Das Dorf Èze: Vom Chemin de Nietzsche bis zum Jardin Exotique

Der Blick vom Exotischen Garten von Èze über die Côte d’Azur gilt als einer der schönsten in Südfrankreich. Auf den über 400 Meter hohen Aussichtspunkt gelangt man über einen Wanderweg, den schon Friedrich Nietzsche nutzte.

Über den Nietzsche-Wanderweg gelangt man zum Exotischen Garten von Èze. Von hier hat man eine spektakuläre Aussicht über die Côte d’Azur.

[Reise-Tipp] Als Friedrich Nietzsche im Winter des Jahres 1883 den französischen Ort Èze besuchte, ließ er sich zu seinem Werk „Also sprach Zarathustra“ inspirieren. Auch Alfred Hitchcock war hier tätig und drehte im nahe gelegenen Château Balsan angeblich eine Szene seines Films „Über den Dächern von Nizza“ mit Grace Kelly und Cary Grant. Und heute kann man in dem kleinen Dorf am Mittelmeer gelegentlich auch Mitglieder der Band U2 antreffen. Doch nicht nur für diverse Kunstschaffende ist Èze ein Ort der Inspiration und Entspannung. Das mittelalterliche Dorf, und insbesondere der Exotische Garten von Èze, ist eines der schönsten Reiseziele an der Côte d’Azur und bietet einen spektakulären Blick über die südfranzösische Küste.


Der Aufstieg vom Ort Eze-sur-Mer in das historische Dorf Èze lohnt sich. Vom über 400 Meter hoch gelegenen Jardin Exotique d’Eze aus kann man bis zum Golf von Saint-Tropez blicken.
Der Aufstieg vom Ort Eze-sur-Mer in das historische Dorf Èze lohnt sich. Vom über 400 Meter hoch gelegenen Jardin Exotique d’Eze aus kann man bis zum Golf von Saint-Tropez blicken.
Die Geschichte von Èze Village reicht bis in die Eisenzeit zurück. Bereits 220 v. Chr. siedelten Menschen am Berg von Èze. Die Gebäude des heutigen Dorfes stammen oft noch aus dem Mittelalter.
Die Geschichte von Èze Village reicht bis in die Eisenzeit zurück. Bereits 220 v. Chr. siedelten Menschen am Berg von Èze. Die Gebäude des heutigen Dorfes stammen oft noch aus dem Mittelalter.

Der Exotische Garten von Èze

Der Jardin Exotique d’Eze am Plateau de la Revère liegt in 429 Metern Höhe über dem Mittelmeer. An klaren Tagen kann man von hier in das Esterel-Gebirge und bis zum Golf von Saint-Tropez schauen. Diese Lage wussten schon Menschen in der Eisenzeit zu schätzen, als sich um 220 v. Chr. lokale Bevölkerungsgruppen auf dem Felsen von Èze ansiedelten. Bis heute zeugen noch einige Mauerfragmente im historischen Dorf von dieser frühen Besiedlung. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde dann von der Adelsfamilie von Èze eine Burg auf dem höchsten Punkt des Felsens erbaut. Im Jahr 1706, während des Spanischen Erbfolgekrieges, ordnete Ludwig XIV. dann auf Empfehlung seines Kriegsministers die Zerstörung der Burg an. Nur noch Ruinen blieben von der Burg übrig, doch diese entwickelten sich bereits in der Zeit der Belle Époque zu einem Anziehungspunkt für Toutisten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand dann die Idee, zwischen den Ruinen der alten Burg von Èze einen Exotischen Garten als neue Touristenattraktion anzulegen. Der damalige Bürgermeister von Èze , André Gianton, verwirklichte das Projekt gemeinsam mit Jean Gastaud, dem Gründer des Exotischen Gartens von Monaco. Heute zählt der Jardin Exotique d’Eze zu einem der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der französischen Riviera. Zwischen den historischen Mauern des Gartens wachsen zahlreiche Kakteen, Agaven, Aloen und andere Pflanzen, die vor allem aus trockenen Regionen aus aller Welt stammen. Im nördlichen Teil des Gartens finden sich außerdem mediterrane Gewächse und Pflanzen aus feuchten Regionen der Erde, kleine Grotten und ein Wasserfall. Auf verschiedenen Rundwegen kann die Pflanzenwelt des Gartens erkundet werden; QR-Codes am Wegesrand bieten online weitere Informationen zur Bepflanzung.

