Wie hoch sollte das Honorar im Kulturbereich sein?

Ohne ehrenamtliche Arbeit, unbezahlte Überstunden oder freiwillige Tätigkeiten wäre im Kulturbereich vieles nicht möglich. Dennoch ist es wichtig, endlich ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass qualifizierte Kulturarbeit ihren Preis hat – und dieser sollte fair sein. Einheitliche Honorar-Richtlinien für Kulturarbeit können dabei helfen, ein angemessenes Lohnniveau zu etablieren.


 

Budgetknappheit drückt die Vergütung

Im Kulturbereich herrschen oft schwierige finanzielle Bedingungen. Dass Praktika überhaupt bezahlt werden, ist in vielen Museen und Kulturinstitutionen leider eher die Ausnahme als die Regel. Auch was Einstiegspositionen angeht, sieht es im Kulturumfeld oft problematisch aus. Volontariate und Trainee-Stellen werden in etwa mit dem Mindestlohn vergütet, mitunter liegt der Lohn aber sogar noch darunter. Hinzu kommt, dass Museen und andere Kultureinrichtungen häufig mit freien Mitarbeitern zusammenarbeiten, um finanziell noch flexibler zu sein. Museumsführungen werden gerne auf Honorarbasis beauftragt, Museumspädagogen stellt man auf 450-Euro-Basis ein. Bei Einladungen zu Vorträgen werden, wenn man Glück hat, die Fahrtkosten übernommen. Ein DB-Ticket 2. Klasse ist manchmal auch das Einzige auf das man hoffen kann, wenn ein Workshop durchgeführt werden soll.

Kulturarbeit ist etwas, das man mit Herzblut betreibt. Besonders kleineren Institutionen, die häufig nur sehr begrenzte finanzielle Mittel haben, kommen einige Freelancer hier notgedrungen mit ihrem Honorar entgegen. Man senkt das Honorar, macht Freundschaftspreise oder arbeitet sogar kostenlos. Doch auch größere Institutionen können auf ein Entgegenkommen von Freien hoffen, wenn sie nur nachdringlich betonen, es sei „kein Budget da“ – zumindest nicht für Themen wie Kulturvermittlung, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen oder Social-Media-Konzeption.

Dabei wäre es wichtig, ein Bewusstsein für angemessene Honorare zu schaffen. Qualifizierte Kulturarbeit braucht eine faire Bezahlung. Gleichzeitig muss auch im Kulturbereich eine Akzeptanz für verbindliche Stunden- und Tagessätze geschaffen werden – ebenso wie es bereits in anderen Branchen der Fall ist. Von Fotografen, Webentwicklern, Übersetzern oder Grafikern wird in der Regel nicht erwartet, dass sie kostenfrei oder für die Übernahme von Reisekosten arbeiten. Warum sollte es bei Dienstleistern in der Kultur anders sein?

 

Die Honorar-Kalkulation

Bei der Kalkulation eines Honorars spielt zunächst natürlich die Qualifikation und die Erfahrung des Dienstleisters eine Rolle. Hinzu kommt die Berücksichtigung von Rücklagen und sozialer Absicherung, anfallende Kosten für Sachmittel oder Weiterbildung, sowie die Berücksichtigung steuerlicher Abgaben.

 

Schließlich müssen die Rahmenbedingungen eines Auftrags berücksichtigt werden:

  • Mit welchem zeitlichen Aufwand ist der Auftrag verbunden? Wie viele Arbeitsstunden bzw. Arbeitstage fallen an? Fällt evtl. zusätzlich Reisezeit an?
  • Muss bei der Kalkulation des Aufwandes Vor- und Nachbereitungszeit mit einkalkuliert werden?
  • Wird ein Pauschalhonorar vereinbart oder wird auf Grundlage eines Stunden- oder Tagessatzes abgerechnet?
  • Handelt es sich um eine verwaltende oder organisatorische Arbeit? Wird ein Konzept entwickelt oder wissenschaftlich gearbeitet? Sind bestimmte technische Fähigkeiten erforderlich oder handelt es sich um eine Kreativleistung?
  • Ist eine bestimmte technische Ausrüstung erforderlich, die man selbst mitbringt oder anmieten muss?
  • Nutzt man als Dienstleister sein eigenes Netzwerk bzw. seine Reichweite in Social Media für die Promotion bzw. für die Bewerbung des Projektes?
  • Wird ein Werkvertrag oder ein Nutzungsvertrag mit dem Auftraggeber geschlossen? In welchem Umfang werden Rechte zur Weiternutzung von Inhalten an den Auftraggeber übertragen?

 

Honorarempfehlungen des BfK – Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler

Im Rahmen der Mitgliederversammlung des BfK am 18. April 2015 verständigte sich der Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler auf Honorarempfehlungen. Die Empfehlungen zu den Honoraren verstehen sich als Netto-Kosten, zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer sowie Nebenkosten, etwa Fahrt- und Übernachtungskosten.

 

Stundensätze:

  • Für wissenschaftliche Tätigkeiten, Beratung und Forschung sowie für praktische Tätigkeiten wie z.B. Text- und Bildredaktion wird ein Stundensatz von 60 bis 80 Euro netto empfohlen.
  • Für praktische Tätigkeiten wie Recherche, Lektorat oder Öffentlichkeitsarbeit wird ein Stundensatz von 40 bis 60 Euro netto empfohlen.

