Der schönste Blick über Lissabon: Das Kloster São Vicente de Fora

Wer einen spektakulären 360-Grad-Panoramablick über Lissabon sucht, sollte das Mosteiro de São Vicente de Fora besuchen – am besten, um hier den Sonnenuntergang zu genießen. Im Museum des Klosters erfährt man zudem etwas über die Kirchen-, Alltags- und Kunstgeschichte Portugals.

Wer einen spektakulären 360-Grad-Panoramablick über Lissabon sucht, sollte das Mosteiro de São Vicente de Fora besuchen.

[Reise-Tipp] Lissabon ist von sieben Hügeln umgeben, die fast alle weitläufige Ausblicke auf die Stadt, den Fluss Tejo und die umliegende Lanschaft ermöglichen. Einen der schönsten Panoramablicke bietet dabei das Kloster São Vicente de Fora, das sich im gleichnamigen Stadtteil São Vicente über die Dächer von Lissabon erhebt. Das Kloster mit seiner Kirche, die dem Heiligen Vinzenz gewidmet ist, dem Schutzpatron Lissabons, gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der portugiesischen Hauptstadt. Noch immer verwaltet der Kardinalpatriarch von hier aus die Diözese von Lissabon, zudem befinden sich hier wichtige kirchliche Institutionen.

Für die Allgemeinheit zugänglich ist das Museum des Mosteiro de São Vicente de Fora, das Einblicke in die Geschichte des Klosters bietet. Auch die architektonische Gestaltung des Bauwerks ist sehenswert, etwa die barocken Azulejos, die für Portugal typischen Keramikfliesen. Man kann zudem eine mittelalterliche Zisterne und die Sakristei besichtigen, deren Wände mit kunstvoll eingelegtem Marmor verkleidet sind. Und im Königlichen Pantheon von Bragança kann man die Grabstätten zahlreicher Mitglieder der portugiesischen Königsfamilie durchschreiten. Den Abschluss des Rundgangs bildet der spektakuläre Blick über Lissabon vom Dach des Klosters. Am meisten lohnt sich daher ein Besuch zwischen Herbst und Frühling, wenn man kurz vor dem Ende der Öffnungszeiten hier den Sonnenuntergang über der Stadt beobachten kann.


Das Mosteiro de São Vicente de Fora zählt mit seiner fast 900-jährigen Geschichte zu den bedeutendsten Baudenkmalen der portugiesischen Hauptstadt.
Das Mosteiro de São Vicente de Fora zählt mit seiner fast 900-jährigen Geschichte zu den bedeutendsten Baudenkmalen der portugiesischen Hauptstadt.
Vom Dach des Klosters hat man einen Panoramablick über Lissabon, den Tejo und die umgebende Landschaft.
Vom Dach des Klosters hat man einen Panoramablick über Lissabon, den Tejo und die umgebende Landschaft.

Das Mosteiro de São Vicente de Fora

Während der Belagerung Lissabons im Jahr 1147 legte König Alfons I. ein Gelübde ab: Sollte es ihm gelingen, die Stadt zu erobern, würde er den Bau eines dem Heiligen Vinzenz gewidmeten Klosters in Auftrag geben. Noch im selben Jahr wurde das Kloster außerhalb der Stadtmauern gegründet, daher auch die Bezeichnung „São Vicente de Fora“ (Fora = außerhalb). Ab 1580, dem Zeitalter der Philippinische Dynastie, als Portugal und Spanien unter der Herrschaft eines Königs vereint waren, wurde das Kloster in Lissabon dann unter den Architekten Filippo Terzi, Juan de Herrera und Baltazar Álvares erheblich um- und ausgebaut.

