[Ausstellung] Die beiden Bilder „Der Hexensabbat“ und „Die Hexen“ (1797/98) gehören wohl mit zu den bekanntesten Werken des spanischen Malers Francisco de Goya. Zu sehen sind diese Gemälde nicht etwa im berühmten Museo del Prado, das für seine Goya-Sammlung bekannt ist. Wer die legendären Hexen-Bilder sehen will, muss das Museo Lázaro Galdiano in Madrid besuchen, ein Museum das für viele noch als Geheimtipp gilt. Dabei handelt es sich um eine der bedeutendsten Privatsammlungen Spaniens, mit Werken von Diego Velázquez, El Greco, Lucas Cranach oder Hieronymus Bosch. Neben Gemälden zeigt das Museum auch archäologische Fundstücke, Skulpturen, Schmuck, Möbel und diverse kunsthandwerkliche Exponate. Und nicht zuletzt ist auch das Museumsgebäude selbst ein echtes Highlight, mit aufwändigen Deckengemälden und einem wunderschönen Garten.

Der Palacio de Parque Florido
Die Kunstsammlung von José Lázaro Galdiano (1862-1947) gehört heute zu den bedeutendsten Privatsammlungen Spaniens. Die Leidenschaft des Sammlers für Kunst und Kultur entwickelte sich ab 1882, als Lázaro nach Barcelona zog. Nachdem er Ende 1888 nach Madrid übersiedelte, begann er, parallel zu seiner erfolgreichen Tätigkeit als Verleger, systematisch Kunstwerke zu erwerben. Als er 1903 Paula Florido y Toledo heiratete, unterstütze seine Ehefrau zusätzlich Lázaros Sammelleidenschaft.
Gemeinsam ließen sie auch den Palacio de Parque Florido errichten, ein repräsentatives Wohnhaus und zugleich Ausstellungsort für die stetig wachsende Sammlung. Für die Ausstattung des damaligen Wohnhauses wurden diverse Kunstschaffende engagiert: Manuel Castaños fertigte dekorative Gesimse und Türstürze an, während Juan Vancell die Kassettendecke und die Hauptfassade gestaltete. Imitationen von Marmor und Holz wurden zudem von französischen Handwerkern angefertigt. Unter der Leitung des Architekten Francisco Borrás entstanden im Hauptgeschoss repräsentative Salons im Stil der Renaissance, während die privaten Räume im Stockwerk darüber im eleganten Stil Ludwigs XVI. eingerichtet wurden. Deckenmalereien von Eugenio Lucas Villamil vervollständigten die Ausstattung. 1909 wurde der Palast fertiggestellt und galt als einer der prächtigsten Wohnsitze Madrids.
Seit 1951 ist im Palacio de Parque Florido die Sammlung von José Lázaro Galdiano öffentlich zugänglich. Insgesamt umfasst sie über 12.600 Objekte, darunter Gemälde, Skulpturen, Schmuck, Textilien, Silbergeschirr, Möbel, Münzen, archäologische Funde und Objekte aus Elfenbein. Den größten Teil bildet die sogenannte „Madrider Sammlung“. Sie umfasst Kunstwerke, die Lázaro von seiner Zeit in Barcelona bis 1936 erwarb. Dazu gehören Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken bedeutender Künstler wie Goya, Murillo, Velázquez, El Greco oder Hieronymus Bosch sowie Werke der spanischen und flämischen Frührenaissance. In den 1930er Jahren kam die „Pariser Sammlung“ hinzu. Diese Objekte sammelte Lázaro, als er zeitweise in Paris lebte und regelmäßig andere europäische Städte bereiste. Hier kaufte er unter anderem Gemälde, Möbel, Bücher, italienische Keramik, kleine Bronzeskulpturen und kunsthandwerkliche Objekte. Der dritte Teil der Sammlung wurde zwischen 1939 und 1945 angekauft, während Lázaros Aufenthalt in New York. In dieser Zeit erwarb er mehr als tausend Kunstwerke und Bücher, die später nach Europa überführt und schließlich in Madrid zusammengeführt wurden.

