Die Villa Stuck in München

Es gibt große und kleine Sünden, aber die schönsten stammen von Franz von Stuck (1863 – 1928). Der bayerische Maler, Zeichner und Bildhauer, der 1892 Mitbegründer der Münchner Secession war, widmete sich bevorzugt allegorischen und symbolhaften Motiven.

Seine Werke mit oft düsteren und erotischen Darstellungen nackter Körper und Gestalten, die aber auch häufig biographisch-persönliche Bezüge aufweisen, sorgten um die Jahrhundertwende für Aufmerksamkeit – auch über sein Münchner Umfeld hinaus. So außergewöhnlich wie der Künstler ist auch seine Wohn- und Wirkungsstätte – das heutige Museum Villa Stuck.

 

Die Amazone vor der Villa Stuck

Bereits vor dem Haus, zur Straßenseite hin, empfängt den Besucher die Skulptur der „Reitenden Amazone“. Franz von Stuck fertigte den Entwurf für die Bronzefigur 1913/14 an, doch erst im Jahr 1933/34 wurde die Plastik von der Kunstgießerei Priemen Bauer & Co. nach einem Gipsmodell umgesetzt. Im Jahr 1936 wurde die Amazone schließlich im Eingangsbereich der Villa positioniert.

Die Skulptur zeigt eine nackte Reiterin auf einem galoppierenden Pferd, bewaffnet mit einem Speer, zum Wurf bereit. Die Darstellung der Amazone greift das Konzept der „Femme Fatale“ auf, das um die Jahrhundertwende die gleichzeitige Verletzlichkeit, als auch die Bedrohlichkeit des Weiblichen ineinander vereinte. Bereits in seinem Gemälde „Kämpfende Amazone“ (1897) hatte sich von Stuck mit diesem Motiv beschäftigt, ebenso wie in seinem Werk „Amazone und Kentaur“ (1912).

 

Villa und Künstlergarten

Nichts anderes als ein Gesamtkunstwerk ist die 1897/98 durch das Bauunternehmen Heilmann & Littmann errichtete Villa in München Bogenhausen. Von Stuck selbst schuf für das Haus eigens Möbel, die er 1900 bei der Weltausstellung in Paris präsentierte und die dort mit einer Goldmedaille prämiert wurden, sowie Reliefs und Skulpturen, die zum Teil fest mit dem Gebäude verbunden sind. Im Jahr 1915 entstand ergänzend ein Ateliergebäude, das die Villa und den Künstlergarten auf ihrer Rückseite ergänzt. 

Der Künstlergarten ist von der Straße abgeschirmt und verbindet die Villa mit dem seitlichen Atelierbau. Zum Garten hin befindet sich hinter der Künstlervilla eine von Säulen umgebene Terrasse, rechts davon ist eine Pergola angelegt. Diese ist an der Stirnseite und an den Wänden der Villa mit Antikreliefs verziert und mündet zur Straße hin in einer Treppe, die zu einer Balustrade führt. Hier ist die Bronzefigur einer „Kapitolinischen Wölfin“ zu sehen. Nach einem etruskischen Vorbild aus dem 6. Jhd. v. Chr. ist die Skulptur, die als Wahrzeichen der Stadt Rom gilt, Ausdruck der Italien- und Antike-Verehrung durch Franz von Stuck. Mittlerweile wurde das Original an dieser Stelle infolge der Restaurierung durch einen Abguss ersetzt.

 

Vestibül und Empfangssalon

Über die Eingangshalle des Museums gelangt man in die Künstlervilla und in deren repräsentativen Eingangsbereich – das Vestibül. Der Boden ist mit einem Mosaik in Schwarz/Weiß verziert – die Decke steht dem gegenüber mit ornamentverzierten Kassetten. Zwei Skulpturen sind in diesem Empfangsraum zu sehen: auf der einen Seite die Nachbildung eines „Idolino“ mit schwarzer Patina nach römischem Vorbild; auf der anderen Seite die „Venus von Medici“. Umringt werden diese in dem hell und freundlich gestalteten Raum von vielen weiteren Nachbildungen verschiedener antiker Epochen.