 

Pauschalen:

  • Für regelmäßig durchgeführte Führungen wird eine Pauschale von 80 bis 100 Euro netto für 90 Minuten empfohlen, zuzüglich einmalige Konzeptionskosten mit einem Stundensatz von 60 bis 80 Euro netto.
  • Für einmalig beauftragte Sonderführungen wird eine Pauschale von 200 bis 700 Euro netto für 120 Minuten empfohlen.
  • Für wissenschaftliche Fachvorträge wird eine Pauschale von 200 bis 250 Euro netto empfohlen. Zu einem Vortrag von ca. 60 bis 90 Minuten länge kommen zusätzlich Konzeptionskosten mit einem Stundensatz von 60 bis 80 Euro netto. Hinzu kommen evtl. anfallende Reise- und Übernachtungskosten.

 

Fazit

Ist das Budget des Auftraggebers gering, sollte eher ein reduzierter Leistungsumfang angeboten werden, statt das Honorar nach unten zu verhandeln. Grundsätzlich sollte von Freelancern zudem keine unvergütete Leistung erbracht werden – auch nicht im Kulturbereich. Dies gilt auch für Konzepte, deren Umsetzung letztendlich nicht beauftragt, sondern von der Institution selbst umgesetzt wird. Auch diese Konzeptentwicklung müsste bereits vergütet werden.

Der BfK verweist ebenso darauf, dass Freiberufler ihre Leistung nicht zu Dumping-Preisen oder kostenfrei anbieten sollten, sondern sich an einem Honorarspiegel orientieren sollten. So kann es auch im Kulturbereich langfristig zu einer Stabilisierung der Honorare auf einem fairen Niveau kommen.

 

Linktipps:

 

Header-Bild: Angelika Schoder – Hamburg, 2017

4 thoughts on “Wie hoch sollte das Honorar im Kulturbereich sein?

  1. Damian Kaufmann | Zeilenabstand.net Antworten

    Natürlich haben Sie absolut Recht und trotzdem ist die Forderung nach leistungsgerechten Honoraren vielfach ein frommer Wunsch. Fördermittel sind leider das entscheidende Kriterium. Gelingt es nicht, sie einzuwerben, können ganze Projekte nicht realisiert werden oder müssen mit weitaus geringerem Budget gefahren werden.

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Damian,
      wenn kein Budget vorhanden ist, wäre dann aber die notwendige Konsequenz, Projekte nicht umzusetzen – oder eben nur so viel (oder so wenig) umzusetzen, wie auch vergütet wird. Wenn Dienstleister im Kulturbereich mit ihren Honoraren immer weiter nach unten gehen oder gratis mehr leisten, macht das langfristig die Situation eher schlechter für die ganze Branche. Es signalisiert nämlich: Es geht ja auch ohne Budget. Dann braucht man auch das nächste Mal keines usw. Vielleicht müssen erstmal Leerstellen auftreten und es müssen Angebote fehlen, bis realisiert wird, dass es ohne ausreichende Finanzierung nicht geht.

      Viele Grüße, Angelika

  2. Franz Jungbluth Antworten

    Bis auf die Führungspauschalen sind das gute Empfehlungen! Die halte ich für illusorisch, da ich wenige Museen kenne, die bei ihren Kunden überhaupt solche Sätze für eine Führung aufrufen. Da lieber eine ordentliche Konzeptionspauschale im Vorfeld und dafür realisistische Ansätze.

    Als Leiter eines kleinen, im Prinzip vereinsgetragenen Museums muss ich allerdings zugeben, dass ich außer bei der Führungskonzeption in allen Bereichen deutlich unter den Honoraren bleibe(n muss). Die Alternative wäre nicht „ein Projekt“ weniger im Jahr, sondern eine Reduzierung der Führungen auf 1/3 des derzeitigen Standes und der Verzicht auf extern kuratierte eigene Sonderausstellungen. Letzteres wäre schade, ersteres vom Standing in der Stadtgesellschaft fatal – mal abgesehen davon, dass ich Vermittlungsarbeit persönlich extrem wichtig finde und gemessen am Gesamtbudget da schon ganz ordentlich was für abzwacke.

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Vielen Dank für den Kommentar. Natürlich ist gerade die Vermittlungsarbeit sehr wichtig und auch Sonderausstellungen sind ein erheblicher Faktor, um Museen attraktiv zu machen und immer wieder Publikum ins Haus zu bringen. Ich verstehe auch das Dilemma, in dem sich kleine Institutionen mit wenig Budget befinden. Aber im Prinzip ist es ein Teufelskreis, in dem man sich bewegt. Wenn man für immer weniger Geld die gleiche umfangreiche Leistung anbietet, dann sendet das nur das Signal, dass es offensichtlich mit kleinem Budget funktioniert. Oder dass vielleicht sogar noch mehr gespart werden kann. Müsste nicht erst etwas fehlen – also eine Leerstelle im Angebot entstehen – um zu verdeutlichen, dass es eben nicht ohne Budget geht?

      Viele Grüße, Angelika

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