Wenn Bildrechte Museen in den Wahnsinn treiben

Wenn es um das Thema Bildrechte geht, fühlen sich Museen oft verunsichert und sind genervt. Das Ganze öffentlich debattieren will man meist nicht. Nur nichts Falsches sagen. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch heftig diskutiert. Die Rede ist dann immer von der VG Bild-Kunst, von Fotoverboten für Museumsbesucher und von der Nutzung der Abbildungen von Kunstwerken im Online-Bereich. Es wird Zeit, dass die Debatte endlich auch öffentlich geführt wird.


 

Das (fast) unmögliche Interview

Die Vorbereitung dieses Beitrags hat etwa 18 Monate gedauert. Im Sommer 2015 wurden von MusErMeKu erstmals Interviewfragen an eine Reihe deutscher Museen geschickt. Einige haben umgehend abgelehnt, die Fragen zum Thema Bildrechte im Museum zu beantworten. Andere äußerten ein „vielleicht“. Man müsse erst nachfragen, wie es hieß. Gemeldet wurde sich danach nicht mehr. Nachfragen wurden ignoriert oder das „vielleicht“ wurde auf unbestimmbare Zeit verzögert, in der Hoffnung, es würde sich schon irgendwann im Sande verlaufen. Über die Nachfrage nach unangenehmen Themen, die man lieber nicht öffentlich diskutieren möchte, kann man schon ein bisschen Gras wachsen lassen.

Ein einziges Museum gab es, bei dem die Hoffnung bestand, dass unsere Interviewfragen zu Bildrechten im Museum beantwortet werden könnten.

 

Das Marta Herford stellt sich heiklen Fragen

Roland Nachtigäller (@n8iger), der Direktor des Marta Herford, ist dafür bekannt, sich online in aktuelle Diskussionen einzubringen. Bevorzugt tut er dies im Museumsblog des Marta-Museums. Damit zählt Nachtigäller im deutschsprachigen Raum zu einem sehr kleinen Kreis von leitenden Museumsverantwortlichen, die mehr als ein digitales Grußwort ins Netz stellen. Nachtigäller hinterfragt regelmäßig den Kunst- und Kulturbetrieb. Auch die Online-Kultur-Filterblase bekam bereits ihr Fett weg.

Wir freuen uns, dass wir nach monatelanger Vorbereitung dieses Interview mit Roland Nachtigäller umsetzen konnten. Ein Interview, das von einer ganzen Reihe von Museen abgelehnt wurde, weil man sich lieber still den Gegebenheiten fügt, als öffentlich auf die Problematik der Bildrechte aufmerksam zu machen.

 

Roland Nachtigäller im Interview über Bildrechte im Museum

Herr Nachtigäller, während besonders in angelsächsischen Ländern heute in vielen Museen nicht nur kein Fotoverbot mehr besteht, sondern Museen Besucher sogar direkt dazu ermutigen in Ausstellungen zu fotografieren und ihre Bilder in sozialen Netzwerken zu teilen, sehen sich insbesondere deutsche Museen hier mit einigen Problemen konfrontiert. Mit welchen rechtlichen Rahmenbedingungen muss sich das Marta Herford hier arrangieren?

 

Roland Nachtigäller: „Beginnen wir mit einem Beispiel: Für eine kommende Ausstellung wird das Erscheinungsbild erarbeitet, also als erstes ein Keyvisual gesucht. Schon hier beginnt die Schere im Kopf: Denn wird das Werk eines Künstlers ausgewählt, der von einer Verwertungsgesellschaft oder einem Rechtsnachfolger vertreten wird, wird es eher kompliziert. Mit allen anderen können wir direkt verabreden, welche Motive wir in welchen Zusammenhängen auf welche Weise für die Öffentlichkeitsarbeit zu einer Ausstellung verwenden können.

Soll es dann aber doch ein Werk z.B. eines ‚VG Bild-Kunst-Künstlers‘ sein, ist zunächst zu klären, welches Vertragsverhältnis eingegangen wurde: Lässt sie oder er also das Reprorecht, das Onlinerecht, das Folgerecht oder eine Kombination daraus in welchem Umfang vertreten? Vier Wochen vor einer Ausstellung, während der Laufzeit und sechs Wochen danach ist beispielsweise die Online-Verwendung von bis zu 10 Werken dieser KünstlerInnen kosten-, aber nicht anzeigefrei. Für jede Abweichung, sprich ein früher einsetzendes Ausstellungsmarketing, die Verwendung eines freigegebenen Bildes im Header eines Blogbeitrags, der dieses leicht beschneidet, gar die Arbeit mit Ausschnitten oder Text-/Bildcollagen z.B. auf Plakaten und erst recht die Einspeisung solcher Bilder in die sozialen Netzwerke sind gesondert genehmigungs- und dann auch kostenpflichtig.

Zu Zeiten gedruckter Materialien war dies eine eingespielte, vertrauensvolle und überschaubare Zusammenarbeit, bei der die Verwertungsgesellschaften vielfach auch beratend zur Seite standen. Doch mit der Digitalisierung ist der Wind deutlich schärfer geworden. Ich will hier gar nicht auf die systemimmanente Unlogik einzelner Regelungen eingehen, nicht auf Kontrollierbarkeit und Eigendynamiken, nicht auf juristische Unklarheiten und Behauptungen, nicht auf zwischenmenschliche Verhältnisse und korrodierende kulturelle Interessenszusammenhänge, sondern nur mal bei einem ganz banalen Aspekt bleiben: Wir können uns Vieles schlicht nicht mehr leisten.