Der Garten bietet zudem einen künstlerischen Rundgang mit vierzehn Skulpturen des Bildhauers Jean-Philippe Richard. Die schlanken weiblichen Gestalten, die oft ihre Gesichter in Richtung Himmel richten, sind „Erdgöttinnen“, geheimnisvolle Nachfahrinnen der ägyptischen Göttin Isis, die für Fruchtbarkeit und Ewigkeit steht. Isis wurde in der Region von den Phöniziern verehrt und angeblich leitet sich sogar der Name des Dorfes Èze von der Göttin ab.


Im Jardin Exotique d’Eze sind vierzehn Skulpturen des Bildhauers Jean-Philippe Richard platziert. Jede der Figuren trägt einen Frauennamen.
Im Jardin Exotique d’Eze sind vierzehn Skulpturen des Bildhauers Jean-Philippe Richard platziert. Jede der Figuren trägt einen Frauennamen.
Der Exotische Garten wurde in den Ruinen der alten Burg von Èze angelegt und beheimatet heute Pflanzen aus aller Welt.
Der Exotische Garten wurde in den Ruinen der alten Burg von Èze angelegt und beheimatet heute Pflanzen aus aller Welt.

Das mittelalterliche Dorf Èze

Direkt unter dem Exotischen Garten von Èze, am Rande der historischen Altstadt, befindet sich die Kirche Notre-Dame de l’Assomption. Sie wurde zwischen 1764 und 1778 auf den Fundamenten einer romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert errichtet, nach Plänen des italienischen Architekten Antoine Spinelli und im Auftrag von Herzog Karl Emmanuel III. von Savoyen. Die Fassade ist zwar schlicht im neoklassizistischen Stil gestaltet, das Inneren der Kirche ist allerdings mit diversen Elementen des Barock versehen, mit kunstvollen Stuckarbeiten und Trompe-l’œil-Malereien. Der Glockenturm aus dem 19. Jahrhundert hatte ursprünglich sogar eine Kuppel, doch diese Wurde im Laufe der Zeit durch mehrere Blitzeinschläge zerstört. Sehenswert ist auch der kleine Friedhof hinter der Kirche mit einem weiten Ausblick über die Umgebung.

Auf der anderen Seite der Kirche galangt man in das Dorf Èze, das mit seinen verwinkelten Gassen, kleinen Hinterhöfen, gemauerten Rundbögen und schmalen Durchgängen an die Zeit des Mittelalters erinnert. In vielen der historischen Gebäude befinden sich kleine Boutiquen mit regionalen Spezialitäten, zum Beispiel Likör aus Esskastanien, Limoncello aus regionalen Zitronen oder der berühmte Mandarinette d’Eze, ein geschmacksintensiver Mandarinenlikör.


Die Kirche Notre-Dame de l’Assomption wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Der Kirchturm hatte einst eine Kuppel, die durch Blitzeinschläge zerstört wurde.
Die Kirche Notre-Dame de l’Assomption wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Der Kirchturm hatte einst eine Kuppel, die durch Blitzeinschläge zerstört wurde.
An der Kirche beginnt die mittelalterliche Altstadt von Èze Village. In den verwinkelten Gassen finden sich zahlreiche kleine Boutiquen.
An der Kirche beginnt die mittelalterliche Altstadt von Èze Village. In den verwinkelten Gassen finden sich zahlreiche kleine Boutiquen.

