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Eine Kulturblogbilanz, die Banane und der untalentierte Renoir

Nicht-Newsletter – Nr. 46, 12/2019

Frage des Monats
Kulturblogbilanz: Wie war 2019?

Thema des Monats
Die Banane (natürlich!)

Twitter des Monats
Emoji Mashup Bot

Instagram des Monats
Renoir sucks at painting

Tumblr des Monats
Ýrúrarí


Frage des Monats

Wie war 2019?

Überwiegend lesen wir eigentlich Kultur- und Museums-Blogs, aber eine kleine Ausnahme ist für uns seit vielen Jahren der Foodblog Feed me up before you go-go. Inspiriert durch die Foodblogbilanz, zu der Steffen und Sabrina in diesem Jahr einladen, adaptieren wir das Ganze nun einfach als Kulturblogbilanz – eine Rekapitulation des Blogjahres. (Dabei sind wir vielleicht gar kein Blog, aber egal.)

Die Kulturblogbilanz 2019

1) Was war dieses Jahr der erfolgreichster Artikel?

Bis 2018 haben wir immer zum Ende des Jahres bei Twitter unsere 3 Tops und Flops gepostet, also unsere am meisten und am wenigsten gelesenen Beiträge. Der DSGVO sei Dank, erfassen wir seit diesem Jahr aber nicht mehr alle Besucher von musermeku.org, deshalb können wir nun nicht mehr genau sagen, welcher unserer Beiträge in diesem Jahr wirklich der erfolgreichste war. Den spärlichen Daten nach zu urteilen, die bei uns in der Statistik noch ankommen, war der meistgesuchte Artikel dieser vom November 2018:

Der am häufigsten aufgerufene Beitrag aus dem aktuellen Jahr war:

2) Welche drei eigenen Artikel aus diesem Jahr haben euch persönlich am meisten bedeutet?

Jede Woche erscheint bei uns ein neuer Artikel und alle bedeuten uns natürlich viel. Es gibt aber Beiträge, für die man besonders lange recherchieren muss und in die besonders viel Arbeit fließt. Einer dieser zeitintensiven Artikel war dieser:

Dann sind es natürlich auch Begegnungen mit Künstlern, die etwas ganz Besonderes sind. Für uns war das in diesem Jahr das Treffen mit Terence Koh in seiner “Bee Chapel HafenCity”. Tatsächlich waren es mehrere Treffen, denn wir haben Terence häufiger in seiner freiluft-Installation am Elbufer besucht:

Aus persönlichen Gründen ist uns auch der Reise-Tipp zu Valladolid wichtig, immerhin ist es ein Stück Heimat:

3) Welche drei anderen Blogs haben euch am meisten inspiriert?

Auch in diesem Jahr sind folgende Blogs fest in unserem RSS-Reader verankert. Hier lesen wir eigentlich jeden neuen Beitrag:

Eine umfangreiche Liste mit Blogs, die wir auch regelmäßig lesen, gibt es hier:

4) Welches Museum habt ihr in diesem Jahr am häufigsten besucht?

Es gibt wenige Museen, bei denen wir jede neue Sonderausstellung besuchen. In Hamburg ist es bei uns das Bucerius Kunst Forum; aktuell läuft dort die Ausstellung “Amerika! Disney, Rockwell, Pollock, Warhol”. Und dank einer langjährigen Kooperation konnte unsere Autorin Angelika auch in diesem Jahr wieder jede größere Sonderausstellung in der Fondation Beyeler besuchen. Aktuell ist dort die Ausstellung “Resonating Spaces” zu sehen mit Arbeiten von Leonor Antunes, Silvia Bächli, Toba Khedoori, Susan Philipsz und Rachel Whiteread.

5) Was hat euch in diesem Jahr am meisten beschäftigt?

Die Zeitfrage wird bei uns immer mehr zum Thema. Da wir jede Woche nur einen Artikel veröffentlichen können, gibt es immer mehr Themen, die wir aus Zeitgründen nicht bearbeiten können. Leider müssen wir zunehmend Nachfragen von Museen absagen, da wir eine Bearbeitung der Themen in unserem dichten Redaktionsplan nicht schaffen.

6) Was war für euch das Museums-Highlight des Jahres?

Eines unserer Highlights war die Ausstellung der Künstlerin Peaches im Hamburger Kunstverein. Und dass wir beim Künstlergespräch in der ersten Reihe sitzen konnten…

7) Was wünscht ihr euch für nächstes Jahr?

Wir hoffen, dass wir bei Veranstaltungen den einen oder die andere aus der Museums- und Kultur-Community wieder mal persönlich treffen!


Thema des Monats

Die Banane (natürlich!)

Ja, viele können das Thema seit Wochen nun auch nicht mehr hören: die Banane! Aber die Aktion von Maurizio Cattelan war nun mal wirklich das Thema des Monats. Wir möchten deshalb über das 120.000 USD teure Kunstwerk mit dem Titel “Comedian” – eine mit Klebeband an einer Wand befestigte ganz normale Banane – auch nicht noch mehr Worte verlieren. Wir möchten auch nicht auf die Aktion des Künstlers David Danuta eingehen, der sich in seiner Performance “Hungry Artist” der Banane auf der Kunstmesse Art Basel Miami annahm und das Werk einfach verspeiste.

