Haie und Meer: Das Ozeanographische Museum von Monaco

Mit einer historischen Ausstellung und Aquarien bietet das Musée Océanographique de Monaco einen Blick in die Unterwasserwelt und ihre Erforschung, von der Tiefsee bis zum Mittelmeer.

Mit einer historischen Ausstellung und Aquarien bietet das Musée Océanographique de Monaco einen Blick in die Unterwasserwelt und ihre Erforschung, von der Tiefsee bis zum Mittelmeer.

[Museums-Tipp] Am Rande der historischen Altstadt von Monaco-Ville, nur wenige Meter vom Fürstenpalast entfernt, thront das Ozeanographische Museum von Monaco direkt an einem Felshang über dem Mittelmeer. Das 1899 von Fürst Albert I. gegründete und 1910 eröffnete Museum widmet sich dem Thema der Meereskunde, von der Erforschung des Mittelmeeres bis hin zur Tiefsee. Dabei wird auch der Beitrag der monegassischen Fürsten in diesem Forschungsbereich beleuchtet. Das Museum verfügt außerdem über eines der ältesten Aquarien der Welt, in dem Riesenschildkröten, Haie oder seltene Nautilus-Schnecken ganz aus der Nähe beobachtet werden können.


Die Installation eines 4 Meter hohen Wals im Ausstellungsabschnitt „Oceanomania“ reagiert auf Besuchende und zeigt wissenswerte Infos zum Mittelmeer.
Die Installation eines 4 Meter hohen Wals im Ausstellungsabschnitt „Oceanomania“ reagiert auf Besuchende und zeigt wissenswerte Infos zum Mittelmeer.

Wunderkammer des Meeres

Die Dauerausstellung mit dem Titel „Oceanomania“ erscheint als Kuriositätenkabinett der Meereswelt. Im Zentrum steht eine rund 18 Meter breite und 10 Meter hohe Wand, die vom amerikanischen Künstler Mark Dion gestaltet wurde. Die Präsentation, die Kunst, Wissenschaft und Geschichte miteinander verbindet, greift die Tradition der historischen Wunderkammern auf, in der europäische Adlige seltene und exotische Objekte aus aller Welt präsentierten. Solche Sammlungen ermöglichten vor Hunderten von Jahren einen Blick auf unbekannte Regionen, lange bevor Reisen in ferne Länder für viele Menschen überhaupt möglich waren.

An diese Idee knüpft „Oceanomania“ an und kombiniert Objekte aus der Natur mit historischen und aktuellen Kunstgegenständen und Artefakten, um die vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch und Meer zu beleuchten. In den historischen Vitrinen finden sich zum Beispiel Skelette, Fossilien, Modelle, Bücher und ungewöhnliche Objekte, etwa ein präparierter Eisbär aus Grönland sowie ein historischer Tauchanzug aus dem Jahr 1797, der von dem deutschen Erfinder Karl Heinrich Klingert entwickelt wurde. Mit diesem Anzug war es erstmals möglich, mehrere Minuten in bis zu zwölf Metern Tiefe zu tauchen, was im 18. Jahrhundert einen bedeutenden Fortschritt für die Meeresforschung bedeutete. Ergänzt wird die Installation durch interaktive Stationen, in denen ausgewählte Objekte digital in 3D betrachtet werden können.


Die von Künstler Mark Dion gestaltete Wunderkammer zeigt u.a. einen Tauchanzug, der 1797 von Karl Heinrich Klingert erfunden wurde.
Die von Künstler Mark Dion gestaltete Wunderkammer zeigt u.a. einen Tauchanzug, der 1797 von Karl Heinrich Klingert erfunden wurde.

Monaco und der Ozean

Im zweiten Ausstellungsbereich widmet sich das Ozeanographische Museum von Monaco dem Schutz der Meere. Anhand von historischen Hintergründen und mit interaktiven Elementen sollen die Besuchenden für die Bedrohung der Ozeane sensibilisiert und zum Handeln motiviert werden. Herzstück der Ausstellung ist eine immersive Inszenierung: In einer 27 Meter langen, wie ein Schiff gestaltenen Installation begeben sich die Besuchenden auf eine Zeitreise durch rund hundert Jahre Meeresforschung. Dabei geht es natürlich auch um das Engagement des monegassischen Fürstenhauses, denn es wird die Beziehung dreier Generationen von Fürsten zum Ozean beleuchtet.

Zu Beginn wird Albert I. als „Fürst der Meere“ vorgestellt, da er zwischen 1885 und 1915 zahlreiche Expeditionen von den Kapverden bis in die Arktis durchführte und damit den Grundstein für die moderne Ozeanografie legte. Sein Nachfolger Rainier III. setzte sich insbesondere für den Schutz des Mittelmeers ein und arbeitete eng mit dem bekannten Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau zusammen, der das Musée Océanographique de Monaco übrigens von 1957 bis 1988 als Direktor leitete. Schließlich geht es um den aktuellen Fürsten von Monaco, Albert II., dessen Interessenschwerpunkte der Klimawandel und der Verlust von Biodiversität auf unserem Planeten sind.