Der Aufwand ist dermaßen hoch geworden, dass wir eine eigene Abteilung nur für die Klärung von Bild-, Ton- und Textrechten aufbauen könnten, der zudem ein nicht unerhebliches Budget zugewiesen werden müsste. Denn wir waren mal sehr stolz darauf, unsere vollständige Ausstellungsgeschichte im Netz dokumentieren zu können, inklusive einzelner Raumansichten. Dies aber ist ebenfalls nicht ohne Genehmigung zulässig: Wir sind einst – wie wir heute wissen, relativ naiv – davon ausgegangen, dass es sich mit diesen Bildern verhält wie bei Aufnahmen von Menschenmengen (hier ist die rechtliche Lage auch nicht so einfach): Da nicht das einzelne Werk im Mittelpunkt des Bildes steht, sondern unsere Arbeit als Ausstellungsmacher, man also schon gar nicht das einzelne Bild aus solch einem Foto in brauchbarer Auflösung verzerrungs- und störungsfrei reproduzieren könnte, müssten solche Bilder abgabenfrei sein. Doch weit gefehlt, auch dies ist anzumelden und dafür zu zahlen (übrigens online immer als eine Art Miete des Reproduktionsrechts, sprich nach Zeiträumen Onlineverfügbarkeit).

Entnommen werden könnten dieser zusätzliche Finanzbedarf nur aus unserem Ausstellungsetat, der derzeit ebenfalls stark von den überall aufploppenden Leihgebühren, stark steigenden Transportkosten und zum Teil absurd verschärften restauratorischen Forderungen (für zeitgenössische Kunst!) belastet wird. Es geht also am Ende wieder zulasten der Künstler, die sich parallel gerade – durchaus ja nicht unberechtigt – mit eigenen Forderungen nach endlich einzuführenden Ausstellungshonoraren zu Wort melden.

Da fragt man sich dann schon zwischendurch, wofür wir das Ganze eigentlich machen, wenn auf der anderen Seite der alte Grundkonsens, Kultur- und Bildungsangebote seien eine gesellschaftliche Verpflichtung, politisch aufgekündigt wird und eine gGmbH wie das Marta Herford immer öfter gefragt wird, wann wir denn nun endlich mal aus der Verlustzone herauskämen. Vielleicht doch lieber Musicals …?“

 

Eine komplexe Situation also, mit der sich das Museum konfrontiert sieht. Welche Möglichkeiten hat das Marta Herford, hierauf zu reagieren?

 

RN: „Diese Frage stellen wir uns mittlerweile im Wochenrhythmus. Und (viel zu) oft führt die Antwort in eine pragmatische Vermeidungsstrategie: Im Marketing möglichst nur mit KünstlerInnen arbeiten, die sich und ihre Rechte selbst vertreten. Hier ist im Zuge der Ausstellungszusammenarbeit sowieso ein enger Arbeitszusammenhang gegeben, man kann direkt und konkret über einzelne Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sprechen, gegebenenfalls sogar eine kurze, individuell zugeschnittene Vereinbarung unterzeichnen und sich dann wieder auf die eigentliche Arbeit konzentrieren.

Die Verwertungsgesellschaften bieten im Gegenzug mittlerweile komplexe Rahmenverträge an, die einerseits Vieles (pauschal) regeln und damit vereinfachen sollen. Andererseits ist aber so manches noch gar nicht juristisch eindeutig geregelt und manch anderes in der Praxis unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht durchführbar, sodass es derzeit sehr schwer einzuschätzen ist, welche Regelung und Vereinbarung für uns als Museum tatsächlich sinnvoll und zukunftsfähig ist.“

 

Wo stößt das Museum, nach Ihrer Einschätzung, besonders an seine Grenzen, wenn es um das Thema Bildrechte geht?

 

RN: „Die Grenzen werden eindeutig dort erreicht, wo keine gesicherte Handlungsgrundlage und verlässliche Planung mehr möglich ist. Es kann nicht sein, dass wir zwei Jahre nach Abschluss (und damit auch Abrechnung) eines großen Ausstellungsprojekts plötzlich mit einer höheren vierstelligen Nachforderung für Bildrechte konfrontiert werden, nur weil die Rechtsvertreter plötzlich der Meinung sind, dass die beim Verlag verbliebene Auflage eines Katalogs doch als kommerzielles Buch zu werten ist. Da wir bei Abschluss des Verlagsvertrages zugesichert haben, dass alle bildrechtlichen Fragen geklärt sind und dem Verlag keine zusätzlichen Kosten entstehen, landen die nachträglich erhobenen Abgaben dann als Rechnung bei uns, weit außerhalb jeder Projektkalkulation und schlicht als großes Problem.

Weitergedacht richtet sich ein solches Vorgehen dann am Ende gegen die Künstler und auch gegen die Kunstbuchverlage, denn wir haben schon jetzt unsere Verlagspublikationen drastisch zurückgefahren, weil wir in einer solchen Situation auf viel zu schwer kalkulierbarem Terrain unterwegs sind. Das wiegt der kleine Vorteil einer professionellen Distribution kaum auf, zumal lange nicht mehr gesichert ist, dass es dem jeweiligen Verlag überhaupt gelingt, mit dem beispielsweise auf die Auslagentische der überschaubaren Anzahl von Kunstbuchhandlungen zu kommen. Schließlich graben sich die Rechteverwerter das Wasser selbst ab, denn wo anfänglich das engagierte Eintreiben zusätzlicher Abgaben und strengerer Auslegung der gesetzlichen Grundlagen stand, steht am Ende eine Verödung und deutliche Reduzierung der freien künstlerischen Darstellung.

