[Reise-Tipp] In den Ruinen von Santa Maria do Carmo befindet sich das vielleicht architektonisch spektakulärste Museum in Lissabon, das Museu Arqueológico do Carmo (MAC). Die Institution, die zahlreiche archäologische Schätze zeigt, ist in einer ehemaligen Karmeliterkirche aus dem 14. Jahrhundert untergebracht. Bis zum verheerenden Erdbeben von 1755 zählte das Bauwerk zu den schönsten gotischen Kirchen der portugiesischen Hauptstadt. Der Wiederaufbau des Convento do Carmo erfolgte bis ins 19. Jahrhundert nur teilweise, statt dessen fand man schließlich eine andere Bestimmung für das Gelände: 1864 wurde hier das erste Archäologische Museum Portugals eröffnet, eines der ältesten Museen seiner Art in Europa.
Doch das Museum befindet sich nicht nur in einem außergewöhnlichen Gebäude und verfügt über bedeutsame Sammlungsobjekte. Es gibt eine weitere Besonderheit, die man nicht in vielen Museen findet: Mit Glück trifft man auf dem Außengelände der Kirchenruinen die schwarz-weiße Museumskatze Carlota, die das Archäologische Museum von Mäusen freihält und die Besuchenden begrüßt.

Der Convento do Carmo
Das Bauwerk, in dem sich das Archäologische Museum in Lissabon befindet, geht auf eine Kirche zurück, die 1389 von Nuno Álvares Pereira gegründet wurde. Der Heerführer, der mittlerweile von der Katholischen Kirche heilig gesprochen wurde, ließ aus religiöser Überzeugung auf einem Hügel gegenüber der Burg São Jorge im Zentrum von Lissabon ein eindrucksvolles gotisches Bauwerk errichten. Wegen ihrer Größe und Bedeutung wurde die Kirche bald zu einem wichtigen Wahrzeichen der portugiesischen Hauptstadt. Dass Nuno Álvares Pereira selbst dort begraben werden wollte, stärkte die Bedeutung des Convento do Carmo im 15. Jahrhundert zusätzlich.
Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder erweitert und an neue Baustile angepasst. So entwickelte sie sich zu einer der reichsten und eindrucksvollsten Klosteranlagen der Stadt. Doch das große Erdbeben von 1755 beschädigte das Gebäude schwer, ein anschließender Brand zerstörte fast den gesamten Innenraum zusätzlich.
Bereits 1756 begann der Wiederaufbau der Anlage in neugotischem Stil. Doch die Arbeiten wurden 1834 gestoppt, als in Portugal die religiösen Orden aufgelöst wurden. So blieb die Kirche unvollendet – bis heute. Die Bögen und Säulen, die die Außenfläche des heutigen Museums bilden, stammen aus dieser Zeit und zeigen, wie experimentell die neugotische Architektur im späten 18. Jahrhundert noch war. Neben ausgestellten Statuen und Reliefs sind die Ruinen der ehemaligen Karmeliterkirche selbst interessante Ausstellungsstücke.

Das Archäologische Museum in Lissabon
Beeinflusst durch die Kunst der Romantik, herrschte auch in Portugal große Begeisterung für Ruinen und mittelalterliche Gebäude. Entsprechend beschloss man Mitte des 19. Jahrhunderts die zerstörte Carmo-Kirche nicht wieder komplett aufzubauen. Das offene Kirchenschiff sollten unter freiem Himmel bleiben; so wurden die Ruinen zu einem Denkmal für das schwere Erdbeben von 1755, das die Stadt völlig verwüstet und Zehntausende von Todesopfern gefordert hatte.
Doch das Gelände sollte nicht nur als Denkmal bestehen bleiben, bald kamen auch Pläne für ein Museum auf: 1864 gründete Joaquim Possidónio Narciso da Silva, der erste Präsident des portugiesischen Archäologenvereins, das Museu Arqueológico do Carmo – das erste Museum für Kunst und Archäologie in Portugal. Ziel des Museums sollte es sein, das nationale Kulturerbe Portugals zu bewahren, das nach der Auflösung der religiösen Orden und den Zerstörungen durch Kriege und Erdbeben als gefährdet betrachtet wurde.
In den ersten Jahren diente das Museum daher als eine Art „Rettungsort“ für viele unterschiedliche Objekte, von architektonischen Fragmenten und Skulpturen über Grabsteine und Keramikfliesen (Azulejos) bis hin zu Wappensteinen und anderen Stücken von historischem oder künstlerischem Wert. Bis heute kamen zahlreiche bedeutende Exponate diverser Epochen und aus verschiedenen Kulturen hinzu, etwa römische Inschriften, präkolumbianische Keramiken und Mumien aus Mittel- und Südamerika. Auch ein ägyptischer Sarkophag mit einer Mumie gehört heute zu den außergewöhnlichen Objekten der Sammlung, ebenso wie Funde aus den Ausgrabungen in Azambuja von Castro de Vila Nova de S. Pedro. Diese stammen aus der Kupferzeit (um 3000 v. Chr.) und geben einen Einblick in das Leben früher Gemeinschaften auf der Iberischen Halbinsel.
Heute zeigt das Museum rund tausend dieser archäologischen Fundstücke in seiner Dauerausstellung. Im Zuge der Modernisierung des Museums kamen zudem zeitgenössische Kunstwerke hinzu, die speziell für das Museum geschaffen wurden.

Museu Arqueológico do Carmo
Convento do Carmo
Largo do Carmo, 1200-092 Lisboa
Bilder: Angelika Schoder – Museu Arqueológico do Carmo, Lissabon 2025
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Bei musermeku schreibt Dr. Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.
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