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Das Museo de Cáceres: Von der Steinzeit bis Picasso

Das Museo de Cáceres zeigt archäologische Objekte von den ersten menschlichen Spuren in der Altsteinzeit bis hin zu zeitgenössischer Kunst.

In der mittelalterlichen Altstadt von Cáceres, die zum UNESCO-Welterbe zählt, liegt das Museo de Cáceres. Das Stadtmuseum im Palacio de las Veletas zeigt nicht nur archäologische Fundstücke aus der spanischen Region Extremadura; es beherbergt neben ethnografischen Objekten auch eine umfangreiche Sammlung spanischer Kunst, mit Werken von El Greco bis Picasso. Ein Highlight des Museums ist zudem eine in den Fels gehauene Zisterne, die „Aljibe Andalusí“ aus der Zeit der arabischen Besetzung der Stadt. An kaum einem anderen Ort treffen so viele Jahrhunderte spanischer Geschichte aufeinander, wie in diesem Museum.


Die mittelalterliche Altstadt von Cáceres wurde 1986 zum UNESCO-Welterbe erklärt
Die mittelalterliche Altstadt von Cáceres wurde 1986 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Zwischen den Plätzen Plaza de Santa María und Plaza de los Golfines befinden sich zahlreiche historische Paläste, Villen und Adelshäuser.

Mittelalterliche Architektur

Die kleine Stadt Cáceres ist nicht nur für eines der ältesten Flamenco-Festivals in Spanien bekannt, das „Festival Flamenco de Cáceres“, das hier seit 1975 jedes Jahr stattfindet. Sehenswert ist vor allem die mittelalterliche Altstadt, die 1986 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Umgeben von einer Stadtmauer befindet sich hier das Viertel Santa María, das sich zwischen den Plätzen Plaza de Santa María vor der gleichnamigen Kathedrale und dem Plaza de los Golfines erstreckt. Zu den zahlreichen historischen Palästen, Villen und Adelshäusern, die sich hier befinden, zählt der sehenswerte Palacio de Carvajal aus dem 15. Jhd. und der Palacio de las Veletas, in dem sich das Museo de Cáceres befindet.

Der Palacio de las Veletas wurde ab 1477 von Diego Gómez de Torres auf dem Gelände der alten Almohaden-Festung von Cáceres errichtet; er erhielt aber seine heutige Gestaltung erst um 1600, als er unter Lorenzo de Ulloa umgebaut wurde. Viel älter ist allerdings das, was sich unter dem Gebäude befindet: Die hier gelegene Zisterne, die eines der wenigen Zeugnisse islamischer Architektur in Cáceres ist, entstand zwischen dem 11. und 12. Jhd. Sie gehörte zum hier einst errichteten sogenannten Alcazar und sollte die Wasserversorgung im Falle einer militärischen Belagerung gewährleisten. Als im 15. Jhd. der Palacio de las Veletas errichtet wurde, geschah dies unter der Auflage, dass die Zisterne weiter für die anliegenden Gebäude genutzt werden sollte. Diese Nutzung blieb bis ins frühe 20. Jhd. erhalten.

Die Zisterne, die heute über das Museo de Cáceres besucht werden kann, ist etwa 15 Meter lang, 10 Meter breit und hat 16 Hufeisenbögen, die von zwölf römischen und westgotischen Säulen getragen werden. Der gesamte Raum des „Aljibe Andalusí“ ist 5,30 Meter hoch und wird von einem Tonnengewölbe bedeckt. Die Zisterne, die ausschließlich durch Regenwasser gespeist wird, gilt als die bedeutendste und am besten erhaltene ihrer Art auf der Iberischen Halbinsel.


Die Zisterne aus der Zeit der arabischen Besetzung von Cáceres kann über das Museo de Cáceres besichtigt werden.
Die Zisterne aus der Zeit der arabischen Besetzung von Cáceres kann über das Museo de Cáceres besichtigt werden.

Das Museo de Cáceres

Die Geschichte des Museums geht zurück auf das Museo Arqueológico Escolar, das 1898 in Verbindung mit dem Gymnasium der Stadt eingerichtet wurde. Es befand sich zunächst im alten Jesuitenpfarrhaus neben der Kirche San Francisco Javier. Die Sammlung umfasste alte Münzen, historische Instrumente und einige Drucke der Calcografía Nacional. Im Jahr 1917 fand dann die offizielle Museumsgründung statt. In den Folgejahren wurde die Sammlung des Museums durch Nachlässe, Schenkungen und Ankäufe um bedeutende archäologische und numismatische Sammlungen und Exponate erweitert. Dies umfasste auch Kunstwerke aus dem Museo de Arte Moderno und dem Museo del Prado in Madrid.


Das Museo de Cáceres ist heute im Palacio de las Veletas aus dem 15. Jhd. ansässig.
Das Museo de Cáceres ist heute im Palacio de las Veletas aus dem 15. Jhd. ansässig.

Die Sammlung des Museums

Seit 1933 befindet sich das Museum an seinem heutigen Standort im Palacio de las Veletas. Die Sammlung wurde im Laufe der Jahre ständig erweitert, etwa um westgotische Goldbronzen, den Schatz von Serradilla, einen Schatz von 160 Denaren aus Valdesalor und mehrere verzierte Stelen aus der Bronzezeit. Auch die Entdeckung der Höhlenmalereien in der Cueva de Maltravieso durch den damaligen Museumsdirektor Carlos Callejo Serrano im Herbst 1956 war von zentraler Bedeutung für die Institution. In die Sammlung aufgenommen wurden außerdem archäologische Überreste der römischen Villa von Monroy, Artefakte aus der Römerzeit sowie zahlreiche Kunstwerke. So gelangte im Jahr 1974 das Gemälde „Jesús Salvador“ von El Greco in die Sammlung und 1989 erhielt das Museum die Kunstsammlung des Museo de Arte Contemporáneo, nachdem dieses aufgelöst worden war.


