Was Besucher von Ausstellungen erwarten, wie ein Museum entsteht und ein Wikingerschiff bei Instagram

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 29, 07/2018


Frage des Monats
Wie können Museen erfahren, was Besucher wollen?

Thema des Monats
Ein neues Meeres-Museum entsteht

Twitter des Monats
Die Royal Museums Greenwich

Instagram des Monats
Draken Harald Hårfagre

Tumblr des Monat
Marine Science in a Drop

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


Frage des Monats

Wie können Museen erfahren, was Besucher wollen?

Blau wie das Meer – so sind die Exponate der aktuellen Ausstellung „Infinite Blue“ im Brooklyn Museum. Die verschiedenen Aspekte von Blau erzählen Geschichten über kulturelle Werte, technologische Innovationen und internationalen Handel – von der Antike bis hin zur Gegenwart. Doch was halten die Museumsbesucher eigentlich von der Ausstellung? Um dies herauszufinden, nutzt das Brooklyn Museum die ASK App.

Digitaler Dialog in Echtzeit

Das Brooklyn Museum sammelt seit einigen Monaten anonym ein regelrechtes Meer an Daten seiner Besucher: Was wollen Besucher über die Museumsobjekte wissen? Welche Objekte erhalten die meiste Aufmerksamkeit? Wie viele Besucher sind wo im Museum unterwegs? Ziel dieser Erfassung und anschließenden Auswertung von Daten ist es, die Angebote noch besser auf die Bedürfnisse der Besucher ausrichten zu können. Die ASK App funktioniert dabei als Schnittstelle zwischen den Museumsbesuchern und Museumsmitarbeitern, einem Team aus Historikern und Pädagogen. Das passiert tatsächlich in Echtzeit, Besucher können sich also während ihres Aufenthalts im Museum mit Mitarbeitern austauschen – nur eben digital statt persönlich, wie bei einer Führung. Seit dem Start der App 2015 bis zum Sommer 2018 kamen so knapp 14.000 Dialoge zusammen.

Das Projekt ASK wurde eigentlich bereits 2013 vom Brooklyn Museum ins Leben gerufen. Der App ging ein Pilotprojekt voraus, in dem das Museum direkt mit Besuchern zusammenarbeitete, um deren Interessen und Bedürfnisse zu ermitteln. Umgesetzt wurde das Projekt dann mit einer agilen Methodik, um flexibel Ideen zu testen, zu bewerten und Änderungen vorzunehmen. Das Pilotprojekt hatte gezeigt, dass Besucher sich gerne mit Museumsmitarbeitern über Ausstellungen und Objekte austauschen. Da es aber aus Kapazitätsgründen nicht möglich ist, Kuratoren und Museumspädagogen im ganzen Haus für den persönlichen Kontakt bereit zu halten, wurde als Lösung die ASK App angeboten. Diese wird von einem Team aus 6 Personen betreut.

Zur Auseinandersetzung mit Objekten anregen

Für die ASK App wurden vom Museum mehrere Engagement-Ziele identifiziert:

  • 1) Besucher sollten sich genauer mit Ausstellungsobjekten befassen.
  • 2) Sie sollten ein tieferes Verständnis für Objekte erlangen.
  • 3) Besucher sollten eine persönliche Verbindung mit Objekten finden.
  • 4) Schließlich sollten Besucher auch in der Lage sein, Verbindungen zu anderen Werken der Sammlung herzustellen.

In jedem Dialog über die ASK App versuchte das Museum, mindestens eines dieser Ziele mit dem Besucher zu erreichen. Ob dies funktionierte, stellte das Museum u.a. durch die Messung der Tiefe der Konversation fest, anhand der Anzahl der Austauschvorgänge zwischen dem Benutzer und dem Museumsteam. Aktuell sind es übrigens etwa 14 Nachrichten pro Dialog.

Die Erfolgsmessung

Die Messung dieser KPI (Key Performance Indicator) wurde durch weitere Faktoren zur Erfolgsmessung ergänzt: die Nutzungsraten der ASK App und den Erkenntnisgewinn, den das Museum aus den Daten für sich zieht. Für die Errmittlung der Nutzungsrate wird die Anzahl der Chats mit der Anzahl der Besucher verrechnet. Zum Start der App wurde eine Nutzungsrate von etwa 1% festgestellt. Infolge umfangreicher und kostenintensiver Marketing-Maßnahmen konnte die Nutzungsrate auf über 2% gesteigert werden – teils gab es Spitzenzeiten mit bis zu 4%. Im Kulturbereich liegt die App-Nutzung bei durchschnittlich 3% in den USA, daher ist das Brooklyn Museum mit seinem Wert zufrieden. Wobei man hier auch hinterfragen sollte, ob sich der hohe Ressourcenaufwand für so geringe Nutzerzahlen lohnt – Apps werden von Museumsbesuchern einfach ungern genutzt.

Das Brooklyn Museum hat für sich beschlossen, dass es sich lohnt – nicht zuletzt wegen des letzten KPI: dem Erkenntnisgewinn für das Museum. Die Institution nutzt die Fragen der Besucher, um seine Ausstellungen anzupassen, sowohl in den Inhalten als auch im Ausstellungsdesign. Räume wurden mittlerweile anders gestaltet, um nicht mehr von Objekten abzulenken, und Inhalte wurden anders oder tiefer aufbereitet, wenn sich zeigte, dass Besucher dies wünschten.