Das Museo Lázaro Galdiano
Auf vier Etagen zeigt das Museum rund 5.000 ausgewählte Werke aus der umfangreichen Sammlung seines Gründers. Der Rundgang beginnt im ehemaligen Dienstbotentrakt des Gebäudes. Hier wird zunächst der Sammler José Lázaro Galdiano vorgestellt, der als großer Bewunderer von Goya galt und als erfolgreicher Verleger aus einer Grundbesitzerfamilie den notwendigen finanziellen Hintergrund hatte, um eine umfangreiche Kunstsammlung anzulegen. Die Ausstellung macht hier Lázaros zentrale Ideen seiner Sammlung deutlich: seine besondere Förderung galt der spanischen Kunst, doch sein Interesse richtete sich auch auf europäische Meisterwerke und er hatte eine Leidenschaft für außergewöhnliche Objekte. Ein Höhepunkt ist hier die Schatzkammer mit einer der bedeutendsten Sammlungen von Silberobjekten und Schmuck in Europa. Die Stücke reichen vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 19. Jahrhundert. Ergänzt wird dieser Bereich durch Werke bedeutender Künstler wie El Greco, Zurbarán oder Sánchez Coello sowie durch außergewöhnliche Einzelstücke, wie den Degen des Grafen von Tendilla.
Der erste Stock ist besonders prunkvoll, denn hier befinden sich die repräsentativen Räume des ehemaligen Palasts. Die Deckenmalereien von Eugenio Lucas Villamil sowie die Intarsienböden und die dekorativen Wandverkleidungen sind hier weitgehend noch original erhalten. Neun Ausstellungsräume gewähren einen Überblick über die spanische Kunst vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Neben mittelalterlichen Tafelbildern und religiöser Goldschmiedekunst sind Gemälde von El Greco, Velázquez, Zurbarán, Murillo und Ribera zu sehen. Auch das 18. und frühe 19. Jahrhundert ist mit Künstlern wie Meléndez, Bayeu oder Federico Madrazo vertreten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Werken von Francisco de Goya mit Gemälden wie „El Aquelarre“ (Der Hexensabbat) und „Las Brujas“ (Die Hexen, 1797/98). Sie waren Teil einer Serie von sechs Gemälden, die von den Herzögen von Osuna zur Ausstattung ihres Landsitzes in der Nähe von Madrid in Auftrag gegeben wurden. Im Mittelpunkt eines der Gemälde steht der Teufel, dargestellt als aufrecht sitzender Ziegenbock, der Kinder als Opfergabe entgegennimmt. Die Gemäldeserie ist vermutlich eine satirische Kritik am Aberglauben in der aufgeklärten Gesellschaft, zu der sich sowohl der Herzog von Osuna als auch Goya selbst zählten.

Europäische Kunst und Kunsthandwerk
Der zweite Stock war früher der private Wohnbereich des Gebäudes und wurde später zu Ausstellungsräumen umgebaut. Dieser Teil der Ausstellung widmet sich der europäischen Kunst mit Werken italienischer, flämischer, deutscher, niederländischer, französischer und englischer Maler. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus dem Umfeld von Leonardo da Vinci, von Lucas Cranach oder von John Constable. Mit zu den Highlights zählt das Gemälde „Meditationen des Heiligen Johannes des Täufers“ (15. Jhd.) von Hieronymus Bosch. In die Landschaft rund um den Heiligen sind Bosch-typische seltsame geologische Formationen und seltene Tier- und Pflanzenarten zu sehen, die seiner Fantasie entspringen. Die beunruhigende Pflanze, die neben dem Heiligen wächst, eine Art pflanzliche Chimäre, verdeckt die Gestalt einer betenden Person, vielleicht den Auftraggeber, der das Werk nicht bezahlt hat und deshalb am Ende von Bosch übermalt wurde.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Bronze-Skulpturen, Emaille-Arbeiten, Möbel, Keramik, Uhren und Silber-Objekte. Ein eigener Raum ist Miniaturen, illuminierten Handschriften und kleinen Porträts gewidmet.
Im obersten Stockwerk eröffnet das sogenannte „Kabinett des Sammlers“ eine andere Perspektive auf die Sammlung. In Vitrinen und Schubladen, die von den Besuchenden geöffnet werden können, werden kleinere, oft selten gezeigte Objekte präsentiert: Waffen, Textilien, Münzen oder Medaillen. Ergänzt wird dieser Bereich durch weitere Objekte aus den Kunsthandwerk-Sammlungen des Museums, darunter Elfenbein-Objekte, Glas, Keramik und Skulpturen.

Der Jardín de Parque Florido
Nach einem Besuch des Museo Lázaro Galdiano lohnt sich auch ein Spaziergang im Jardín de Parque Florido, dem Garten rund um das Museumsgebäude. Er zählt zu den wenigen erhaltenen Ensembles aus Stadtpalast und Garten in Madrid und ist eine grüne Oase inmitten der Stadt. Entworfen wurde die Anlage vom Turiner Landschaftsarchitekten Alfonso Spalla (1860–1931), der sich an den Prinzipien der Gartenkunst des späten 19. Jahrhunderts orientierte. Dabei griff er auf den landschaftlichen Gartenstil des 18. Jahrhunderts zurück und passte ihn an das Klima Madrids sowie an den Geschmack der damaligen Zeit an.
Der Garten mit seinen Skulpturen, geschwungenen Wegen und unregelmäßig geformten Pflanzinseln verbindet das Museumsgebäude mit den Straßen Serrano und Claudio Coello. Auffällig sind vor allem die exotischen Bäume, die ursprünglich aus Indien, China, Japan oder Amerika stammen, etwa Palmen, Zedern, Colorado-Tannen, Lorbeer, Rotbuchen sowie Kerzenplatanen und Zierorangen-Bäume. Insgesamt wachsen im Garten des Museums mehr als 70 verschiedene Pflanzenarten wie Azaleen, Hortensien, Magnolien, Rosen, Rhododendren und Jasmin, die sich über das Jahr in ihrer Blüte abwechseln. Seit 2021 ergänzt zudem ein kleiner Zen-Garten des Architekten Shuichi Kobari die Anlage.
Museo Lázaro Galdiano
C. de Serrano, 122, Salamanca, 28006 Madrid
Bilder: Angelika Schoder – Museo Lázaro Galdiano, Madrid 2025
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Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.
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