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Das Freimaurermuseum in der Freemasons’ Hall London

Die Freemasons’ Hall London ist nicht nur wegen der Architektur im Stil des Art Deco sehenswert. Hier kann auch das Museum of Freemasonry besucht werden.

Die Freemasons’ Hall London dürfte vielen aus Filmen und TV-Serien bekannt sein. Das Gebäude der Londoner Freimaurer war etwa im Film „Assassin’s Creed“ (2016) zu sehen, ebenso wie in der Verfilmung „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ (2005) oder in Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ (2009). Auch in diversen BBC-Serien dient das Gebäude der Freimaurer immer wieder als Kulisse, allen voran in der Spionage-Serie „Spooks“ (2002-2011). Weniger bekannt ist hingegen, dass sich in dem berühmten Gebäude auch das Museum of Freemasonry befindet – das Londoner Freimaurermuseum. Das Museum bietet einem Blick in die Geschichte der Freimaurerlogen in Großbritannien und beherbergt Artefakte berühmter Freimaurer, wie etwa Oscar Wilde, Alphonse Mucha oder Winston Churchill.


Das Freimaurermuseum ist in der Freemasons’ Hall London untergebracht, einem Gebäude im Stil des Art Deco von 1933.

Das Freimaurermuseum in London

Am 7. März 1838 beschloss die United Grand Lodge of England, die führende englische Freimaurerloge, die Gründung einer Bibliothek und eines Museums, um hier Bücher, Manuskripte und „Objekte von freimaurerischem Interesse“ zu sammeln. Nachdem zahlreiche Mitglieder der Loge entsprechende Bücher und Objekte spendeten, konnte 1841 das Freimaurermuseum mitsamt Bibliothek eröffnet werden. Seit 1933 ist die Library and Museum of Freemasonry in der Freemasons’ Hall in der Great Queen Street in London untergebracht.

Zunächst waren das Museum und die Bibliothek nur intern für Freimaurer zugänglich. Erst in den 1980er Jahren gab es vereinzelt „Tage der offenen Tür“, an denen auch Außenstehende das Museum und die Bibliothek besuchen durften. 1996 wurde die Institution schließlich in eine Stiftung umgewandelt. Die Sammlung der Bibliothek und des Museums, die bis dahin aufgebaut worden war, wird der Stiftung seit dem von der United Grand Lodge of England als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Mittlerweile macht diese historische Sammlung etwa 80% der gesamten Sammlung aus, die kontinuierlich weiter auf- und ausgebaut wird.

Heute ist das Museum of Freemasonry generell für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich. Die Sammlung umfasst Zeremonialobjekte der Freimaurer, Schmuckstücke wie Ringe und Orden, Kunstobjekte aus Keramik, Glas und Silber, Uhren und Möbeln sowie Bücher, Drucke und Manuskripte. Im Schwerpunkt konzentriert sich die Sammlung auf die englische Freimaurerei und ihre Beziehungen zu den Logen und Orden in Europa und Nord-Amerika. Auch Objekte zu anderen assoziierten Orden und befreundete Gesellschaften sind in der Ausstellung des Londoner Freimaurermuseums zu sehen, etwa zu den Oddfellows, dem Hermetic Order of the Golden Dawn, den Sons of the Phoenix und der Societas Rosicruciana in Anglia. Mit zu den Highlights der Sammlung gehören Objekte und Unterlagen, die bekannten Freimaurern gehörten, etwa dem britischen Monarchen König Edward VII (1841-1910), dem irischen Dramatiker Oscar Wilde (1854-1900), dem tschechischen Jugendstil-Künstler Alphonse Mucha (1860-1939) oder dem britischen Premierminister Winston Churchill (1874-1965).


Die Freemasons’ Hall war bereits Drehort von mehreren Hollywood-Filmen, etwa „Assassin’s Creed“ oder Guy Ritchies „Sherlock Holmes“.

