Die perfekte Museums-App, der Pokémon-Hype in Museen und Marky Mark GIFs

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 05, 07/2016

Frage des Monats
Wie sieht die perfekte Museums-App aus?

Thema des Monats
Po… come on! Der Pokémon-Hype in Museen

Twitter des Monats
Research Wahlberg

Instagram des Monats
Sankt Pauli Impressionen

Snapchat des Monats
Geir Ove Pedersen

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.

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Frage des Monats

Wie sieht die perfekte Museums-App aus?

„Ein Licht ging mir auf: Gefährten brauche ich, und lebendige – nicht tote Gefährten und Leichname,
die ich mit mir trage, wohin ich will.
Sondern lebendige Gefährten brauche ich, die mir folgen, weil sie sich selber folgen wollen –
und dorthin, wohin ich will.“

Also sprach Zarathustra, Vorrede, 9
(Friedrich Nietzsche)

Die Frage des Monats wurde uns von Pausanio in Form der Blogparade #appinsmuseum gestellt: Wie sähe die perfekte Museums-App aus? Ich finde die Frage „un-App-etitlich“ und antworte: Die perfekte Museums-App kann es nicht geben. Denn Museums-Apps tragen in sich strukturelle Aspekte, die sie all zu oft zu kalten und steifen Begleitern des Museums machen.

Christian Gries schreibt in seinem Beitrag zur Blogparade über eine „App-etitlosigkeit“, über eine Frustration, die sich im Bezug auf Museums-Apps verbreitet hat. Ich kann verstehen, dass er dies bekämpfen möchte. Das geht aber nur, wenn man versteht, woher diese Frustration kommt. Und sie kommt nicht nur von schlecht gemachten Apps, die technisch nicht einwandfrei funktionieren. Frustrierend sind für viele Museen besonders auch zwei Aspekte: Eine native Museums-App ist a) teuer und b) nicht barrierefrei.

Es kostet, was es kostet…

Native Apps sind teuer in der Erstellung und teuer in der Pflege. Ich rede hier nicht nur von den wissenschaftlichen und museumspädagogischen Inhalten, die intern erstellt und eingepflegt werden sollten, sondern auch von der Programmierung. Der Code einer App muss ständig aktualisiert und angepasst werden – regelmäßige Updates der Betriebssysteme auf den Mobilgeräten machen dies notwendig. Kaum ein Museum kann es sich aber leisten, einen Programmierer für diese regelmäßig anfallende Aufgabe einzustellen. Stattdessen wird eine externe Agentur oder ein Freelancer beauftragt – mit entsprechenden Stundensätzen.

Da muss sich jedes Museum fragen, ob es das finanziell leisten kann und ob das eine verantwortungsvolle Art ist, mit den Mitteln umzugehen, die es zur Verfügung gestellt bekommt. Wie viele Museen haben diese laufenden Kosten nicht eingeplant und tragen nun eine technisch veraltete App, eine Art Leiche mit sich herum – so wie Nietzsches Zarathustra? Wenn Christian Gries von dem Bedarf nach einem CMS schreibt, spricht er einen wichtigen Punkt an: Die Informationen, die ein Museum an die Besucher weitergibt, sollten immer in Inhalt und Form aktualisierbar sein. Aber was noch angemerkt werden muss: Die Informationen sollten auch für alle erreichbar sein. Stattdessen sind native Apps aber technisch nicht barrierefrei.

Wo ist die Barrierefreiheit?

