlich des Louvre, liegt etwas versteckt in einem Innenhof das Musée national Eugène Delacroix. Das Museum befindet sich im letzten Atelier und Apartment des Malers Eugène Delacroix (1798-1863), das dieser im Jahr 1857 bezogen und bis zu seinem Tod bewohnte. Eingerichtet wurde das Museum von Malern wie Maurice Denis, Paul Signac oder Édouard Vuillard, die damit ihre Verehrung für Delacroix zum Ausdruck bringen wollten. Keiner der beteiligten Akteure hatte den Maler persönlich gekannt, dennoch war es ihnen ein Anliegen, dass dessen Erbe am authentischen Ort bewahrt wird. Im Jahr 1932 konnte das Museum als L’Atelier Delacroix eröffnet werden; 1971 wurde das Museum schließlich zum Nationalmuseum und erhielt seinen heutigen Namen.

Die Sammlung des Museums umfasst über 1.000 Werke von Delacroix, von Gemälden über Zeichnungen bis hin zu Drucken. Auch zahlreiche persönliche Dokumente und Schriften des Künstlers gehören zum Bestand, ebenso wie persönliche Gegenstände und Bildern, die von anderen Künstlern für Delacroix geschaffen wurden. Besonders sehenswert ist das Atelier des Malers, das dieser im Garten neben seinem Wohnhaus errichtet hatte. Auch der Garten selbst gehört zum Museum und bietet bis heute – wie einst schon im 19. Jhd. für Eugène Delacroix – eine ruhige Oase inmitten der urbanen Umgebung. Das kleine Museum zeigt nicht die bekanntesten Werke von Delacroix, allen voran „Die Freiheit führt das Volk“ (1830), das seit 1874 im Louvre zu sehen ist, oder „Der Tod des Sardanapal“ (1827), das sich ebenfalls in dieser Sammlung befindet. Statt dessen zeigt das Musée national Eugène Delacroix zahlreiche Studien des Künstlers und Gemälde, in denen er für ihn wichtige Sujets behandelt, etwa die Darstellung von Tigern. Insofern lohnt sich das Museum, wenn man mehr über die Entstehung von Delacroix’ ikonischen Gemälden und den Künstler selbst erfahren möchte.

musermeku dankt dem Paris Convention and Visitors Bureau / Atout France für die kostenlose Bereitstellung des Paris Museum Pass.


Bilder: Angelika Schoder – Paris, 2022


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Angelika Schoder

Über die Autorin

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

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