Der Empfangssalon wirkt prunkvoll elegant, aber auch etwas düster und mysteriös. Von Stuck kombinierte hier Lichtreflexionen und eine Wand aus spiegelnden Elementen. Die Decke ist wieder in Kassetten gestaltet – diesmal dunkel und etwas drückend. Die dominierenden Farben des Raumes sind Dunkelrot, Gold und Dunkelbraun. Der Durchgang zum Musiksalon wird mit schweren roten Vorhängen abgetrennt, dazwischen befinden sich im Portalbogen eingelassene Bücherregale.

 

Der Musiksalon und die Ausstellungsräume

Der Musiksalon ist, ähnlich wie der Empfangssalon, relativ dunkel gehalten. Auch hier wurde die Einrichtung vom Künstler selbst entworfen und umgesetzt. Der Raum ist überfüllt mit Wandgemälden, wobei die Motive meist Gesang und Tanzszenen zeigen. Die Decke des Musiksalons bildet ein nachtblaues Himmelsgewölbe mit goldenen Sternen, Tierkreiszeichen und Sphärenkreisen. Das Zentrum des „Himmels“ stellt eine Leuchte in Form einer strahlenden Sonne dar.

Die Ausstellungsräume schließen sich direkt an den Empfangssalon bzw. den Musiksalon an. Hier befanden sich einstmals die privaten Wohnräume von Franz von Stuck und seiner Ehefrau Mary. Die reichhaltige Ausstattung der Räume wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. Geblieben ist u.a. die Deckengestaltung des Boudoirs. Hier vereinte von Stuck in Relieffeldern antike Szenen mit Motiven der griechischen Mythologie zu einer Art „antikem Götterhimmel“.

 

Der Treppenaufgang

Vom Vestibül aus gelangt man über ein hell gestrichenes Treppenhaus in das Obergeschoss der Künstlervilla. Der Treppenaufgang wird von einem großen Jugendstil-Element in Form einer Jakobsmuschel geschmückt; die Decke ist mit feinen Goldranken im Jugendstil verziert. Als zentrales Element ist hier eine strahlende Sonne platziert, diese bildet den Mittelpunkt eines Leuchters.

 

Das Alte Atelier

Im Obergeschoss der Künstlervilla befindet sich Franz von Stucks Atelier. Der große Raum ist relativ dunkel, nur auf einer Seite befindet sich ein Fenster und eine Balkontür zur Prinzregentenstraße hin. Direkt daneben ist der „Altar der Sünde“ errichtet, in dessen Zentrum von Stucks Werk „Die Sünde“ den Platz des Altarblatts besetzt. Blicht man in die tiefe des Raums, stellt man fest, dass das dunkle, aufwendig verlegte Parkett einen Kontrast bildet gegenüber der schwer wirkenden Kassettendecke, die ebenso wie das Parkett in viele strukturelle Elemente gegliedert ist. Ursprünglich nutze von Stuck den Raum nicht nur als Atelier, sondern auch als Verkaufs- und Ausstellungsraum sowie als Bankettsaal.

Unterhab der prunkvollen Kassettendeck befindet sich ein Wandfries, der selbstverständlich auch durch den Künstler persönlich gestaltet wurde. Von Stuck verewigte hier Namen von Künstlern, die er bewunderte, wie etwa Michelangelo, Peter Paul Rubens oder Velazquez. Daneben sind mythische Gestalten abgebildet, die sich typischerweise auch in den Werken von Stucks finden, die in ihrer Darstellung das Wilde und Triebhafte verkörpern.

 

Museum Villa Stuck

 

>>> MusErMeKu dankt dem Museum Villa Stuck für den freien Zugang zum Museum.

Bilder: Angelika Schoder – München, 2015

2 Antworten auf „Die Villa Stuck in München“

  1. Auch der Entwurf der Skulptur der Amazone stammt von 1897. Es gab zwei Bronze-Ausführungen, die vielfach wiederholt wurden, eine mit hohem Sockel, eine mit niedrigem Sockel. Zunächst tragen die Skulpturen die Aufschrift „Franz Stuck“, die Güsse nach der Erhebung in den Adelsstand 1906 dann „Franz von Stuck“.

    Die Angabe 1913/1914 muss sich wohl auf die riesige Version für den Außenbereich beziehen, wie sie dort in München und auch anderswo steht.

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