Die Freemasons‘ Hall

Als zwischen 1927 und 1933 die Freemasons‘ Hall in der Great Queen Street entstand, wurden Räumlichkeiten für die Bibliothek und das Freimaurermuseum direkt mit eingeplant. Das auffällige Gebäude im Art-Deco-Stil zwischen Holborn und Covent Garden wurde von den beiden Architekten Henry Victor Ashley und F. Winton Newman entworfen. In erster Linie war das Gebäude als Hauptsitz the United Grand Lodge of England und des Supreme Grand Chapter of Royal Arch Masons of England geplant. Die Architekten konzipierten die Frontseite aber zugleich als Denkmal für die über 3.000 Freimaurer, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. So erhielt das Gebäude zunächst den Namen Masonic Peace Memorial, also Freimaurerisches Friedensdenkmal. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde es dann umbenannt in Freemasons‘ Hall, also Saalbau der Freimaurer.

Neben dem Großen Tempel, Ort der Zusammenkunft der Grand Lodge und des Grand Chapter, beherbergt das Gebäude noch 26 weitere Freimaurertempel, die alle unterschiedlich gestaltet sind. Einige sind mit Art Deco oder ägyptisch anmutenden Elementen verziert, andere sind mit japanischen oder burmesischen (Myanmar) Symbolen ausgestattet.


Das Freimaurermuseum bietet einem Blick in die Geschichte der Freimaurerlogen in Großbritannien und beherbergt Artefakte berühmter Freimaurer, wie etwa Oscar Wilde oder Winston Churchill.

Sonderausstellungen im Freimaurermuseum

Das Museum of Freemasonry zeigt wechselnde Sonderausstellungen, etwa zu den Schätzen des Archivs. In der gerade erst restaurierten Bibliothek im Stil des Art Deco werden regelmäßig historische Bücher und Dokumente präsentiert, die aufgrund ihrer reichen Illustrationen oder ihrer ungewöhnlichen Inhalte hervorstechen und einen spannenden Einblick in die Geschichte der Freimaurer ermöglichen.

In den Museumsräumen der North Gallery ist noch bis Ende 2021 die Ausstellung „Three Centuries of English Freemasonry“ zu sehen. Hier werden die Anfänge der Freimaurer in England beleuchtet, ebenso wie die Entwicklung der Bewegung im Laufe der Jahrhunderte. Alles begann, als sich im Jahr 1717 vier Londoner Logen in der „Goose and Gridiron Tavern“ trafen und zur Grand Lodge zusammenschlossen. Die Ausstellung präsentiert zentrale historische Objekte, wie etwa die „Anderson’s Constitutions“ aus dem Jahr 1723, welche die Regeln für das Freimaurertum definierten. Zu sehen sind ebenso die „Articles of Union“, ein 1813 unterzeichnetes Dokument, das die frühen und die modernen Großlogen vereinigte.

Daneben sind viele kuriose und ungewöhnliche Ausstellungsstücke aus der Geschichte der Freimaurer zu sehen, die weltweit nur hier zu finden sind, etwa ein prunkvoller Zeremonie-Thron, der im Jahr 1791 für den Royal Grand Master angefertigt wurde. Der damalige Königliche Großmeister war der Prince of Wales, der später zu König George IV. wurde. Ebenfalls im Museum zu sehen sind Zertifikate, Schmuckstücke und eine Schürze, die von Alphonse Mucha geschaffen wurden. Der Tschechische Künstler des Art Nouveau war selbst Freimaurer.


Die Freemasons‘ Hall in der Great Queen Street entstand zwischen 1927 und 1933 nach Plänen der Architekten Henry Victor Ashley und F. Winton Newman.

Museum of Freemasonry

60 Great Queen St, Holborn
London WC2B 5AZ

Literaturtipp: Freemasons‘ Hall. The Home and Heritage of the Craft. Hg.v. James Stubbs und T.O. Haunch, London 1983.


Fotos: Angelika Schoder – Museum of Freemasonry, London 2020


Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.