Wozu denn das Weber World Café 3?

Als ich die Einladung bekam, am 3. Weber World Café teilzunehmen, war ich zwar dankbar, aber trotzdem skeptisch. So spannend das Thema „Museum, Power and Identity“ klang, so groß war die Frage, wie produktiv ein solches World Café überhaupt sein kann.

 

Einleitende Ausstellungsrundgänge

So kamen wir alle im Museum Dahlem in Berlin zusammen. Die Teilnehmer waren genau so zahlreich wie heterogen. Es wurde wohl bei der Einladungsliste auf Interdisziplinarität und Internationalität geachtet – beides ist immer gut. Erstmal wurden wir von den Gastgebern empfangen, gemeint sind die Museen selbst, die Max Weber Stiftung und das Forum für Transregionale Studien. Danach fing das Programm mit vier verschiedenen, von den Kuratoren geleiteten Führungen durch die unterschiedlichen Sammlungen der Museen an.

Man durfte sich eine Führung aussuchen, aber ich entschied mich zwei mal die Führung zu wechseln, um mir einen vollständigeren Überblick über die Veranstaltung zu verschaffen. So konnte ich einen Blick auf die Ostasiatische, die Afrikanische und die Mesoamerikanische Sammlung werfen. Fazit: Die Sammlungen sind im Allgemeinen äußerst sehenswert, obwohl sie (abgesehen von der afrikanischen) noch eine sehr konservative Ausstellungsstruktur besitzen.

Was die Führungen angeht, so wurden diese viel interessanter, sobald die Kuratoren damit begannen, anstatt nur historische und/oder ethnologische Aspekte zu erklären, über die interne Problematik des Museums und die Beschaffung der Exponate zu erzählen. Insgesamt eigneten sich diese Führungen perfekt als Vorbereitung für die kommenden Diskussionen.

 

Das Weber World Café als individuelle Erfahrung

Es folgten einige Worte der Gastgeber und die Vorstellung der Themen und Experten der Diskussionstische. Dann, mit etwas Verspätung (Wer hat schon einmal versucht, knapp 100 Menschen pünktlich zu koordinieren?), fing das eigentliche World Café an.

Ich finde, es würde wenig Sinn machen, die von mir erlebte Diskussionen an dieser Stelle zu erklären. Dies hat mit dem eigentlichen System des World Cafés zu tun: Die Erfahrung ist viel individueller als bei anderen Arten von Kongressen oder Tagungen. Somit sind die Schlussfolgerungen, die man daraus ziehen kann, äußerst subjektiv. Der Fakt, dass es bei World Cafés, keine traditionellen schriftlichen Ergebnisse gibt, kommt noch dazu. Meiner Meinung nach sollte es sie auch nicht geben. Stattdessen schätze ich es als interessanter ein, an dieser Stelle etwas über das System an sich zu erzählen. Wer mehr über die Themen und die Experten erfahren möchte, die am Weber World Café 3 teilgenommen haben, kann hierzu einfach das Weber World Café-Blog lesen.

 

Wissenschaftliches Speed-Dating

Als wir – die Teilnehmer – den Verlauf des Abends erklärt bekamen, wurde das World Café mehrmals mit Speed-Dating verglichen. Es klingt zwar wie ein Witz, ist aber ziemlich treffend. Die Teilnehmer setzen sich an einen der Tische und unterhalten sich mit den Experten und untereinander über das vorgegebene Thema. Nach 25 Minuten ertönt ein Gong. Man muss zu einem anderen Tisch wechseln. Insgesamt hatte man am Abend des 11. Juni 2015 jeweils vier Diskussionen erleben dürfen.

In Gegensatz zum Speed-Dating will man aber generell nie den Tisch nach 25 Minuten verlassen. Entweder ist die Diskussion gerade für einen interessant, oder man möchte länger bleiben um die Diskussion in eine Richtung zu lenken, die man interessant findet. Das Gefühl ist frustrierend, aber spannend. Die Pausen sind Kurz. Der Gefahr, zu viel Kaffee zu trinken, ist hoch. Man lernt, das System zu beherrschen. In der 4. Runde kalkuliert man viel besser die Sprechzeiten, die man sich nehmen kann, und man hört einander besser zu als am Anfang.

Am Ende ist man erschöpft. Hat es sich gelohnt? Ich finde, Ja. Der Informationsüberfluss war groß. Doch hat man Zeit gehabt es zu verdauen, bekommt man das Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben. Man ist während des Lernprozesses zum mitdenken – und nicht nur zum zuhören – gezwungen worden. Dazu kommt das erstaunliche Potential, das so eine Veranstaltung für den Aufbau von Netzwerken bietet.

 

Resümee

Natürlich ist nicht alles perfekt. Einige der Experte hatten sich so vorbereitet, als würden sie ein Vortrag halten. In seltenen Fällen bekam man den Eindruck, sie würden mit einem Raum ohne Hierarchie – kein Rednerpult oder Tischkopf – nicht klarkommen. Einige der Teilnehmer – Experten oder nicht – versuchten die Diskussion auf eine viel zu spezifische Ebene zu führen, wo andere nicht richtig mitreden konnten. Andere wiederum schienen sich nicht zu trauen, sich wirklich an den Gesprächen zu beteiligen. Doch diese und andere Probleme könnte man abschaffen – oder zumindest abbauen – wenn sich Menschen an das System des World Cafés gewöhnen würden.

Es lohnt sich, sich auf das Konzept des World Cafés einzustellen, denn horizontal zu diskutieren ist die bessere Form von Informationsaustausch. Klassische Vorträge stellen noch immer den Kern von wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen dar. Ich sehe wenig Sinn darin. Heutzutage ein paper vorzulesen, das der Teilnehmer z.B. in einem wissenschaftlichen Blog selbst lesen könnte, ist schlicht und einfach anachronistisch. Die Fragerunden danach werden sogar seltsam schriftlich festgehalten, ganz anders als die Kommentarseiten eines Blogs (siehe unten). Wozu also das Weber World Café? Ganz einfach: Um Kontakte zu knüpfen, zu diskutieren und zu lernen.

 

>>> MusErMeKu dankt der Max Weber Stiftung für die Einladung zum Weber World Café und die Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten.

Header-Bild: Damián Morán Dauchez – Berlin, 2015

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Linktipps:

3 thoughts on “Wozu denn das Weber World Café 3?

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