Museen statt Tinder, Guerilla-Weglassen statt Stress und Cookie-Hinweise statt Langeweile

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 31, 09/2018

– Frage des Monats: Warum sind Museen besser als Tinder? –
– Thema des Monats: Guerilla-Weglassen –
– Twitter des Monats: Cookie-Hinweise –
– Instagram des Monats: Medieval Reactions –
– Tumblr des Monats: Hi-Fructose –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Warum sind Museen besser als Tinder?

 

Vergesst Tinder – die besten Dates findet man in einem Museum! Der Meinung ist zumindest Ashleigh Hibbins, übrigens selbst Museumsmitarbeiterin. Sie liefert gleich 5 gute (und hoffentlich, um Himmels Willen, nicht ernst gemeinte) Gründe, die für eine Verabredung mit Museumsmenschen sprechen:

 

  • 1) Museumsmitarbeiter machen spitzenmäßige Geschenke
    Alle zukünftigen Geburtstage, Weihnachten und Jahrestage werden eine wahres Feuerwerk der Aufmerksamkeiten, denn Museumsmitarbeiter sind nicht nur klug und überlegen sich deshalb immer passende Geschenke. Sie bekommen auch bekanntermaßen einen enormen Mitarbeiterrabatt in Museums-Shops und können deshalb Geschenke kaufen, die eigentlich mega-teuer sind. Fazit: Mit einem Museumsmitarbeiter wird man nie wieder ein hässliches, unpassendes oder billiges Geschenk bekommen – versprochen!

 

  • 2) Museumsmitarbeiter sind ultra-gut trainiert
    Grundsätzlich sind Museumsmitarbeiter natürlich sehr muskulös und fit wie ein Turnschuh. Natürlich sitzen Museumsmenschen keinesfalls den ganzen Tag am Computer. Nein, bei Museumsführungen laufen sie jeden Tag kilometerweit durch das Gebäude, was das Jogging überflüssig macht. Und beim Auf- und Abbau von Ausstellungen ersetzt das Heben und Schleppen von Objekten und Vitrinen jedes Krafttraining. Deshalb sind Museumsmitarbeiter sexy trainierte Supermenschen – und man sollte immer ein paar kennen, die für einen den Umzug erledigen können!

 

  • 3) Museumsmitarbeiter planen günstige Dates, die man sich leisten kann
    Wer sich mit einem Museumsmitarbeiter verabredet, kommt günstig davon. Zum einen wissen Menschen, die in einem Museum arbeiten, natürlich ALLES. Deshalb spart man sich z.B. den Stadtführer, wenn man einen Ausflug macht. Sie kennen außerdem die gesamte Kulturszene und wissen immer, wo etwas los ist – am besten mit freiem Eintritt. Aber auch wenn etwas Eintritt kostet, kommen sie doch eh umsonst oder vergünstigt überall rein – und das gilt natürlich auch für ihre Begleitung. Museumsmitarbeiter zu daten, das heißt bares Geld zu sparen!

 

  • 4) Museumsmitarbeiter sehen gut in Dienstkleidung aus
    Vergesst Feuerwehr, Polizei oder Flugpersonal: Die verführerischste Dienstkleidung sind natürlich Museumsmitarbeiter-Outfits. Egal ob es die einheitlichen Poloshirts von Museumsaufsichten sind, die Kittel der Restauratoren oder die Arbeitskleidung der Haustechniker – jeder weiß, dass keiner der Kleidung von Museumsmenschen widerstehen kann!

 

  • 5) Museumsmitarbeiter sind nicht oberflächlich
    Eines ist klar: Museumsmitarbeitern geht es nicht ums Geld. Wer reich werden will, wird Dachdecker, Schreiner oder Gas-Wasser-Installateur. Hallo, Handwerk hat sowas von goldenen Boden! Aber Museumsmitarbeiter sind bescheiden. Ihnen geht es nicht um den schnöden Mammon. Es geht ihnen um Selbstverwirklichung, um einen Beitrag zur Gesellschaft und um echte Werte. Wer sich mit einem Museumsmitarbeiter verabredet, kann sich sicher sein, dass sie keine oberflächlichen Blender sind, die mit ihrem Haus, Auto oder Boot angeben. Wer braucht schon einen reichen Partner?!