Wie oft gibt es eine mobile Museums-App, die für alle Betriebssysteme nutzbar ist? Meist werden einige Betriebssysteme vernachlässigt und die Nutzerfreundlichkeit wird gerade bei günstigeren Smartphones und Tablets schlechter. Oder die App wird für einige Betriebssysteme überhaupt nicht angeboten, z.B. für Windows oder BlackBerry (laut Statista nutzten Anfang 2016 noch 7,1 % der Smartphone-Besitzer weder iOS noch Android). Gerade bei älteren oder günstigeren Geräten stellt sich zudem die Frage: Verfügt das Gerät überhaupt über genug freien Speicherplatz, damit die App installiert werden kann? Es gibt die eine oder andere Museums-App, die bis zu 600 MB groß ist! Zusätzlich kann es sein, dass Apps auf älteren Geräten nicht installiert werden können, weil die vorhandene Version des Betriebssystems zu alt ist. Nicht jeder hat ein 1-2 Jahre altes Mobilgerät. Sind Handy oder Tablet 3-4 Jahre alt, kann man aktuelle Museums-Apps oft nicht einmal installieren.

Es ist, als würden Museen damit Nutzern geradezu vorhalten, dass sie sich kein neueres Modell oder ein Gerät mit größerem Speicher leisten könnten – oder kein Gerät einer bestimmten Marke mit einem bestimmten Betriebssystem. Möchten Museen das? Den Besuchern ein entsprechendes Leihgerät anzubieten, wäre eine Lösung. Andererseits, würde man allen Besuchern ein Leihgerät zur Verfügung stellen, könnte man auf eine mobile App auch verzichten: kein Download, keine Anpassungsnotwendigkeit an verschiedene Betriebssysteme und Gerätetypen. Aber dass wäre jetzt ein anderes Thema…

Das Plattform-Konzept

Unter den Beispielen, die Christian Gries von guten Museums-Apps in seinem Artikel nennt, gibt es eines, das ich besonders interessant finde. Es handelt sich um die App des Smithsonian. Die Museums-App ist interessant vor allem deshalb, weil es keine Museums-App im klassischen Sinne ist, sondern eine Plattform für zahlreiche Institutionen. Würde es nach diesem Vorbild nicht Sinn machen, eine richtig flexible Plattform für Museen und museumsähnliche Institutionen zu verwenden? Die Plattform müsste sich dazu verpflichten, technisch barrierefrei zu sein und die Institutionen würden sich darauf konzentrieren können, was sie am bersten tun (sollten): Inhalte und Narrative. Kann vielleicht sogar auf europäischer Ebene so etwas angestoßen werden – vielleicht via Europeana?

Vor einigen Jahren sind viele Museen auf den Hype der Apps aufgesprungen und es endete meist nicht wirklich gut – bis hin zu sehr schlecht. Es gibt nämlich einen Unterschied dazwischen, aktuell zu bleiben oder statt dessen nur einem Hype zu folgen.

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Thema des Monats

Po… come on! Der Pokémon-Hype in Museen

Pokemon sind überall. Sie bevölkern die Social Media Plattformen von Museen und ähnlichen Institutionen. Doch warum? Einige behaupten, die Aussicht auf Pokemon lockt ein junges Publikum ins Museum. Dabei ist es etwas gewagt zu behaupten, dass die Spieler von Pokemon GO generell ein jüngeres Publikum darstellen. Die Spieler gehören eher zu vielen Altersgruppen. Dazu kommt, dass man zwar ständig Screenshots des Spiels in den digitalen Kommunikationskanälen von Kulturinstitutionen sieht, aber von noch keinem einzigen 15-Jährigen hat man bisher gehört, dass er gerne ins Museum gehen würde, um auf Pokemon-Jagd zu gehen.

Es bleibt also bei einem gewagten Versuch von Zielgruppenerweiterung seitens der Museen. Oder ist die berufliche Beschäftigung mit Pokemon GO vielleicht sogar nur eine Ausrede, um es während der Arbeitszeit zu zocken? Die Argumente von Museen, die bisher für eine positive Wirkung von Pokémon GO sprachen, sind zur Zeit eher schwach. Ich sehe wenige Institutionen, die aus dem Hype um Pokemon GO (es ist der Archetyp eines Hype) wirklich etwas gewinnen konnten. (Ausländische Museen, die deshalb einen Besucheranstieg vermelden, haben oft freien Eintritt.)