Eine ähnliche Entwicklung stelle ich nun auch bei den Onlinepräsenzen fest. Man kann ganz klar sagen: Derzeit besteht durchaus die Gefahr, dass KünstlerInnen, die sich von Verwertungsgesellschaften vertreten lassen, an Sichtbarkeit verlieren können. Deren Werke nehmen wir – auch auf äußeren Druck – systematisch von unseren Webseiten, um einen verschärften Kostendruck erst einmal abzufangen. Ob da am Ende dann eine machbare Einigung der verschiedenen Partner steht, zum Beispiel ähnlich wie im Falle GEMA / YouTube – das wage ich nicht vorherzusagen.

Die schlichte Dokumentation aber von künstlerischen Aktivitäten und Ergebnissen in unabhängigen, nichtkommerziellen Zusammenhängen wird verschwinden und zurück bleiben die großen Player am Markt, die vor allem mit ihrer Ware sichtbar sind. Diese aber wird nicht mehr in einem unabhängigen kunstwissenschaftlichen Diskurs verhandelt, sondern in Werbezusammenhängen, auch wenn unsere Zunft daran (und ich kann und will mich da gar nicht völlig ausnehmen, selbst wenn man sehr wachsam bleibt) zum Teil beteiligt ist.“

 

Welchen Umgang mit Bildrechten würden Sie sich vor diesem Hintergrund von den verschiedenen Akteuren und Rezipienten im Kultur-Umfeld wünschen?

 

RN: „Ein solcher Wunsch ist sehr zeitbezogen und das, was wir uns heute wünschen, kann morgen schon wieder ganz andere Rahmenbedingungen haben und somit obsolet sein. Aber derzeit wäre, glaube ich, mein größter Wunsch, dass die Museen und Kunstvereine gemeinsam mit den Künstlern und Verlagen näher mit den Verwertungsgesellschaften zusammenrücken und sich als Partner in der Sache verstehen. Auch ich und wir wollen, dass KünstlerInnen über ihr Werk Einkünfte erzielen, damit sie davon leben können. Aber viele Künstler wissen zu meinem großen Erstaunen oft gar nicht, was es im Alltag und für ihre Präsenz im kunstwissenschaftlichen Diskurs bedeutet, wenn sie ihre Vertretungsrechte vollständig übertragen.

Bei den Verwertungsgesellschaften wiederum ist deutlich zu spüren, wie der Druck erhöht wird Einnahmesteigerungen zu realisieren und dafür kooperative Praktiken zu unterminieren und gewachsene Vertrauensverhältnisse unter Umständen auch aufs Spiel zu setzen. Und das geht ja dominoartig weiter: Wenn die Rechtevertreter die Daumenschrauben anziehen, müssen auch wir Museen nach neuen Kompensationen suchen, also z.B. über höhere Leihgebühren, die mögliche Beteiligung von Künstlern an den Kosten ihrer öffentlichen Darstellung in medialen Zusammenhängen, die Reduktion von Produktionsbudgets oder gar – wie jüngst geschehen – indem das Museum selbst als Kläger auftritt und aggressiv Sekundärrechte einklagt (wie das Urheberrecht des Hausfotografen für die reine Werkreproduktion).

Ungeachtet all dessen läuft parallel daneben her eine fortwährende Urheberrechtsverletzung durch die „normalen“ Kunstinteressierten, indem sie Werke fotografieren, teilen, auf Plattformen hochladen, kommentieren, collagieren oder individuell verändern etc. Diese ‚Anarchie der Rezipientenpraxis‘ hat auch etwas Hoffnungsvolles, denn die Flut ist schon längst nicht mehr einzudämmen und wird es auch hoffentlich nie sein.

Dann kommen wir vielleicht endlich zu der erst einmal provokanten, aber letztlich in meinen Augen einzig vernünftigen Folgerung, die einzelbildbezogene Urheberrechtsabgabe vollständig einzustellen zugunsten einer pauschalisierten Abgabe zum Beispiel über Endgeräte. Das hat eine lange Zeit hinsichtlich der Textverwertung gut funktioniert: Pauschal werden reproduktive Geräte, in unserem Falle alle Foto- und abbildungsfähigen technischen Apparaturen, mit einer einheitlich geregelten Abgabe belegt, die direkt an die Verwertungsgesellschaften fließt. Sicher ist da noch lange nicht jedes ‚Aber‘ bedacht, doch ich bin mir sicher, dass die beteiligten Fachleute und Juristen durchaus Lösungen finden können, die einer zeitgemäßen Praxis würdig sind.“

Vielen Dank für das Interview.

 

Die Anarchie der Rezipienten als Lösung?

Nicht nur Museen stellen sich die Frage, wie in Zukunft mit den Bildrechten von Kunstwerken umgegangen werden kann. Künstler sollen einerseits finanziell nicht geschädigt werden, andererseits dürfen Museen aber auch nicht eingeschränkt werden, wenn sie Inhalte vermitteln und kommunizieren wollen. Letztendlich muss es aber auch eine gewisse Sicherheit für Museumsbesucher geben, wenn sie Bilder von Kunstwerken online veröffentlichen.

Zwar ist heute bereits eine Flut an urheberrechtlich geschützten Werken online verfügbar, aber allein die schiere Masse macht die Veröffentlichungen nicht rechtlich zulässig. Wer sagt, dass die VG Bild-Kunst nicht in Zukunft massenhaft Blogger, Instagrammer oder Facebook-Nutzer abmahnen wird? Und wer sagt, dass Museen nicht in einer Art „Störerhaftung“ im großen Stil mit zur Kasse gebeten werden, weil sie das Fotografieren der Kunstwerke in ihren Räumlichkeiten nicht aktiv unterbunden haben? Bevor nicht eine eindeutige rechtliche Grundlage in Deutschland geschaffen wird, ist es dünnes Eis, auf dem man sich bewegt.