 

Neben all diesen Gründen FÜR das Date mit einem Museumsmitarbeiter, findet Ashleigh Hibbins übrigens noch einen wichtigen Grund, der GEGEN Museumsmenschen spricht: Nie wieder wird man einen Film genießen können. Weil Museumsmenschen bekanntlich ALLES wissen (siehe Punkt 3), analysieren sie die Handlung jedes Filmes zu Tode – egal ob es um Geschichte, Wissenschaft oder Politik geht. Wer kennt sie nicht, die allwissenden Filmkritiker, die in jedem Museumsmitarbeiter schlummern?

⇒ Ashleigh Hibbins, Museum Hack: 5 Reasons Why You Should Date a Museum Worker (And 1 Reason Why You Shouldn’t)


 

Thema des Monats

Das Guerilla-Weglassen

 

In ihrem Impuls-Vortrag „Keine Zeit für Neues! Das Alte ist schon mühsam genug!“ im Rahmen des stART.camp Hamburg am 21. September 2018 stellte Kathrin Passig das Konzept „Guerilla-Weglassen“ vor. Hintergrund ist, dass neue Ideen und Einfälle einen „freien Kopf“ benötigen. Oft stehen aber eine enorme Arbeitsüberlastung und Zeitmangel jeder Kreativität im Weg, neue Ideen zu entwickeln oder sich mit neuen Konzepten zu beschäftigen. Wo nimmt man aber nun die Zeit für Neues her? Eines ist klar: Wenn man wartet, bis man alles bisher Angefallene abgearbeitet hat, kommt man nicht weit. Das führt nur unweigerlich dazu, dass man sich immer fortwährend mit dem Alten befasst, anstatt sich Neuem zu widmen. Deshalb schlägt Passig vor, einfach mal etwas vom Alten wegzulassen – dann hat man Zeit für Neues.

 

Keine unbezahlten Überstunden mehr

Das „Guerilla-Weglassen“ knüpft an eine Idee von Jenny Pickerill an. Die Professorin an der University of Sheffield twitterte darüber, wie sie ihren Job in 37 bezahlten Stunden pro Woche schafft. Sie verrät: Sie schafft ihren Job als Professorin natürlich nicht in 37 Stunden. Sie ist aber auch nicht bereit, unbezahlt Überstunden zu machen. Also versucht sie, so viel wie möglich in der bezahlten Zeit zu schaffen. Ihre Tipps zum Zeitsparen:

  • Texte nur noch überfliegen, schnell Entscheidungen treffen und viele E-Mails löschen, ohne sie zu lesen (abhängig vom Betreff)
  • Vorbereitungszeit beschränken und in kurzer Zeit so effizient wie möglich sein
  • Dinge auf eine eigene Art umsetzen und nicht versuchen, sich an anderen zu orientieren
  • in ein Projekt nur so viel Zeit investieren, wie dafür bezahlt wird
  • sich nicht oft in Projekte anderer verwickeln lassen
  • Zeit für Aufgaben realistisch einplanen
  • Verwaltungsaufgaben auf das Notwendige reduzieren
  • Grenzen für bestimmte Aufgaben setzen, dann aufhören, wenn die Grenze überschritten ist
  • Aufgaben so trennen, dass diese sich nicht überlagern
  • mehr Zeit für positive Arbeitsaufgaben einplanen

 

„Guerilla-Weglassen“ in 12 Schritten

Bei Jenny Pickerill klingt schon an, dass sie viele Dinge in ihrem Arbeitsalltag komplett eliminiert hat oder bei anderen Dingen Zeit deutlich gekürzt hat. Doch wie schafft man das? Kathrin Passig stellt mit ihrem Konzept „Guerilla-Weglassen“ 12 Schritte vor, die dabei helfen sollen, im Arbeitsalltag Zeit für Neues zu finden:

  • Man muss sich zunächst zugestehen, Dinge weglassen zu dürfen.
  • Man sollte überlegen, was man weglassen könnte.
  • Ein bisschen Zeit für Neues ist besser als nichts.
  • Man sollte einen Plan haben, wie man seine Zeit einteilt.
  • Alles was man weglassen kann, sollte man weglassen.
  • Man sollte alles weglassen, was am Ende eh nie eingefordert wird.
  • Alles was automatisierbar ist, sollte man automatisieren.
  • Dinge, die sich verschieben lassen, sollte man verschieben. (Vielleicht kann man sie dann auch ganz weglassen.)
  • Nicht alles kann leichtfertig weggelassen werden. Bevor man etwas weglässt, muss man prüfen, ob es wirklich verzichtbar ist.
  • Entscheidungen zum Weglassen müssen gut begründet sein.
  • Man sollte sich mit Unfertigem anfreunden.
  • Alles, was an andere ausgelagert werden kann, muss man nicht selbst erledigen.

Gerade im Kulturbereich muss man eigentlich Zeit für Innovation und Neues finden. Die Methode „Guerilla-Weglassen“ ist vielleicht die letzte Rettung, für alle überarbeiteten Akteure in Museen, Theatern, Opernhäusern, Kulturvereinen & Co.

⇒ Zu den Folien von Kathrin Passig: Keine Zeit für Neues! Das Alte ist schon mühsam genug!


 

Twitter des Monats

Cookie-Hinweise

 

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Europäischen Datenschutzgrundverordnung, kurz EU-DSGVO. Cookie-Hinweise lauern nun an allen Ecken und ja, verdammt, wir akzeptieren sie alle! Schlimmer als die ständig aufploppenden Hinweise ist allerdings ihr Text, denn der ist leider immer recht langweilig. Zum Glück hat Gregor Weichbrodt mit einem Twitter-Bot nun Abhilfe geschaffen und versorgt jeden umsichtigen Website-Betreiber mit bezaubernden Cookie-Hinweis-Vorlagen.

Übrigens: „Wir verwenden Cookies, um Meerwasserkorrosion und das Ansetzen von Rankenfußkrebsen zu verhindern“

⇒ @cookiehinweise


 

Instagram des Monats

Medieval Reactions

 

Die Kunst des europäischen Mittelalters bildet oft die skurrilsten Szenen ab und eignet sich deshalb hervorragend für Memes. Ganz nach dem Vorbild der „Classical Art Memes“ kombiniert der Account @medievalreacts bei Instagram Kunstwerke mit aktuellen Situationen oder schreibt den abgebildeten Protagonisten überraschende oder witzige Aussagen zu. Längst gehen die Vorlagen des mittlerweile auf über 140k Follower gewachsenen Accounts übrigens über das Mittelalter hinaus. Heute werden Memes durch alle Epochen und Kunststile hinweg gepostet – von Caspar David Friedrich bis Fernando Botero.

⇒ @medievalreacts


 

Tumblr des Monats

Hi-Fructose

 

Das 2005 von den Künstlern Attaboy und Annie Owens gegründete Hi-Fructose Magazine ist eigentlich eine vierteljährlich erscheinende Print-Zeitschrift für Zeitgenössische Kunst. Bei Tumblr stellt Hi-Fructose regelmäßig aufstrebenden, aber auch bereits etablierte Künstler bzw. deren Werke in den Fokus. Von Graphiken über Skulpturen bis hin zu Gemälden, Digitalkunst und Fotografie sind alle Medien vertreten – perfekt um neue, ungewöhnliche Künstler weltweit zu entdecken.

⇒ Hi-Fructose Magazine

 


⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Street Art by Robi the Dog – Angelika Schoder, Basel 2018

5 Gedanken zu „Museen statt Tinder, Guerilla-Weglassen statt Stress und Cookie-Hinweise statt Langeweile

  1. Ulrike Kroll Antworten

    Klasse! Ich habe mich sofort bei Tinder abgemeldet und werde mich mal wieder im Steinzeitpark-dithmarschen.de nach einem passenden Exemplar umsehen, mit dem ich dann guerillamässig alles Überflüssige weglassen kann 🙂

  2. Pingback: Kultur-News KW 39-2018 - Kultur - Geschichte(n) - Digital

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