Berücksichtigt werden muss, dass hier aber nur auf die Wünsche von etwa 2 – 4% der Besucher eingegangen wird. Was weit über 90% der Besucher über die Ausstellung denken, bleibt unklar. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum das Brooklyn Museum nun darüber nachdenkt, die ASK App effektiver zu gestaltet – mit einem ChatBot statt mit Mitarbeitern. So lässt sich vielleicht ein noch größeres Meer an Daten sammeln.

⇒ Sara Devine: ASK Brooklyn Museum Offers Visitor Experience Insights


Thema des Monats

Ein neues Meeres-Museum entsteht

Mit der Grundsteinlegung im April 2016 fiel der Startschuss für das Musée Mer Marine, das in Bacalan, einem nördlichen Stadtteil von Bordeaux gebaut wird. Das neue Museum, das sich mit Meeres- und Maritim-Themen beschäftigen wird, entsteht als etwa 13.000 Quadratmeter großes architektonisches Schiff. Es wird eine permanente Sammlung und temporäre Ausstellungen beherbergen und neben der benachbarten Cité du Vin sicher zum weiteren Besuchermagnet in Bordeaux avancieren.

Mit seiner Höhe von 45 Metern wird das Museumsgebäude selbst eine Art Kunstwerk. Es spiegelt die doppelte thematische See- und Meereswelt wider, die das Museum und seine Umgebung prägen. Von der Geschichte der Schifffahrt bis hin zur Erforschung der Ozeane soll das MMM zeigen, wie Wissen, Erfahrungen und Künste durch das Meer weltweit verbunden werden. Auf 3 Stockwerken wird die Sammlung des Museums vorgestellt. Neben Veranstaltungsräumen entsteht außerdem eine 3.000 Quadratmeter Gartenterrasse, von der man einen Panoramablick auf das Hafengebiet von Bordeaux haben wird.

An das Museum angeschlossen wird zudem ein Gebäude entstehen, das der Meereswelt gewidmet ist. Ein echtes „Coworking des Ozeans“ ist geplant, in dem sich Studierende, Wissenschaftler und andere Akteure zu meeresbiologischen, wirtschaftlichen oder historischen maritimen Themen austauschen können.

⇒ Mehr zum Musée Mer Marine Bordeaux


Twitter des Monats

Die Royal Museums Greenwich

Die Royal Museums Greenwich im Osten von London umfassen das Royal Observatory Greenwich, das historische Segelschiff Cutty Sark, das National Maritime Museum und die Queen’s House Kunstgalerie. Besonders des National Maritime Museum widmet sich in umfangreichen Ausstellungen immer wieder verschiedenen Themen rund um Meeresforschung oder wissenschaftliche Expeditionen im Laufe der Geschichte.

In der aktuellen Ausstellung geht es jedoch nicht um die Weite der Ozeane, sondern um den Strand, wo das Meer auf das Land trifft und die verschiedensten Charaktere zusammenkommen. In der Ausstellung „The Great British Seaside“ (bis 30.09.2018) werfen Fotografen wie Tony Ray-Jones, David Hurn, Simon Roberts und Martin Parr einen Blick auf die verlassenen Piers und die glitzernden Spiel-Pavillions der britischen Strände. Einblicke zur Ausstellung gibt es u.a. bei Twitter.

⇒ @RMGreenwich


Instagram des Monats

Draken Harald Hårfagre

Draken Harald Hårfagre ist das größte Wikingerschiff der Neuzeit. Der Kurator des Projekts, Sigurd Aase, wollte damit die Entdeckung der „Neuen Welt“ durch die Wikinger nachvollziehen. Im März 2010 wurde in der Stadt Haugesund in Norwegen mit dem Bau des Wikingerschiffs von einer Gruppe erfahrener Bootsbauer, Historiker, Handwerker und Künstler begonnen. Benannt ist es nach Harald Hårfagre, dem König, der Norwegen zu einem Königreich vereinte.

Die Wikinger hinterließen zwar fast keine Aufzeichnungen darüber, wie sie ihre Schiffe bauten oder wie sie segelten, aber Draken Harald Hårfagre ist eine Nachbildung dessen, was die Wikinger ein „Großes Schiff“ genannt hätten. Es wurde mit den archäologischen Erkenntnissen über gefundene Schiffe gebaut, wobei man sich auf alte Bootsbautraditionen und die Legenden von Wikingerschiffen aus den nordischen Sagen bezog. Bei Instagram erhält man einen Einblick in die Touren des Schiffs und seiner Besatzung.

⇒ @drakenhh


Tumblr des Monats

Marine Science in a Drop

Diego, ein chilenischer Student der Meeresbiologie, und M, eine amerikanische Texterin, schreiben in ihrem Tumblr über Meereswissenschaften, Biologie und alles, was mit Ozeanen zu tun hat. Dabei geht es immer wieder auch um den Schutz der Meere und um die Pflanzen und Tiere, die hier durch Umweltverschmutzung bedroht werden.

⇒ Marine Science in a Drop