Der Nietzsche-Wanderweg

Das mittelalterliche Dorf von Èze kann man von der Bahnstation in Eze-sur-Mer zu Fuß erreichen – man muss dafür allerdings knapp 400 Höhenmeter auf einer Strecke von rund 2 Kilometern überwinden. Der mitunter sehr steile Weg, der entlang der Felsen und durch Waldabschnitte führt, ist nach einem der bekanntesten Besucher von Èze benannt: Friedrich Nietzsche. Der deutsche Philosoph besuchte die französische Stadt erstmals im Winter 1883/1884 und wohnte in dieser Zeit angeblich in einem der ältesten Häuser von Èze, dem ehemaligen Postgebäude. Während eines Spaziergangs von Eze-sur-Mer hinauf zum historischen Dorf, auf dem Weg der heute seinen Namen trägt, fand Nietzsche Inspiration für sein Werk „Also sprach Zarathustra“. Bis 1888 kam der Schriftsteller immer wieder an die Côte d’Azur und besuchte dabei wohl auch regelmäßig Èze.

Bei seinem ersten Besuch befand sich Nietzsche in einer schwierigen Lebensphase: Seine Bücher verkauften sich schlecht, sein Freund Richard Wagner war verstorben und er war von seiner Angebeteten Lou Andreas-Salomé zurückgewiesen worden. Sein Gemütszustand war entsprechend niedergeschlagen. Das sonnige Wetter und die malerische Landschaft in Südfrankreich, so schrieb der Philosoph in Briefen an Bekannte, half ihm dabei, seine Depressionen zu lindern. Insbesondere seine Wanderungen in den Bergen um Nizza, zum Beispiel von Eze-sur-Mer in das über 400 Meter hoch gelegene mittelalterliche Dorf Èze, beschrieb Nietzsche als positiv für sein Gemüt. Es bereite ihm gute Laune, würde ihm körperlich gut tun und ihn auch besser schlafen lassen, wie er Bekannten berichtete. Die Landschaft zwischen Olivenbäumen, Steineichen und dem Mittelmeer regte zudem seine Kreativität an.

Wer sich auf die Spuren des Philosophen begeben möchte, sollte für den Chemin de Nietzsche etwas über eine Stunde einplanen und gut zu Fuß sein. Belohnt wird man dafür mit wunderschönen Ausblicken auf das Dorf von Èze in den Felsen und auf die Mittelmeerküste, die immer wieder zwischen den Bäumen auftaucht.


Für den Aufstieg vom Bahnhof Eze-sur-Mer bis zum Èze Village benötigt man etwas über eine Stunde. Auf dem etwa 2 Kilometer langen Chemin de Nietzsche überwindet man rund 400 Höhenmeter.
Für den Aufstieg vom Bahnhof Eze-sur-Mer bis zum Èze Village benötigt man etwas über eine Stunde. Auf dem etwa 2 Kilometer langen Chemin de Nietzsche überwindet man rund 400 Höhenmeter.
Vom Nietzsche-Weg geht es weiter durch das Dorf bis zum höchsten Punkt des Felsens, auf dem sich der Jardin Exotique d’Eze befindet.
Vom Nietzsche-Weg geht es weiter durch das Dorf bis zum höchsten Punkt des Felsens, auf dem sich der Jardin Exotique d’Eze befindet.

Èze Village

Jardin Exotique d’Eze

20 Rue du Château, 06360 Èze, Frankreich

Bei einem Tagesausflug lässt sich Èze gut mit einem Besuch der Villa Ephrussi de Rothschild im nahe gelegenen Saint-Jean-Cap-Ferrat verbinden. Die Villa ist in nur wenigen Minuten von Eze-sur-Mer aus erreichbar.

Der Eintritt zum Jardin Exotique d’Eze und zur Villa Ephrussi de Rothschild ist im French Riviera Pass enthalten.


Bilder: Angelika Schoder – Jardin Exotique d’Eze und Èze Village, 2026


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Angelika Schoder

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