 

Header-Bild: Angelika Schoder – MKG – Museum für Kunst & Gewerbe, Hamburg 2017


Linktipps:

35 Antworten auf „Wenn Bildrechte Museen in den Wahnsinn treiben“

  1. Vielen Dank für dieses sehr aufschlußreiche Gespräch!
    Zu dem am Schluß von Herrn Nachtigäller als Lösungsmöglichkeit erwogenen Vorschlag, die einzelbildbezogene Urheberrechtsabgabe einfach abzuschaffen und sie zu ersetzen durch eine pauschalisierte Abgabe auf Endgeräte bzw. Speichermedien, ist zu bemerken, daß diese Abgabe als Kompensation für die unter den Schrankenregleungen des Urheberrechts (u.a. die Privatkopie) zulässigen Vervielfältigungshandlungen längst erhoben wird. Einzelheiten zur Höhe finden sich unter . Das Gesamtaufkommen kann man aus den öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten der Verwertungsgesellschaften zusammenzählen. Nicht nur die VG WORT und die GEMA, sondern auch die VG Bild-Kunst ist daran beteiligt und verteilt die auf sie anfallenden Anteile an ihre Rechteinhaber. Im Jahr 2015 wurden auf diesem Weg über 50 Mio € eingenommen; der mit Abstand größte Posten am gesamten Geschäftsaufkommen: .

    1. Vielen Dank für den Hinweis! Ich muss gestehen, ich kenne diese Pauschalabgaben bisher nur in Bezug auf die VG Wort und die GEMA, dass auch die VG Bild-Kunst an diesen Einnahmen beteiligt wird, war mir bisher nicht bekannt. Dann ginge es doch lediglich um eine entsprechende Anhebung der Umlage und eine (dann sichlicherlich auch trotzdem noch ziemlich komplizierte) Erarbeitung angemessener Verteilungsschlüssel, oder?
      Mit herzlichen Grüßen
      R. Nachtigäller

    2. Die Geschichte der Umsatzentwicklung der VG Bild-Kunst von 1973 bis 2015 ist schon recht eindrucksvoll. Dieser Eindruck relativiert sich allerdings, wenn man das Geschäftsvolumen in ein Verhältnis setzt zu den Bilanzen durchschnittlich erfolgreicher mittelständischer Unternehmen, größerer Auktionshäuser oder gar von international erfolgreichen Konzernen.
      Er relativiert sich vollends, wenn man die Beträge, mit denen da gerechnet wird, in ein Verhältnis setzt zur ‚Workforce‘ – zur Zahl der Mitglieder bzw. Berechtigten, auf die die Tantiemen verteilt werden. Bei den einzelnen Künstler/inne/n, Fotograf/inn/en oder Filmschaffenden kommen aus den Ausschüttungen der VG Bild-Kunst im Durchschnitt weniger als 900 Euro im Jahr an (mit freilich erheblichen Unterschieden im einzelnen).
      Davon kann niemand leben, wohnen, sich krankenversichern, geschweige denn ein Atelier unterhalten, Reisen, Kontakte pflegen usw. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Mitglieder der VG Bild-Kunst, wenn sie erfolgreich sind, im wesentlichen aus Verkäufen ihrer Bilder bzw. aus Verträgen mit Verlagen, Agenturen, Produzenten; wenn sie (wie die meisten) weniger erfolgreich sind, nolens volens aus anderen Quellen.

      In Anbetracht dessen könnte die Forderung, insgesamt mehr Geld – wie immer es eingesammelt werden mag – für die gesamtgesellschaftliche Versorgung mit Bildern bzw. visueller Kultur i.w.S. aufzubringen, grundsätzlich einleuchtend erscheinen.

      Auch die Überlegung, das Erfolgsmodell der Speichermedien- und Geräteabgaben weiter auszubauen, erscheint auf den ersten Blick naheliegend. Die Wachstumskurve der Abgaben, die seit den 1960er Jahren zunächst auf Betreiben der GEMA auf Leercassetten erhoben wurden und seit den 1980er Jahren auf Betreiben v.a. der VG Wort auch auf Fotokopiergeräte, und seither auf immer weitere Kreise von Speichermedien sowie von im weitesten Sinn zu Reproduktionszwecken nutzbaren Geräten (Computer, CD-Brenner, Drucker, Smartphones) ausgeweitet wurden, korrespondiert (nicht ganz zufällig) mit der Wachstumskurve des Umsatzes der Verwertungsgesellschaften. In der Tat ist die Entwicklung dieser Pauschalabgaben seit Jahrzehnten die treibende Kraft in der Geschäftsentwickung der Verwertungsgesellschaften überhaupt (wobei im Bereich der Musik und der Filmproduktion Rundfunk und Fernsehen ebenfalls erheblich zum Tantiemenaufkommen beitrugen).
      Es erscheint allerdings fraglich, wie weit sich die Gebührenschraube in diesem Bereich noch weiter drehen lassen wird. Vielleicht könnte man PCs mit demselben Satz belasten, der für Smartphones erhoben wird (z.Zt. 36 €), das könnte die Verteilungssummen insgesamt um ein paar Prozente steigern, usw. Aber es gibt eine Grenze der Steigerungsmöglichkeiten; ab einer gewissen Höhe motivieren solche Abgaben diejenigen, die damit belastet werden, sich nach Alternativen umzusehen, z.B. bei ausländischen Anbietern, in deren Markt solche Abgaben nicht erhoben werden.