Die Ausstellung kombiniert dabei ausgewählte historische Exponate mit digitalen Installationen, interaktiven Bildschirmen und multimedialen Elementen, ergänzt durch Filme und Karten.


Wie in einem riesigen U-Boot fühlt man sich in der immersiven Installation "Oceano Odyssey", wenn z.B. Gruppen riesiger Wale an den Fenstern vorbeiziehen.
Wie in einem riesigen U-Boot fühlt man sich in der immersiven Installation „Oceano Odyssey“, wenn z.B. Gruppen riesiger Wale an den Fenstern vorbeiziehen.

Abtauchen im Museum

Der dritte Ausstellungsbereich „Oceano Odyssey“ entführt Besuchende auf eine Reise in das Mittelmeer der Zukunft, genauer gesagt in das Jahr 2050. Im Mittelpunkt steht ein U-Boot, das man zunächst über eine futuristisch wirkende Steuerbrücke betritt. Hier wird die Crew des U-Boots rund um Kapitän Anita vorgestellt und die Mission erklärt. Über die Brücke gelangt man dann in das Innere des U-Boots, das den gesamten Ausstellungsraum umfasst. An der Decke befinden sich Walskelette und im Zwischengeschoss lassen sich in Vitrinen weitere Inhalte und Exponate zur Meeresforschung entdecken. Wer unten im Raum auf den Sitzbänken Platz nimmt, kann virtuell in die Tiefen des Meeres direkt vor dem Ozeanographischen Museum von Monaco eintauchen.

Mithilfe von Projektionstechnik verwandeln sich die Fenster des Museums in Bullaugen, durch die man in die Unterwasserwelt nach draußen schauen kann. Durch eine immersive Inszenierung aus Projektionen und epischem Soundtrack fühlt man sich wie in einem Film, in dem man selbst zum Meeresforscher wird und bei einer Expedition das Ökosystem des Mittelmeers erkundet. Die Besuchenden lernen so die Unterwasserwelt und die hier lebenden Tiere kennen und erfahren gleichzeitig von den Herausforderungen, mit denen vor allem das Meer direkt vor der Haustür des Museums zu kämpfen hat, wenn Umweltverschmutzung und Klimawandel die empfindliche Biodiversität und die ökologischen Funktionen des Meeres bedrohen.


Tausende von Fischen, Korallen und Meeressäuger lassen sich im Untergeschoss des Ozeanographischen Museums entdecken.
Tausende von Fischen, Korallen und Meeressäuger lassen sich im Untergeschoss des Ozeanographischen Museums entdecken.

Die Unterwasserwelt entdecken

Das Untergeschoss des Museums ist ganz der Unterwasserwelt gewidmet. Im Zentrum steht der 6 Meter tiefe Wassertank der Hai-Lagune, der rund 450.000 Liter Meerwasser fasst. Bewohnt wird das Aquarium von Schwarzspitzenhaien, Grauen Riffhaien, Ammenhaien und Zebrahaien, neben diversen kleineren Fischarten. Auch ein Gitarrenrochen lebt hier, ebenso wie eine über 20 Jahre alte Karettschildkröte. Weitere Aquarien zeigen den Lebensraum des Mittelmeers mit rund 100 Fischarten und über 200 wirbellosen Tieren. Hier trifft man auf riesige Oktopusse, Zackenbarsche oder große Steckmuscheln. Der dritte große Aquarium-Bereich widmet sich tropischen Lebensräumen: Ein großes Korallenriff-Aquarium zeigt hier die enge Zusammenarbeit unterschiedlichster Arten, von Algen bis zu Raubfischen. Farbenprächtige Bewohner wie Clownfische, Muränen oder Kofferfische machen die Komplexität dieses Ökosystems sichtbar.

Einige der Aquarien sind mit interaktiven Displays versehen, mit denen sich die Besuchenden genauer über die Tiere darin informieren können. Dabei geht es um ihren Lebensraum, um ihre Besonderheiten und auch darum, warum einige dieser Arten heute vom Aussterben bedroht sind.


Im Erdgeschoss des Museums steht eine Statue des Museumsgründers, Fürst Albert I. von Monaco, gestaltet vom Bildhauer Denys Puech.
Im Erdgeschoss des Museums steht eine Statue des Museumsgründers, Fürst Albert I. von Monaco, gestaltet vom Bildhauer Denys Puech.

Musée Océanographique de Monaco

Av. Saint-Martin, 98000 Monaco

Der Eintritt ins Museum ist im French Riviera Pass enthalten.


Bilder: Angelika Schoder – Musée Océanographique de Monaco, 2026


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Angelika Schoder

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

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