Jede Kunst- und Kultur-Website berichtete im Dezember über die Banane. Zahlreiche News-Seiten, ebenso wie Nachrichten-Sendungen, widmeten dem Kunstwerk einen Beitrag. Sogar die Schauspielerin Brooke Shields klebte sich für Instagram eine Banane ins Gesicht. Und schon sprangen zahlreiche Firmen auf das Thema auf, denn smarte Agenturen und clevere Social-Media-Manager hatten empfohlen, das eigene Produkt auch einfach mit Klebeband an einer Wand zu befestigen und das Ganze bei Instagram, Facebook & Co. zu posten. Das klickt gut bei den Followern, denn alle sprechen über die Banane. So ein Meme muss man zur Eigenwerbung doch mitnehmen!

Warum diese mediale Entwicklung vermutlich genau das war, was Maurizio Cattelan von Anfang an mit seinem Werk beabsichtigt hatte, fasste in einem Twitter-Thread der Künstlers Marcus John Henry Brown zusammen:

“I do wonder if any of the people involved in creating those ‘news hack’ banana gaffa tape adverts considered, even for 1 minute, that they had fallen for the artists trap?

Sometimes an artist will make a work specifically to create a response which in turn is the actual work of art. Bansky is a master of this as was Warhol.

[…] Brands/Agencies/News are looking for the quick fix, the shot in the vein of the attention economy which makes it the perfect patsy for ‘the artist’s trap’.”

Marcus John Henry Brown – Twitter @MarcusJHBrown11.12.2019

Twitter des Monats

Emoji Mashup Bot

Jede Stunde liefert der Twitter-Bot des Franzosen Louan Bengmah ein neues Emoji, kombiniert aus zwei oder drei bereits bekannten Emojis. Aufeinander treffen hier Symbole für Gefühle, die sich mit der aktuellen Emoji-Palette nicht darstellen lassen. Denn auch wenn es verschiedene Abstufungen von “glücklich” oder “traurig” gibt, ein Emoji für “nachdenklich und erleichtert” gibt es nicht – bisher.

Emojis werden in Chat-Unterehaltungen und in Social Media als eine Art emotionale Abkürzung genutzt. Sie ergänzen das Geschriebene, um den Ton der Worte zu konkretisieren. Denn anders als in einem persönlichen Gespräch, fehlen im schriftlichen Online-Bereich Gesichtsausdrücke, Gesten oder Betonungen. Emojis sollen verhindern, dass ein Text falsch verstanden wird. Ist es Ironie oder Ernst? Ein zwinkernder Emoji stellt das klar. Manchmal ersetzen Emojis auch komplett das geschriebene Wort. Statt ein “ich bin leider krank” sendet man vielleicht nur noch ein Emoji mit einem Thermometer im Mund.

Auch wenn Emojis für die Darstellung von Gefühlen immer umfangreicher werden, sind sie jeweils recht eindeutig. Doch Gefühle sind komplex und manchmal auch vermischt. Will man z.B. schreiben, dass man wütend ist, weil man hungrig ist (Stichwort “hangry” für engl. hungry + angry), muss man bisher 2 Emojis nutzen. Der Emoji Mashup Bot behebt dieses Problem. Es entstehen Mikro-Ausrücke, die bisher noch gefehlt haben.


Instagram des Monats

Renoir sucks at painting

Über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten. Welche Kunstwerke sind gut, welche nicht? Hätte das mein 3-jähriger Neffe auch so malen können? Da war der Kaffee-Fleck heute Morgen auf dem Küchenboden ja noch bessere Kunst, als das da an der Museumswand usw. Der Instagram-Account @renoir_sucks_at_painting greift diese Art der fundierten Kunstkritik auf und zeigt seinen mittlerweile über 13k Followern, was für ein lausiger Künstler Renoir war. Das Instagram-Publikum greift wiederum den Hashtag #RenoirSucksAtPainting auf und postet Selfies vor Kunstwerken des Meisters – fragende, angewiderte, fassungslose Selfies. Soll das Kunst sein? Schrecklich!

Im Jahr 2015 forderte eine Gruppe von Demonstranten vor dem Museum of Fine Arts in Boston sogar die Entfernung der Werke des Künstlers aus dem Museum. “God Hates Renoir” und “reNOir” war auf ihren Protest-Plakaten zu lesen. Bis heute hängen die Werke des Künstlers trotzdem noch in Museen. Max Geller, der Initiator des Protests und des Instagram-Accounts, hat hierfür nur wenig Verständnis, wie er dem Guardian mitteilte: “Why do so many people think he’s good? Have you looked at his paintings?”


Tumblr des Monats

Ýrúrarí

Ýr Jóhannsdóttir ist eine isländische Textildesignerin. Auf ihrem Tumbr zeigt sie ihre Entwürfe, die angeblich inspiriert sind durch die Trickfilm-Serie”Rick and Morty” – eine Mischung aus Physik und Magie. Sie spielt auf gestrickten Pullovern und Kleidern mit den Formen von Zungen und Mündern, mit Brüsten und Augen. Kunsthandwerk vermischt sich mit Kunst und Wolle wird zum feministischen Statement.



Über die Autorin

Bei mus.er.me.ku schreibt Angelika Schoder über Themen zur Digitalisierung, über Museen und Ausstellungen sowie über Reise- und Kultur-Tipps.