Die archäologische Ausstellung im Museo de Cáceres zeigt Exponate aus der Bronze- und Römerzeit
Die archäologische Ausstellung im Museo de Cáceres zeigt Exponate aus der Bronze- und Römerzeit. Es sind Zeugnisse der Besiedlung des Gebiets rund um Cáceres.

Von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart

Die ältesten Exponate des Museo de Cáceres stammen aus der Altsteinzeit. Die Ausstellung informiert hier über die Malereien, die in der Höhle von Maltravieso in der Nähe des Stadtzentrums gefunden wurden. Sie zeigen Handabdrücke, Linien und Punkte, aber auch eingravierte Figuren. Die ältesten Handabdrücke werden auf ca. 66.000 v. Chr. datiert. Daneben sind Objekte aus der Kupfer- und Bronzezeit zu sehen, u.a. Pfeilspitzen und Keramik. Die Ausstellung befasst sich hier auch mit den sogenannten Kieselsteinstelen aus der Jungsteinzeit und der späten Bronzezeit (10.-8. Jhd. v. Chr.), die aus Salvatierra de Santiago, Arrocerezo oder El Cerezal stammen. Sie wurden für Bestattungen oder als Meilenstein genutzt.

Zudem werden Gold- und Silberobjekte aus der Bronzezeit gezeigt (u.a. der Schatz aus Valdeobispo) und aus der frühen Eisenzeit (der Schatz aus Serradilla), und verschiedene Fundstücke aus dem Stausee von Valdecañas, dem ehemaligen Talavera la Vieja. Das Museum thematisiert auch die Eisenzeit (4.-2. Jhd. v. Chr.), in der Lusitanier und Vettonen das Gebiet um Cáceres bewohnten. Ausgestellt werden hier fast lebensgroße zoomorphe Skulpturen aus Stein, die sogenannten Wildschweine, die auch in der ganzen Provinz zu finden sind und vielleicht der Göttin Ataecina gewidmet waren.

Im 2. Jhd. v. Chr. besetzten dann die Römer das Gebiet um Cáceres und etablierten ein Straßennetz, zu dem auch die wichtige Handelsroute der Vía de la Plata zählte. Um 80 v. Chr. wurde das römische Lager Cáceres el Viejo gegründet. Aus dieser Zeit zeigt die Ausstellung u.a. eine Bronzestatuette, Keramik und einen Glaspokal. Zu sehen ist auch das Mosaico de la Caza, ein Mosaik, das in der römischen Villa El Olivar del Centeno (Millanes de la Mata) gefunden wurde. Zudem wird der Einfall der Sueben, Vandalen und Alanen in der Ausstellung thematisiert. Aus der westgotischen Zeit sind Gürtelspangen, Keramik und Münzen ausgestellt. Einige der hier gezeigten Grabbeigaben stammen aus der Nekropole von Zarza de Granadilla.

Im ethnografischen Bereich befasst sich die Ausstellung mit dem Leben in der Extremadura, historisch geprägt von Ackerbau, Viehzucht und Jagd. Ausgestellt werden hier Geräte und historische Artefakte.


m Museo de Cáceres werden auch Exponate aus der umfangreichen Kunstsammlung des Museums gezeigt
Im Museo de Cáceres werden auch Exponate aus der umfangreichen Kunstsammlung des Museums gezeigt, etwa von El Greco und Picasso, aber auch von zahlreichen zeitgenössischen Kunstschaffenden aus Spanien.

Die Kunstsammlung des Museums

Die umfangreiche Kunstsammlung des Museo de Cáceres ist in einem Nachbargebäude des Palacio de las Veletas untergebracht, und zwar in der Casa de los Caballos. Der erste Ausstellungsraum ist der spanischen Kunst des 20. Jhd. gewidmet. Zu finden sind hier die wichtigsten künstlerischen Strömungen des letzten Jahrhunderts, etwa Werke des Surrealismus, des Expressionismus, der Pop Art oder der geometrischen Abstraktion. Die Sammlungspräsentation umfasst sowohl regionale Künstler aus der Region der Extremadura wie Eugenio Hermoso, Godofredo Ortega Muñoz und Juan Barjola, aber auch Werken von international bekannten spanischen Künstlern wie Pablo Picasso oder Joan Miró.

Im ersten Untergeschoss der Casa de los Caballos befinden sich Räumlichkeiten für Sonderausstellungen, während sich das zweite Untergeschoss der Kunst des 14. bis 19. Jhd. widmet. Es sind Gemälde und Skulpturen, die meist religiöse Themen aufgreifen, aber auch Genremalerei, Landschaften oder Porträts. Das älteste Stück hier ist ein Prozessionskreuz aus Bronze aus dem frühen 14. Jhd., das aus der Pfarrei San Martín de Trebejo stammt. Weitere zentrale Werke sind eine Schnitzerei der Heiligen Dreifaltigkeit aus Alabaster von Herrera de Alcántara, ein Relief des Heiligen Lukas von Juan de Montejo aus dem späten 16. Jhd. und das Gemälde „Jesús Salvador“ von Domenico Theotocopuli El Greco. Aus dem 19. Jhd. sind Arbeiten wichtiger spanischer Künstler wie José Alcázar Tejedor oder Emilio Sala Francés zu sehen.


Museo Provincial de Cáceres

Pl. de las Veletas, 1
10003 Cáceres, Spanien


Header-Bild: Die Zisterne unter dem Museo de Cáceres – Angelika Schoder, 2021
Bilder: Angelika Schoder, Cáceres 2021


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Angelika Schoder

Über die Autorin

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

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