100 Jahre Bauhaus: Produktdesign der 1920er bis 40er Jahre

Bloggerreise/Werbung – Die Impulse, die das Staatliche Bauhaus in der Kunst und Architektur setzte, wirken bis heute nach. Doch auch im Design von Alltagsgegenständen war die 1919 gegründete Hochschule wegweisend. Die Künstler und Handwerker des Bauhaus waren auf der Suche nach einer neuen Formensprache, die den Anforderungen von Industrie und Massenproduktion genügen sollte. Die Entwürfe, die in Weimar, Dessau, Berlin und darüber hinaus entstanden, hatten eines gemeinsam: sie waren nicht nur nützlich, sondern auch schön. Diesem Produktdesign von 1920 bis 1940 widmet das LVR-Industriemuseum im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen nun seine aktuelle Sonderausstellung.

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Wie veränderte sich das Design von Waren des Alltags im Laufe der 1920er, 30er und 40er Jahre? Das zeigt „nützlich & schön“ noch bis 23.02.2020 – passend zum Jubiläum „100 jahre bauhaus im westen“. Die Ausstellung beleuchtet, wie aus einfachen Nutzgegenständen kleine Kunstwerke wurden

Der Wandel der Warenwelt

Die Entwicklung neuartiger Materialien in den 1920er Jahren machte auch eine neue Formensprache möglich. Kunststoffe wie PVC, Nylon, Perlon und Plexiglas ergänzten plötzlich das bis dahin bekannte Material Phenoplast bzw. Bakelit. Zahlreiche Plastik-Produkte eroberten nun den Haushalt. Aber in den 20ern setzte nicht nur eine „Plastifizierung“ ein. Auch der bereits 1912 von der Fried. Krupp AG zum Patent angemeldete rostfreie Stahl eröffnete zahlreiche neue Möglichkeiten für den Einsatz im Alltag. Industriell hergestelltes und massenhaft verarbeitetes Aluminium wurde zum „Metall der Moderne“.

Neben neuen Materialien konnten sich aber auch traditionelle Werkstoffe wie Holz, Glas oder Keramik weiterhin behaupten. Einige der erfolgreichsten Bauhaus-Produkte wurden aus Glas oder Keramik gefertigt, z.B. die Kaffeemaschine „Sintrax“ von Gerhard Marcks oder die seriell gefertigten Geschirr-Stücke von Otto Lindig. Durch neue Produktgestaltung erlebten die herkömmlichen Materialen eine Renaissance, ob alleine oder in Kombination mit den neuen Stoffen.

Die Ausstellung „nützlich & schön“ ist im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen zu sehen. Das Gebäude, das als Hauptlagerhaus zwischen 1920 und 1925 für die Gutehoffnungshütte (GHH) errichtet wurde, wird vom LVR-Industriemuseums seit 1998 auch als zentrales Sammlungsdepot genutzt

Schöner Wohnen im 20. Jahrhundert

Neue Produktdesigns breiteten sich ab den 1920er Jahren im ganzen Haushalt aus. Die industriell gefertigten Möbel, Küchenutensilien, Schmuck oder Wohnaccessoires waren für viele Menschen erschwinglich. Für ein völlig neues Wohngefühl sorgten verchromte Stahlrohrmöbel, etwa der Stuhl „Wassily“ von Marcel Breuer. Auch die schlichten und zweckmäßigen Entwürfe der Deutschen Werkstätten Hellerau waren wegweisend in ihrem Design. Die Küche wurde von Töpfen aus Aluminium erobert und das Wohnzimmer wurde mit dem Staubsauer „Saugling“ aus Bakelit und verchromtem Metall in Ordnung gehalten. Das „gute Porzellan“ wich dem praktischen Geschirr aus einfachem Pressglas. Doch Glas durfte auch kunstvoll ausfallen, etwa wenn es von Wilhelm Wagenfeld gestaltet wurde.

Für Wärme sorgte der Dauerbrandofen von Bauhaus-Gründer Walter Gropius und Spielspaß garantierte der Metallbaukasten „Elex“ von Märklin. Wenn es zum Ausgehen abends etwas glamouröser sein durfte, schlüpfte die Dame in ein Tanzkleid mit funkelnden Pailletten aus Celluloid. Ein Erinnerungsfoto wurde mit dem Fotoapparat „Agfa Box 14“ festgehalten. Dieser wurde, aufgrund seiner Beschaffenheit aus dem Press-Kunststoff Trolit, auch als „Trolix“ bekannt.

Doch auch außerhalb der Wohnung waren neue Werkstoffe und innovatives Design auf dem Vormarsch. Automobile und Motoren wurden aus Aluminium gefertigt, ebenso wie Propeller für Flugzeuge und Bauelemente für Zeppeline.

Das LVR-Industriemuseum in Oberhausen widmet dem Architekten Peter Behrens, der das heutige Museumsgebäude entworfen hat, im Obergeschoss die sehenswerte Dauerausstellung „Kunst und Technik“. Hier wird das Leben und Werk von Peter Behrens beleuchtet

Typisch Bauhaus: nützlich & schön

Die Einflüsse des Staatlichen Bauhaus zeigten sich auch jenseits von Weimar, Dessau und Berlin, wie die Ausstellung „nützlich & schön“ unter Beweis stellt. Besonders im Westen Deutschlands wurden die Mode, das Kunstgewerbe, die Wohnungsgestaltung, der Arbeitsalltag oder die Freizeit geprägt. Konsum- und Investitionsgüter wurden nicht mehr nur auf ihre Funktionalität reduziert, sondern es entwickelte sich auch ein gewisser Anspruch an Ästhetik. Im Hintergrund stand dabei immer das Ziel, dass die Produkte nicht nur einer kleinen wohlhabenden Schicht vorbehalten blieben. Auch für die breite Bevölkerung sollten die Produkte erschwinglich sein. Es war der Versuch einer grundsätzlichen Demokratisierung von Design.

Die Ausstellung des LWL-Industriemuseums im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen, die im Rahmen von „100 jahre bauhaus im westen“ stattfindet, zeigt hierzu rund 500 unterschiedliche Gebrauchsgegenstände aus allen Lebensbereichen. Von Haushalt und Wohnen oder Hygiene über Freizeit und Mobilität bis hin zu Arbeit und Produktion wird nachvollziehbar, wie sich das Produktdesign von den 1920er bis zu den 1940ern veränderte.

Der Leitgedanke war es, die Gestaltung der industriell geprägten Warenwelt mit künstlerischen Ausdrucksformen zu verbinden. Die Entwicklung einer neuen Formensprache, ermöglicht durch neuartige Materialien und Verarbeitungstechniken, wurde von den Designern, Handwerkern und Künstlern nicht nur als kulturelle, sondern auch als eine gesellschaftliche Aufgabe begriffen. Die Gegenstände, mit denen Menschen tagtäglich in Berührung kommen, sollten eben nicht nur nützlich sein, sondern auch schön. So wurde damit begonnen, das Leben in allen Facetten zu gestalten.

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nützlich & schön. Produktdesign von 1920 bis 1940

LVR-Industriemuseum
Peter-Behrens-Bau
19.05.2019 – 23.02.2020

Weitere Infos zur Ausstellung

Der Beitrag entstand im Rahmen der Bloggerreise #bauhauswow, die vom 24. bis 26.05.2019 stattfand und die von Tourismus NRW initiiert und finanziert wurde.


Bilder: Angelika Schoder – LVR-Industriemuseum, Peter-Behrens-Bau, 2019


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