Draußen vor der Tür

Das erste Problem ist, Museen hierzulande kosten meist Eintritt. Könnt ihr euch daran erinnern, wie eure finanzielle Situation war, als ihr in dem Alter wart, als ihr ein Teil des „jüngeren Publikums“ wart? Geben Kids heute lieber Geld aus, um Pokemon im Museum zu jagen, statt sie gratis im Park (bei gutem Wetter) oder im Einkaufszentrum (bei schlechtem Wetter) zu fangen? Diese Art von Orten hat normalerweise eine größere Fläche als die meisten Museen und beinhaltet dazu noch häufiger PokeStops. Ergo, kann man dort mehr Distanz zum Eier brüten zurücklegen und mehr Boni bekommen. Museen haben hingegen ihre PokeStops meist vor der Tür: Oft ist es das Museum selbst und, wenn man Glück hat, die Kunst im öffentlichen Raum, die zum Museum gehört.

Als Museum wird man die Pokemon-Jäger eher an, aber nicht in das Gebäude locken können (oder höchstens ins Foyer). Und selbst dann würden sie wohl nicht bleiben. Denn um Pokemon GO zu spielen, hält man nur kurz an, wenn ein wildes Pokemon auftaucht. Sonst ist es besser, immer in Bewegung zu bleiben.

Die perfekte Museums-App?

Ist das alles Grund genug, um kostenlose Werbung für eine App in den Social Media Kanälen einer Kulturinstitution zu machen? Würde Pokemon GO aktiv etwas für die Kulturinstitutionen machen, wäre es etwas anderes. Aber ich glaube nicht, dass die App diese Art von PR braucht – oder dies kostenfrei tun wird.

Es liegt in der Natur eines Hype, dass er polarisiert. Pokemon GO wird, so wie es funktioniert, keine Massen an neuen zahlenden Besuchern in Museen locken. Eine offensive Werbung dafür könnte – weil es polarisiert – sogar auf einige Besucher irritierend wirken. Sollte Pokemon GO II irgendwann veröffentlicht werden, und es würde dann Missionen beinhalten, die durch das aufmerksame Laufen durch Ausstellungen gelöst werden können, könnte die App sogar die perfekte Museums-App werden (zwinker, zwinker). Aber so wie Pokemon GO im Moment ist, wird es wohl keine Revolution für Museen darstellen.

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Twitter des Monats

Research Wahlberg

Wissenschaftler sehen sich quasi täglich mit einer Reihe von Problemen konfrontiert. Zum Glück hat Marky Mark eine Antwort auf alles. Na gut, keine Antwort – aber zumindest ein GIF oder ein Meme.

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Instagram des Monats

Sankt Pauli Impressionen

Wer sich auf Instagram gerne Bilder von Hamburg ansieht weiß, dass es Unmengen an Accounts mit „hamburg“ oder „hh“ im Namen gibt. Die Hamburger sind alle ein bisschen verliebt in ihre Stadt – und das merk man besonders in Social Media. @sanktpauliimpressionen spielt aber in einer ganz anderen Liga. Er ist vielleicht nicht der künstlerischste und technisch perfekteste Account Hamburgs, aber er hat etwas, was wenige haben: Handschrift und Charakter. Hier werden nicht ausschließlich Motive gepostet, die man bereits tausend mal gesehen hat. Es werden zwar einige Klischees bedient, aber es wirkt authentisch und sympathisch. Mit @sanktpauliimpressionen möchte ich mal im Kiez ein Bier trinken gehen.

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Snapchat des Monats

Geir Ove Pedersen

Mit über 80.000 Followern bei Snapchat kann der Norweger wohl nicht mit der Reichweite einiger Stars mithalten. Trotzdem wird Pedersen in allen möglichen Empfehlungs-Listen geführt und arbeitete bei Snapchat schon mit diversen großen Marken zusammen. Seine Snaps sind kleine Kunstwerke, die zu schade sind, um nach 24 Stunden wieder zu verschwinden. Die gemalten Monster, skurrilen Tiere und Menschen in ungewöhnlichen Situationen findet man daher zum Glück auch bei Instagram.