      Insgesamt könnte es ratsam sein, den Blick in eine andere Richtung zu wenden: Die Milliardengewinne, die heute zumindest indirekt mit den Werken der Bild-, Text-, Film- und Musikschaffenden gemacht werden, fallen bei Internet-Plattformen wie Google, Amazon, Facebook usw. an.
      Die Frage – die auch die EU-Kommission in ihrem jüngsten Vorschlag für eine Reform der Urheberrechte in den EU-Ländern zumindest ansatzweise im Hinblick auf die Videoplattformen in den Blick genommen hat (vgl. https://ec.europa.eu/transparency/regdoc/rep/1/2016/EN/1-2016-593-EN-F1-1.PDF ) – ist nun, wie es möglich sein könnte, das Geschäftsfeld dieser Internet-Plattformen, das ohne die attraktiven audiovisuellen Inhalte nicht funktionieren könnte, aber sich in das hergebrachte System der urheberrechtlich begründeten Rechte und Pflichten bisher nicht recht einordnen ließ, so in die Verantwortung zu nehmen, daß sie einen fairen Beitrag zur Finanzierung der Produktion der Inhalte zu leisten hätten, die uns alle immer wieder auf die betreffenden Seiten locken und diese Seiten eben damit überhaupt erst als lukrative Werbeträger erscheinen lassen.

    3. Es wäre definitiv eine Überlegung, die Online-Dienste und Social Media Plattformen einzubeziehen. Die Frage ist aber, wie sich das auf europäischer Ebene – und darüber hinaus – regeln ließe. Notfalls würden die Dienste die Inhalte vielleicht eher sperren, um Abgaben zu vermeiden?

      Viele Grüße, Angelika

  2. Liebe Angelika, lieber Roland,

    es begeistert mich, dass Ihr dieses wichtige Thema gleich mit zwei Beiträgen auf zwei Blogs zur Diskussion stellt. Es wäre wunderbar, wenn auch der (Kultur-)Politik dieses Problem endlich bewusst würde. Vieles liegt ja schlichtweg daran, dass das Urheberrecht nicht an die neuen Bedingungen des Internets angepasst worden ist.

    Auch als Kulturblogger ist man ja ständig damit konfrontiert und tatsächlich recherchiere ich manchmal schon vor dem Museumsbesuch ob sich der Aufwand für einen Beitrag lohnt oder nicht. Müssen die Ausstellungsansichten sechs Wochen nach Ausstellungsende alle entfernt werden, verzichte ich mittlerweile aufs Schreiben. Dafür ist der Fotografier- und Bearbeitungsaufwand einfach zu groß und zeitintensiv. So entgehen meinen Lesern leider manchmal gute Empfehlungen.

    Da Du die Thematik der Buchverlage ansprichst, Roland, möchte ich hierzu noch einige exemplarische Vorfälle aus dem Verlagsalltag ergänzen, die zeigen, dass auch hier der Rattenschwanz Verwertungsgesellschaften weitergeht.
    Im letzten Jahr gab es ein Buch, für das wir eine dicke Nachforderung bekommen haben, weil zwar der Künstler sich selbst vertrat, aber der Fotograf, der die Ansichten erstellt hatte, sehr wohl von der VG vertreten wurde. Eine Tatsache die vor der Produktion leider nicht bekannt war.
    Eine ebenso ausufernde Nachforderung entsteht, wenn Künstler bei mehreren Verwertungsgesellschaften sind. Da wir einen internationalen Vertrieb haben, heißt das unter Umständen auch doppelt oder dreifach bezahlen.
    Ein anderes Buch hat es leider am Ende gar nicht in den Buchhandel geschafft. Dokumentiert werden sollte ein Projekt, an dem diverse junge Künstler beteiligt waren. Während der Herstellung des Buches sind zwei von fünfzehn der VG beigetreten.
    Vorfälle dieser Art gibt es immer häufiger, was natürlich auch dazu geführt hat, dass sich die Verträge überall verschärft haben, weil man versucht dem juristischen Wirrwarr irgendwie Herr zu werden.
    Ebenso zahlt man extra, wenn ein VG Bild als Covermotiv verwendet wird. Ebenso fallen Extrakosten an, wenn wir die Bücher in unserem Verlagsprogramm mit Bildern vorstellen. Bei Büchern kommt dann noch die VG Wort hinzu. Diese Liste lässt sich fast unendlich fortführen. So kommt dann pro Buch wirklich schnell ein stattliches Sümmchen zusammen. Früher war das teilweise zu Verschmerzen, da Verlage an den Ausschüttungen beteiligt waren.

    So findet auch in Verlagen mittlerweile ein Abwägen statt, ob es überhaupt möglich ist, einen Titel ins Programm aufzunehmen. Mit der Förderung, Ermöglichung und Verbreitung von Kunst haben diese Absurditäten oft nichts mehr zu tun.

    Viele Grüße
    Michelle

    1. Liebe Michelle,
      das ist nochmal eine schöne, praxisnahe Ergänzung zum Thema. Ich muss gestehen, dass ich – je länger ich mich im Vorfeld mit der Thematik beschäftigt hatte – auch immer ratloser hinsichtlich einer klaren Lösung geworden bin. Letztlich hat sich gerade über die Untätigkeit der Politik ein Gesetztes- und Verfahrensdschungel ergeben, durch den die Machete der schnittigen Forderung kaum mehr durch kommt. Können wir, im Rahmen eines Runden Tisches, einer Kommission o.ä. nochmal alles auf Null setzen und dann neu regeln? Wahrscheinlich geht das schon wegen der internationalen Verflechtungen kaum … Also hoffe ich, dass diese Beiträge und die möglichen nachfolgenden Diskussionen wenigstens mit dazu führen, dass die Verantwortlichen sich ermutigt oder gedrängt sehen, hier noch deutlich mehr Aufmerksamkeit und Initiative zu investieren. Auf jeden Fall sollten wir bei dem Thema nicht lockerlassen!
      Viele Grüße
      Roland

    2. Lieber Herr Nachtigäller,

      auch an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für das Interview!