Seine prachtvolle Ausstattung erhielt das Kloster jedoch erst während der Regierungszeiten von Peter II. und Johann V. im 17. und 18. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen unter anderem die kunstvollen Marmorintarsien, die Wandverzierungen mit glasierten Keramikfliesen und die Gemälde, die bis heute das Erscheinungsbild des Klosters prägen. Beim schweren Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 erlitt das Kloster vergleichsweise geringe Schäden, allerdings stürzte die Kuppel der Kirche ein. Damit hatte São Vicente de Fora mehr Glück als der Convento do Carmo auf dem Nachbarhügel. Nach dem Erdbeben und einem Brand sind von diesem ehemaligen Gotteshaus nur noch Ruinen erhalten. Heute befindet sich dort das Archäologische Museum von Lissabon.

Auch das Kloster São Vicente de Fora ist mittlerweile zum Ausstellungsort geworden. Denn der Augustiner-Orden, der seit der Gründung des Klosters hier ansässig war, wurde im Jahr 1834 aufgelöst. Im 19. Jahrhundert ging das Kloster dann in den Besitz des portugiesischen Staates über. In den Räumlichkeiten wurde zunächst das Liceu Gil Vicente eingerichtet, eine weiterführende Schule. Daneben war das Gebäude Sitz verschiedener staatlicher Einrichtungen. Heute ist das Kloster zwar noch Sitz der Kurie des Patriarchats von Lissabon, ist aber auch teilweise als Museum zugänglich.


Unter dem Kloster befindet sich eine mittelalterliche Zisterne. Sie stammt noch aus der Zeit von König Alfons I.
Unter dem Kloster befindet sich eine mittelalterliche Zisterne. Sie stammt noch aus der Zeit von König Alfons I.
Die Eingangshalle des Klosters wurde im 18. Jahrhundert mit farbigem Marmor, Fliesenbildern und einer aufwändig bemalten Decke ausgestattet.
Die Eingangshalle des Klosters wurde im 18. Jahrhundert mit farbigem Marmor, Fliesenbildern und einer aufwändig bemalten Decke ausgestattet.

Das Kloster als Spiegel portugiesischer Geschichte

Die Geschichte des Klosters reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ein Zeugnis aus dieser Zeit ist die mittelalterliche Zisterne, die dazu diente, Regenwasser zu sammeln und für den täglichen Bedarf der Klostergemeinschaft bereitzustellen. Das übrige Bauwerk ist moderner; das heutige Erscheinungsbild des Klosters ist vor allem durch spätere Umbauten geprägt. Im Jahr 1582 ließ König Philipp I. die Kirche und das Kloster fast von Grund auf neu errichten. Der Bau gilt als eines der frühen bedeutenden Beispiele des Manierismus in Portugal.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Ausstattung des Klosters noch einmal prunkvoller gestaltet. Die Räume aus dieser Zeit zeugen von der repräsentativen Bedeutung des Klosters, etwa die Eingangshalle. Sie wurde im 18. Jahrhundert mit farbigem Marmor und aufwändig gestalteten Fliesenbildern ausgestattet, die Decke wurde vom italienischen Künstler Vincenzo Baccarelli bemalt. Die Darstellungen erzählen unter anderem von der christlichen Rückeroberung der Stadt Lissabon, den portugiesischen Königen und der Gründung des Klosters. Zeitweise diente die Eingangshalle sogar als private Kapelle des Patriarchen José Neto.

Ein weiteres Highlight sind die beiden Kreuzgänge südlich der Kirche. Ihre Wände sind vollständig mit barocken Fliesenbildern bedeckt, deren Motive von französischen Stichen inspiriert wurden. Insgesamt befinden sich im Kloster rund 100.000 historische Azulejos. Die Sammlung gilt als eine der bedeutendsten der Welt und dokumentiert verschiedene Entwicklungsphasen der portugiesischen Fliesenkunst. Zu den Höhepunkten gehört außerdem die noch heute genutzte Sakristei, deren Wände mit farbigen Marmor-Intarsien mit floralen Motiven aus dem 18. Jahrhundert verziert sind. Unter dem Boden wurden bei archäologischen Untersuchungen übrigens Gräber entdeckt, die möglicherweise von Kreuzfahrern stammen, die König Alfons I. bei der Eroberung Lissabons unterstützten.


Die Wände der beiden Kreuzgänge südlich der Kirche sind vollständig mit barocken Fliesenbildern dekoriert. Insgesamt befinden sich im Kloster rund 100.000 historische Azulejos.
Die Wände der beiden Kreuzgänge südlich der Kirche sind vollständig mit barocken Fliesenbildern dekoriert. Insgesamt befinden sich im Kloster rund 100.000 historische Azulejos.
Im Panteão da Casa de Bragança fanden zahlreiche Mitglieder der letzten portugiesische Herrscher-Dynastie ihre letzte Ruhestätte.
Im Panteão da Casa de Bragança fanden zahlreiche Mitglieder der letzten portugiesische Herrscher-Dynastie ihre letzte Ruhestätte.

Unter der Erde im Pantheon und über den Dächern von Lissabon

Im Königlichen Pantheon, dem Panteão da Casa de Bragança, befindet sich die umfassendste königliche Grablege Portugals. Fast die gesamte letzte portugiesische Dynastie fand in São Vicente de Fora ihre letzte Ruhestätte. Wer mehr über die Geschichte einzelner Monarchen erfahren möchte und vom Aufstieg, der Herrschaft und dem Niedergang des Hauses Bragança hören will, sollte an einer Führung durch das Pantheon teilnehmen. Hier wird erklärt, wie eng das Kloster in Lissabon mit der portugiesischen Krone verbunden war. Die Führung geht aber auch darauf ein, dass über die Jahrhunderte hier auch Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten beigesetzt wurden: Augustiner-Mönche und Laien, Patriarchen und Ritter, Angehörige adeliger Familien, ebenso wie weniger wohlhabende Menschen. Die Grabstätten geben dabei einen Einblick in die Entwicklung christlicher Bestattungskultur, von anthropomorphen Gräbern und diversen historischen Begräbnisformen bis zur Aufbewahrung von Herzen und Eingeweiden in Gefäßen.

Ein weiterer Pantheon befindet sich im ehemaligen Kapitelsaal des Klosters. Patriarch Manuel Gonçalves Cerejeira ließ dort 1949 vom portugiesischen Architekten Raul Lino das Pantheon der Patriarchen errichten. Hier ruhen nahezu alle Patriarchen von Lissabon, von Carlos da Cunha bis José Policarpo. Auch einzelne Kapellen im Kloster erzählen besondere Geschichten, etwa die Kapelle von Palhavã, in der zwei der sogenannten „Kinder von Palhavã“ begraben liegen, uneheliche Söhne von König Johann V., die vom Monarchen anerkannt und weitgehend wie legitime Söhne behandelt wurden. Die Antonius-Kapelle erinnert daneben an den heiligen Antonius, der hier als junger Mann in den Augustiner-Orden eintrat. Der Überlieferung zufolge befand sich an der Stelle der Kapelle einst sein Zimmer im mittelalterlichen Kloster.

Wer sich nicht nur damit beschäftigen möchte, wer hier unter der Erde liegt, sondern auch wissen möchte, wie das Kloster von oben aussieht, begibt sich auf das Dach von São Vicente de Fora. Von hier eröffnet sich eine nahezu vollständige 360-Grad-Panoramasicht über Lissabon und den Tejo. Am besten besucht man das Mosteiro de São Vicente de Fora zwischen Herbst und Frühling, 1-2 Stunden vor dem Ende der Öffnungszeiten, um vom Dach des Klosters den Sonnenuntergang zu genießen.


Vom Dach des Mosteiro de São Vicente de Fora bietet sich eine fast vollständige 360-Grad-Panoramasicht über Lissabon.
Vom Dach des Mosteiro de São Vicente de Fora bietet sich eine fast vollständige 360-Grad-Panoramasicht über Lissabon.
Die Kirche des Mosteiro de São Vicente de Fora geht auf die Gründung durch König Alfons I. im 12. Jahrhundert zurück. Der heutige Bau entstand im 16. Jahrhundert.
Die Kirche des Mosteiro de São Vicente de Fora geht auf die Gründung durch König Alfons I. im 12. Jahrhundert zurück. Der heutige Bau entstand im 16. Jahrhundert.