      Dass sich etwas an der rechtlichen Situation ändern muss, ist überfällig. Denn spätestens durch die Vielfalt digitaler Verbreitungsmöglichkeiten – die sich ja schon an der Masse an urheberrechtlich geschützten Werken zeigt, die online verfügbar sind – wird klar, dass die Rechtslage nicht auf der Höhe der Zeit ist. Die internationalen Verflechtungen, die Sie ansprechen, sind da sicher ein Problem. Aber zumindest auf europäischer Ebene müsste sich eine einheitliche Regelung finden lassen. Das betrifft sowohl Werke der Bildenden Kunst in Museen, aber auch Architektur oder Werke im öffentlichen Raum, die teils von der Panoramafreiheit abgedeckt sind – in anderen Ländern aber nicht. Wer hat schon den Überblick, in welchem Land man ein Gebäude fotografieren und die Bilder veröffentlichen darf und wo es rechtlich unzulässig ist? Darf ich Bilder der Kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen online veröffentlichen, das Atomium in Brüssel oder ein Foto aus dem Innenraum des Vitra Design Museums? Wer wüsste die Antwort auf diese Fragen spontan, ohne danach lange googeln zu müssen? Und auch in Museen ist die Lage ja unübersichtlich, auch wann ein Werk nach dem Tod eines Künstlers gemeinfrei wird, ist von Land zu Land unterschiedlich. Ganz zu schweigen davon, dass manche Werke nach Ablauf der Frist theoretisch gemeinfrei werden würden, dies aber dann doch nicht werden, weil die Eben oder Vertretungsgemeinschaften die Rechte aufrecht erhalten. Und schließlich eben, Sie sprechen es auch an, die Eigentümer von Werken, die ihren teuer bezahlten Besitz nicht verbreitet oder gar kommerziell genutzt sehen wollen.

      Hätte die Thematik um Bildrechte einen Facebook-Status, man müsste „es ist kompliziert“ angeben.

      Viele Grüße, Angelika Schoder

    3. Liebe Michelle,

      danke für deine Ergänzung zum Thema aus Verlagssicht. In diesem Aspekt besteht ja im Hinblick auf Ausstellungskataloge auch wieder ein enger Bezug zu Museen. Wenn am Ende Publikationen erscheinen, die reine Aufsatzsammlungen sind, ohne Abbildungen, ist das auch nicht gerade förderlich, einen Anreiz für ein breiteres Publikum zu schaffen, die Publikation zu erwerben und die Inhalte so zu verbreiten.

      Und auch aus Forschungssicht wäre es bei vielen Ausstellungen wichtig, das Ausstellungsdesign und die Hängung der Werke durch Abbildungen festhalten und publizieren zu können. Die Fondation Beyeler zeigte z.B. in ihrer Ausstellung „Auf der Suche nach 0,10“ aus dem Jahr 20125/16 auch Aufnahmen der Ausstellung, auf die sie sich bezog, nämlich „Die letzte futuristische Ausstellung der Malerei 0,10“, die 1915/16 in Petrograd zu sehen war. Vor 100 Jahren ließ sich die Hängung der Werke noch fotografisch dokumentieren und veröffentlichen – ironischerweise heute nicht mehr, da einige Leihgeber das Fotografieren „ihrer“ Werke untersagt hatten. So wird man in weiteren 100 Jahren die Ausstellung von 1915 vielleicht besser nachvollziehen können, als die von 2015?

      Und wie du schreibst: Auch einer Förderung und Verbreitung von Kunst, auf die besonders Nachwuchskünstler ja angewiesen sind, steht die aktuelle rechtliche Situation im Weg.

      Viele Grüße, Angelika

  3. Liebe Alle,

    es ist gut, dass das Thema angepackt wird. Und ich sehe es als sehr mutig an, sich da mal in den Wind zu stellen. Tja, die Bildrechte. Ich sehe auch vollkommen ein, dass es wichtig ist, Autorenschaft hoch zu halten. Vieles macht Sinn. Aber viele Dinge sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Das Digitale stellt andere Anforderungen. Auch das Rezipieren erfolgt auf anderen Kanälen und es wäre fatal, diese auszuschließen.
    Ich frage mich, welche Schritte die nächsten sein könnten, um hier einmal voranzukommen. Ja, Zusammenarbeit aller Beteiligten ist ein richtiger Weg. Diskurs ist auch wichtig, denn ich glaube schon, dass noch nicht alles durchdacht ist. Man sieht ja, dass es immer wieder passiert, dass man urplötzlich irgendwelche Nachforderungen auf dem Tisch hat. Vielleicht muss man sich die Systeme in anderen Ländern auch noch mal genauer anschauen. Klar ist natürlich auch, dass es zwei Seiten gibt. Die der Institutionen und die der Rezipienten, Rezensenten, Blogger, Besucher. Ich bin gespannt, wie die Diskussion weitergeht.

    Vielen Dank auf jeden Fall für euren Beitrag und euer Engagement!