Ausstellungen zu Kirchen-, Alltags- und Kunstgeschichte

In seinen Dauerausstellungen zeigt das Kloster-Museum archäologische Exponate, sakrale Kunstwerke, Gemälde und Schriften zur Geschichte Lissabons und zur katholischen Kirche Portugals. Beleuchtet wird dabei u.a. die Gründung des Patriarchat von Lissabon im Jahr 1716, deren politische und religiöse Hintergründe sowie die Entwicklung der Lissabonner Kirche und das Wirken ihrer Patriarchen. In der Ausstellung „2000 Jahre Geschichte“ wird außerdem ein ungewöhnlicher Blick auf den Alltag vergangener Jahrhunderte geboten. Die Exponate aus dieser Ausstellung stammen aus einer Abfallgrube, die sich zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert neben dem Klostergelände von São Vicente de Fora befand. Haushaltsgegenstände und andere Gebrauchsobjekte erzählen dabei eine Geschichte vom täglichen Leben der Menschen im und um das Kloster.

Zur Sammlung des Museums gehören darüber hinaus auch die historischen Fliesen des Klosters. Die Arkaden der Kreuzgänge wurden ab dem 18. Jahrhundert geschlossen und mit 38 glasierten Fliesenbildern versehen, auf denen Szenen aus den berühmten Fabeln des französischen Schriftstellers Jean de La Fontaine dargestellt sind. Als die Kreuzgänge im 20. Jahrhundert wieder geöffnet wurden, entfernte man die Fliesen, restaurierte sie und präsentierte sie anschließend als eigene Sammlung. Warum ausgerechnet La Fontaines Fabeln als Motiv für das Kloster gewählt wurden, ist übrigens bis heute nicht geklärt.

Daneben gibt es die „Galerie der Patriarchen“, die sich den 18 Kirchenoberhäuptern widmet, die seit der Gründung des Patriarchats von Lissabon amtierten. Die Rahmen der Portraits zeigen jeweils das Wappen des dargestellten Patriarchen. Und schließlich zeigt das Museum noch die naturwissenschaftliche Sammlung der Forscherin Maria Cândida Consolado Macedo. Sie widmete sich der Erforschung von Muscheln und sammelte die meisten Exemplare selbst an den Küsten Portugals. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl ihrer Sammlung, von kleinen bis zu großen Muscheln und in unterschiedlichen Formen und Farben.


Auch in den Räumen der Dauerausstellung im Mosteiro de São Vicente de Fora findet man Verzierungen mit traditionellen portugiesischen Fliesen.
Auch in den Räumen der Dauerausstellung im Mosteiro de São Vicente de Fora findet man Verzierungen mit traditionellen portugiesischen Fliesen.
In den Dauerausstellungen zeigt das Kloster-Museum naturhistorische Funde, archäologische Exponate, sakrale Kunstwerke, Gemälde und Schriften.
In den Dauerausstellungen zeigt das Kloster-Museum naturhistorische Funde, archäologische Exponate, sakrale Kunstwerke, Gemälde und Schriften.

Mosteiro de São Vicente de Fora

Largo de São Vicente
1100-472 Lisboa


Bilder: Angelika Schoder – Mosteiro de São Vicente de Fora, Lissabon 2025


Wir brauchen deine Unterstützung

Für Kultur-Fans und Museums-Profis: Werde jetzt Mitglied im musermeku Freundeskreis. Mit deiner Hilfe können wir auch weiterhin unabhängig über Museums- und Kulturthemen berichten.


Angelika Schoder

Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.

Bei LinkedIn vernetzen


Linktipps


Der Newsletter zu Kunst & Kultur

In unserem kostenlosen Newsletter informieren wir einmal im Monat über aktuelle Neuigkeiten aus dem Kunst- und Kulturbereich.


|

, |