    Herzliche Grüße
    Anke

    1. Liebe Anke,

      natürlich soll, neben den Institutionen und Rezipienten, auch die Seite der Künstler und Urheber berücksichtigt werden. Auch sie müssen von ihrer Arbeit leben können. Es muss eine Regelung gefunden werden, die klar stellt, dass man sich nicht auf Kosten der Künstler und Urheber bereichert und Profit macht, während diese leer ausgehen.

      Dennoch darf aber nicht der Verbreitung und Vermittlung der Werke im Weg gestanden werden – denn auch davon profitieren schließlich Künstler. Insofern muss man hoffen, dass in Zukunft eine rechtliche Regelung gefunden werden kann, die für alle Seiten einen Kompromiss darstellt, mit dem alle Seiten auch gut leben und arbeiten können.

      Viele Grüße, Angelika

  4. Wo ist das Problem ? Dieses unsinnige Abmahnverfahren Gesetzlich verbieten da es meist eh nur von RA betrieben wird, die auch nur von Zufallsfunden profitieren, denn kein Künstler setzt sich permanent vor den PC um solche Aufnahmen zu suchen und entsprechende Wege selbst einzuschreiten, eine für mich stimmige Regelung sollte man Abmahnen wollen. Im Kunstbereich eh nicht zu verstehen das Künstler nicht an eine Weltweite Verbreitung, ohne eigene Kosten, interessiert sind. Frau/Mann könnte Glauben sie arbeiten Alle für den Speicher oder Keller. Wer das Original besitzen will muß es Käuflich erwerben also wo ist das Problem ? Die Katalogdrucker arbeiten eh in einer anderen Qualität und Zusammenfassung, somit ist ein Werk im Sozialen Netzwerk oder Bloog etc. eine gelungene Werbung für den Künstler und kein Verlust eher ein Ansporn den Katalog zu erwerben.
    Viele Grüße

    1. Hallo Friedrich,

      es macht sicherlich für viele Künstler Sinn, sich durch die VG Bild-Kunst vertreten zu lassen. Nur müssten sie scheinbar auch mehr darüber aufgeklärt werden, welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringt – und welche Regelungen sie treffen müssen, um in bestimmten Fällen eben keinen Nachteile zu haben. Es ist klar, dass Künstler ihre finanziellen Interessen wahren müssen, aber auch eine Bekanntmachung ihrer Arbeiten durch Publikationen oder Online-Werbung wird sicherlich in bestimmten Fällen in ihrem Sinne sein. Genau für diese Fälle – z.B. bei Ausstellungen in Museen – müssten sie dann gesonderte Regelungen treffen. Denn fast jeder wird dem zustimmen, dass nichts das Original ersetzen kann und eine Verbreitung der Werke eher zum Erfolg des Künstlers beitragen wird.

      Viele Grüße, Angelika

  5. Danke für dieses Interview! Wir brauchen diese Debatte dringend! Als betroffene Museumsmitarbeiterin kann ich mir gut vorstellen, warum es so schwer ist, eine/n Interviewpartner/in bei diesem Thema zu bekommen. Wer blauäugig in die (Bildrechte-)Falle tappt, muss zahlen. In den Museen und Ausstellungshäusern spielt sich vieles notgedrungen in einem rechtlichen Graubereich ab, und es geht um juristisches Knowhow, aber auch Erfahrung, Tricks und Umwege – nichts, was man an die große Glocke hängen möchte. Aber das alles wird getan, nicht um einen Urheber um sein wohlverdientes Einkommen zu bringen, sondern um dem Bildungsauftrag, den jedes Museum hat, überhaupt nachkommen zu können. Eine offene Diskussion wäre toll! Danke und macht weiter!

    1. Hallo Jutta,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bekomme ja auch regelmäßig mit, wie in den Museen und zwischen den Mitarbeitern verschiedener Institutionen diskutiert, überlegt und improvisiert wird, um manche Situationen zu lösen. Das beginnt bei Werbung, Flyern und Katalogen, geht weiter bei der Vermittlung und endet beim Online-Auftritt. Die Debatte ist also da, nur wissen natürlich die meisten Menschen außerhalb des Museumsbereichs nicht, dass viele Museen mit der Bildrechte-Situation so unglücklich sind. Daher die Idee, dies auch nach außen mal zu kommunizieren – auch um mehr Verständnis bei den Museumsbesuchern zu gewinnen. Vielleicht schafft es auch Aufmerksamkeit bei einigen Künstlern, dass sie aktiv werden müssen, wenn sie durch die VG Bild-Kunst vertreten werden. Manchen ist mitunter wohl nicht bewusst, dass sie für bestimmte Projekte Regelungen treffen sollten.

      Viele Grüße, Angelika

  6. Bildrechte sind eine zweischneidige Sache.
    Die Motive für die Genehmigung frei zu fotografieren oder es zu verbieten sind unterschiedlich.
    In Frankreich unterscheidet man zwischen professioneller Fotografie, die eine Genhmigung erfordert und privater Fotografie, die erlaubt. Als Unterscheidungsmerkmal zieht man die Benutzung eines Statives heran.
    In Tschechien ist oft das freie Fotografieren verboten, weil die Kirche z.B. ihre eigenen Bildbände verkaufen will.
    In Deutschland, Österreich, Italien, England, Irland ist Fotografieren in Kirchen fast immer erlaubt.
    In Spanien werden stattdessen oft Eintrittsgelder verlangt.
    Meiner Meinung nach sollte das Fotografieren erlaubt bleiben, weil Kirchen auch ein Aushängeschild unserer Kultur sind.

    1. Es wäre sicher gut, wenn es zumindest in Europa dazu eine einheitliche Regelung geben würde. Allerdings ist schon die Unterscheidung in private und kommerzielle Nutzung schwierig, z.B. bei Bloggern. Kompliziert wird es auch, wenn man die Bilder in Social Media postet, denn damit räumt man den Plattformen ein Nutzungsrecht der Bilder ein. Damit ermöglicht man eine kommerzielle Nutzung, selbst wenn man selbst für sich nur eine private Nutzung der Bilder plant. Kein Wunder also, dass in dem Bereich eine große Verunsicherung seitens der Fotografierenden herrscht.

      Viele Grüße, Angelika

  7. Ich war immer der Ansicht, dass jeder Künstler das Recht hat, zb. ein Museum, mit dem er zusammenarbeitet, von der Abgabe freizustellen. Da kommt sicher auch ein ordentlicher Bürokratieaufwand zusammen, aber man müsste sich doch da einigen können, so dass die Verwertungsgesellschaften nicht dort „wildern“, wo es am Ende kontraproduktiv ist. Oder gibt es einfach so viele, die da nicht kooperationsbereit sind?

    1. Hallo Michael,

      soweit ich weiß, ist das möglich. Doch einige Künstler bedenken vielleicht nicht, dass sie, wenn sie durch die VG Bild-Kunst vertreten werden, dann gezielt bestimmte Institutionen freistellen müssten – wenn sie dies denn möchten. Wahrscheinlich müsste seitens der VG, aber auch seitens der Institutionen besser darüber aufgeklärt werden, was die Vor- und Nachteile für die Künstler sind und wie diese ihre Angelegenheiten in ihrem Interesse regeln können.

      Viele Grüße, Angelika

    2. Mit dem Wahrnehmungsvertrag haben die Künstler / Fotografen die Vertretung ihrer Rechte üblicherweise an die VG abgetreten und haben demnach nun nicht mehr selbst die Möglichkeit, im Einzelfall anders zu entscheiden, als die VG es allgemein für nötig und wünschenswert hält. Ganz unsinnig erscheint diese Regel übrigens nicht, denn wenn es anders wäre, fänden sich die Künstler ja immer wieder in peinlichen Situationen, wo sie persönlich entscheiden müßten, wem sie wieviel abverlangen, wem einen „Freundschaftspreis“ machen oder auch alle Gebühren erlassen. Diese Kommunikation ihnen zu ersparen, erscheint durchaus wünschenswert, so daß man das Regime der VG – so schädlich es in vielen Fällen aus den oben angesprochenen Gründen auch ist – fast schon wieder für das kleinere Übel halten könnte. Und wenn man beides für Übel hält, wird es Zeit, über grundlegendere Alternativen nachzudenken…

    3. Es würde natürlich mehr Aufwand für die Künstler bedeuten, aber wäre es nicht eine bessere Lösung, wenn Künstler individuell entscheiden könnten, wann sie wem gegenüber in welchem Umfang auf Ansprüche verzichten? Man könnte vielleicht eine Art System nach dem CC-Lizenz-Vorbild einführen, um den Prozess zu vereinheitlichen und einfacher zu gestalten?

      Viele Grüße, Angelika

  8. privat, kommerziell,
    genau darum geht es. Ich handhabe es mit meinen Kirchenbildern , die ich auf meiner eigenen Webseite darstelle so, dass ich bei Bilderwünschen von Kirchengemeinden für Flyers z.B., die Fotos natürlich kostenfrei und ohne Angabe von Namen zur Verfügung stelle.
    Bei Buchverlagen verlange ich auch keine Gebühren , dafür die Nennung meines Namens.
    Bei Privatleuten, die eine Kirche z.B. für eine Familienchronik brauchen, verlange ich auch keine Gebühren, aber die Zusicherung, dass die Fotos nicht kommerziell vertrieben werden dürfen.
    Meine Grundeinstellung ist, dass man an Fotos von Kirchen nichts verdienen darf.
    Bei Fotos von Künstwerken in Kunstausstellungen sieht das natürlich anders aus. Der Künstler lebt ja davon. Also muss ihm eine Einnahme zustehen. Wie man das am besten macht, das ist ja das thema unseres blogs.

    1. Es ist eine gute Idee, die weitere Nutzung der Bilder individuell zu regeln. Zwar ist es umständlich für den Fotografen, aber so können für alle Seiten zufriedenstellend Lösungen gefunden werden. Diese Möglichkeit sollte auch für Künstler bestehen, die sich durch die VG Bild-Kunst vertreten lassen.

      Viele Grüße, Angelika

  9. …..individuelle Regelung
    wichtig ist, dass die Museen nicht zum Inkassobüro kommerzieller Interessen, sprich Verwertungsgesellschaften werden.
    Wie das Beispiel Gema zeigt, werden beim SWR immer mehr Schlager abgespielt, die Gema frei sind. Der Schuss kann also auch nach hinten los gehen.
    Ich benütze bei meiner musikalischen Untermalung nur noch Komponisten, die seit 70 Jahren tot sind, und bei den Musikaufnahmen nur noch Schallplatten, die älter als 50 Jahre sind.
    Ich hatte beim SWR einmal angefragt, ob ich eine 30 Jahre alte Aufnahme eines Gregorianischen Gesanges übernehmen darf. Die Antwort war ein grundsätzliches Nein.
    Wenn rechtliche und kommerzielle Überlegungen über christliche Maxime gestellt werden ist das schon schlimm. Hier ist wirklich eine gesetzliche Regelung von Nöten. Wie die dann allerdings aussehen wird, darüber möchte ich gar nicht nachdenken.
    Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der weiteren Entwicklung.

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